Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Göttingen | Patrozinium: Vitus | KO: Calenberger KO von 1569

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Orts- und Kirchengeschichte

Das Dorf Erbsen (seit 1973 Ortsteil des Fleckens Adelebsen) wird 826/876 in den älteren Corveyer Traditionen als Erpeshusun urkundlich erwähnt.1 Landesherren waren die Welfen (Fsm. Göttingen, Patrimonialgericht Adelebsen, 1852 Amt Adelebsen, 1859 Amt Uslar).
Die Erwähnung des Geistlichen Hermannus de Erphesen in einer Urkunde des Klosters Weende (1306) war 2006 Anlass für das 700jährige Kirchenjubiläum. Allerdings ist schon 1286 ein Hermannus plebanus in Erpissen als Zeuge in einer Urkunde des Klosters Lippoldsberg nachweisbar.2 Die auf einer Anhöhe am südöstlichen Dorfrand gelegene Kirche wird erst 1446 als kerken to Erpsen genannt. Wann die Reformation in Erbsen Einzug hielt, ist unsicher. Um 1537 war die Gemeinde mit Esebeck verbunden. Der in diesem Jahr erwähnte P. Heinrich Gunters gilt als erster bekannter luth. Prediger beider Gemeinden. Von den späteren Amtsinhabern machte sich P. Johann Franz Kloß (amt. 1768-1794) auch einen Namen als Botaniker und veröffentlichte dazu wissenschaftliche Aufsätze im Hannöverschen Magazin (1781, 1785).3
P. Heims (amt. 1923–1934) wurde in der NS-Zeit wegen kritischer Äußerungen über Hitler und andere führende Nationalsozialisten mit einem Redeverbot belegt und schließlich versetzt. Sein Nachfolger, P. Philipp Ranft (amt. ab 1937), war Mitglied der BK. Bei der KV-Wahl 1933 siegte die BK-Liste, in Erbsen fanden zwei BK-Versammlungen mit starker Beteiligung statt.
Die Dörfer Lödingsen und Wibbecke bildeten KapG innerhalb der KG Erbsen. Beide wurden mit dem 1. Januar 1972 aufgehoben.4

Umfang

Die Dörfer Erbsen, Fehrlingsen, Lödingsen (KapG) und Wibbecke (KapG). Fehrlingsen wurde am 1. Januar 1894 in die KG Ellierode umgepfarrt.5

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Nörten (Sedes Nörten) der Erzdiözese Mainz. – Erbsen kam 1588 zur neu gebildeten Insp. Hardegsen, 1647/48 zur Insp. Göttingen und blieb bei deren Aufteilung 1802 bei der Insp. Göttingen I (mit Sitz an St. Johannis). 1. November 1924 in den KK Göttingen II umgegliedert und im Zuge der Neuordnung der Göttinger Aufsichtsbezirke ab 1. April 1937 zum KK Göttingen-Nord.6 Seit 1. Januar 2001 KK Göttingen.

Patronat

Die Herren, ab 1903 Frhr. von Adelebsen (mit dem Ankauf des Dorfes 1352 erworben, 1504 bestätigt). Das Patronatsrecht ist 1957 mit dem Tod des letzten Namensträgers erloschen. Eine abschließende Regelung wurde durch Vertrag zwischen dem KV zu Adelebsen und der Erbengemeinschaft Stiftung Burg Adelebsen vom 28. Mai 1966 getroffen.

Kirchenbau

Der im Kern gotische, einschiffige, flachgedeckte Bruchsteinsaalbau mit einer halbrunden, stark eingezogenen Apsis wurde im 15. Jh. an der Stelle eines Vorgängerbaus errichtet und 1669 gründlich erneuert (größere Fenster; Kreuzgewölbe durch eine Holzbalkendecke ersetzt). Westempore. Sakristeianbau im Süden. Renovierungen 1782, 1929 und 1958/62.

Fenster

Im Chorraum zwei Buntglasfenster (Weihnachten und Auferstehung) von Hans Matschinski, Braunschweig (1960).

Turm

Dachreiterartiger, verschieferter Glockenturm mit ins Achteck überführter Spitze. Bekrönung mit Kugel und Hahn.

Ausstattung

Schlichter Blockaltar (1960) mit älterem romanisierendem Kruzifix. Ein früherer hölzerner Altaraufbau (19. Jh.) wurde 1960 entfernt und später an der Ostwand neben dem Apsisdurchbruch angebracht. – Schalldeckellose, farbig gefasste, hölzerne Kanzel auf einer Sandsteinstütze (19. Jh.). – Achtseitige, kelchförmige Taufe. Fuß ergänzt.

Orgel

1824 Neubau durch Firma Kuhlmann (Gottsbüren). 1964 Restaurierung durch Rudolf Janke (Bovenden), 11 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. Denkmalorgel.

Geläut

Zwei LG, I: es’’; II: f’’ (beide Eisen, Gj. 1924, Firma Ulrich & Weule, Apolda-Bockenem).

Weitere kirchliche Gebäude

Fachwerkpfarrhaus, 1795/98 erneuert.

Friedhof

Auf dem Kirchhof. In Trägerschaft der KG.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 3194–3197 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 2287–2291 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 651–653 (Visitationen).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 451; Lufen, Denkmaltopographie Altkr. Münden, S. 84 f.


Fußnoten

  1. Mönchslisten I, § 179; Mönchslisten II, S. 177. Vgl. auch Casemir/Ohainski, Niedersächsische Orte, S. 51.
  2. UB Plesse, Nr. 311.
  3. Rotermund, Das gelehrte Hannover II, S. 559.
  4. KABl. 1972, S. 4.
  5. KABl. 1894, S. 1
  6. KABl. 1937, S. 135.