Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Harzer Land | Patrozinium: Christus | KO: Lüneburger KO von 1643

Orts- und Kirchengeschichte
Kirche, Ansicht von Südosten

Kirche, Ansicht von Südosten

Das Wachstum der Stadt Herzberg machte in der zweiten Hälfte des 20. Jh. einen zweiten ev. Kirchenbau notwendig. Im neuen Siedlungsgebiet nördlich der Sieber konnte Lbf. Hanns Lilje (amt. 1947–1971) am 23. August 1964 die neue Christuskirche einweihen. Einige Monate später, zum 1. Januar 1965, machte sich der nördliche Gemeindebezirk der KG Herzberg als Christuskirchengemeinde Herzberg selbständig. Von ihrer Muttergemeinde übernahm die neue Gemeinde die 1964 eingerichtete vierte Pfarrstelle und die pfarramtliche Verbindung mit der KG Lonau.1 Gleichzeitig mit der Kirche waren in unmittelbarer Nachbarschaft auch Gemeindesaal und Pfarrhause errichtet worden.
Erster Pastor der neuen Gemeinde wurde P. Wilhelm Witzel (amt. 1965–1986). Kurz nach Gründung der Gemeinde fand sich ein Posaunenchor zusammen. 1968 hatte die Christusgemeinde etwa 2.665 Gemeindeglieder. Die Gemeindesituation beschrieb der Sup. des KK Herzberg 1975 als nicht ganz leicht, denn hier lebten „viele Neubürger und Zugezogene, die schwer Kontakt zur Gemeinde gewinnen“.2 Trotz Eigenständigkeit der Christusgemeinde lagen einige Bereiche der Gemeindearbeit weiterhin in der Hand der Nicolaigemeinde bzw. wurden übergemeindlich organisiert; 1981 waren dies „Jugend-, Alten- und Hauskreise, Frauenkreis, die Kantorei, das jährliche Gemeindefest, der Basar und der Gemeindebrief“.3
Im Rahmen der Partnerschaft zwischen der hannoverschen und der sächsischen Landeskirche knüpfte die Christusgemeinde Anfang der 1980er Jahre Kontakte zur Kirchgemeinde Gröditz bei Riesa.4 Im ersten Jahrzehnt des dritten Jahrtausends entwickelte die Christusgemeinde ein eigenständiges Profil mit stark liturgisch geprägten Gottesdiensten. Seit 2007 fördert die Stiftung „Lebendige Kirche vor Ort“ das Gemeindeleben in der Christus-KG und unterstützt den Erhalt der kirchlichen Gebäude.5 Der Pfarrverbund der Christusgemeinde Herzberg und der Michaelisgemeinde Lonau wurde 2019 um die St.-Benediktusgemeinde Sieber erweitert. Die Gemeinden gehören zur Region Herzberg-Hattorf im KK Harzer Land.

Umfang

Die Stadt Herzberg nördlich der Sieber.

Aufsichtsbezirk

Mit Gründung der KG 1965 zum KK Herzberg. Seit 1. Januar 2013 KK Harzer Land.6

Kirchenbau
Kirche, Blick zum Altar, vor 1999

Kirche, Blick zum Altar, vor 1999

Rechteckbau mit eingezogenem Rechteckchor und Sakristeianbau an der Westseite des Chors, Kirche ausgerichtet nach Nordnordosten, erbaut 1963/64 (Architekt: Heinz Bick, Herzberg). Satteldach, Sakristei mit Schleppdach. Außenwände mit Betonrahmen und Ziegelverkleidung; an den Längsseiten horizontale Fensterbänder unterhalb der Dachtraufe, Ostseite des Chors aus Glasbausteinen. An der südlichen Giebelwand Rechteckportal mit Vordach. Im Innern offener Dachstuhl, Südempore. 1974 farbliche Gestaltung Altarwand (rot). 1999 Neugestaltung Innenraum.

Turm

Rechteckturm vor der Südostecke der Kirche. Betonrahmen und Ziegelverkleidung, Satteldach bekrönt mit Kreuz, an jeder Seite je ein Schallfenster, darunter Uhrziffernblatt. Turmuhr (Firma Korfhage, Buer).

Ausstattung

Altartisch vor dem Altarraum (1999). – Goldquadrat an der Altarwand (Entwurf: Jürgen Lenssen, Würzburg). – Taufe (2011, Leo Pfisterer, Österreich), rundes Bronzebecken auf zwei Marmorblöcken, am Becken kleines Relief „Moses teilt das Rote Meer“; Taufe aufgestellt zentral im Altarraum. – Lesepult. – 14 Kreuzwegbilder (Jürgen Lenssen, Würzburg). – Bronzerelief „Jesus und der Jünger, den er liebte“ (2009, Leo Pfisterer, Österreich), davor bronzener Kerzentisch. – Ikone „Der Erlöser in den himmlischen Mächten“ (Leo Pfisterer, Österreich), eingebettet in Goldfeld über dem Ausgang unterhalb der Empore. – Ehemalige Ausstattung: Schlichter, eiserner Taufständer mit Kupferschale (1964). – Niedrige Kanzel (1964). – Altartisch aus zwei Steinblöcken (1964).

Orgel, nach 1969

Orgel, nach 1969

Orgel

Zunächst Harmonium, später Orgelpositiv (Leihorgel). Orgelneubau 1969, ausgeführt von Rudolf Janke (Bovenden), 14 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen; ein weiteres Register vakant. 1984/85 Änderung der Disposition (im Pedal Rauschpfeife 2fach durch Gedackt 8’ ersetzt), Rudolf Janke (Bovenden). 1998 Instandsetzung und Änderung der Disposition, ausgeführt von Rudolf Janke (Bovenden), 16 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Drei LG, I: h’, Inschrift: „Ich bin der Weg“; II: d’’, Inschrift: „Ich bin die Wahrheit“; III: e’’, Inschrift: „Ich bin das Leben“ (alle Bronze, Gj. 1964, Firma Rincker, Sinn), alle Glocken tragen zudem die Inschrift „Christus-Kirche zu Herzberg A[nno] D[omini] 1964“.

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (Bj. 1964). – Gemeindehaus (Bj. 1964, erweitert 1991).

Friedhof

Der kirchliche Friedhof Herzbergs ist Eigentum der Nicolaigemeinde.

Landeskirchliches Archiv Hannover

S 09 rep Nr. 1356 (Presseausschnittsammlung); S 11a Nr. 7023 (Findbuch PfA).

Literatur & Links

A: Kirchen KK Herzberg, S. 20–21.
B: Martina Grohmann: Herzberg. Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Herzberg am Harz 2003, bes. S. 174–192; Walter Hetzer, Ulrich Mattke & Hans-Ludwig Meise: Herzberg am Harz. Vergangenheit und Gegenwart, Herzberg am Harz 1974, bes. S. 22–37.
Internet: Bildindex der Kunst & Architektur: Kirche Innenraum.

GND

5307874-3, Evangelisch-Lutherische Gemeinde der Christus-Kirche (Herzberg am Harz)


Fußnoten

  1. KABl. 1965, S. 4 f.
  2. LkAH, L 5c, unverz., Herzberg, Christus, Visitation 1975.
  3. LkAH, L 5c, unverz., Herzberg, Christus, Visitation 1981.
  4. Allgemein: Cordes, Gemeindepartnerschaften, S. 38 ff.
  5. Satzung: http://herzberg-kirche.de/satzung-stiftung/, 21.12.2021.
  6. KABl. 2012, S. 344 f.