Sprengel Ostfriesland-Ems, KK Norden | Patrozinium: Johannes | KO: Ostfriesische KO von 1716

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Orts- und Kirchengeschichte

Rechtsupweg entstand in preußischer Zeit als Moorkolonie östlich von Marienhafe. Die ersten Siedler ließen sich hier 1769 nieder. Der ursprüngliche Wegename lässt sich ab 1805 als Ortsname nachweisen (Commune, später Colonie Rechtsupweg).1 In französischer Zeit gehörte die Ortschaft ab 1807 zum Kgr. Holland und ab 1810 zum Kaiserreich Frankreich (Département Ems-Oriental, Arrondissement Aurich, Kanton Norden). Ab 1813 zählte der Ort wieder zum Amt Norden, zunächst im Kgr. Preußen, ab 1815 im Kgr. Hannover und nach der Annexion von 1866 erneut im Kgr. Preußen. Nach der Vereinigung der Ämter Berum und Norden im Jahr 1859 war anfangs Berum Sitz und Namensgeber des Amtes, seit 1869 dann Norden. Bei Einführung der Kreisverfassung kam Rechtsupweg 1885 zum Lkr. Norden, der 1977 im Lkr. Aurich aufging. Zusammen mit den Gemeinden Leezdorf, Marienhafe, Osteel, Siegelsum und Tjüche gründete Rechtsupweg 1969 die Samtgemeinde Brookmerland (erweitert 1969 um Upgant-Schott, 1971 um Wirdum, 1972 wurde Siegelsum nach Upgant-Schott und Tjüche nach Marienhafe eingemeindet). Im Jahr 1974 arbeiteten etwa zwei Drittel der werktätigen Bevölkerung Rechtsupwegs auswärts.2 Im Jahr 1812 lebten rund 260 Menschen in Rechtsupweg, 1905 etwa 890, 1950 gut 1.400 und 2018 knapp 2.070.

Glockenturm, dahinter Kirche, Ansicht von Südwesten, 2020, Foto: Fritz Fröse

Glockenturm, dahinter Kirche, Ansicht von Südwesten, 2020, Foto: Fritz Fröse

Kirchlich gehörte Rechtsupweg zunächst zur KG Marienhafe. Seit 1906 fanden monatliche Wochentagsgottesdienste in Rechtsupweg selbst statt, wobei das Abendmahl Alten und Kranken vorbehalten blieb. Alle anderen Gemeindeglieder sollten zur Abendmahlsfeier nach Marienhafe kommen.3 Mitte der 1920er Jahre plante die Gemeinde, in Eigenleistung eine kleine Kapelle zwischen Leezdorf und Rechtsupweg zu erbauen, konnte das Vorhaben jedoch nicht verwirklichen. Im Jahr 1928 erwarb die KG ein Gelände für Kirche und Friedhof in Rechtsupweg. 1931 jedoch musste der geplante Kapellenbau zurückgestellt werden, da „in der Gemeinde Marienhafe zur Zeit zwischen Kirchenvorstand und gerade dem Rechtsupweger Teile der Gemeinde Spannungen bestehen, die zu der Erklärung der Rechtsupweger geführt haben, dass sie in ihrem Orte keine Kirche haben wollen.“4
Anlässlich der Visitation der KG Marienhafe 1955 merkte der Sup. des KK Emden an, die kirchliche Verselbständigung der Moorsiedlung müsse nun „ernsthaft ins Auge gefasst werden“: Zum Gottesdienst in Marienhafe kämen kaum noch Gemeindeglieder aus Rechtsupweg, aber die monatlichen Gottesdienste (seit 1959 alle zwei Wochen) in der dortigen Schule seien verhältnismäßig gut besucht.5 Die grundsätzliche Entscheidung über den Zuschnitt der neuen Gemeinde und den Bau der Kirche fiel 1959.6 Vier Jahre später folgte die Grundsteinlegung und zum 1. Januar 1964 gründete sich die „Ev.-luth. Johannes-Kirchengemeinde Rechtsupweg“. Die pfarramtliche Verbindung mit Siegelsum ging genauso auf die neue KG über wie die erste Pfarrstelle der KG Marienhafe.7 P. Hinrich Schoon (amt. 1963–1980) war der erste Inhaber der Pfarrstelle in Rechtsupweg. Am dritten Advent 1964 feierte er zusammen mit der Gemeinde die Einweihung der Johanneskirche. Im gleichen Jahr hatte sich ein Kirchenchor zusammengefunden, ein Jahr später ein Posaunenchor. Seit Mitte der 1970er Jahre unterhielt die Gemeinde eine Partnerschaft mit der sächsischen Kirchgemeinde Markersbach bei Bad Gottleuba.
Bei den Visitationen der neuen Gemeinde zeigten sich die Superintendenten des KK Emden regelmäßig erfreut über die Entwicklung in Rechtsupweg: „Hier ist die Kirche nämlich zu den Menschen gekommen und hat noch gerade rechtzeitig ihren Platz in der Mitte eines aufblühenden Gemeinwesens gefunden“ heißt es 1980 resümierend.8

Umfang

Die Ortschaft Rechtsupweg sowie Teile der Ortschaften Tjüche und Osterupgant.

Aufsichtsbezirk

Mit Gründung der KG 1964 zum KK Emden. Zum 1. Januar 2013 in den KK Norden umgegliedert.9

Kirchenbau
Kirche, Blick zum Altar, Foto: Fritz Fröse, 10.01.2020

Kirche, Blick zum Altar, Foto: Fritz Fröse, 10.01.2020

Rechteckiger, ziegelverblendeter Stahlbetonskelettbau, errichtet 1963/64 (Architekt: Gerald Marquardt, Norden). Satteldach; an Nordseite hochliegende Rechteckfenster unterhalb der Dachtraufe, Fensterfläche an Südseite (Altarraum), fünfeckiges Fenster an westlicher Giebelseite; Haupteingang im Westen. Im Innern zwei bis zum First reichende, holzverschalte Deckenflächen; Westempore; steinsichtige, hell geschlämmte Wände; Altarwand aus roten Ziegelsteinen mit abstraktem Ziegelsteinmosaik „Das himmlische Jerusalem“ (Max Hermann, Oldenburg).

Fenster

Das wandfüllende Südfenster im Altarraum, die Nordfenster im Schiff und das Westfenster sind als abstrakte Buntglasfenster gestaltet (Max Hermann, Oldenburg).

Turm

Freistehender, offener Turm westlich der Kirche, zwei verklinkerte Stahlbetonwände, dazwischen Glockenstube mit horizontalen Schallschlitzen. Satteldach, bekrönt mit Kugel und Schwan (Max Hermann, Oldenburg); Uhrziffernblätter an Giebelseiten. Pergola verbindet Turm und Hauptportal der Kirche

Ausstattung

Gemauerter Altar (1971/72, Max Hermann, Oldenburg). – Niedrige, gemauerte Kanzel (1971/72, Max Hermann, Oldenburg). – Bronzenes Taufbecken (1964, Marie-Louise Ahlhorn-Packenius, Oldenburg). – Bronzenes Lesepult (1964, Marie-Louise Ahlhorn-Packenius, Oldenburg). – Ehemalige Ausstattung: Schlichter Altartisch aus Eschenholz (1964). – Niedrige Kanzel aus Eschenholz (1964).

Kirche, Blick zur Orgel, Foto: Fritz Fröse, 10.01.2020

Kirche, Blick zur Orgel, Foto: Fritz Fröse, 10.01.2020

Orgel

Gebaut 1966 von der Firma Alfred Führer (Wilhelmshaven), 7 I/aP, mechanische Traktur, Schleifladen. Umintonation 1975, ausgeführt von Alfred Führer (Wilhelmshaven).10

Geläut

Drei LG, I: g’, Inschrift: „Jesus Christus spricht: Ich bin die Auferstehung und das Leben“ und „Joh. 11/25“; II: c’’, Inschrift: „Lasset uns freuen und fröhlich sein und ihm die Ehre geben!“ und „Offb. Joh. 19/7“; III: d’’, Inschrift: „Sehet, welch eine Liebe hat uns der Vater erzeigt, daß wir Gottes Kinder sollen heißen!“ und „1 Joh. 3/1“ (alle Bronze, Gj. 1964, Firma Rincker, Sinn), auf allen drei Glocken außerdem Inschrift: „Anno Domini MCMLXIV“, Bild: Johannesadler.

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (Bj. 1963). – Gemeindehaus (Bj. 1968, erweitert 1997–99).

Friedhof

Kirchlicher Friedhof bei der Kirche, angelegt 1964, erste Beerdigung 1965, FKap (Bj. 1986/87).

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 8/Rechtsupweg (CB); D 51 (EphA Emden); L 5i Nr. 204–205 (LSuptur. Aurich); S 11a Nr. 8211 (Findbuch PfA).

Literatur

A: Otte/Rohde, Ostfriesland II, S. 507.
B: 25 Jahre Johanneskirche Rechtsupweg, [Rechtsupweg 1989]; 40 Jahre Johanneskirche Rechtsupweg. „Uns Kark fiert“, [Rechtsupweg 2004]; Kirchenführer Rechtsupweg, hrsg. von der Ev.-luth. Kirchengemeinde Rechtsupweg, Rechtsupweg 2004; Reinhard Former: Auch „Links up Weg“ ist heute Rechtsupweg. Ein Ortsporträt, in: Ostfriesland-Magazin 8/2002, S. 111–115; Peter Seidel: Rechtsupweg, in: Historische Ortsdatenbank für Ostfriesland, 12.08.2019.

GND

1053985835, Evangelisch-Lutherische Johannes-Kirchengemeinde Rechtsupweg; 1095798871, Johanneskirche (Rechtsupweg)

Vielen Dank an Rainer-Jörg Oldewurtel für hilfreiche Anmerkungen zu diesem Artikel und an Fritz Froese für Fotos der Kirche.


Fußnoten

  1. Seidel, [S. 1].
  2. LkAH, L 5i, Nr. 204 (Visitation 1974).
  3. Seidel, [S. 3].
  4. LkAH, D 51, RepA.Spec.Mar.511.A (Sup. Blanke an Regierungsbaumeister a. D. Berck, 13.01.1931).
  5. LkAH, L 5i, Nr. 229 (Visitationen 1955 und 1960).
  6. LkAH, B 2 G 9 B/Rechtsupweg Bd. I, Bl. 10 f.
  7. KABl. 1964, S. 11.
  8. LkAH, L 5i, Nr. 204 (Visitation 1980).
  9. KABl. 2013, S. 31.
  10. LKA, G 9 B/Rechtsupweg Bd. I, Bl. 49.