Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich Alfeld | Patrozinium: Johannes der Täufer | KO: Calenberger KO von 1569

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Orts- und Kirchengeschichte

Die erste schriftliche Erwähnung Königsdahlums findet sich vermutlich in einer Urkunde Ks. Ottos I., die dieser 936 in Taleheim ausstellen ließ (der Name Königsdahlum etablierte sich erst im 19. Jh.).1 Die Ausstellungsorte mehrerer Kaiserurkunden Ottos lassen sich seiner Pfalz im Ambergau zuordnen (938: Tulehem2, 941: Dalahem3, 945 Talehum4, 945 Dalahem5, 950 Dalaheim6). Ks. Otto III. verschenkte das castellum Dalehem 1001 an Bf. Bernward von Hildesheim.7 Die Besitzübertragung scheint jedoch nicht von Dauer gewesen zu sein, denn 1009 übertrug der spätere Ks. Heinrich II. den curtem Daleheym an das Stift Gandersheim.8 Bauliche Reste der Pfalz haben sich nicht erhalten. Noch bis in die zweite Hälfte des 14. Jh. war Königsdahlum als Gandersheimer Lehen im Besitz der Grafen von Wohldenberg.9 In der zweiten Hälfte des 14. Jh. kam die Landesherrschaft an das Hochstift Hildesheim (Gericht Wohldenstein), das Stift Gandersheim blieb jedoch wesentlicher Grundbesitzer.10 Nach Ende der Hildesheimer Stiftsfehde (1519-1523) fiel das Gericht Wohldenstein an das welfische Teilfsm. Braunschweig-Wolfenbüttel, neuer Amtssitz wurde Bilderlahe. Erst 1643 kam das nunmehrige Amt Bilderlahe mit der Restitution des Großen Stifts wieder unter hildesheimische Herrschaft. Nach den Bestimmungen des Reichsdeputationshauptschlusses fiel das gesamte Gebiet des Hochstifts Hildesheim 1803 an Preußen. In der Zeit des französischen Satellitenkgr. Westphalen (1807-1813) gehörte Königsdahlum zum Kanton Bockenem im Distrikt Goslar des Departements Oker. 1815 kam der Ort, nun im Kgr. Hannover, zunächst wieder zum Amt Bilderlahe, später zum Amt Bockenem. Seit der Annexion von 1866 wieder preußisch kam Königsdahlum 1885 zum neuen Lkr. Marienburg (1946 Lkr. Hildesheim-Marienburg, 1977 Lkr. Hildesheim). 1974 wurde der Ort in die Stadt Bockenem eingemeindet. Königsdahlum war ein landwirtschaftlich geprägtes Dorf, in dem die Zahl der Industriearbeiter, die in den umliegenden Orten beschäftigt waren (Bockenem, Bornum) seit etwa 1900 anstieg. Die Bahnlinie wurde 1996, die Poststelle 1997 geschlossen.11 Königsdahlum hatte Mitte des 17. Jh. etwa 200 Einwohner, 1905 knapp 470, nach dem Zuzug Geflüchteter nach Ende des Zweiten Weltkriegs 1950 gut 900 und 2015 gut 370.

Orgel, 1974

Orgel, 1974

Die Kirche in Königsdahlum ist erstmals 1167 belegt, als der Kölner Erzbischof Rainald von Dassel der Gandersheimer Äbtissin Adelheid IV. den Kleriker Richmann als Pfarrer für die ecclesiam in Daleheim empfahl.12 Daneben besaß auch die ehemalige Kaiserpfalz ein Gotteshaus (Marienkapelle) und als Papst Innozenz III. 1206 die Gandersheimer Rechte bestätigte, ist in der entsprechenden Urkunde vom castrum Dalem cum ecclesiis (also Burg Dahlum mit den Kirchen) die Rede.13 Die Burgkapelle auf dem Dahlumer Königshof ist möglicherweise als früheste kirchliche Gründung im Ambergau anzusehen.14 An vorref. Geistlichen lassen sich 1256 Lutbert zu Dahlum und 1344 Dietrich von Bornum, Pfarrer zu Dahlum, nachweisen.15 Nachdem die Truppen des prot. Schmalkaldischen Bundes den kath. Hzg. Heinrich den Jüngeren von Braunschweig-Wolfenbüttel 1542 vertrieben hatten, setzten Kfs. Johann Friedrich von Sachsen und Lgf. Philipp von Hessen eine Statthalterregierung ein, die in dem besetzten Fsm. Braunschweig-Wolfenbüttel die Reformation einführen sollte. Johannes Bugenhagen, Martin Görlitz und Antonius Corvinus visitierten im gleichen Jahr die Gemeinden des Fsm., um die einzelnen Pfarrer zu begutachten; 1543 erschien die Christlike kerken-ordening im lande Brunschwig, Wulffenbüttels deles, die Corvinus und Görlitz verfasst hatten; 1544 fand eine weitere Generalvisitation statt.16 Nach den Visitationsprotokollen war seinerzeit Hennig Boden (amt. 1542/44) verus Pastor in Dahlum.17 Nach Rückkehr des kath. Hzg. Heinrich und dessen Versuchen, das Fsm. zu rekatholisieren, feierte P. Bartholomäus Rosenbusch (amt. bis 1565) vermutlich wieder kath. Messen in Königsdahlum. Heinrichs Sohn und Nachfolger Hzg. Julius, der 1568 die Regierung übernahm, führte im gleichen Jahr erneut die luth. Lehre im Fsm. Braunschweig-Wolfenbüttel ein, ließ die Gemeinden wiederum visitieren und erließ 1569 die später sogenannte Calenberger Kirchenordnung.18 P. Rosenbusch hatte die Pfarre Königsdahlum 1565 an den Sohn des Bilderlaher Amtmannes, den erst 17jährigen Wolfgang Sturz (amt. 1565/73-1611) übergeben. P. Sturz bestand 1573 sein theologisches Examen und wurde dann als Pfarrer von Bornum (heute Landeskirche in Braunschweig) und Dahlum eingeführt; in der Zwischenzeit hatten verschiedene Vertreter Königsdahlum betreut.19 Die pfarramtliche Verbindung mit Bornum, mitunter bezeichnen die Quellen Königsdahlum auch als Tochtergemeinde Bornums, blieb auch bestehen, als Königsdahlum 1643 zurück an das Hochstift Hildesheim kam, Bornum aber weiterhin zu Braunschweig-Wolfenbüttel gehörte. Anfang des 18. Jh. heißt es in einer Beschreibung der ev. Dörfer im Hildesheimischen über Dahlum: „Es ist aber das Predig-Ambt an diesen Orte einem Prediger sehr beschwerlich weil derselbe alle Sonntag auf der matre [Bornum], und filia [Königsdahlum] zugleich predigen, und mit dem Anfange des Gottesdienstes alternieren muß.“20
1832/33 erwarb der Hannoveraner Kg. vom Braunschweiger Hzg. das Patronat über die Kirche in Königsdahlum und die Kirchenverwaltung wies die Gemeinde dem Inhaber der zweiten Pfarrstelle in Bockenem zu.21 In den Jahren von 1880 bis 1898 betreute der Sup. von Bockenem die Gemeinde in Königsdahlum, von 1930 bis 1942 war sie mit Nette und Upstedt verbunden. Die Gemeinde lehnte „die Verbindung mit Nette-Upstedt“ jedoch ab, die Betreuung von Bockenem aus sei „das allein Richtige“.22 Die Kirchenverwaltung folgte diesem Wunsch und nachdem Königsdahlum von 1945 und 1947 mit dem Ostpfarrer Helmut Marten (amt. 1945-1970) zum ersten Mal seit dem 16. Jh. wieder einen eigenen Geistlichen gehabt hatte, übernahm P. Marten 1948 auch die zweite Pfarrstelle in Bockenem.23
Hatte sich der Sup. bei der Visitation 1937 noch recht positiv über die Gemeindeglieder geäußert – „Der Kirchenaustrittsbewegung, die sich auch in unserer Gegend geltend zu machen beginnt, stehen sie ablehnend gegenüber“24 – fiel das Urteil 1951 deutlich kritischer aus. Königsdahlum könne im Moment „nicht als kirchliche Gemeinde angesehen werden. Materialismus und Indifferentismus spielen eine Rolle.“25 Eine Intensivierung und Belebung des Gemeindelebens erfuhr Königsdahlum seit Ende der 1950er Jahre: 1958 hatte die Gemeinde das ehemalige Schulgebäude übernehmen können und später zum Gemeindehaus umgebaut. „Damit ist die Voraussetzung für Gemeindearbeit gegeben“, schrieben KV und Pastor 1960 an das Landeskirchenamt.26 Von 1997 bis 2001 zählte Hary als dritter Kirchort zum gemeinsamen Pfarramt Bockenem-Königsdahlum.27
Neben den monatlichen Gottesdiensten lädt die KG Königsdahlum seit 2012 jeden Freitag zur Andacht „5nach6“ ein. Zusammen mit der Gemeinde St. Pankratius in Bockenem und den kath. Gemeinden in Bockenem und Bornum gibt die KG zudem einen oekumenischen Gemeindebrief heraus.

Umfang

Königsdahlum.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Bockenem der Diözese Hildesheim. – 1542/44 zur Insp. Gandersheim, 1568/69 zur Insp. Seesen.28 Seit etwa 1650 Insp. der Ämter Wohldenberg und Bilderlahe (ohne festen Superintendentursitz).29 1833 zur Insp. (1924: KK) Bockenem. Zum 1. April 1976 fusionierte dieser mit KK Hoheneggelsen, zum 1. Januar 1978 umbenannt in KK BockenemHoheneggelsen.30 1. Januar 2005 KK Hildesheimer Land, Amtsbereich Elze.31

Patronat

Das Kloster Gandersheim, nachweislich ab 1206,32 nach Aufhebung des Klosters (1803) Hzg. von Braunschweig, 1833 der Landesherr (Kg. von Hannover, ab 1866 Kg. von Preußen, bis 1871).

Kirchenbau

Saalkirche aus verputztem Bruchsteinmauerwerk, an Nordseite Inschriftenstein mit undeutlicher Jahreszahl (1524 oder 1575), an Südseite Inschriftenstein mit Jahreszahl 1749. Im Innern flache Balkendecke, L-förmige Empore. Renovierung Mitte 19. Jh. Neuausmalung 1934. Neugestaltung Innenraum 1974 (Südempore entfernt, Ostempore und Kanzel über dem Altar entfernt, neue Decke).

Turm

Mittelalterlicher, querrechteckiger Westturm mit rundbogigen Schallöffnungen, nach Westen und Osten gekuppelt, nach Norden und Süden einzeln. Verkupfertes Walmdach mit Dachreiter, vier Uhrziffernblätter. 1906 Turm erhöht und Dachreiter erbaut, Dach bis 1968 verschiefert.

Ausstattung

Dreiteiliges Altarretabel, in der Mitte Kreuzigungsszene, auf den seitlichen Feldern Auferstehung und Himmelfahrt (1974 restauriert). – Hölzerne Kanzel rechts im Altarraum (bis 1974 vor Ostempore über Altar). – Gemälde mit biblischen Szenen an Emporenbrüstungen. – 1887 besaß die Kirche einen „nicht sehr alten“ Taufengel.33

Orgel

Neubau vor 1738 von Johann Wilhelm Gloger (Northeim), 7 I/–, mechanische Traktur, Schleifladen. 1858/59 von Conrad Euler (Gottsbüren) erweitert auf 13 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen; Instrument von Nordostecke der Kirche auf Westempore umgesetzt. 1881 Erweiterung und Umdisponierung, ausgeführt von August Schaper (Hildesheim), 15 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1917 Prospektpfeifen ausgebaut und zu Kriegszwecken abgegeben. Zustand 1926: 13 I/P. 1982 Renovierung, ausgeführt von Schmidt & Mappes (Hannover), 16 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Zwei LG, I: e’, Inschrift: „Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit“ (Bronze, Gj. 1958, Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg); II: g’, (Eisen, Gj. 1923, Weule, Bockenem). – Eine SG (Bronze, Gj. 1993). – Früherer Bestand: 1887 drei neue LG (alle Bronze), die zwei größeren LG 1917 zu Kriegszwecken abgegeben, kleine Glocke 1923 abgegeben, da Ton nicht zu neuen Klanggussglocken passte. Zwei neue LG (Eisen, Gj. 1923, Weule, Bockenem): Inschrift auf der größeren Glocke: „Anno 1917 nahm der Krieg die Bronzeglocken, anno 1923 erwarb uns die Gemeinde für 154 Zentner Roggen“ und „O Land, Land, Land, höre des Herren Wort“, 1958 mit heutiger LG I ersetzt. Eine SG a’’ (Eisen), 1993 durch neue ersetzt, da „total verrostet“.34

Friedhof

Im Eigentum der KG, FKap (Bj. 1963/64, finanziert von politischer Gemeinde, Eigentum der KG).

Weitere kirchliche Gebäude

Gemeindehaus (Bj. um 1850, ehemalige Schule, zweistöckiger Fachwerkbau mit Krüppelwalmdach, teilweise vermietet, saniert 1972).

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 1 Nr. 6671-6678 (Pfarroffizialsachen); A 9 Nr. 1321-323 (Visitationen); S 11a Nr. 7098 (Findbuch PfA).

Literatur

A: Blume, Beiträge, S. 25-28; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 807; Günther, Ambergau, S. 373-376 und 453-465; Meyer, Pastoren II, S. 31; Pape, Schaper, bes. S. 313-315; Siebern/Kayser, KD Kr. Marienburg, S. 99-102.
B: Gustav Philipps: Königsdahlum, in: Johannes Koch und Gustav Philipps (Bearb.): Die Dörfer Königsdahlum und Wohlenhausen (= Die Ortschaften des Ambergaus im Jahre 2005), Bockenem [2005], S. 3-120.


Fußnoten

  1. MGH DD O I 5. Die Zuordnung der älteren Belege ist wegen des uneindeutigen Ortsnamens schwierig, vgl. u. a. auch Mönchslisten II, S. 204.
  2. MGH DD O I 19.
  3. MGH DD O I 36.
  4. MGH DD O I 67.
  5. MGH DD O I 73.
  6. MGH DD O I 116.
  7. UB HS Hildesheim I, Nr. 42; MGH DD O III 390.
  8. MGH DD H II 206.
  9. Blume, Beiträge, S. 26.
  10. Günther, Ambergau, S. 462.
  11. Philipps, S. 25.
  12. Hahn, Collectio I, S. 206, Nr. VIII.
  13. Harenberg, Historia, S. 738 ff., Nr. 6.
  14. Klaube, 1000 Jahre, S. 13.
  15. Lüntzel, Ältere Diözese Hildesheim, S. 270.
  16. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,1, S. 4 und 22 ff.; Butt, Herrschaft, S. 42 ff.
  17. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 210.
  18. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,1, S. 5 und 83 ff.
  19. Meyer, Pastoren II, S. 31; Spanuth, Quellen, S. 275.
  20. Evangelischer Kirchenstaat, S. 111.
  21. Philipps, S. 30 f.; Meyer, Pastoren II, S. 31.
  22. LkAH, L 5h, unverz., Königsdahlum, Visitation 1944.
  23. LkAH, L 5h, unverz., Königsdahlum, Visitation 1957.
  24. LkAH, L 5h, unverz., Nette – Upstedt – Königsdahlum, Visitation 1937.
  25. LkAH, L 5h, unverz., Königsdahlum, Visitation 1951.
  26. LkAH, B 2 G 9/Königsdahlum Bd. I, Bl. 21 und 29 (Zitat).
  27. KABl. 1997, S. 138; KABl. 1999, S. 203; KABl. 2001, S. 64.
  28. Reller, Kirchenverfassung, S. 111 f., 165 und 220.
  29. Meyer-Roscher, Streiflichter, S. 123.
  30. KABl. 1977, S. 36 und 145.
  31. KABl. 2005, S. 5 ff.
  32. Harenberg, Historia, S. 738 ff., Nr. 6.
  33. Günther, Ambergau, S. 465.
  34. LkAH, L 5h, Bockenem, Visitation 1993.