(Neustadt)
Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Hildesheim-Sarstedt | Patrozinium: Lambert | KO: Calenberger KO von 1569

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Orts- und Kirchengeschichte

Südöstlich der Altstadt ließ der Hildesheimer Dompropst vermutlich Anfang des 13. Jh. die Neustadt anlegen, die 1221 erstmals urkundlich genannt wird (in nova civitate orientali).1 Fünf Jahre später verlieh ihr König Heinrich (VII.) das Marktrecht (civitatem novam inter Hildensem et Losbeke).2 Der Hildesheimer Dompropst war Stadtherr der Neustadt. Sie lässt sich im Mittelalter als Handwerker- und Ackerbürgerstadt charakterisieren. Teile der Neustadt brannten in der Hildesheimer Stiftsfehde (1519-1523) nieder.3 1583 schlossen sich Alt- und Neustadt zusammen (Unionsrezess).4

Kirche, Ansicht von Südwesten, um 1980, Postkarte, Bildrechte: Kunstverlag K. Bernhard, Hannover

Hildesheim, St. Lamberti Kirche, um 1980

Bei Ausgrabungen 1952 und 1954 konnten Pfeilerfundamente des Vorgängerbaus der heutigen Lambertikirche nachgewiesen werden. Auf dem Stadtsiegel von 1300 ist die dreischiffige Basilika mit zwei Türmen dargestellt, dies ließ sich archäologisch nicht belegen. Der erste namentlich bekannte Geistliche der Neustadt ist Hermannus, der 1256 als sacerdos Nove civitatis und 1257 als Nove civitatis apud Hildensem plebanus5 jeweils in der Zeugenliste einer Urkunde erscheint. Im 14. Jh. lässt sich über lange Jahre Johann von Gleidingen als Neustädter Pfarrer nachweisen (1319, 1328, 1339).6 Im Jahre 1356 ist Bertoldus de Drispenstede plebanum Nove civitatis Hildesemensis nachweisbar und 1382 Albertus de Nyhem rector parrochialis ecclesie Nove civitatis Hildesemensis.7 Der Altar, zu dem das um 1420 geschaffene Retabel gehört, dessen Mitteltafel sich heute am Hauptaltar der Lambertikirche befindet, lässt sich erstmals 1433 belegen: „altar sunte Petrus unde Paulus in sunte Lambertes kerken uppe der Nygenstad vor Hildensem“.8 Das Retabel selbst lässt sich urkundlich nicht nachweisen.9 1453 gründete Dompropst Eckhart II. von Hahnensee eine Schule an der Neustädter Kirche, das Lambertinum. In der Amtszeit des Pfarrers Magister Lubbertus Lubbern (etwa 1456-1492) begann der Neubau der Lambertikirche: eine Bauinschrift erinnert an die Grundsteinlegung am 13. Mai 1473 („Anno d[omi]ni M cccc lxxiii in die servacy wart dusse koer betenghet“10) und zur Weihe 1488 ist eine Urkunde überliefert.11 Vollendet wurde der Bau erst im 16. Jh. Neben dem Hauptaltar sind mehrere Nebenaltäre in St. Lamberti belegt: der genannte Peter-und-Paul-Altar, ein Altar Unserer Lieben Frau Empfängnis (1460 gestiftet), ein Apostelaltar, ein Martinsaltar, ein St.-Annen-Altar, ein Altar Besuch der Jungfrau Maria, ein Altar St. Cyriacus, Altar St. Servatius, Altar St. Georg und St. Erasmus, ein Altar St. Andreas und St. Mauritius, ein Altar St. Antonius von Padua, ein Altar Mariae Verkündigung sowie der Altar der Donnerstagsmesse.12 Zudem bestanden in der Gemeinde eine Lambertus-Bruderschaft (1395 erwähnt) und eine Bruderschaft St. Erasmus und St. Georg (1497 erwähnt).13

Kirche, Ansicht von Südosten, 1951, Postkarte, Foto: Helmut Wegner, Hildesheim

Kirche, Ansicht von Südosten, 1951, Postkarte, Foto: Helmut Wegner, Hildesheim

Im Jahre 1529 wies der Rat der Neustadt einen „Kerkher [Pfarrer] tho sunte Lamberthe“ aus, weil er luth. gepredigt hatte.14 Drei Jahre später hingegen fanden einige der aus Hildesheim ausgewiesenen Lutheraner Aufnahme in der Neustadt. 1540 wiederum war es der Druck des Altstädter Rates, der den Neustädter Rat bewog, den luth. Prediger Dietrich Raven der Stadt zu verweisen.15 Mit Einführung der Reformation in Hildesheim wechselte 1542 auch die Neustadt zum ev. Bekenntnis. Erster luth. Geistlicher an St. Lamberti war der ehemalige Mönch Tilemann Dencker (amt. 1542-1549). Die kleine Annenkirche, die Lubbertus Lubbern 1463 hatte erneuern lassen, blieb bis 1571 geschlossen, dann übergab sie der Dompropst dem Neustädter Rat.16 Auch hier feierten die Neustädter Bürger fortan ev. Gottesdienste, St. Lamberti blieb jedoch die einzige Pfarrkirche der Neustadt. Das Lambertinum war seit 1545 eine luth. Schule. Die Kirchenbücher der Gemeinde setzen 1603 ein. Als kaiserliche Truppen während des Dreißigjährigen Krieges 1632 Hildesheim belagerten, wurde der Turm der Lambertikirche beschädigt. Nach Einnahme der Stadt blieben die Kaiserlichen bis 1634, P. Justus Rupen (amt. 1618-1638) musste Hildesheim verlassen und in St. Lamberti feierten Angehörige des Jesuitenordens wieder kath. Messen. P. Rupen konnte 1634 aus dem hannoverschen Exil zurückkehren. In der zweiten Hälfte des 17. Jh. ließ die Gemeinde Dach und Turmhelm der Kirche erneuern und 1736 hielt Lauenstein in seiner Hildesheimischen Kirchen- und Reformationshistorie fest, St. Lamberti „an sich selbst ist unter allen Evangelischen in Hildesheim eine der schönsten, indem sie allein überall mit Steinen gewölbet ist, und aller Orten vermahlet.“17
Mit P. Heinrich Andreas Hartung (amt. 1729-1762) wählte die Gemeinde in der ersten Hälfte des 18. Jh. einen Pietisten zum Pfarrer.18 Und auch der pietistische Schriftsteller Johann Friedrich Starck (1680-1756), der 1727 ein „Tägliches Handbuch in guten und bösen Tagen“ (sogenanntes „Starckenbuch“) veröffentlichte, kam aus der Lambertigemeinde. In den Jahren der französischen Herrschaft wurde die Annenkirche 1808 geschlossen und 1813 abgerissen, die kleine Orgel kaufte die Gemeinde in Schwicheldt.19 Gleichzeitig fiel auch die zweite Pfarrstelle an St. Lamberti weg. Eine grundlegende Neugestaltung erfuhr 1829 der Innenraum der Lambertikirche: die Grabsteine verschwanden, der Flügelaltar des 15. Jh. wurde zerlegt und verkauft, neues Gestühl und ein Kanzelaltar angeschafft. Im 19. Jh. endete auch die Verwendung von Weihrauch im Gottesdienst.20 Der Kanzelaltar blieb lediglich bis zur nächsten Renovierung im Jahr 1876 in der Kirche. 1895 fertigte Friedrich Küsthardt (Hildesheim) einen neuen Altaraufsatz mit einem Abendmahlsrelief aus Sandstein. Mit P. Franz Eduard Vogler (amt. 1833-1877) wirkte ein Pfarrer in der Lambertigemeinde, der der Erweckungstheologie nahestand; sein Nachfolger P. Karl Kayser (amt. 1877-1885) machte sich nicht zuletzt einen Namen mit verschiedenen Arbeiten zur niedersächsischen Kirchen- und Reformationsgeschichte. Lamberti ist zudem die Muttergemeinde der 1890 gegründeten Hildesheimer Blindenmission.
Um die Jahrhundertwende erhielt die Neustadt wieder einen zweiten Pastor, 1898 zunächst als ständigen Pfarrkollaborator, 1906 richtete das Konsistorium die reguläre Pfarrstelle ein.21 Mit P. Friedrich Wilhelm Loose (amt. 1928-1939) und P. Johannes Kaune (amt. 1911-1936) predigten während der NS-Zeit zwei Pfarrer an der Lambertikirche, die zur BK gehörten, wobei P. Loose anfänglich den DC nahe stand. Ihre Nachfolger P. Martin Storch (amt. 1939-1957), 1933 kurzzeitig Mitglied der DC und P. Walter Metz (amt. 1941-1946), Mitglied der NSDAP, hatten in der Bischofsfrage zu Landesbischof August Marahrens gehalten, wie P. Storch rückblickend notierte.22 Bei der KV-Wahl im Juli 1933 entfielen knapp 64 Prozent der Stimmen auf die Liste der DC, gut 36 Prozent auf die Liste Evangelium und Kirche. Dies war das schlechteste Ergebnis der DC in Hildesheim.23 Bis auf einen traten alle Kirchenvorsteher in den Folgejahren zurück. Allerdings heißt es noch in den Visitationsberichten von 1955 und 1963, dass eine kleine „Gruppe der früheren DC […] ihre eigenen Gottesdienste, auch Konfirmationen“24 halte.

Kirche, Blick zum Altar, 1950 (?)

Kirche, Blick zum Altar, 1950 (?)

Im Februar 1945 beschädigte ein Bombentreffer die Kirche, die seitdem nicht mehr genutzt werden konnte. Nach dem Bomberangriff im März 1945 brannte das Kirchengebäude aus und nur die Außenmauern blieben stehen. Im „Bericht über die Kunstwerke und die kulturellen Einrichtungen in Hildesheim“ schrieb Günther Roeder im April 1945 über die Lambertikirche: „Stark beschädigt, wahrscheinlich nicht wiederherzustellen.“25 Der Gemeindesaal in der Goschenstraße war erhalten geblieben und diente der Gemeinde nun als Gottesdienstraum. 1949 eröffnete die Kirchengemeinde einen Kindergarten und im gleichen Jahr begann die Enttrümmerung der Lambertikirche, 1950 der Wiederaufbau. Am 12. Oktober 1952 weihte Landesbischof Hanns Lilje St. Lamberti wieder ein, die zweigeschossige Sakristei an der Südseite blieb Ruine. Zwei neue Kirchengemeinden gingen im folgenden Jahrzehnt aus der Lambertigemeinde hervor: 1954 gründete sich die KG St. Timotheus (Hildesheim, St. Timotheus) und übernahm die zum 1. August 1952 eingerichtete dritte Pfarrstelle der Lambertigemeinde.26 1962 konstituierte sich die Paul-Gerhardt-Gemeinde (Hildesheim, Paul Gerhardt) und übernahm die 1959 errichtete neue dritte Pfarrstelle von Lamberti.27
Der Kindergarten war 1953 in neue Räume am Lambertihof gezogen, hinzu kam auch ein Sprachheilkindergarten, seit 1955 mit Internat. Neben der Kinderarbeit engagierte sich die KG auch in der Seniorenarbeit und eröffnete 1958 die Seniorenwohnanlage Lambertinum (zunächst unter dem Namen Paul-Gerhardt-Heim, dann St.-Lamberti-Alten- und Pflegeheim). Nicht zuletzt diese soziale Arbeit lobte der Visitator 1987 und urteilte, St. Lamberti sei eine „lebendige, volkskirchliche Gemeinde“.28 Seit 1984 besteht in der Gemeinde ein „Freundeskreis für die Kirchenmusik“. Nach Haushaltskürzungen 1999 trägt dieser Verein wesentlich dazu bei, die Kirchenmusikerstelle der Gemeinde in vollem Umfang zu erhalten (Finanzierung von 25 Prozent der Personalkosten). Seit 2003 ist der Freundeskreis ein eingetragener Verein („Freundeskreises für die Kirchenmusik an St. Lamberti e. V.“). Auch die erste Pfarrstelle wurde 1999 reduziert und 2006 schließlich an die Paul-Gerhardt-Gemeinde verlegt.29
Im Jahre 1996 hatte sich der Verein „Wiederaufbau Lamberti-Kirchturm e. V.“ gegründet und nach gut einem Jahrzehnt des Planens und Spendensammelns erhielt der Turm 2007 eine neue Spitze. Der neue Turmhelm steht nicht direkt auf dem alten Turmschaft, vielmehr entschied sich die Gemeinde für den Bau eines neuen Obergeschosses, damit das Turmdach auf der Firsthöhe des Kirchendachs ansetzt.

Pfarrstellen

I: vorref. – II: vorref., bis 1808, wieder 1906-2006 (dann I, nachdem I an Hildesheim, Paul Gerhardt). – III: 1952-1954 (dann Hildesheim, St. Timotheus), wieder 1959-1962 (dann Hildesheim, Paul Gerhardt (alt)).

Umfang

Hildesheimer Neustadt, südöstliche Gemeindeteile 1954 und 1962 ausgepfarrt.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Hildesheim bzw. Neustadt bei Hildesheim.30 – Geistliches Ministerium der Neustadt31, seit 1583 Geistliches Ministerium der Hildesheimer Pfarrer unter Leitung des Stadtsup. 1924 KK Hildesheim, seit 1. Januar 1999 KK Hildesheim-Sarstedt.32

Patronat

Im Mittelalter der Dompropst zu Hildesheim als Archidiakon und Stadtherr der Neustadt, dann Rat und Gemeinde. Die 1906 errichtete Pfarrstelle wurde nach dem Pfarrerwahlrecht besetzt.

Kirchenbau
Kirche, Grundriss, 1911

Kirche, Grundriss, 1911

Spätgotische, dreischiffige Hallenkirche mit dreiseitigem Chorschluss, zweigeschossigen Kapellenanbauten an Nord- und Südseite (Ruine) sowie mächtigem Satteldach (17. Jh., Dach ursprünglich vermutlich kleiner33), Grundsteinlegung 1473, Weihe 1488, Bauarbeiten bis etwa 1505, letzter Schwibbogen über Altar hatte zudem Bauinschrift 1524.34 Quadermauerwerk, Strebepfeiler und hohe spitzbogige Maßwerkfenster, gotisches Nordportal, gotisches Südportal (seit 1876 geschlossen), südliches Seitenschiff schmaler als nördliches, westliches Joch kürzer als übrige. Im Innern Kreuzrippengewölbe und hohe schlanke, achteckige Pfeiler, Westempore auf Stahlstützen. Innenrenovierungen 1829, 1876 und 1895. Nach Zerstörungen vom Februar und März 1945 Wiederaufbau 1949-52, Dachstuhl aus Stahl, südlicher Kapellenanbau blieb Ruine. Innenrenovierung 1979 (u. a. Fenster neu verglast). 2012-13 Fassaden- und Dachsanierung. 2016 in Zusammenarbeit mit Hochschule für angewandte Kunst und Wissenschaft Wettbewerb zur Neugestaltung der südlichen Kapellenruine (ehemalige Sakristei).

Turm

Fünfgeschossiger Turm in der Mitte der Westfront, verkupferter Turmhelm mit flachem, viereckigen Ansatz und hoher, achteckig ausgezogener Spitze. Obergeschoss modern, verkupfert, umlaufendes Fensterband; dreibahnige, spitzbogige Schallöffnungen im Glockengeschoss, Hauptportal im Westen (19. Jh.). Nach Zerstörung 1945 Wiederaufbau 1950-52 mit provisorischem Satteldach quer zum Kirchenschiff, 2007 Neubau des Turmhelms und Bau des neuen Obergeschosses, so dass Turmdach nun auf Firsthöhe des Kirchendachs ansetzt; Turmuhr.

Vorgängerbau

Dreischiffige romanische Basilika mit östlichem Querzellenbau (Vorchor), wohl 12. Jh., (Pfeiler- und Mauerfundamentreste bei Grabung 1952 und 1954 nachgewiesen).35 Breite fast identisch mit der des Nachfolgebaus, Länge und Abschluss im Osten unklar. Darstellung auf Ratssiegel um 1300 mit zwei Türmen, doppeltürmige Front bei Grabungen 1952 und 1954 jedoch nicht nachgewiesen.36

Kirche, Blick zum Altar, 1911

Kirche, Blick zum Altar, 1911

Ausstattung

Peter-und-Paul-Retabel (um 1420, unbekannter Meister), ursprünglich Wandelaltar, zeigte bei geschlossenen Flügeln Szenen aus dem Leben der Apostel Petrus und Paulus, bei geöffneten Flügeln Passions- und Auferstehungsgeschichte bis zum Weltgericht; Altar vermutlich 1828 auseinandergenommen und verkauft, Mitteltafel und zwei Flügelbilder 1846 vom Roemer-Museum erworben, zwei Flügelbilder verloren, die übrigen zwölf in verschiedenen Museen, Mitteltafel seit 1952 als Dauerleihgabe des Roemer-Museums wieder in Lambertikirche.37 – Moderne Kanzel (1965, Carl von Dornick, Hildesheim). – Bronzetaufe (1504), Inschrift: „na Christi gebbort MCCCCCIIII jar is dusse doepe in de ere goddes un[de] su[n]te La[m]berti ghegoeten“, Becken verziert mit Kreuzigungsszene sowie Darstellungen von St. Lambertus, St. Bernward und St. Godehard; jüngerer, reich verzierter Deckel mit Putten, Evangelisten, Aposteln sowie einem bekrönenden Doppeladler mit Mitra, Inschrift: „Hans Meisner got mich tho Brunswick“ (vor 1582).38 – Lebensgroße Skulptur Johannes des Täufers mit muschelförmiger Taufschale (1753, Johann Friedrich Ziesenis, Hannover), ursprünglich für (Hildesheim, St. Jakobi angefertigt, seit 1952 in Lambertikirche. – Kopie der Cusanus-Tafel, auf der in niederdeutscher Sprache das Vaterunser, das Ave Maria, das Glaubensbekenntnis und die Zehn Gebote nachzulesen sind. Kardinal Nikolaus von Kues ließ derartige Tafeln auf seiner Visitationsreise 1451 in mehreren Kirchen anbringen (Original im Stadtmuseum). – Gedenktafel der Familie Timmermann (15. Jh.), Wappentafel der Familie von Bocholtz (1514) und Grabsteinfragment mit Engel (1702) neben dem Nordportal. – Kerzenweltkugel (1999, Günter Siebert, Pattensen).

Orgel, vermutlich 1982

Orgel, vermutlich 1982

Orgel

Um 1590 baute Henning Henke (Hildesheim) eine Orgel für die Lambertikirche, 14 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen; nach 1715 nach Salzdetfurth verkauft (Bad Salzdetfurth, St. Georg). Etwa 1712-17 baute Matthias Nauman (Hildesheim) ein neues Instrument, 47 III/P, mechanische Traktur, Schleifladen. Um 1829 Reparatur und Dispositionsänderung durch Joseph Friedrich (Hildesheim). 1859 Reparatur und Dispositionsänderung durch Heinrich Schaper (Hildesheim), 46 III/P. 1895 Instrument abgebaut. 1895/96 Neubau von August Schaper (Hildesheim) unter teilweiser Verwendung der historischen Pfeifenmaterials, 42 III/P, mechanische Traktur, Schleif- und Kegelladen. 1902 Umbau durch August Schaper, 40 III/P. 1905 neue Kegellade für zweites Manual. 1917 Prospektpfeifen zu Kriegszwecken abgegeben (275 Kilogramm), 1919 neue Prospektpfeifen. 1937-41 Umbau ausgeführt von Emil Hammer Orgelbau (Hannover), 48 III/P, mechanische und pneumatische Traktur, Schleif- und Kegelladen (Opus 1273). Die Orgel wurde am 22. März 1945 zerstört. 1949 beauftragte die Gemeinde Ernst Palandt & Sohnle (Hildesheim) mit dem Bau einer Orgel. Dieser verwendete dafür Gehäuse, Pfeifen und Windladen zweier älterer Instrumente (1754, unbekannter Orgelbauer, 1765, Johann Conrad Müller, beide 1948 erworben aus dem Bestand des verstorbenen Schmiedemeisters Philipps, Algermissen). Zunächst 9 I/aP, mechanische Traktur, Schleifladen, im Gemeindehaus aufgestellt, weitere Registerzüge und zweites Manual bereits angelegt. 1952-53 Umbau zu Rückpositiv und Aufbau in der Kirche mit provisorischem Pedal. 1954-62 in mehreren Bauabschnitten von Hildesheimer Orgelbauwerkstatt umgebaut und erweitert zu 29 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1967-68 Umbau durch Hildesheimer Orgelbauwerkstatt (neues Hauptwerk, altes Hauptwerk in Rautenberg aufgestellt). 1988-92 Instandsetzung und Erweiterung durch Franz Rietzsch (Hiddestorf), 38 III/P, mechanische Traktur, Schleifladen.

Truhenorgel

Neubau der Gebrüder Hillebrand (Altwarmbüchen) 1986, 4 I, mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Fünf LG I: f’ (Bronze, Gj. 1655, Jakob Corbe), 1927 bis 1945 nicht genutzt, 1945 bis 1950 in (Hildesheim, St. Jakobi; II: g’, Friedensglocke, Inschrift „Verleih uns Frieden gnädiglich“ (Bronze, Gj. 1952, Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg); III: b’, Taufglocke (Bronze, Gj. 1954, Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg); IV: d’’, Marienglocke, Inschrift „anno d[omi]ni m ccccc xxxiiii brant helmes me fecit vocor maria39“ (Bronze, Gj. 1534, Brant Helmes, 1954 umgestimmt von Friedrich Wilhelm Schilling); V: e’’, Inschrift „anno d[omi]ni m cccccxxiii ave maria“40 (Bronze, Gj. 1523), IV und V zunächst SG, seit 1953 LG. – Früherer Bestand: Eine LG (Bronze, Gj. 1461).41 Eine LG 1537 genannt (Annenglocke).[NOTE]UB S HILDESHEIM VIII, NR. 844.[/NOTE] Drei LG, I: as; II; III: Lutherglocke, Inschrift „Gottes Wort und Luthers Lehr vergehen nun und nimmermehr“ (alle Bronze, Gj. 1927, Glockengießerei Radler, Hildesheim); I und II im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben, III 1945 beschädigt, Umguss zu heutigen LG II und III.42

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus mit Gemeindebüro (Bj. 1951). – Pfarrhaus (Bj. 1924, 1948-50 Wiederaufbau, etwa 2006 verkauft). – Gemeindehaus Goschenstraße (Bj. 1919, etwa 2006 verkauft). – Wohnhaus Goschenstraße (Bj. 1956). – Lambertihof mit Kindergarten sowie Sprachheilkindergarten (Bj. 1953, 1955 erweitert um Internat, 1986 saniert, Sprachheilkindergarten etwa 2006 umgezogen), Gemeindesaal (1956) und Jugendkeller (1986, ehemaliger Keller der mittelalterlichen Marktschänke); 2009 als Gemeindezentrum neu eingeweiht. – St.-Lamberti-Alten- und Pflegeheim (Bj. 1958, 1966 und 1971 erweitert, 1984 modernisiert).

Friedhof

Lambertikirchhof ursprünglich rund um die Kirche, 1812 aufgehoben. Seither ehemaliger Friedhof des Hospitals St. Crucis als Gemeindefriedhof genutzt (am Goschentor), FKap (Bj. 1920).

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 1 Nr. 5397-5404 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 520 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 3648-3659 (Pfarrbestallungsakten); D 68 (EphA Hildesheim); D 69 (Geistliches Ministerium Hildesheim); D 73 (PfA); S 11a Nr. 7079 g (Findbuch PfA).

Literatur

A: Arndt, Deutsche Christen; Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 135 f., Nr. 151; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 720-721; Lauenstein, Kirchen- und Reformationshistorie, bes. VIII; Meyer, Pastoren I, S. 508-509; Pape, Palandt, S. 179; Pape, Organographia Historica Hildesiensis, S. 205-223; Twachtmann-Schlichter, Stadt Hildesheim, bes. S. 160 und 169; Zeller, KD Hildesheim kirchliche Bauten, S. 288-293.
B: Drei Tafeln des Peter-und-Paul-Altars aus der Lamberti-Kirche in der Neustadt von Hildesheim, hrsg. von der Kulturstiftung der Länder (= Patrimonia 183), Hannover 2000; St. Lamberti zu Hildesheim, hrsg. vom Kirchenvorstand der Ev.-luth. Kirchengemeinde St. Lamberti Hildesheim, Hildesheim 2001; Wiederaufbauarbeiten an der St-Lamberti-Kirche zu Hildesheim, in: Hildesheimer Bauwarte 22 (1952), Heft 3, S. 9-11; Fritz Garbe: St. Lamberti in Hildesheim von der Väter Tagen bis in unsere Zeit, Hildesheim 1960; August C. Gothe: Sankt Lamberti, Hildesheim-Neustadt, romanischer Basilikabau? (Grabungsbericht), Alt-Hildesheim 34, 1963, S. 25-32; Nicolaus Heutger: 500 Jahre Hallenkirche St. Lamberti in der Hildesheimer Neustadt. 1488-1988, Hildesheim 1988; Nicolaus Heutger: Das Jahr des Herrn im alten Niedersachsen. Festbuch der St. Lamberti-Kirche zu Hildesheim, Hildesheim [ca. 1992]; Hartwig Kemmerer und Günther Hein (Hg.): Neustädter Geschichten. Auf Spurensuche in einem Hildesheimer Stadtteil, Hildesheim 1988; Gabriele Neitzert, Der Peter- und Paulsaltar in der St. Lamberti-Kirche in Hildesheim, in: Niederdeutsche Beiträge zur Kunstgeschichte 6 (1967), S. 127-166; Manfred Overesch: Der Augenblick und die Geschichte, Hildesheim am 22. März 1945, Hildesheim 2005.

GND

2111370-1, Evangelisch-Lutherische Sankt-Lamberti-Kirchengemeinde (Hildesheim); 4629202-0, Sankt Lamberti (Hildesheim); 4629617-7, Hildesheim / Sankt Lamberti / Passionsaltar.


Fußnoten

  1. UB HS Hildesheim I, Nr. 762.
  2. UB S Hildesheim I, Nr. 96.
  3. Gebauer Bd. I, S. 150.
  4. UB S Hildesheim VIII, Nr. 964.
  5. UB S Hildesheim I, Nr. 242, 245. Vgl. auch Garbe, S. 15 f. (ohne Belege) und Heutger, 500 Jahre, S. 55 ff. Es ist bei der Zuordnung der Belege darauf zu achten, dass neben der Neustädter Lambertikirche in der Altstadt Hildesheim eine Lambertikapelle existierte.
  6. UB S Hildesheim I, Nr. 703, 787, 900.
  7. UB S Hildesheim II, Nr. 117 und 514.
  8. UB S Hildesheim IV, Nr. 198.
  9. Drei Tafeln, S. 19 ff.
  10. Im Jahr des Herrn 1473 am Tag des Servatius wurde dieser Chor begonnen, DI 58, Stadt Hildesheim, Nr. 190 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di058g010k0019009. Die übliche Angabe 1474 geht vermutlich auf die fehlerhafte Wiedergabe der Inschrift in Zeller, KD Hildesheim kirchliche Bauten, S. 288 zurück.
  11. Bistumsarchiv Hildesheim, Heutger, 500 Jahre S. 31.
  12. Garbe, S. 16 ff.; Heutger, 500 Jahre, S. 47 ff.
  13. Garbe, S. 30; Heutger, 500 Jahre, S. 57.
  14. Garbe, S. 36 (ohne Beleg).
  15. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 7,2,1, S. 806 ff.
  16. Lauenstein, Kirchen- und Reformationshistorie, IX, S. 36 f.; Garbe, S. 14 ff.
  17. Lauenstein, Kirchen- und Reformationshistorie, bes. VIII, S. 17.
  18. Zu seiner Wahl vgl. Dürr, Politische Kultur, S. 195 ff.
  19. Garbe, S. 42.
  20. Garbe, S. 63.
  21. KABl. 1898, S. 31; KABl. 1906, S. 122.
  22. LkAH, S 1 H III Nr. 316, Bl. 39.
  23. Arndt, Deutsche Christen, S. 112.
  24. LkAH, L 5h, unverz., St. Lamberti Hildesheim, Visitation 1955 (gleiche Formulierung auch 1963).
  25. Zit. bei Overesch, S. 49.
  26. KABl. 1954, S. 121 f.; KABl. 1952, S. 102.
  27. KABl. 1962, S. 75 f.; KABl. 1959, S. 7.
  28. LkAH, L 5h, unverz., St. Lamberti Hildesheim, Visitation 1987.
  29. KABl. 1999, S. 201; KABl. 2006, S. 256.
  30. Machens, Archidiakonate, S. 100 ff.
  31. Lauenstein, Kirchen- und Reformationshistorie, bes. VIII, S. 18.
  32. KABl. 1998, S. 211 f.
  33. Lauenstein, Kirchen- und Reformationshistorie, bes. VIII, S. 2 f.; Wiederaufbauarbeiten, S. 9.
  34. DI 58, Stadt Hildesheim, A1, Nr. 34† (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di058g010a1003405.
  35. Rekonstruktionsversuche bei Gothe, S. 30 ff., Abbildung VIII-XIII, vermuteter Grundriss ebd.
  36. Gothe, S. 25 f.
  37. Drei Tafeln, bes. S. 28 ff.
  38. DI 58, Stadt Hildesheim, Nr. 266 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di058g010k0026605.
  39. DI 58, Stadt Hildesheim, Nr. 324 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di058g010k0032402.
  40. DI 58, Stadt Hildesheim, Nr. 305 (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di058g010k0030507.
  41. DI 58, Stadt Hildesheim, Nr. 175† (Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di058g010k0017509.
  42. LkAH, B 2 G 9 B/St. Lamberti Hildesheim Bd. I, Bl. 65 f. und 148; L 5h, unverz., St. Lamberti Hildesheim, Visitation 1955.