Frühere Gemeinde | Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Göttingen | Patrozinium: Martin | KO: Calenberger KO von 1569

Karte wird geladen, bitte warten...
Orts- und Kirchengeschichte

Die Ortschaft nordwestlich der Göttinger Innenstadt entstand vielleicht zwischen den 11. und 13. Jh. und wird 1207 in einer abschriftlich aus dem 16. Jh. überlieferten Urkunde erstmals erwähnt.1 Ein wesentlicher Teil des Grundbesitzes befand sich im Besitz der Edelherren von Plesse, die dort seit dem 13. Jh. umfangreiche Allodialgüter sowie welfische und mainzische Lehen erworben hatten.2 Nach dem Aussterben des Geschlechts (1571) fiel er an die Lgf. von Hessen, später an die Welfen. Den übrigen Besitz teilten sich verschiedene geistliche und weltliche Herren (darunter die Herren von Boventen) sowie die Stadt Göttingen. 1427/80 befand sich Elliehausen als Pfand der Hzgn. Agnes im Besitz des Göttinger Ratsherrn Hans Swaneflogel. Die Landesherrschaft hatten die Welfen inne (Fsm. Göttingen, Amt Harste, ab 1823 Amt Göttingen). – Das früher selbständige Dorf, das sich nach dem Zweiten Weltkrieg durch Neubaugebiete stark ausdehnte, ist seit 1973 Stadtteil von Göttingen.
Die Kirche wurde wohl als Eigenkirche gegründet, möglicherweise durch den Ebf. von Mainz, nach anderen Angaben durch die von Hardenberg oder die von Adelebsen, die später auch das Patronat innehatten. Als erster Geistlicher erscheint 1273 Henricus plebanus de Ellingehausen als Zeuge eines Kaufvertrags zwischen dem Kloster Katlenburg und dem Edelherrn Gottschalk von Plesse.3 Heinricus in Elligehusen war 1339 Kämmerer des Georgs-Kalands in Göttingen.4 1416 wird her Henrich von Ellinghusen, Prester, als Inhaber eines Lehens des Edelherrn Gottschalk VIII. von Plesse genannt.5 Letzter vorref. Pfarrer war Balthasar Ricke (bezeugt 1546, † Dezember 1553). Die Einführung der Reformation wurde durch die Patronatsfamilie gefördert. Als erster luth. P. folgte ab Dezember 1553 der durch Bertold und Bodo von Adelebsen berufene Zacharias Kempe (später P. an St. Nicolai in Göttingen). Zur Zeit der Visitation von 1588 amt. Stephan Krebs, ein Schwiegersohn Kempes, der durch die Visitatoren „wegen Unwissenheit und Vernachlässigung des Amtes“ gerügt wurde.
Eine pfarramtliche Verbindung bestand seit vorref. Zeit mit Holtensen (nach 1580 gelöst), ab 1587/88 mit Esebeck.6
Unter den P. ist besonders Julius Bodemeyer (amt. 1850–1872) als Autor hervorzuheben. Schriften: Lehre von der Kenosis (1860); Zur Lehre von der Versöhnung und Rechtfertigung in Bezug auf den Hoffmann-Philippischen Streit (1858). Von 1933 bis 1949 war der spätere OLKR Rudolf Utermöhlen P. in Elliehausen. Sowohl BK als auch DC führten in seiner Amtszeit Veranstaltungen mit teilweise guter Beteiligung durch, erzielten aber keine nachhaltige Wirkung. Der Kirchenkampf berührte die Gemeinde kaum. Die ev. Bekenntnisschule wurde um 1938 auf Beschluss des Gemeinderats in eine Gemeinschaftsschule umgewandelt. Die Kirche wurde 1944/45 auch für kath. GD zur Verfügung gestellt.
1970 wurde ein kirchlicher KiGa eröffnet. Eine Gemeindeschwesternstation wurde 1971 in einem Raum des alten Schulhauses untergebracht (1992 in der Diakoniestation Göttingen-Nord aufgegangen).
Mit dem 1. Juli 1974 wurden die KG Elliehausen und Esebeck zur St.-Martini-KG Elliehausen zusammengeschlossen (Elliehausen, St. Martini).

Pfarrstellen

I: Vorref. – II: 1. Juli 1974.7 – III: 1. Juni 1988.8

Umfang

Die Dörfer Elliehausen und Knutbühren (KapG). Zum 1. Juli 1974 wurde die KapG Knutbühren aufgehoben und ihre Glieder in die St.-Marien-KG in Hetjershausen umgegliedert.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Nörten (Sedes Geismar9) der Erzdiözese Mainz. – 1588 zur neu gebildeten Insp. Hardegsen. 1750 zur Insp. Harste (mit Sitz an St. Jacobi in Göttingen)10. Nach Auflösung der Insp. Harste 1842 zur Insp. Göttingen I (St. Johannis). 1. Januar 1924 in den KK Göttingen III umgegliedert und im Zuge der Neuordnung der Göttinger Aufsichtsbezirke ab 1. April 1937 zum KK Göttingen-Nord (St. Jakobi, ab 1967 Sitz in Göttingen-Grone).11 Seit 1. Januar 2001 KK Göttingen.

Patronat

Das Patronat hatten nach dem Subsidienregister von 1519/20 die von Hardenberg; nach der Reformation die von Adelebsen. Zeit und Anlass für den Übergang der Patronatsrechte sind nicht bekannt. Mit dem Tod des letzten Namensträgers, Georg Frhr. von Adelebsen, ist das Patronatsrecht am 1. Dezember 1957 faktisch erloschen und wurde durch Vertrag zwischen dem KV zu Adelebsen und der Erbengemeinschaft Stiftung Burg Adelebsen vom 28. Mai 1966 auch formal aufgehoben.12

Kirchenbau

Die um 1200 errichtete mittelalterliche Kirche hatte einen eingezogenen fünfseitigen Chor mit einem aufgesetzten hölzernen Stockwerk, der möglicherweise auf eine ältere Kapelle zurückgeht. Das Schiff, das schon Ende des 18. Jh. den Raumbedürfnissen nicht mehr genügte, wurde 1801 abgebrochen und bis 1803 durch einen Neubau ersetzt, der allerdings schon nach wenigen Jahren größere Bauschäden aufwies. 1829/30 erfolgte daher der erneute Abriss und Neubau in der heutigen Form als fünfachsige spätbarock-klassizistische Saalkirche aus Bruchsteinmauerwerk (Einweihung 31. Oktober 1830). Walmdach. Rundbogige Sprossenfenster. Renovierung 1928, 1961 und 1983 (Sanierung des Mauerwerks).

Turm

Westturm auf quadratischem Grundriss, der untere Teil wohl vor 1500. Bei der Erneuerung des Schiffs erhielt er anstelle des früheren ziegelgedeckten Walmdachs einen verschieferten Aufbau mit Glockenhaube, darauf ein achtseitiger Aufsatz (Turmuhr) mit Spitzhelm.

Ausstattung

Tempelartige, klassizistische Altarwand mit Kanzelaltar und rundbogigen Durchgängen beiderseits des Altartischs.

Orgel

Auf der Westempore. Orgelbauer unbekannt; vor 1748 als Schenkung des Schulmeisters Andreas Christoph Fischer beschafft, 5 I/P. 1774 im Zuge des Umbaus der Prieche zunächst abgebaut und 1775 unter Mitarbeit von P. Johannes Goetze und Heinrich Christoph Ahlbrecht (Elliehausen) erweitert, 14 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. Nach einem Gutachten von 1786 verfügte die Orgel noch über zwölf klingende Stimmen. 1803 Instandsetzung und Aufstellung in der umgebauten Kirche durch Gottlob Möbius (Gladebeck). 1829 wegen des Neubaus der Kirche abgebaut und 1830 durch Johann Christoph Ahlbrecht (Elliehausen) in der neu errichteten Kirche wieder aufgestellt. 1880/81 Neubau durch Julius Strobel & Söhne (Bad Frankenhausen), 16 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1928 Änderung der Disposition durch Wiegand Helfenbein (Gotha), 17 II/P. 1930 Einbau eines elektrischen Gebläses. 1935 Umbau durch Paul Ott (Göttingen). 1973 Reparatur durch Martin Haspelmath (Walsrode). 1976 Reparatur durch Albrecht Frerichs (Göttingen). 1987/88 Restaurierung durch Gebrüder Hillebrand (Altwarmbüchen).

Geläut

Drei LG, I: fis’ (Bronze, Gj. 1972, Gebrüder Bachert, Karlsruhe); II: h’ (Bronze, Gj. 1967, Gebrüder Bachert, Karlsruhe); III: d’’ (Bronze, Gj. 1633, David Fobbe, Göttingen). – Früherer Bestand: Ältester Nachweis von 1598. 1629 wurden drei Glocken durch Truppen Tillys entwendet. 1633 Neuguss einer Glocke durch den Göttinger Glockengießer David Fobben (kleine Glocke), 1751 durch den Glockengießer Weidemann, Hannover (große Glocke). Letzterer wurde 1917 zu Rüstungszwecken abgeliefert. Zwei 1926 neu beschaffte Bronzeglocken (fis’ und a’) der Erz- und Glockengießerei C. Störmer in Erfurt wurden 1942 gleichfalls abgegeben.

Weitere kirchliche Gebäude

Das heutige Pfarrhaus wurde 1714 errichtet. Es ist nach St. Jacobi in Göttingen das zweitälteste Pfarrhaus des KK Göttingen. – Das Pfarrwitwenhaus wurde 1885 verkauft.13

Friedhof

Eigentum der KG. Ursprünglich bei der Kirche, 1566 wegen der Pest auf den Anger vor dem Dorf verlegt (1915 aufgegeben). Jetzt am nördlichen Dorfausgang (Unterm Hoppenberge). Die FKap wurde gemeinsam mit der politischen Gemeinde errichtet und 1956 eingeweiht.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 2998–3013 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 2172–2180 (Pfarrbestallungsakten); A 8 (CB); A 9 Nr. 613–616 (Visitationen).

Quelle

Mitteilung von P. Volker Mertens vom 15. Februar 2016.

Literatur

A: Bielefeld, Orgeln, S. 48 f. und 254–260; Rüttgerodt-Riechmann, Denkmaltopographie Göttingen, S. 104 f.
B: Heinz Ahlborn und Ulrich Scheuermann: Beiträge zur Geschichte von Elliehausen Bd. 2: Kirchengeschichte, [Göttingen, Ortsteil Elliehausen 1994]; Heinz Ahlborn und Ulrich Scheuermann: Die Edelherren von Plesse als Grundherren in Elliehausen, in: Plesse-Archiv 28 (1992), S. 241–320; Heinrich Ahlbrecht: Zur Baugeschichte der Kirche in Elliehausen, in: Aus der Heimat. Evangelisches Gemeindeblatt für das Göttinger Land 9, 10/1930; Heinrich Ahlbrecht: Die alte Dorflinde zu Elliehausen, und was Pfarrherr Zacharias Kempe über Zurichtung und Weihe des neuen Gottesackers daselbst berichtet, in: Die Spinnstube 3 (1936), S. 490–493; Karl-Heinz Thiel: Zacharias Kempe. Pastor von Elliehausen und an Nicolai in Göttingen, in: JbGNK 58 (1960), S. 101–112; Karl-Heinz Thiel: Im Pestjahr „ein fein nützlich Buch“ und ein neuer Friedhof, in: Göttinger Jahresblätter 1991, S. 158–164.


Fußnoten

  1. UB Reinhausen, Nr. 18. Vgl. auch Casemir/Ohainski/Udolph, Ortsnamen Lkr. Göttingen, S. 126.
  2. Ahlborn/Scheuermann, Edelherren von Plesse, S. 241–320.
  3. UB Plesse, Nr. 252.
  4. UB Göttingen I, Nr. 147; Prietzel, Kalande, S. 580.
  5. Ahlborn/Scheuermann, Edelherren von Plesse, S. 254.
  6. Thiel, Zacharias Kempe, S. 101, Anm. 2.
  7. KABl. 1974, S. 206.
  8. KABl. 1988, S. 67.
  9. Kayser, Registrum II, S. 276.
  10. Meyer, Inspektionseinteilung, S. 215.
  11. KABl. 1937, S. 135.
  12. LkAH, B 2 G 15/Elliehausen.
  13. Ahlborn/Scheuermann, Elliehausen, S. 121–130.