Sprengel Osnabrück, KK Osnabrück | Patrozinium: Petrus | KO: Keine Kirchenordnung

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Orts- und Kirchengeschichte

Zum Gebiet der 1959 gegründeten Kirchengemeinde gehören die Orte Gretesch, Lüstringen und seit 1971 auch Darum. Urkundlich lässt sich Darum 1090 als Thorhem nachweisen.1 Die beiden anderen Orte sind schriftlich erst im 13. Jh. belegt: Gretezscher ist verzeichnet im Tafelgutregister des Bf. Engelbert von Osnabrück, das um 1240 entstand2, und in der Zeugenliste einer Urkunde aus dem Jahr 1253 ist ein Ricce de Lustringen aufgeführt.3 Alle drei Orte gehörten seit Ende des 14. Jh. zum Amt Iburg im Hochstift Osnabrück. 1972 wurden sie in die Stadt Osnabrück eingemeindet und bilden dort zusammen einen Stadtteil. Ein wichtiger Arbeitgeber ist die 1895 in Gretesch gegründete Papierfabrik Felix Schoeller jr. (Felix Schoeller Gruppe). Anlässlich der Visitation 1954 notierte der Ortspfarrer: „Der allergrößte Teil der evang. Gemeindeglieder sind Arbeiter: ungelernte, angelernte, Handwerker und Facharbeiter.“4 1963 beschrieb er Gretesch und Lüstringen als „typische Vorstadtgemeinden“.5 Insgesamt lebten 1950 in den drei Orten gut 4.400 Menschen, 2017 lag die Zahl im nunmehrigen Osnabrücker Stadtteil Darum/Gretesch/Lüstringen bei gut 8.100.

Kirche, Ansicht von Südosten, Foto: Rud. Lichtenberg, Osnabrück, wohl 1957

Kirche, Ansicht von Südosten, Foto: Rud. Lichtenberg, Osnabrück, wohl 1957

Kirchlich gehörten Darum, Gretesch und Lüstringen seit dem Mittelalter zum Kirchspiel Belm. Als nach Ende des Dreißigjährigen Krieges Katholiken und Lutheraner die Kirchspiele des Osnabrücker Landes untereinander aufteilten, fiel Behlem der kath. Seite zu (Capitulatio perpetua Osnabrugensis, 1650).6 Erst in der Zeit der französischen Herrschaft gründete sich die ev. KG Belm (1812). Der westliche Teil Greteschs gehörte kirchlich später zu Osnabrück („Gretescher Zipfel“, erst Mariengemeinde, dann Osnabrück-Schinkel).7
Angesichts steigender Einwohnerzahlen entstanden schon in den 1930er Jahren Pläne zur Gründung einer eigenen KG im Raum Gretesch-Lüstringen; auch Düstrup sollte dazugehören.8 Als Gottesdienststätte diente seinerzeit ein Betsaal im „Gretescher Turm“, dem Casino der Papierwerke Felix Schoeller jr. Die Papierwerke stellten den Raum beiden Konfessionen kostenlos zur Verfügung („Felix-Kapelle“). 1938 hielt der Belmer Pfarrer hier alle zwei Wochen einen ev. Gottesdienst. Im gleichen Jahr beklagte sich der KV Belm beim Landeskirchenamt, dass während „der Kaplan des katholischen Pfarramtes in Belm vor allem in Gretesch-Lüstringen tätig ist […], geschieht evangelischerseits trotz der viel größeren Anzahl von Gemeindegliedern zu wenig“.9 Schließlich kam ein Hilfsgeistlicher (Pfarrkollaborator) nach Lüstringen. 1939 war die Einrichtung einer zweiten Pfarrstelle für die KG Belm beschlossene Sache und die Gemeinden, die Superintendenturen und das Landeskirchenamt hatten sich über den Umfang der neuen KG geeinigt. Der Beginn des Zweiten Weltkriegs verhinderte die Umsetzung der Pläne.
Nach Ende des Krieges betreute zunächst der Hilfsgeistliche P. Walther Schwarz (amt. 1945-1947) die Gemeindeglieder in Gretesch und Lüstringen, dann die Ostgeistlichen P. Hans Bartels (amt. 1947-1952) und P. Walter Hayne (amt. 1952-1958). Anfang der 1950er Jahre wurden die Gemeindegründungspläne aus den 1930er Jahren schließlich umgesetzt: Zum 1. April 1951 pfarrte das Landeskirchenamt die ev.-luth. Einwohner des „Gretescher Zipfels“ in die KG Belm um; gleichzeitig gründete sich innerhalb der Kirchengemeinde die KapG Gretesch-Lüstringen. Die Pfarrkollaboratur wandelte das Landeskirchenamt in eine Pfarrstelle um.10 Im Jahr 1954 zählte die KapG 2.800 Gemeindeglieder. Die kath. Gemeinde war etwa halb so groß; sie weihte ihre Kirche „Maria-Hilfe der Christen“ 1955 ein.11 Nach Bau von Pfarrhaus (1953) und Kirche (1956/57) trennte sich die KapG Gretsch-Lüstringen von der Muttergemeinde Belm und konstituierte sich zum 1. April 1959 als eigenständige KG. Die zweite Pfarrstelle der KG Belm ging auf die neue Gemeinde über.12 Erster Pastor war P. Ewald Weber (amt. 1958/59-1968).
Um den Bau der Kirche zu unterstützen, hatte sich in der Gemeinde ein Kirchenbauverein gegründet.13 Die Pläne hatte der Osnabrücker Architekt Werner Johannsen entworfen. Zur Einweihung der Petruskirche am 3. November 1957 kam Lbf. Hanns Lilje nach Gretesch-Lüstringen, die sächsische Partnergemeinde Elterlein (Erzgebirge) sandte ein Glückwunschtelegramm. 1960 gründete sich der Posaunenchor. 1964 konnte die Gemeinde das Gemeinde- und Schwesternhaus einweihen (Schwesternstation ging zum 1. Januar 1981 in der Diakoniestation Osnabrück auf). In der ersten Hälfte der 1970er Jahre vergrößerte sich das Gemeindegebiet: 1971 kam Darum-Siedlung dazu, 1973 der Kreuzhügel. Im gleichen Jahr erhielt die KG eine zweite Pfarrstelle.14 Nach der Visitation 1975 schätzte der Sup. des KK Georgsmarienhütte die Entwicklung der Gemeinde positiv ein und hob hervor, die KG würde auch „kirchenfernere Gemeindeglieder erreichen“. Die Herausforderungen sah er in ihrem Charakter als Stadtrandgemeinde: Sie stehe „weiterhin vor der angesichts der Vereinzelung und Mobilität des urbanen Menschen schwierigen Aufgabe, den Kontakt zu den Zugezogenen anzuknüpfen“.15

Kirche, Ansicht von Süden, Teilansicht, 1980

Kirche, Ansicht von Süden, Teilansicht, 1980

Der langjährige Pfarrer der Gemeinde P. Ulrich Schürmann (amt. 1976-2001), verfolgte das Konzept „Gemeindeaufbau durch gemeinsam verreisen“ und die KG knüpfte so ein weitgespanntes Netz an Kontakten: Zum 40. Geburtstag der Gemeinde reisten u. a. Gäste aus Indien, Taiwan, Südafrika, Israel, England, Ungarn, den USA an sowie aus Elterklein (Erzgebirge) und vom Katharinenhof in Großhennersdorf (Oberlausitz).16 Die KG pflegt weiterhin Partnerschaften mit den KG Untunjambili (Südafrika) und Héreg (Ungarn).
Im Jahr 1985 gründete sich in der Gemeinde das „Kaland-Collegium e. V. Osnabrück“, um eine „Verbindung der Kirche zu Vertretern handwerklicher und kaufmännischer Berufe“ herzustellen. Nach der Visitation 1987 lobte der LSup. das „reiche Leben“ der Gemeinde, das zeige, „wie eine volkskirchliche, auf einen Stadtteil bezogen arbeitende evangelische Gemeinde ihren Auftrag trotz aller Widrigkeiten erfüllen kann“.17 Um die schon Mitte der 1980er Jahre nötige Vergrößerung des Gemeindehauses verwirklichen zu können, gründete sich 1989 ein Förderverein. Vier Jahre später konnte die Gemeinde das erweiterte Gemeindehaus einweihen. Angesichts sinkender Gemeindegliederzahlen (1981: etwa 4.200, 1994: gut 3.300) verlor die Petrusgemeinde 1999 eine Pfarrstelle; stattdessen richtete das Landeskirchenamt eine Diakonenstelle ein. Um diese Stelle langfristig zu sichern, gründete sich 2007 die Petrus-Stiftung, die auf diese Weise besonders die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen unterstützen will.

Pfarrstellen

I: 1959-1999. – II: 1973, seit 1999 einzige Pfarrstelle der KG.18

Umfang

Bei Gründung die Landgemeinden Gretesch und Lüstringen. Seit 1971 auch Siedlung Darum (vorher KG Belm).19 1973 wurde das Gebiet am Kreuzhügel von der Jakobus-KG in Osnabrück-Schinkel nach Gretesch-Lüstringen umgegliedert.20

Aufsichtsbezirk

Bei Errichtung der KG 1959 zum KK Georgsmarienhütte. Zum 1. Januar 2013 in den KK Osnabrück umgegliedert.21

Kirchenbau

Einschiffiger Rechteckbau mit Eingangsbereich an Südwestecke, errichtet 1956-57 (Architekt: Werner Johannsen, Osnabrück). Satteldach, verputztes Mauerwerk, große Rechteckfenster. Im Innern flache Holzdecke, Westempore, darunter abtrennbarer Gemeindesaal. 1980 Umgestaltung Innenraum „zur Mehrfachnutzung“ (u. a. Empore in Nordostecke entfernt).22

Fenster

Abstrakte Buntglasfenster im Kirchenschiff, figürliches Tauffenster (Heinz Lilienthal, Bremen).

Turm

Ostturm mit Sakristei an Nordseite; verkupferter Turmhelm mit rechteckigem Ansatz und hoch ausgezogener, achteckiger Spitze, bekrönt mit Kugel, Kreuz und Hahn. Große, quadratische Schallfenster; im Erdgeschoss an der Südseite bodentiefes, dreigeteiltes Hochrechteckfenster (Altarraum).

Ausstattung

Hölzerner Blockaltar. – An Altarwand Wandmosaik (1957, Heinz Lilienthal, Bremen), Fischzug des Petrus (Lk 5,1-11), Geschenk der Familie Schoeller. – Schlichte Holzkanzel. – Dreiseitiger Taufstein (Sandstein). – Gemälde „Grablegung Christi“ (17. Jh., wohl Kopie eines Bildes von Guido Reni), Geschenk der Familie Schoeller.23

Kirche, Blick zum Altar, nach 1969 (1968/69 Orgelneubau)

Kirche, Blick zum Altar, nach 1969 (1968/69 Orgelneubau)

Orgel

Zunächst gebrauchte Orgel (gestiftet von Familie Schoeller) als Provisorium auf Westempore aufgestellt, ohne Gehäuse und ohne Prospekt, 15 II/P, pneumatische Traktur, Bälgchenladen, Transmissionen, erbaut von Firma Rohlfing (Osnabrück).24 1968/69 Neubau von Johannes Wolfram (Natbergen), 14 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen, aufgestellt in Nordostecke der Kirche.

Geläut

Vier LG, I: fis’, Dominika, Inschrift: „Ehre sei Gott!“; II: a’, Sterbeglocke, Inschrift: „Ich lebe und ihr sollt auch leben.“; III: h’, Trauglocke, Inschrift: „Dienet einander!“; IV: cis’’, Taufglocke, Inschrift: „Lasset die Kindlein zu mir kommen!“ (alle Bronze, Gj. 1958, Firma Rincker, Sinn).

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (Bj. 1953). – Gemeindehaus (Bj. 1964, Erweiterung 1992/93).

Friedhof

Kommunaler Friedhof in Lüstringen.

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

L 5f Nr. 46, 174, 176, 906-907, 1089 (LSuptur. Osnabrück); S 9 rep Nr. 1198 (Presseausschnittsammlung); S 11a Nr. 8203 (Findbuch PfA).

Literatur

A: Poppe-Marquard, Kirchenchronik, S. 232-235; Weichsler, Hdb. Sprengel Osnabrück, S. 128; Wrede, Ortsverzeichnis Fürstbistum Osnabrück I, S. 113-114 (Darum), S. 193-194 (Gretesch) und ebd. II, S. 29-30 (Lüstringen).
B: Darum – Gretesch – Lüstringen. Texte und Bilder aus früheren Zeiten, hrsg. von Bürgerverein Darum-Gretesch-Lüstringen e. V., Bramsche [2001]; Kontakte. Ev.-luth. Kirchengemeinde Gretesch-Lüstringen-Darum, Sonderausgabe April/Mai 2001 [Kleine Chronik]; Jörg Christian Lindemann: Simon die Kirchenmaus erzählt von der Ev.-luth. Petruskirche Gretesch-Lüstringen-Darum, Osnabrück 2002.

GND

6122604-X, Petruskirche (Gretesch-Lüstringen-Darum)


Fußnoten

  1. Osnabrücker UB I, Nr. 205.
  2. Möser, Werke VIII, Nr. CCCXXIII (S. 412). Die mitunter zitierte ältere Nennung Gretanescha (1068/88, Osnabrücker UB I, Nr. 156) bezieht sich nach Wrede, Ortsverzeichnis Fürstbistum Osnabrück I, S. 193, auf Gartnisch bei Halle in Westfalen.
  3. Osnabrücker UB III, Nr. 81.
  4. LkAH, L 5f, Nr. 46 (Visitation 1954).
  5. LkAH, L 5f, Nr. 174 (Visitation 1963).
  6. Fink, Drucke, S. 33; Wöbking, Konfessionsstand, S. 145 f.
  7. LkAH, L 5f, Nr. 906 (LKA Hannover an Sup. Georgsmarienhütte, 05.01.1939).
  8. Zum Folgenden: LkAH, L 5f, Nr. 906, passim.
  9. LkAH, L 5f, Nr. 906 (KV Belm an LKA Hannover, 09.05.1938).
  10. KABl. 1951, S. 37.
  11. LkAH, L 5f, Nr. 46 (Visitation 1954); Poppe-Marquard, Kirchenchronik, S. 204 ff.
  12. KABl. 1959, S. 57.
  13. Poppe-Marquard, Kirchenchronik, S. 233.
  14. KABl. 1971, S. 13 f.; KABl. 1974, S. 32; KABl. 1973, S. 112.
  15. LkAH, L 5f, Nr. 176 (Visitation 1975).
  16. Kontakte, S. 12 ff.
  17. LkAH, L 5f, Nr. 176 (Visitation 1987).
  18. KABl. 1959, S. 57, KABl. 1973, S. 112, KABl. 1999, S. 23.
  19. KABl. 1971, S. 13 f.
  20. KABl. 1974, S. 32.
  21. KABl. 2012, S. 177 f.
  22. LkAH, L 5f, Nr. 176 (Visitation 1981); S 9 Nr. 1198 (Innenaufnahme Zustand 1957 mit Empore in Nordostecke).
  23. Poppe-Marquard, Kirchenchronik, S. 235.
  24. LKA, G 9 B/Gretesch-Lüstringen Bd. I, Bl. 26 und 40; LkAH, B 2 G 9 B/Gretesch-Lüstringen Bd. II, Bl. 24; LkAH, L 5f, Nr. 174 (Visitation 1963).