Frühere Gemeinde | Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Göttingen | Patrozinium: Nicht bekannt1 | KO: Calenberger KO von 1569

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Orts- und Kirchengeschichte

Ortschaft westlich der Göttinger Altstadt, seit 1973 Stadtteil von Göttingen. Erste urkundliche Erwähnung 1302 als Elderikeshusen. Frühere Belege von 989–992 als Aliereshus(un) und 993–996 als Aliereshus(un) sind wohl auf Allersheim, Kr. Holzminden, zu beziehen.2 Nach wechselnden Grundherren kam das Dorf Ende des 13. Jh. in den Besitz der Stadt Göttingen (bis 1837). Bis Ende des 16. Jh. war es reines Bauerndorf; seither siedelten sich vermehrt Handwerker an. Ein Aufschwung setzte ab 1781 mit dem Bau der neuen Heer- und Handelsstraße von Göttingen nach Münden ein. Ellershausen wird in Bederegistern 1418/50 dem Amt Harste zugerechnet, schied dort aber später wieder aus und unterstand der Gerichtsbarkeit des herzoglichen Gerichts auf dem Leineberg.
Die heutige Ortsbezeichnung „Groß Ellershausen“ wurde der Gemeinde erst 1932 zur Abgrenzung von Ellershausen vorm Wald (KapG der KG Niemetal, KK Münden) beigelegt.
Die Kirche in Ellershausen entstand möglicherweise als Kapelle der Herren von Ellershausen. Als vorref. Geistliche erscheinen Heidenricus plebanus de Edelereshusen (1241) und Johannes Gerlach, pleban in Eldershusen (1435).3 Die Einführung der Reformation erfolgte 1542 durch Elisabeth von Calenberg. Erster luth. P. war Johannes Dörries (amt. 1543–1552). Seit der Reformationszeit war Ellershausen mater combinata von Hetjershausen. Beide Gemeinden wurden nach 1626 (Weggang des letzten P. Albert Münch) mit Settmarshausen pfarramtlich verbunden, blieben aber formal eigenständig.4 1675 wird Ellershausen als filia von Hetjershausen geführt.5 Pfarr- und Küsterhaus waren schon 1634 nicht mehr vorhanden. Mauerreste des alten Pfarrhauses waren noch 1791 im ehemaligen Pfarrgarten zu sehen. 1876 wurde der Pfarrgarten dem Besitz der Schule zugeteilt.
Mit dem 1. Juli 1974 wurde die pfarramtliche Verbindung zwischen den KG Settmarshausen und Ellershausen in Göttingen sowie der KG Hetjershausen in Göttingen gelöst. Die KG Ellershausen und Hetjershausen wurden zur St.-Marien-KG Hetjershausen zusammengeschlossen.6

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Nörten (Sedes Geismar7) der Erzdiözese Mainz. – 1588/89 zur General- und Spezial-Insp. Münden8 (mit Sitz ab 1600 in Uslar, 1610 Göttingen 1636/37 wieder in Münden). Bei deren Teilung kam Ellershausen 1742 zur Insp. Münden II. Teils (mit Sitz in Göttingen, 1742–69 an St. Albani, 1773–1796 an St. Jacobi). Ab 1796 zur Insp. (1924: KK) Göttingen I, 1. November 1924 in den KK Göttingen III umgegliedert und im Zuge der Neuordnung der Göttinger Aufsichtsbezirke mit dem 1. April 1937 dem KK Göttingen-Nord zugeordnet. Seit 1. Januar 2001 KK Göttingen.

Patronat

Noch 1620 der Propst von St. Martin zu Heiligenstadt, später der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau

Die Erbauungszeit des mittelalterlichen Kirchenschiffs ist nicht bekannt. Die einfache Saalkirche mit geradem Ostschluss unter nach Osten abgewalmtem Dach wurde möglicherweise schon in der Barockzeit unter Verwendung von Resten des Vorgängerbaus erneuert. Das Schiff wurde 1838 grundlegend renoviert (Datierung über dem Südportal). Westempore. Weitere Erneuerung und Umgestaltung des Innenraums 1964 und 1966.

Turm

Querrechteckiger romanischer Westturm aus Bruchstein (wohl um 1100), ursprünglich als Wohnturm der Familie des Grundherren genutzt. Spitztonnenwölbung im Erdgeschoss. Satteldach (Unterdach) mit pyramidenförmigem Aufsatz (Oberdach). Bekrönung durch Kugel mit Wetterfahne (1838).

Orgel

Um 1838/42 Neubau durch Johann Christoph Ahlbrecht (Elliehausen), der Teile der alten Orgel der Schlosskirche St. Jacobi in Osterode (um 1670) wieder verwendete, 14 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1848 Umbau durch August von Werder (Northeim) , 12 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1867 Reparatur durch Theodor Hartmann (Uschlag). 1916 Instandsetzung durch Julius Strobel & Söhne (Bad Frankenhausen). 1917 Ausbau der Prospektpfeifen. 1931 Reparatur durch Paul Ott (Göttingen). 1933 Einbau eines klingenden Prinzipal-Prospekts. 1952 Einbau eines elektrischen Gebläses. 1966 Neubau des Werks hinter dem Gehäuse von Ahlbrecht durch Albrecht Frerichs (Göttingen), 12 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1990 Restaurierung durch Martin Haspelmath (Walsrode). 1991 Umbau und Klangänderung im Sinne Christoph Ahlbrechts durch Martin Haspelmath.

Geläut

Drei LG, I: a’ (Soli); II: c’’ (Deo); III: d’’ (Gloria) (alle Bronze, Gj. 2002, Petit & Gebrüder Edelbrock, Gescher). – Früherer Bestand: Glocken sind Anfang des 17. Jh. erstmals nachgewiesen. Von zwei Bronzeglocken ist die kleinere 1850 gesprungen und wurde durch einen Göttinger Glockengießer umgegossen. Nach Beschädigung der größeren wurden 1906 durch eine Hildesheimer Gießerei beide Glocken umgegossen. Die große LG wurde 1917 zu Rüstungszwecken abgegeben. 1922 Anschaffung von zwei Stahlglocken des Bochumer Vereins in a’ und c’’. 1958 elektrisches Läutewerk. Nach dem Neuguss von 2002 wurden die Stahlglocken auf dem Friedhof von Groß Ellershausen aufgestellt.

Friedhof

In kirchlicher Trägerschaft. Am nördlichen Ortsrand (Hetjershäuser Weg).

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 10300-10309 (Pfarroffizialsachen); A 8 (CB).

Literatur

A: Bielefeld, Orgeln, S. 60 f. und 290–296; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 566; Pape, Haspelmath, S. 211; Rüttgerodt-Riechmann, Denkmaltopographie Göttingen, S. 113.
B: Gudrun Pischke: Die Chronik von Groß Ellershausen. Bd. II: Geschichte und Geschichten aus dem Dorf, Göttingen 1999.


Fußnoten

  1. Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien I, S. 171.
  2. Casemir/Ohainski/Udolph, Ortsnamen Lkr. Göttingen, S. 125.
  3. UB Weende, Nr. 253.
  4. Meyer, Pastoren I, S. 496.
  5. Althaus, Generalvisitation, S. 125.
  6. KABl. 1974, S. 205.
  7. Kayser, Registrum II, S. 277.
  8. Meyer, Inspektionseinteilung, S. 14, Anm. 10.