Frühere Gemeinde | KapG der KG Elliehausen | Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Göttingen-Münden, Amtsbereich Göttingen | Patrozinium: Katharina1 | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte

Urkundlich ist das Dorf erstmals 1207 als Buren belegt.2 Bei den vermeintlich älteren Nennungen aus dem 12. Jh. handelt es sich um Fälschungen aus dem 13. Jh.3 Die Variante Knutbueren erscheint erstmals 1399 (Luttekenburen 1399, Alten Buren 1566). Die Landesherrschaft lag bei den welfischen Hzg. zu Braunschweig-Lüneburg: Seit der Dreiteilung des welfischen Teilfsm. Braunschweig-Wolfenbüttel um 1291 zählte Knutbühren zum neuen Teilfsm. Göttingen.4 Nachdem die Göttinger Linie der Welfen mit Hzg. Otto Cocles († 1463) in männlicher Linie ausgestorben war, wurde das Territorium 1495 bzw. 1512 Teil des Fsm. Calenberg-Göttingen („Kernlande Hannover“, 1692: Kfsm. Braunschweig-Lüneburg bzw. Kurhannover); Knutbühren war Teil des Amtes Harste und unterstand im 16./17. Jh. dem Gericht Leineberg (bis 1665).5 In französischer Zeit gehörte das Dorf von 1807 bis 1813/14 zum Kgr. Westphalen (Kanton Harste, Distrikt Göttingen, Leine-Departement). Seit 1815 zählte Knutbühren, nun im Kgr. Hannover, wieder zum Amt Harste, kam bei dessen Auflösung 1823 zum Gericht Leineberg, aus dem 1831 das Amt Göttingen hervorging. Mit der Annexion des Kgr. Hannover fiel Knutbühren 1866 an das Kgr. Preußen. Bei Einführung der Kreisverfassung 1885 kam der Ort zum Lkr. Göttingen (neugebildet 1973 und 2016). 1973 wurde Knutbühren nach Göttingen eingemeindet. Der Ort behielt seinen dörflichen Charakter. Um 1810 lebten gut 120 Menschen in Knutbühren, 1960 fast 140 und 2019 rund 155.
Das älteste Zeugnis der Kirchengeschichte Knutbührens ist der Turm der Kapelle, der im Kern aus mittelalterlicher Zeit stammt. Einzelheiten zur Baugeschichte sind nicht bekannt; das heutige Kapellenschiff entstand in der ersten Hälfte des 19. Jh. Knutbühren war vermutlich bereits in vorref. Zeit eine Tochtergemeinde von Elliehausen. Die Kirche Elliehausen stand nach 1519/20 unter dem Patronat der Familie von Hardenberg, später kam das Patronat an die Familie von Adelebsen (bis 1957).
Der erste luth. Geistliche an der Kirche Elliehausen und der Kapelle Knutbühren war P. Zacharias Kempe (amt. 1553–1580). Im Protokoll der Visitation von 1588 ist vermerkt, der Elliehäuser Pfarrer predige „in Knutbühren viermal das Jahr“.6 Im Jahr 1828 ließ die Gemeinde ihre Kapelle erneuern und das Schiff neu errichten (erste Planzeichnungen stammen von 1820). Die neue Kapelle ist „für die Region ungewöhnlich früh in neugotischen Stilformen gestaltet“.7 In der ersten Hälfte des 20. Jh. fanden jährlich sechs Gottesdienste in der Kapelle Knutbühren statt.8
Drei der vier 1933 neu gewählten Kapellenvorsteher waren Mitglieder der NSDAP, jedoch keine Deutschen Christen; P. Rudolf Utermöhlen (amt. 1933–1949) gehörte kirchenpolitisch zur Hannoverschen Bekenntnisgemeinschaft, wie er im „Fragebogen zur Geschichte der Landeskirche von 1933 bis Kriegsende“ angab.9
1965 bat der KapV Knutbühren das Landeskirchenamt, die KapG mit ihren knapp 130 Gemeindegliedern in die KG Hetjershausen umzupfarren: Wegen der „verkehrstechnischen Lage“ könnten Vorkonfirmanden und Konfirmanden leichter dorthin kommen als nach Elliehausen. Noch im gleichen Jahr übernahm Pfv. Herbert Meyer (amt. 1965–1972) aus Hetjershausen wunschgemäß die geistliche Versorgung Knutbührens.10
Zum 1. Juli 1974 schied die KapG Knutbühren aus dem Kirchspiel Elliehausen aus und fusionierte mit den KG Groß Ellershausen und Hetjershausen zur neuen St.-Marien-KG Hetjershausen.11

Kapellenbau

Kleiner, gotisierender Rechteckbau, errichtet 1828. Satteldach mit Walm nach Osten. Bruchsteinmauerwerk, Fenstergewände aus Sandstein. Je zwei spitzbogige Sprossenfenster nach Norden und Süden.12 Im Innern flache Decke, über dem Altarraum Deckenbild mit Taube; Westempore. 1970 Dach neu gedeckt.

Turm

Vierseitiger Westturm mit vierseitigem Pyramidendach, bekrönt mit Kugel und Wetterfahne, im Kern mittelalterlich. Bruchsteinmauerwerk, Sandsteinquader an den Westecken, Fenster- und Türgewände aus Sandstein. Großes Spitzbogenfenster nach Westen, drei kleine Schlitzfenster und Spitzbogenportal nach Süden; nach Norden in etwa acht Metern Höhe vermauerte Öffnung (Tür?). 1971 Dach neu gedeckt.

Vorgängerbau

Mittelalterliche Kapelle mit schiefwinkligem Grundriss, wohl Massivbau.13 1828 Kirche bis auf den Turm abgebrochen und durch Neubau ersetzt.

Ausstattung

Gotisierende, fünfachsige Kanzelaltarwand aus Holz (wohl 1828), weiß gefasst; verziert mit Doppelfialen und schlichtem Maßwerk; polygonaler Kanzelkorb mit kielbogenförmiger Rückwand; seitliche, spitzbogige Durchgänge; kastenförmiger Altar mit seitlichen Schranken; vor den äußeren Achsen der Kanzelaltarwand durchfensterte, ebenerdige Priechen (Sakristei). – Ebenerdige Kanzel mit hölzerner Brüstung. – Hölzerner Taufständer.

Orgel

Positiv, erbaut 1933 von Paul Ott (Göttingen), 6 I/–, mechanische Traktur, Schleifladen (Opus 5), 1935 angekauft und in Knutbühren aufgestellt. 1955 Änderung der Disposition, Paul Ott (Göttingen), 6 I/–, mechanische Traktur, Schleifladen. 1980 Änderung der Disposition, Martin Haspelmath (Walsrode), 6 I/–, mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Zwei LG, I: d’’; II: e’’ (beide Bronze, Gj. 1976, Petit & Gebr. Edelbrock, Gescher). – Früherer Bestand: Eine kleine LG (Bronze), 1951 in Zahlung gegeben, hing 1970 in einer Kapelle in Hoheneggelsen. Zwei LG (Eisenhartguss, Gj. 1951, J. F. Weule, Bockenem), 1976 abgenommen und vor der Kapelle aufgestellt.

Friedhof

Ehemaliger kirchlicher Friedhof bei der Kapelle, angelegt 1617 (Beerdigungen zuvor in Elliehausen).14 1867 bis 1894 neuer Friedhof außerhalb des Dorfes genutzt, danach Beisetzungen wieder bei der Kapelle. 1928 neuer Friedhof westlich außerhalb des Dorfes angelegt, Eigentum der Realgemeinde Knutbühren.

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 1 Nr. 3043–3046 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 283 (Spec. Landeskons.); A 8 Nr. 118 Digitalisat; E 5 Nr. 620 (Konsistorialbaumeister); S 11a Nr. 7428 (Findbuch PfA); S 11a Nr. 8140 (Findbuch EphA).

Kirchenbücher

Kommunikanten: ab 1805
Im Übrigen siehe Elliehausen; Begräbnisse erst seit 1638.

Literatur & Links

A: Bielefeld, Orgeln, S. 312–316; Casemir/Ohainski/Udolph, Ortsnamen Lkr. Göttingen, S. 239–240; Rüttgerodt-Riechmann, Denkmaltopographie Göttingen, S. 117–118.

B: Werner Buss: Das Dorf am Rande der Stadt. Knutbühren. Göttingens kleinster Ortsteil, in: Göttinger Jahresblätter 11 (1988), S. 109–114.

Internet: Denkmalatlas Niedersachsen: Kapelle.


Fußnoten

  1. Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien I, S. 158, und II, S. 74.
  2. UB Reinhausen, Nr. 18.
  3. Casemir/Ohainski/Udolph, Ortsnamen Lkr. Göttingen, S. 239; für weitere Belege und zur Bedeutung des Ortsnamens vgl. ebd.
  4. Insgesamt: Pischke, Landesteilungen, bes. S. 45 ff., S. 75 ff. und S. 180 ff.
  5. Kupsch, Gericht, S. 69 ff.
  6. Kayser, General-Kirchenvisitation I, S. 135.
  7. Denkmalatlas Niedersachsen. Für zwei Alternative Entwürfe – ein Fachwerkbau und ein Massivbau – siehe NLA HA Kartensammlung Nr. 23 d Knutbühren 1 pm.
  8. Ahlers, Pfarrbuch 1930, S. 384 f.
  9. LkAH, S 1 H III, Nr. 413, Bl. 16. Allgemein zum Fragebogen vgl. Kück, Ausgefüllt, S. 341 ff.
  10. LkAH, B 2 G 1, unverz., Knutbühren Bd. 1, passim. LkAH, L 5c, unverz., Elliehausen, Visitation 1965.
  11. KABl. 1974, S. 205 f.
  12. Der Entwurf hatte Rechteckfenster vorgesehen: NLA HA Kartensammlung Nr. 23 d Knutbühren 3 pm.
  13. NLA HA Kartensammlung Nr. 23 d Knutbühren 3 pm.
  14. Zum Folgenden: Buss, S. 114.