Frühere Gemeinde | Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Hildesheim-Sarstedt | Patrozinium: Paul Gerhardt | KO: Calenberger KO von 1569

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Orts- und Kirchengeschichte

Die Paul-Gerhardt-Gemeinde, 1962 gegründet, umfasste das Galgenbergviertel im Südosten Hildesheims. Die Bebauung dieses Stadtteils hatte erst im 20. Jh. begonnen; der Anteil an Eigenheimen ist hoch und das Viertel sei eines „der bevorzugtesten Wohngebiete“ Hildesheims, wie es im Bericht über die Visitation 1987 heißt.1 Die Gemeinde besitze, so hatte der Ortspfarrer 1968 die Sozialstruktur beschrieben, „neben einer ganzen Anzahl wohlsituierter Familien viele mittlere Beamte, Angestellte und Kaufleute, wenige Arbeiterfamilien.“2

Kirche, Ansicht von Osten, um 1970, Foto: P. Greve, Jöllenbeck (?)

Kirche, Ansicht von Osten, um 1970, Foto: P. Greve, Jöllenbeck (?)

Das Gebiet gehörte zunächst zur Neustädter Lambertigemeinde und als Gottesdienststätte diente der Speisesaal des 1958 eröffneten Paul-Gerhardt-Heims (heute Lambertinum). Zum 1. Juli 1962 trennte sich der Pfarrbezirk von St. Lamberti, gründete sich als eigenständige Kirchengemeinde und übernahm die dritte Pfarrstelle der Muttergemeinde.3 Im Mai 1963 feierte die junge Gemeinde die Grundsteinlegung des Kirchengebäudes, am 2. Advent 1964 kam Landesbischof Hanns Lilje zur Einweihung. Die Hildesheimer Architekten Walter und Reiner Blaich hatten die moderne Kirche entworfen und die Hildesheimer Allgemeine Zeitung urteilte: „Dieser Bau ist etwas Ungewohntes für Hildesheim, aber etwas Schönes.“4 Aus der in der Gemeinde gesammelten „Paul-Gerhardt-Spende“ konnten die vier Glocken und die Orgel finanziert werden.5 Das Geläut sei „von außerordentlicher Geschlossenheit und Schönheit“, befand der Glockensachverständige Wilhelm Drömann.6

Kirche, Blick zum Altar, um 1970, Bildrechte: Foto Wehmeyer, Hildesheim

Kirche, Blick zum Altar, um 1970, Foto: Wehmeyer, Hildesheim

Im Herbst 1973 konnte die Gemeinde neben der Kirche ein Gemeindehaus einweihen, die Baupläne hatte wiederum Walter Blaich entworfen. Aufgrund der recht geringen Fluktuation in der Bevölkerung des Galgenbergs war aus der zunächst recht jungen Paul-Gerhardt-Gemeinde Anfang der 1990er Jahre eine Gemeinde mit vielen älteren und alten Menschen geworden. Im Jahr 2003 gründete sich der gemeinnützige Verein „Leben und Reden rund um Paul Gerhardt“, der seit 2004 den kirchlichen Tante-Emma-Laden „Der Kleine Paul“ betreibt. Nach sechsjähriger Vorbereitung schlossen sich zum 1. Januar 2005 die Paul-Gerhardt-Gemeinde und die Timotheusgemeinde zu einer Kirchengemeinde zusammen, die wiederum den Namen „Ev.-luth. Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde“ erhielt.7

Umfang

Teile der Südstadt Hildesheims (Galgenberg).

Aufsichtsbezirk

Mit Gründung zum KK Hildesheim, ab 1. Januar 1999 KK Hildesheim-Sarstedt.8

Kirchenbau

Diagonal nach Nordosten ausgerichteter Bau mit quadratischem Grundriss, errichtet 1963/64, Architekten Walter und Reiner Blaich (Hildesheim). Betonummanteltes Stahlfachwerk, ausgemauert mit Beton- und Glasbausteinen; stützenfreies, verkupfertes Dach in Form eines hyperbolischen Paraboloids. Im Innern gewölbte Decke, über Empore und zum Altarraum hin ansteigend, mit Sperrholzplatten und farbigen Fugenleisten netzartig gestaltet; seitlich belichteter Altarraum im Nordosten, Empore im Südwesten, Mittelgang in der Diagonalen, Bänke kreisbogenförmig angeordnet.

Turm

An Nordostecke des Gebäudes, steigt über dem Altar offen aus Kirchenschiff empor, nach oben hin verjüngt; unverputzter Stahlbeton, bekrönendes Kreuz. Vertikale Fensterbänder zur Belichtung des Altarraums. Glockenstube mit vierstöckigem Glockenstuhl. Grundlegende Sanierung des Kirchengebäudes 1997. Die Kirche ist denkmalgeschützt.

Ausstattung

Christusfigur im Altarraum (Bronze, 1963, Kurt Lehmann, Hannover). – Schlichter Altartisch. – Taufstein unterhalb der Empore.

Orgel, nach 1966 (1966 Orgelneubau)

Orgel, nach 1966

Orgel

1966 Neubau von Hermann Hillebrand (Altwarmbüchen), 11 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen (erster Bauabschnitt). 1968 Erweiterung auf 21 II/P (zweiter Bauabschnitt). Instandsetzung 1991 durch Franz Rietzsch (Hiddestorf). 2003 Einbau eines Zimbelsterns, Gebrüder Hillebrand (Altwarmbüchen).

Zweit-Orgel

Positiv, um 1995 aufgestellt, zuvor in der Timotheuskirche, Neubau um 1962, Orgelbauer unbekannt, 2 I, mechanische Traktur, Schleifladen. 2012 Dispositionsänderung durch Florian Fay (Braunschweig).

Geläut

Vier LG, I: ges’, Verkündigungsglocke, Inschrift: „Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit“; II: as’, Christusglocke, Inschrift: „Kommt und laßt uns Christum ehren“; III: b’, Friedensglocke, Inschrift: „Er lasse seinen Frieden ruhn auf unserm Volk und Land“; IV: des’’, Dankesglocke, Inschrift: „Ich singe dir mit Herz und Mund, Herr, meines Herzens Lust“ (alle Bronze, Gj. 1964, Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg).

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (Bj. 1961, eingeschossiger Bau mit ausgebautem, einhüftigen Satteldach, 1987 saniert). – Gemeindehaus (Bj. 1972/73, eingeschossiger Bau mit einhüftigem Satteldach, Entwurf von Walter Blaich, Hildesheim).

Literatur

A: Pape, Organographia Historica Hildesiensis, S. 333-335; Twachtmann-Schlichter, Stadt Hildesheim, bes. S. 242.
B: Festschrift zur Einweihung der Paul-Gerhardt-Kirche zu Hildesheim, hrsg. von der Ev. Luth. Paul-Gerhardt-Gemeinde Hildesheim, Hildesheim 1964.


Fußnoten

  1. LkAH, L 5h, unverz., Hildesheim, Paul Gerhardt, Visitation 1987.
  2. LkAH, L 5h, unverz., Hildesheim, Paul Gerhardt, Visitation 1968.
  3. KABl. 1962, S. 75 f.
  4. LkAH, S 9, Hildesheim, Paul Gerhardt.
  5. LkAH, L 5h, unverz., Hildesheim, Paul Gerhardt, Visitation 1968.
  6. LkAH, L 5h, unverz., Hildesheim, Paul Gerhardt, Visitation 1968.
  7. KABl. 2004, S. 192.
  8. KABl. 1998, S. 211 f.