Sprengel Stade, KK Osterholz-Scharmbeck | Patrozinium: – | KO: Keine Kirchenordnung

Orts- und Kirchengeschichte

Die Besiedlung Hüttenbuschs begann im späten 16. Jh., als 1581 Johann Kück darum bat, „zeit seines Lebens auf dem Viehe Placken oder Wiese zu wohnen, welches ihm auch verstattet“.1 Das Dorf gehörte zum Erzstift Bremen, dem weltlichen Territorium der Bremer Erzbischöfe (Vogtei/Amt Ottersberg). Nach Ende des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) wurde das Erzstift Bremen säkularisiert und blieb zusammen mit dem ebenfalls säkularisierten Hochstift Verden unter schwedischer Herrschaft (vereinigte Hzm. Bremen-Verden). Im Großen Nordischen Krieg (1700–1721) besetzte Dänemark 1712 die vereinigten Hzm. Bremen-Verden und 1715 konnte das welfische Kfsm. Braunschweig-Lüneburg (Kurhannover) die beiden Territorien erwerben (1719 von Schweden gegen weitere Zahlung anerkannt). In französischer Zeit gehörte Hüttenbusch 1810 zunächst kurzzeitig zum Kgr. Westphalen und dann bis 1813/14 zum Kanton Lilienthal im Arrondissement Bremen des Departements Wesermündung im Kaiserreich Frankreich. Danach kam der Ort, nun im Kgr. Hannover, zunächst wieder zum Amt Ottersberg und 1852 zum Amt Lilienthal. Mit der Annexion des Kgr. Hannover wurde Hüttenbusch 1866 preußisch. Bei Einführung der Kreisverfassung kam das Dorf 1885 zum Kr. Osterholz (1939: Lkr.). 1929 wurden die Dörfer Vieh, Heudorf, Hüttendorf und Fünfhausen eingemeindet. Von 1970 bis 1974 gehörte Hüttenbusch zur Samtgemeinde Worpswede, und wurde 1974 in die neue Einheitsgemeinde Worpswede eingemeindet. Die Sozialstruktur der Gemeinde charakterisierte der Ortspfarrer 1966 als eine „weitgehend bäuerliche“ und resümierte: „Die Landwirtschaft prägt das dörfliche Leben.“2 Um 1812 lebten etwa 145 Menschen in Hüttenbusch, 1910 rund 330 und 2016 gut 1.740 (mit Eingemeindungen).

Kirche, Ansicht von Südosten, 1951

Kirche, Ansicht von Südosten, 1951

Kirchlich gehörte Hüttenbusch zunächst zum Kirchspiel St. Willehadi in Scharmbeck. Als nach der Mitte des 18. Jh. die Kolonisation des Teufelsmoors vornaschritt, kam Hüttenbusch 1759 zum neugegründeten Kirchspiel Worpswede. Schon Mitte des 19. Jh. bemühten sich Gemeindeglieder Hüttenbuschs und der Nachbardörfer um eine eigene Kirche.3 Der vom Konsistorium in Stade schon angeordnete Bau einer Kapelle kam jedoch nicht zustande. Im März 1891 gründete sich unter dem Vorsitz des Worpsweder Pastors ein Kirchbau-Verein in Hüttenbusch. Ein erster konkreter Schritt hin zur Bildung einer eigenständigen Kirchengemeinde erfolgte jedoch erst 1900, als das Stader Konsistorium eine zweite Pfarrstelle im Kirchspiel Worpswede errichtete mit Sitz in Hüttenbusch, die zunächst P. coll. Heinrich Wilhelm Friedrich Biester (amt. 1900) übernahm.4 Gleichzeitig wurde die Gemeinde in zwei Pfarrbezirke eingeteilt; der Hüttenbuscher Pastor sollte für Hüttenbusch, Vieh, Hüttendorf, Heudorf, Fünfhausen, Breddorfermoor und Neu St. Jürgen zuständig sein. Als Zentrum des Pfarrbezirks wurde in Hüttenbusch ein neugotischer Bau errichtet, der Pfarrwohnung, Betsaal und Konfirmandenraum unter einem Dach vereinte (eingeweiht am 3. August 1902). Der anfangs beabsichtigte Bau einer Kirche konnte nicht verwirklicht werden.
Erster Inhaber der neuen Pfarrstelle war P. Georg Friedrich Borcherding (amt. 1903–1921), der als Nachfolger von P. coll. Biester bereits seit 1900 als Hilfsprediger die Hüttenbuscher Pfarrstelle verwaltete. Im Gegensatz zur ursprünglichen Aufteilung hielten sich die Einwohner Neu St. Jürgens weiterhin zur Kirche in Worpswede; 1911 vergrößerte sich der Pfarrbezirk um Breddorfermoor (bislang KG Kirchtimke).5 Im gleichen Jahr gründete P. Borcherding den Posaunenchor Hüttenbusch. Im Jahr 1936 zählte der Pfarrbezirk Hüttenbusch etwa 860 Gemeindeglieder.6 Zum 1. April 1951 schließlich machte sich der Pfarrbezirk II der KG Worpswede als KG Hüttenbusch selbständig; erster Pastor der neuen KG wurde P. Hermann Katz (amt. 1951–1955), der das Pfarramt Hüttenbusch schon einmal von 1925 bis 1931 innegehabt hatte.7

Kirche, Blick zum Altar, vor 1927

Kirche, Blick zum Altar, vor 1927

Mit dem Zuzug Geflüchteter in der Nachkriegszeit kamen auf einige kath. Familien in das Gemeindegebiet; alle zwei Wochen fanden seither im Hüttenbuscher Betsaal auch kath. Gottesdienste statt (1966: alle vier Wochen).8 Im Jahr 1946 hatte der KV Worpswede eine Gemeindeschwesternstation in Hüttenbusch eingerichtet, die auf die neue Gemeinde übergegangen ist. Nach der ersten Visitation der neuen KG merkte der Sup. des KK Trupe-Lilienthal an, die „treue Arbeit“ der Gemeindeschwester Maria Kähler „in den Jugendkreisen und den Frauenkreisen“ müsse „besonders anerkannt werden“ (Station ab 1965 unbesetzt).9 Nach dem Weggang von P. Ulrich Wagner (amt. 1956–1964) blieb die Pfarrstelle der kleinen Gemeinde (etwa 1.200 Gemeindeglieder) zunächst vakant. Seit 1975 war Hüttenbusch pfarramtlich mit seiner Muttergemeinde Worpswede verbunden; die u. a. für Hüttenbusch zuständige dritte Pfarrstelle des verbundenen Pfarramts übernahm 1983 P. Ralf Kölling (amt. 1983–1990).10 Bei Auflösung der pfarramtlichen Verbindung wandelte das Landeskirchenamt die Hüttenbuscher Pfarrstelle 1990 in eine halbe Stelle um.11
Im Jahr 1991 gründete sich der Förderverein Hüttenbuscher Kirche, um die Erweiterung des Kirchenbaus um einen Gemeindehausflügel zu unterstützen.12 Seit 1993 lädt die KG regelmäßig zum Dorfgesprächskreis ein, aus dem u. a. die Arbeitsgemeinschaft Dorfchronik hervorgegangen ist. Seit Februar 2014 ist die KG Hüttenbusch pfarramtlich mit der KG Grasberg verbunden; beide Gemeinden kooperieren auf regionaler Ebene überdies mit der KG Worpswede (u. a. seit 2001 gemeinsames Gemeindeblatt kreuz + quer; regionale Konfirmandenarbeit).

Umfang

Hüttenbusch, Vieh, Hüttendorf, Heudorf, Fünfhausen und Breddorfermoor

Aufsichtsbezirk

Mit Gründung der KG 1951 zum KK Trupe-Lilienthal, 1959 umbenannt in KK Lilienthal.13 1970 KK Lilienthal vereinigt mit KK Osterholz-Scharmbeck.14

Kirchenbau
Kirche, Ansicht von Südosten, Postkarte, 1977

Kirche, Ansicht von Südosten, Postkarte, 1977

Neugotischer, rötlich verputzter Rechteckbau mit Pfarrwohnung im Erdgeschoss und Kirchsaal im ersten Stock („Betsaal“), nach Norden Gemeindehausflügel, an dessen Ostseite sich weitere Anbauten anschließen, erbaut 1902 (Entwurf: Karl Mohrmann, Hannover), erweitert 1992.15 Satteldach mit Niedersachsengiebel nach Westen, im kleinen Giebeldreieck Uhrziffernblatt. Flachbogige Fenster; nach Nordosten Eingangsbereich im Winkel zum Gemeindehausflügel. Im Innern Kirchsaal mit trapezförmiger, holzverschalter Decke, Dachbinder teilweise sichtbar; flachbogiger Altarnische; Westempore. 1927 Innenrenovierung und Einbau Empore. 1924 westlicher Giebel wegen Baufälligkeit abgetragen und verändert (ursprünglich neugotischer Zinnengiebel mit mehreren Blend- und Fensternischen). Ende der 1960er Jahre Gebäude verputzt und weiß gestrichen. 1968 Altarfenster vermauert. 1970 Kirchenbänke entfernt und durch Stühle ersetzt. 1985 rotbrauner Anstrich. 1991/92 kurzer Nordflügel (Eingangsbereich und Treppenhaus zum Kirchsaal) verlängert und als Gemeindehaus eingerichtet. 2002 Renovierung Innenraum. 2012 Sanierung (Dachdämmung). Renovierung.

Fenster

Ursprünglich farbig gestaltete Rosette in Altarnische, 1968 Fenster vermauert und Glasrosette an Ostwand aufgehängt.

Turm

An der Ostseite risalitartig hervortretender Turm mit verjüngtem Glockengeschoss, erbaut 1902. Satteldach, bekrönt mit Kreuz. Im Glockengeschoss je zwei kleine Schallfenster nach Norden und Süden, offenes Schallfenster nach Osten, westliches Schallfenster vermauert; an der östlichen Giebelseite hohe, weiße Blendnische mit einfachem Backsteinmaßwerk, darunter runde Blendnische, im Erdgeschoss Flachbogenfenster. 1907 Turmuhr angeschafft (Firma J. F. Weule, Bockenem; Uhrwerk restauriert 1976 und 1993). 1938 neugotische Zinnengiebel entfernt.

Ausstattung

Schlichter Altartisch mit hölzerner Mensa. – Hängendes Altarkreuz (um 1968, Ulrich Conrad, Worpswede). – Links vor der Altarnische leicht erhöhte Holzkanzel mit polygonem Kanzelkorb, korinthische Pilaster vor den Ecken des Kanzelkorbs. – Dreibeiniger, schmiedeeiserner Taufständer. – Drei Gemälde (Johann Friedrich Schröder, Hüttenbusch), Kreuzigung, Grablegung und Auferstehung Jesu; Geschenk des Künstlers; in den 1970er Jahren restauriert.16 – Zwei farbige Keramikreliefs (um 1970, Heide Weichberger, Worpswede), Einzug Jesu in Jerusalem, Verleugnung des Petrus. – Gemälde „Kreuzesdarstellung“ (2006, Chia Raissa Gildemeister).

Orgel, zwischen 1927 und 1970

Orgel, zwischen 1927 und 1970

Orgel

Erste Orgel angeschafft 1907, gebrauchtes Instrument der Firma Faber & Greve (Salzhemmendorf), für Hüttenbuch umgebaut und aufgestellt neben dem Altar, 1927 vergrößert und umgesetzt auf neue Empore, Zustand 1944: 11 (davon 4 Transmissionen) II/P, pneumatische Traktur, Taschenladen.17 1970 Orgelpositiv erworben, erbaut 1963 von Firma Hermann Hillebrand (Altwarmbüchen) für das Ev. Hospital Lilienthal, später gekauft von der KG Lilienthal, dann nach Hüttenbusch verkauft, 5 I/–, mechanische Traktur, Schleifladen.18 1980 um angehängtes Pedal erweitert, ausgeführt von Firma Gebrüder Hillebrand (Altwarmbüchen), 5 I/aP, mechanische Traktur, Schleifladen. 2003 Erweiterung und Änderung der Disposition, 5 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen, ausgeführt von Harm Kirschner (Weener).

Geläut

Zwei LG, I: eʼʼ (Bronze, Gj. 1953, F. Otto, Bremen-Hemelingen), Inschrift: „Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort“; II: gʼʼ (Bronze, Gj. 1902, Firma Radler, Hildesheim), Inschrift: „Friede sei mit Euch. Bete und arbeite“ und „I. I. Radler u. Söhne in Hildesheim. 1902“. – Früherer Bestand: Eine zweite LG (Bronze, Gj. 1938, F. Otto, Bremen-Hemelingen), im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben.19

Friedhof

Kirchlicher Friedhof, angelegt 1905, FKap (Bj. 1970). Friedhof seit 1971 in kommunaler Verwaltung.

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 5 Nr. 858, 864 (Spec. Landeskons.); D 109 (EphA Osterholz-Scharmbeck); Kons. Stade A 2 Nr. 1645/04–05, A 6 Nr. 8889 (Akten des Konsistoriums Stade); L 5g Nr. 201, 933, 936 (LSuptur. Stade); S 09 rep Nr. 1487 (Presseausschnittsammlung); S 11a Nr. 7316 (Findbuch PfA).

Literatur

A: Meyer-Korte, Gemeinden, S. 50–60.
B: Festschrift zum 75-jährigen Bestehen der Kirche in Hüttenbusch, hrsg. vom Kirchenvorstand Hüttenbusch, Worpswede [1977]; Geschichte und Geschichten aus Hüttenbusch, hrsg. von der Arbeitsgemeinschaft Dorfchronik Hüttenbusch, Hannover 2003, bes. S. 493–542.

GND

2095252-1, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde (Hüttenbusch); 1214471137, Evangelische Kirche Hüttenbusch (Hüttenbusch)


Fußnoten

  1. Zit. in Geschichte und Geschichten, S. 30.
  2. LkAH, L 5g, Nr. 201 (Visitation 1966).
  3. Zum Folgenden: Geschichte und Geschichten, S. 495 ff.; Festschrift, [S. 15 ff.]; Meyer-Korte, Gemeinden, S. 52 ff.
  4. KABl. 1900, S. 16.
  5. KABl. 1911, S. 84
  6. LkAH, L 5g, Nr. 336 (Visitation 1937).
  7. KABl. 1951, S. 49 f.
  8. LkAH, L 5g, Nr. 201 (Visitationen 1955, 1961, 1966).
  9. LkAH, L 5g, Nr. 201 (Visitation 1955).
  10. KABl. 1975, S. 7.
  11. KABl. 1990, S. 116.
  12. Geschichte und Geschichten, S. 571.
  13. KABl. 1890, S. 46; KABl. 1959, S. 52.
  14. KABl. 1970, S. 8 f.
  15. Entwurfszeichnungen gedruckt in: Geschichte und Geschichten, S. 501.
  16. Abb.: Geschichte und Geschichten, S. 503 f.
  17. Zur Finanzierung einer Orgel und einer Turmuhr hatte der Müller und Kunstmaler Johann Friedrich Schröder (Hüttenbusch) 1903 insgesamt 24 Ölgemälde zur Versteigerung gestiftet, Geschichte und Geschichten, S. 503 und 585 f.; Festschrift, [S. 19].
  18. LKA, G 9 B/Hüttenbusch Bd. I, Bl. 64.
  19. Der Betsaal zu Hüttenbusch (Nov. 1938), in: LkAH, L 5g, Nr. 933; Geschichte und Geschichten, S. 502. Vgl. zudem Festschrift, [S. 20], wo ein anlässlich der Einweihung der Turmuhr 1907 erschienener Zeitungsartikel zitiert ist, der wohl irrtümlich eine „neue hell klingende Glocke“ erwähnt.