Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Hameln-Pyrmont | Patrozinium: Johannes der Täufer (seit 1909, ursprünglich Laurentius)1 | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte

Schriftlich ist der Ortsname erstmals im Jahr 1241 als Herkunftsname nachgewiesen: Eine Urkunde nennt in ihrer Zeugenliste Jordanis de Bercle.2 1282 findet sich der Beleg Berkele.3 Das Dorf war Teil der Gft. Everstein, die 1408 in Besitz der Hzg. zu Braunschweig-Lüneburg kam. Die Hzg. verpfändeten das spätere Amt Aerzen, zu dem Groß Berkel zählte, 1433 an den Bf. von Hildesheim, der es wiederum weiter verpfändete.4 Im Zuge der Hildesheimer Stiftsfehde (1519–1523) nahmen die welfischen Hzg. das Amt wieder in Besitz, es zählte nun zum Fsm. Calenberg-Göttingen („Kernlande Hannover“, 1692: Kfsm. Braunschweig-Lüneburg bzw. Kurhannover). Das Amt diente weiterhin als Pfandobjekt und kam erst um 1660 unter landesherrliche Verwaltung.5 In französischer Zeit zählte Groß Berkel von 1810 bis 1813/14 zum Kanton Aerzen im Distrikt Rinteln des Leinedepartements im Kgr. Westphalen. Danach gehört das Dorf, nun im Kgr. Hannover, wieder zum Amt Aerzen, das 1823 im neugegründeten Amt Hameln aufging (1854–59 kurzzeitig wieder hergestellt). Mit der Annexion des Kgr. Hannover fiel Groß Berkel 1866 an das Kgr. Preußen. Bei Einführung der Kreisverfassung kam der Ort 1885 zum Kr. Hameln, der 1922 im Lkr. Hameln-Pyrmont aufging. 1973 wurde Groß Berkel in den Flecken Aerzen eingegliedert. Ab 1897 besaß Groß Berkel einen Bahnhof (Strecke Hameln–Lage (Lippe) , Abschnitt zwischen Aerzen und Hameln seit 1980 stillgelegt und abgebaut). Zur Sozialstruktur des Kirchspiels schrieb der Ortspastor 1957, der Kirchort Groß Berkel sei „durchweg eine Arbeitersiedlung mit einigen noch bestehenden Bauernhöfen. Die bäuerlichen Betriebe überwiegen in den Aussenorten.“6 Um 1810 lebten fast 710 Menschen in Groß Berkel, um 1900 etwa 1.360, 1939 gut 1.780, 1948 fast 3.675 und 2019 rund 3.170.

Kirche, Ansicht von Süden, um 1950

Kirche, Ansicht von Süden, um 1950

Zur vorref. Kirchengeschichte Groß Berkels ist nur wenig bekannt. Urkundlich belegen lässt sich die Kirche 1328, als der Priester Konrad das Pfarramt innehatte; er ist auch 1337, 1339, 1345 und 1346 nachweisbar.7 In den Jahren 1418 und 1429 war Heinrich Stopel perner to Bercle bzw. kerkhere to Bercle.8 Nachdem Priester Hermann Hoppenhons im Jahr 1504 gestorben war, übernahm P. Berthold Lauwe († 1550) das Pfarramt. In seine Amtszeit fiel die Reformation.
Als Vormund ihres minderjährigen Sohnes Erich führte Hzgn. Elisabeth († 1558) die luth. Lehre im Fsm. Calenberg-Göttingen ein: 1542 setzte sie die von Antonius Corvinus († 1553) verfasste Kirchenordnung in Kraft und 1542/43 ließ sie die Gemeinden des Fürstentums visitieren.9 Im Jahr 1545 übernahm der nunmehr volljährige Hzg. Erich II. († 1584) die Regierungsgeschäfte und wechselte 1547 zum kath. Glauben. Die Calenbergischen Stände widersetzten sich jedoch seinen Rekatholisierungsbestrebungen und konnten 1553/55 die Beibehaltung der luth. Lehre in den Kirchspielen des Fürstentums sicherstellen. Nach dem Tod Erichs II. fiel das Fsm. Calenberg-Göttingen 1584 an Braunschweig-Wolfenbüttel und Hzg. Julius († 1589) führte seine 1569 aufgestellte ev. KO auch hier ein.10 1588 ließ er die Gemeinden visitieren. Im Protokoll dieser Visitation finden sich einige Angaben zur Einführung der luth. Lehre in Groß Berkel: Der seinerzeit 74jährige P. Johannes Bole senior (amt. 1542–1589) gab an, er habe die Pfarre zunächst als mercenarius (Lohngeistlicher) übernommen, da sein Vorgänger P. Lauwe „wegen der Religion sich befürchtet [hat] beraubt zu werden“.11 Der Reformator Antonius Corvinus habe ihn dann, wohl bei der Visitation 1542/43, „examinirt und eingesetzt.“
Nach P. Boles Tod übernahm sein gleichnamiger Sohn, P. Johannes Bole junior (amt. 1589–1597) das gut dotierte Pfarramt, dem wiederum dessen Neffe P. Heinrich Bole (amt. 1597–1623) folgte.12 Eine „Schule zu Barkell“ lässt sich zuerst in den 1590er Jahren belegen.13 Vermutlich 1618 ließ die Gemeinde ein neues Küster- und Schulhaus errichten und in der Turmknaufurkunde von 1660 ist mit Johan Friedrich Schepeler erstmals der Name eines Lehrers überliefert.
Im Jahr 1647 hatte ein Feuer insgesamt 43 Wohnhäuser in Groß Berkel zerstört, außerdem die Kirche, die Schule und das Pfarrhaus.14 Die Gemeinde begann, wie es in der bereits zitierten Turmknaufurkunde heißt, sogleich mit dem Wiederaufbau, allerdings hat „das Gotteshaus, wie gerne man auch gewollet, nicht hat können vollendet“ werden. 1653 schließlich erhielt die reparierte Kirche eine neue Kanzel, 1658 einen Altar und 1660 konnte die Turmbekrönung aufgesetzt werden.15 P. Johann Bernhard Bütemeister (amt. 1693–1746) war der erste Chronist der Gemeinde und trug „Nachrichten über die Pfarre und die nachreformatorischen Prediger“ zusammen.16 P. Bütemeister sprach sich 1739 zudem für eine „Erweiterung und Erhöhung“ des Kirchenschiffs aus.17 Die Unzulänglichkeit der Kirche – sie war baufällig und zu eng – führte während der Amtszeit von P. Heinrich Christoph Müldner (amt. 1764–1772, seit 1767 gleichzeitig Sup. der Insp. Börry) schließlich zum Neubau des Kirchenschiffs.18 Die Arbeiten begannen 1769 und am dritten Advent 1777 konnte die Gemeinde ihre neue Kirche einweihen; der im Kern noch mittelalterliche Kirchturm blieb erhalten.19 Ende Juli 1797 wurde P. Ludwig Philipp Walbaum (amt. 1792–1815) erster Sup. der neu eingerichteten Insp. Groß Berkel.

Kirche, Blick zur Orgel, 1972

Kirche, Blick zur Orgel, 1972

Kurz vor Ende des 19. Jh. gründete sich 1897 ein Posaunenchor in Groß Berkel, der jedoch nur bis zum Jahr 1912 bestand.20 1909/10 erhielt die Kirche den Namen „Johannes der Täufer“.21 Mit Wilhelmine Hellmold war von 1919 bis 1927 eine Frau als Küsterin der Gemeinde tätig.22 1934 wurde die Suptur. nach Hameln verlegt. Während NS-Zeit hatten P. Johann Adolf Louis Wilhelm Eduard Pätz (amt. 1894–1933) und P. Ernst Hahn (amt. 1935–1949) das Pfarramt Groß Berkel inne. Das kirchliche Leben sei, so heißt es in der Turmknaufurkunde von 1951, in dieser Zeit „fast zum Erliegen gekommen“, sonntags hätten sich „oft nicht einmal 10 Gottesdienstbesucher“ zusammengefunden.23 Im Bericht zur Visitation 1944 schrieb der Hamelner Sup. Albert Pellens (amt. 1935–1961): „Auf dem kirchlichen Leben liegt Müdigkeit.“24 Der erste Visitationsbericht der Nachkriegszeit zeichnete 1951 ein positiveres Bild: Eine Gruppe christlicher Pfadfinder habe sich gegründet sowie ein Mädchensingekreis. „Ein sehr aktiver Frauenkreis ist entstanden und auch Versammlungen der Männer haben mit wechselndem Erfolg stattgefunden.“25 Zu den sonntäglichen Gottesdiensten in der Kirche Groß Berkel waren monatliche Gottesdienste in der Schule in Dehmke hinzugekommen sowie einige in der Lungenheilstätte Riepenburg (1956 geschlossen).
Durch den Zuzug Geflüchteter war die Zahl der Gemeindeglieder des Kirchspiels von 2.500 (1933) auf mehr als 3.300 (1951) angestiegen. In der Kirche existierten 1951 noch einige feste, mit Namensschildern versehene Plätze; nicht alle Gemeindeglieder waren bereit, diese Platzrechte, für die „keinerlei Leistungen erhoben“ wurden, aufzugeben. Der KV versicherte sich daher beim LKA Hannover, dass es in seiner Befugnis läge, sie per KV-Beschluss aufzuheben.26 1952/53 konnte die ehemalige Pfarrscheune zu einem Gemeindehaus umgebaut werden. Ein Schwerpunkt der Gemeindearbeit lag auch in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre auf der Kinder- und Jugendarbeit und in den Unterlagen zur Visitation 1957 heißt es: „Es bestehen: Die Christliche Pfadfinderschaft (18 Mitgl[ieder]), der grosse gemischte Jugendkreis (Junge Gemeinde), mit etwa 45–70 Mitgliedern, der Laienspielkreis (etwa 25 Mitglieder), der Kinderlaienspielkreis (etwa 15 Mitglieder), der grosse Kinderkreis (von Erntedankfest bis Ostern) 80–100 Kinder, der Helferkreis für den Kindergottesdienst (10 Mitglieder), der Helferkreis für die Kinderarbeit (14 Mitglieder), in der Adventszeit der freie Bastelkreis (etwa 15–20 Mitglieder), ferner der Singekreis, der aus c[irca] 20–25 Jugendlichen besteht.“27
In der Nachkriegszeit entstand auch eine kleine kath. Gemeinde in Groß Berkel (1951: 350 Gemeindeglieder); bis zum Bau der kath. Kirchen in Aerzen im Jahr 1962 fanden kath. Gottesdienste auch in der ev. Kirche Groß Berkel statt.28 In der ersten Hälfte der 1960er Jahre knüpfte die Johannis-KG Groß Berkel im Rahmen der Partnerschaft zwischen der hannoverschen und der sächsischen Landeskirche Kontakte zu den Kirchgemeinden Langenhessen und Königswalde (nordwestlich von Zwickau).29 1971 richtete die Gemeinde einen Kinderspielkreis ein, aus dem 1975 der ev. Kindergarten hervorging.30 Trägerin der Einrichtung ist die Kirchengemeinde.
Mit der St.-Marien-KG Aerzen und der Petrus-und-Paulus-KG Hemeringen-Lachem bildet die Johannis-KG mittlerweile die Region 4 des KK Hameln-Pyrmont.

Umfang

Groß Berkel sowie Bexen, Dehmke, Dehrenberg, Laatzen, Selxen und Waalsen. Bis 1668 auch Ohr.31

Aufsichtsbezirk
Kirche, Ansicht von Süden, um 1950

Kirche, Ansicht von Süden, um 1950

Archidiakonat Ohsen der Diözese Minden.32 – Nach der Reformation kam Groß Berkel zunächst zur Insp. Münder, 1634 zur neuen Insp. Aerzen, deren Sitz 1664 nach Oberbörry verlegt wurde (Insp. Börry).33 1797 zur neuen Insp. Groß Berkel (Sitz der Suptur. in Groß Berkel), seit 1924 KK Groß Berkel, 1934 aufgegangen im neuen KK Groß-Berkel-Hameln, 1938 umbenannt in KK Hameln-Pyrmont.34 – Die neugegründeten Insp. Groß Berkel, bis zur Einsetzung des Groß Berkeler P. Ludwig Philipp Walbaum am 31. Juli 1797 mitverwaltet von der Suptur. Münder, umfasste anfangs folgende Gemeinden: Aerzen, Groß Berkel, Klein Berkel und Ohr, Hämelschenburg, Hemeringen, Lachem, Lüntorf und Kirchohsen.35 Zwischen 1821 und 1826 kam das 1818 verselbständigte Lüntorf hinzu, das 1844 wieder zurück zur Insp. Börry wechselte. 1867 kamen die KG Afferde, Groß Hilligsfeld und Holtensen zur Insp. Groß Berkel hinzu (vorher Insp. Münder). Seit den 1860er Jahren bildete die Insp. Groß Berkel einen Synodalverband mit der Stadt Hameln. Dem Sup. der Insp. Groß Berkel unterstanden auch die Prediger der Garnison und der Strafanstalt in Hameln, seit 1930 gehörten auch die Hamelner Stadtgemeinden zum nunmehrigen KK Groß-Berkel-Hameln (unterstanden jedoch weiterhin der Aufsicht des dortigen Seniors des Geistlichen Ministeriums).36 Zum 1. Oktober 1934 wurden die Gemeinden des KK Groß-Berkel-Hameln zu einem Aufsichtsbezirk zusammengefasst und der Sitz der Superintendentur nach Hameln verlegt.37

Patronat

Die Gf. von Everstein, wohl seit der ersten Hälfte des 15. Jh. die Fs. von Lüneburg (1588: „Der Herzog von Lüneburg hat wegen Ebersteins das jus conferendi“).38 Später der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau
Kirche, Grundriss, 1936

Kirche, Grundriss, 1936

Vierachsiger, barocker Rechteckbau mit Sakristeianbau im Osten, errichtet 1769–77 (Entwurf: Zimmer- und Schleusenmeister C. L. Dammert, Hameln). Satteldächer über Schiff und Sakristei, jeweils nach Osten abgewalmt. Verputztes Bruchsteinmauerwerk mit Eckquaderung. rundbogige Sprossenfenster an den Längsseiten und nach Osten, in der Westachse nach Norden und Süden Nebenportale mit Segmentbögen, jeweils mit Inschriften: „Bewahre deinen Fus wenn du zum Hause Gottes gehest“ und „MDCCLXXVI“. Sakristei mit zwei kleinen Rundbogenfenstern nach Osten, Rechteckportal nach Süden. Im Innern verputztes, hölzernes Muldengewölbe, u-förmige Empore auf Holzsäulen (1776); spitzbogiger Durchgang zur Turmhalle. 1909 Renovierung (u. a. Orgelempore erweitert).39 1959/60 Renovierung (u. a. Haupteingang in den Turm verlegt, neues Gestühl). 1979 Außenrenovierung (neuer Putz). 1992 Innenrenovierung.

Turm

Vierseitiger Westturm, Unterbau im Kern noch mittelalterlich, Turmhelm mit vierseitigem Ansatz und achteckiger, hochausgezogener Spitze, bekrönt mit Kugel und Kreuz, Auslegestuhl für Uhrschlagglocke nach Süden, Uhrerker nach Norden, Süden und Westen. Steinsichtiges Bruchsteinmauerwerk mit Eckquaderung, im Glockengeschoss je ein rechteckiges Schallfenster nach Norden, Süden und Westen; spitzbogiges Portal nach Westen. 1647 Turm und Kirche ausgebrannt. 1660 Turm instandgesetzt. 1730 Turmuhr vorhanden. 1754 Instandsetzung nach Blitzeinschlag. 1850/53 Reparatur Turmhelm. 1858 neue Turmuhr (Uhrmacher Strathe, Teudt). 1903 Reparatur nach Blitzeinschlag. 1936 neue Turmuhr (Firma Kanngießer & Söhne, Hildesheim). 1951 Reparatur Turmdach und Bekrönung. 1970 neue Turmuhr (Herforder Elektricitätswerke Bokelmann & Kuhlo). 1998 neue Turmbekrönung, neue Schieferdeckung.

Grablege

In der alten Kirche Erbbegräbnis des adligen Gutes Ohr (Familie von Hake). Zudem u. a. Grabstellen des P. Barthold Lauwe (†1550) und verschiedener Angehöriger der Familien von Reden und von Frenke.40

Kirche, Blick zum Altar, vor 1945

Kirche, Blick zum Altar, vor 1945

Vorgängerbau

Zweijochiger Bau mit eingezogenem, wohl dreiseitig geschlossenem Chor und vierseitigem Westturm, erbaut oder erneuert 1548, 1647 ausgebrannt und bis 1660 wieder aufgebaut (Fertigstellung des Turms).41 Der Bau war „im Lichten lang 50 ½ Fuß, breit 34 ½ Fuß. Die Mauern sind 3 Fuß dick. Der Chor ist ohne Mauern lang 21 Fuß, breit 20 Fuß. Der Thurm ist im Quadrat 30 Fuß.“42 1769 abgebrochen (baufällig und klein).

Ausstattung

Einachsiger, barocker Kanzelaltar aus Holz (1776/,77, Hofbildhauer Johann Friedrich Blasius Ziesenis, Tischlermeister Johann Christian Lauber, Maler Johann August Bartels, alle Hannover), Kanzelkorb flankiert von schräggestellten Pfeilern mit vorgelegten Pilastern und Viertelsäulen sowie einer vorgestellten korinthischen Säule; Schalldeckel in das verkröpfte Gebälk integriert; über dem Gebälk und über den Rundbogendurchgängen der seitlichen Scherwände Darstellung der vier Kardinaltugenden (Liebe, Hoffnung, Glauben, Geduld), jeweils auf Voluten sitzend; über dem Schalldeckel geschwungenes Podest mit Gesetzestafeln, bekrönendem Kreuz und aufgeschlagenem Buch („Biblia Sacra“); als Bekrönung des Altars geschweifter Sprenggiebel mit Wolken- und Strahlenkranz, geflügelten Engelsköpfen und Taube; unterhalb des Kanzelkorbs Abendmahlsgemälde (Johann August Bartels; nach dem Zweiten Weltkrieg abgenommen, 1996 restauriert und wieder angebracht); vor dem Retabel kastenförmiger Holzaltar.43 – Teilweise farbig gefasster Taufstein aus Sandstein mit pyramidenstumpfförmigem, von einem vergoldeten Lamm bekröntem Holzdeckel (1776/77, Deckel vermutlich von Johann Friedrich Blasius Ziesenis).44 – Corpusfragment eines hölzernen Kruzifixes (15. Jh.), 1935 bei Bauarbeiten im Turm gefunden.45 – Opferstock (18. Jh., Holz). – Inschriftenstein aus dem Vorgängerbau: „Anno d[o]m[ini] 1548“ (Fragment eines Türbogens, 1909 entdeckt).46 – Porträt P. Johann Bernhard Bütemeister (amt. 1693–1746), Öl auf Leinwand. – Grabplatte (1596). – Ehemalige Ausstattung: Grabstein für Berthold Lauwe, Inschrift: „A[nn]o D[o]m[i]ni 1550 die Apostoli Jacobi obijt venerabilis D[o]m[inu]s Barthold Lauwe, Canonicus et Senior in ecclesia Sancti Andreae Mindensi et Pastor in Barkel, cujus anima requiescat in pace“ (Im Jahr des Herrn 1550 am Tag des Apostels Jakobus starb der ehrenwerte Herr Berthold Lauwe, Kanoniker und Senior an St. Andreas in Minden [? St. Andreas Lübbecke Diözese Minden?] und Pastor in Berkel. Seine Seele ruhe in Frieden).47

Orgel

Orgel

Orgel

1577 Orgel angeschafft, erbaut von Orgelbauer Hartmann (Münden).48 1776 Vertrag mit Johann Andreas Zuberbier (Celle) über Orgelneubau, bis 1780 nicht erfüllt.49 1790/91 Orgelneubau, ausgeführt von Wilhelm Heinrich Baethmann Hannover, 19 II/P.50 1885 Neubau des Werks hinter dem historischen Prospekt, Firma Ph. Furtwängler & Söhne (Hannover), 17 II/P, mechanische Traktur, Kegelladen (Opus 221).51 Zinnerne Prospektpfeifen im Ersten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben. 1953 Änderung der Disposition, ausgeführt von Lothar Wetzel (Hannover). 1980/81 Neubau des Orgelwerks hinter dem historischen Prospekt, ausgeführt von Firma Gebrüder Hillebrand (Altwarmbüchen), 17 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1993/94 Umbau und Erweiterung des Orgelwerks, Firma Muhleisen (Straßburg), 22 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 2021 Instandsetzung, Jörg Bente (Suthfeld-Helsinghausen), 22 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. Prospekt steht unter Denkmalschutz.

Geläut

Vier LG, I: f’, Inschrift: „Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. Matth 11.28“; II: a’, Inschrift: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Joh 14.6“; III: c’’, Inschrift: „Freuet Euch in dem Herrn Allewege. Phil 4,4“; IV: d’’, Inschrift: „Ich will den Herrn loben allezeit; sein Lob solle immerdar in meinem Munde sein. Ps 34,2“ (alle Bronze, Gj. 1976, Firma Rincker, Sinn). Eine SG, d’’ (Bronze, Gj. 1660), Inschriften: „Soli Deo Gloria“ (Allein Gott die Ehre), „Henrich Semper Cvrdt MDCLX“ und „Cvrd Lvcken Smedt“. – Früherer Bestand: Bei der Einweihung 1777 eine große LG (Bronze, Gj. 1649, Lemgo) und eine kleine LG (Bronze, Gj. 1754, Heinrich Weidemann, Hannover) vorhanden; beide später mehrfach gesprungen und umgegossen; eine LG im Ersten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben (1917), andere nach einer erneuten Beschädigung verkauft. 1921 neue Glocken erworben, I: c’; II: es’ (Gussstahl, Gj. 1921, Bochumer Verein), Ende 1973 stillgelegt (Schäden am Turm) und 1976 durch jetziges Bronzegeläut ersetzt (in der Zwischenzeit Geläut vom Tonband).52 Eine der alten Stahlglocken um 2015 in Garbsen wiedergefunden.53

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (Bj. 1895/97, errichtet als Superintendenturgebäude; Vorgängerbau Bj. 1740er Jahre, 1898 abgebrochen). – Gemeindesaal (ehemalige Pfarrscheune, 1952/53 umgebaut, Anfang der 1960er Jahre Anbau eines Jugendraums durch die Christliche. Pfadfinderschaft). – Kindergarten (Bj. 2018/19; Vorgängerbau Bj. 1878/79, ehemalige Schule, umgebaut 1975).

Friedhof

Ursprünglich kirchlicher Friedhof rund um die Kirche, 1909 eingeebnet und Grabsteine entfernt. Neuer kirchlicher Friedhof im Süden des Ortes, etwa 300 Meter südwestlich der Kirche, 1843 eröffnet, 1895 erweitert; FKap (Bj. 1957).54 Kommunaler Friedhof in Dehmke, angelegt 1928. Kommunaler Friedhof in Dehrenberg, angelegt 1957.

Liste der Pastoren (bis 1940)

1504–1550 Berthold Lauwe, der letzte kath. Geistliche. – 1542– 1589 Johannes Bole senior. – 1589–1597 Johannes Bole junior. – 1597–1623 Heinrich Bole (Bolenius). – 1623–1626 Magister Jakob Breyer (Breiger). – 1626–1659 Michael Lindholz (Lindholdus). – 1659–1661 Hilmar Deichmann. – 1661–1692 Johann Ernst Scheele. – 1693–1746 Johann Bernhard Bütemeister. – 1746–1764 Justus Henrich Baumgarten. – 1764–1772 Heinrich Christoph Müldener. – 1772–1791 Just Werner Herbst. – 1792–1815 Ludwig Philipp Walbaum. – 1815–1822 Georg Friedrich Plate. – 1823–1831 Johann August Konrad Münchmeyer. – 1831–1844 Julius August Friedrich Christian Oeltzen. – 1844–1860 Friedrich Christoph Firnhaber. – 1861–1894 Bodo Johann Friedrich Sievers. – 1894–1933 Johann Adolf Louis Wilhelm Eduard Pätz. – 1933–1949 Ernst Hahn.

Angaben nach: Meyer, Pastoren I, S. 353 und III, S. 22

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 1 Nr. 876–929 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 2878–2886 (Pfarrbestellungsakten); A 9 Nr. 188Digitalisat (Visitationen); B 18 Nr. 259 (Orgelsachverständiger); D 9 (EphA Hameln-Pyrmont); D 10 Nr. 614–615 (Depositalsplitter); L 5a Nr. 118–120, 1245, 1537, 1781–1782 (LSuptur. Calenberg-Hoya mit Verden-Hoya und Celle); S 09 rep Nr. 1201 (Presseausschnittsammlung); S 11a Nr. 7304 (Findbuch PfA).

Kirchenbücher

Taufen: ab 1664
Trauungen: ab 1664
Begräbnisse: ab 1664
Kommunikanten: ab 1733, Erstkommunikanten: 1788–1792
Konfirmationen: ab 1793 (Lücken: 1872–1875)

Literatur & Links

A: Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 122–123, Nr. 12; Bühring, KD Lkr. Hameln-Pyrmont, S. 197–200; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 564; Holscher, Bisthum Minden, S. 91–92; Kayser, Inspektion Groß-Berkel, S. 1–23; Köhler & Gelderblom, Dorfkirchen, S. 69–71; Meyer, Pastoren I, S. 353; Müller, Ziesenis, S. 144–147.
B: Reinhard Leder: 200 Jahre St.-Johannis-Kirche Groß Berkel 1777–1977, [Groß Berkel 1977]; Irmgard Wyrwa: Groß Berkel. Ein Dorf stellt sich vor, Hannover 1993.
Internet: Bildindex der Kunst & Architektur: Kirche, Altar, Taufstein, Orgel, Kronleuchter.

GND

1243207884, Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Johannis Groß Berkel; 2067956-7, Evangelisch-Lutherische Sankt-Johannisgemeinde Gross Berkel; 2054313-X , Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde (Gross Berkel)

Weitere Bilder

Fußnoten

  1. Leder, S. 15; Wyrwa, S. 279; Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien II, S. 88. Das Konsistorium bestätigte den KV-Beschluss zur Namensgebung 1910, eine erneute Bestätigung durch das LKA Hannover erfolgte 1968, vgl. Leder, S. 15. Das Laurentiuspatrozinium ist bis ins 16. Jh. belegt und geriet danach wohl in Vergessenheit.
  2. UB Hameln I, Nr. 26. Vgl. Wyrwa, S. 5, zur scheinbar älteren Nennung Berkolo aus dem 11. Jh., die sich mit großer Sicherheit auf einen anderen Ort bezieht.
  3. Westfälisches UB VI, Nr. 1247.
  4. Vgl. Lücke, Amt Aerzen, S. 9 ff.
  5. NLA HA Hann. 74 Hameln, Beschreibung.
  6. LkAH, L 5a, Nr. 118 (Visitation 1957).
  7. UB Hameln I, Nr. 242 (Anm.), Nr. 318, Nr. 330, Nr. 348, Nr. 351, und Nr. 393 Anm. UB Fischbeck I, Nr. 111.
  8. UB Hameln II, Nr. 75. UB Fischbeck I, Nr. 161.
  9. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,1, S. 708 ff.; Butt, Herrschaft, S. 47 ff.
  10. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,1, S. 83 ff.
  11. Kayser, General-Kirchenvisitation I, S. 204.
  12. Kayser, Inspektion Groß-Berkel, S. 6 ff.
  13. Zur Geschichte der Schule: Wyrwa, S. 124 ff.
  14. Wyrwa, S. 73.
  15. Zit. bei Wyrwa, S. 78.
  16. Kayser, Inspektion Groß-Berkel, S. 4.
  17. Leder, S. 8.
  18. Wyrwa, S. 116.
  19. Leder, S. 10. Das u. a. bei Bühring, KD Lkr. Hameln-Pyrmont, S. 197, genannte Einweihungsdatum Michaelis (29. September) 1777 ist falsch.
  20. Wyrwa, S. 279.
  21. Leder, S. 15.
  22. Wyrwa, S. 278 f.
  23. Leder, S. 45; Wyrwa, S. 283.
  24. LkAH, L 5a, Nr. 118 (Visitation 1944).
  25. LkAH, L 5a, Nr. 118 (Visitation 1951).
  26. LkAH, B 2 G 9 B, Nr. 245, Bl. 3 (Schreiben des KV Groß Berkel an das LKA Hannover, 22.05.1951). Vgl. auch Wyrwa, S. 280.
  27. LkAH, L 5a, Nr. 118 (Visitation 1957).
  28. Wyrwa, S. 282.
  29. Wyrwa, S. 287. Siehe auch LkAH, L 5a, Nr. 119 (Visitation 1976): „Die Partnerschaftsbeziehungen zu zwei DDR-Gemeinden sind als ausgezeichnet zu bezeichnen, und zwar nicht nur von Pastor zu Pastor, sondern von Gemeinde zu Gemeinde“ und ebd., Nr. 120 (Visitation 1996). Allgemein: Cordes, Gemeindepartnerschaften, S. 38 ff.
  30. Wyrwa, S. 292.
  31. Wyrwa, S. 78; Kayser, General-Kirchenvisitation, S. 204; Kayser, Inspektion Groß-Berkel, S. 4.
  32. Holscher, Bisthum Minden, S. 53.
  33. Schlegel, Kirchenrecht II, S. 214. Anders Kayser, Inspektion Groß-Berkel, S. 2: Groß Berkel sei 1623 zur Insp. Aerzen gekommen.
  34. KABl. 1934, S. 158; KABl. 1938, S. 93.
  35. LkAH D 9, Beschreibung.
  36. Handbuch 1933, S. 37.
  37. KABl. 1934, S. 158.
  38. Kayser, General-Kirchenvisitation, S. 204.
  39. Wyrwa, S. 279 f.
  40. Kayser, Inspektion Groß-Berkel, S. 2; Wyrwa, S. 68.
  41. Aufriss: Wyrwa, S. 68.
  42. Zit. bei Wyrwa, S. 118.
  43. Müller, Ziesenis, S. 145 f.
  44. Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 122 f.
  45. Wyrwa, S. 56.
  46. Wyrwa, S. 279.
  47. Kayser, Inspektion Groß-Berkel, S. 5.
  48. Wyrwa, S. 68.
  49. Wyrwa, S. 78 und S. 121; Leder, S. 10.
  50. LkAH, B 2 G 9 B, Nr. 245, Bl. 86.
  51. Pape/Schloetmann, Hammer, S. 98.
  52. Leder, S. 16 ff.
  53. LkAH, S 9, Nr. 1201.
  54. Wyrwa, S. 177 f.