Frühere Gemeinde | Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Münden | Patrozinium: Matthäus (seit 1967) | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte

Dankelshausen war schon früh welfischer Besitz (Fsm. Göttingen, Amt Münden). Das Gut wurde wohl in der zweiten Hälfte des 13. Jh. als herzogliches Lehen den von Stockhausen übergeben, die schon seit 1129 im Lehnsbesitz der Bramburg waren und 1591 auch das benachbarte Gut Wellersen erwarben. 1851 wurde die Patrimonialgerichtsbarkeit der von Stockhausen aufgehoben, zugleich die beiden Lehnsgüter allodifiziert. 1932 ging der Gutsbezirk Wellersen in der Gemeinde Dankelshausen auf. Das Gut Dankelshausen wurde von der Familie von Stockhausen 1949 verkauft. Seit 1972 ist Dankelshausen Teil der Gemeinde Scheden und der Samtgemeinde Dransfeld.

Kirche, Ansicht von Nordosten, um 1953

Kirche, Ansicht von Nordosten, um 1953

Das Alter der Pfarrkirche ist unbekannt. Der Kirchturm, der früher auch als Speicher und Zuflucht für die Dorfbewohner diente, wird auf die Zeit um 1240 datiert. Offenbar ist die Entstehung der Kirche eng mit dem Gut verbunden, durch dessen Besitzer (also die von Stockhausen oder ihre nicht näher bekannten Vorgänger) sie dotiert wurde. Als erster Geistlicher erscheint am 26. Juli 1309 Engelfridus plebanus in Dancolueshusen et in Wickershusen als Zeuge in einer Urkunde des Edelherrn Heinrich von Ziegenberg für das Kloster Hilwartshausen.1 Er ist vermutlich identisch mit dem 1302 genannten Engelfridus plebanus in Wikershusen2 (Wickenhusen: Wüstung nördlich von Witzenhausen, heute Werra-Meißner-Kr.) 1332 war ein Johannes Pleban in Dankolueshoßen, 1458 ein anderer Johann Vizepleban.3
Die Einführung der Reformation erfolgte 1542 unter Hzgn. Elisabeth von Calenberg. Das Amt Münden wurde im November 1542 durch Antonius Corvinus visitiert.4 Als erster luth. P. wird 1547 Simon Lueder genannt. Die Parochie umfasste neben dem Kirchdorf Dankelshausen auch die Dörfer Oberscheden, Niederscheden und Mielenhausen. Oberscheden hatte schon in vorref. Zeit eine eigene Kirche (1486 erstmals erwähnt), die im Protokoll der General-Kirchenvisitation von 1588 noch als Filial von Dankelshausen bezeichnet wird. Spätestens seit 1675 war sie gleichberechtigte mater combinata.5

Kirche, Blick zum Altar um 1953

Kirche, Blick zum Altar um 1953

Unter den nachref. P. wird Johann August Wilhelm Habenicht (amt. 1797-1802) als „ausgezeichneter Theolog und Katechet“ hervorgehoben.6 In der NS-Zeit waren die P. Otto Sartorius (bis 1934) und Hermann Röbbeln (ab 1934) Mitglied der BK. Röbbeln wurde wegen seiner Predigten wiederholt angezeigt und musste Übergriffe seitens der NS-Ortsgruppe und Gestapo hinnehmen. 1935 wurde in Dankelshausen eine eigene Ortsgruppe der BK gegründet.
1954/55 wurde in dem zur KG Dankelshausen gehörigen Ort Mielenhausen eine eigene Kapelle/FKap (St. Johannes) errichtet. Obwohl Oberscheden mit rund 1.000 Gemeindegliedern (Stand: 1974) als Pfarrort mehr als doppelt so groß war wie Dankelshausen (etwa 300), war es in den beiden verbundenen Gemeinden nicht Dienstsitz des Pfarrstelleninhabers. Erst nachdem mit dem 1. Januar 1976 die KG Dankelshausen und Oberscheden zur KG Scheden-Dankelshausen vereinigt wurde, wurde der Pfarrsitz nach Scheden verlegt. Die bisherige KapG Mielenhausen in der KG Dankelshausen wurde bei der Vereinigung der beiden KG aufgehoben.7

Umfang

Die Ortschaften Dankelshausen und Mielenhausen (jetzt Ortsteil von Hannoversch Münden).

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Nörten (Sedes Dransfeld8) der Erzdiözese Mainz. – 1588/89 zur General- und Spezial-Insp. Münden (seit 1742 Insp. Münden I. Teils), ab 1801 zur wieder errichteten Insp. (1924: KK) Dransfeld (ab 1804 mit Sitz an St. Johannis). Mit Aufhebung des KK Dransfeld zum 1. Januar 1929 in den KK Münden eingegliedert.9

Patronat

Der Rechtscharakter des Patronats ist umstritten. Während es noch 1972 als persönliches, in der Familie erbliches bezeichnet wurde10, kam das LKA 2004 zu der Auffassung, dass es sich um ein auf dem Gut Wellersen ruhendes dingliches Patronat handle.11 Allerdings gibt es keinen Nachweis für eine Übertragung oder Erweiterung der Rechtsbeziehungen von dem 1949 durch die Familie verkauften Gut Dankelshausen auf das Gut Wellersen. – Nach Widerspruch der verbundenen Gemeinde Oberscheden war es 1644 zu einem Vergleich über die alternierende Besetzung zwischen Patron und Kirchenbehörde gekommen, die auch nach der Vereinigung der beiden KG beibehalten wurde.

Kirchenbau

Das mittelalterliche Kirchenschiff wird 1646 als baufällig bezeichnet und kurz darauf renoviert. 1781 wurde es abgebrochen und als fünfachsiges, barockes Langhaus aus Bruchsteinen neu errichtet. Eckquaderung. Innenraum mit flacher stuckierter Decke. U-förmige Empore.

Turm

Quadratischer Westturm (um 1242) mit Glockenhelm und vierseitig geschlossener Laterne.

Grablege

Erbbegräbnis der von Stockhausen unter dem Turm (in Gebrauch bis 1794).

Ausstattung

Barocke Kanzelaltarwand aus der Erbauungszeit der Kirche. – Sandsteintaufe, 1967 durch den Restaurator Willi Schmalstieg (Großburgwedel) restauriert.

Orgel, nach 1949

Orgel, nach 1949

Orgel

Der Prospekt soll um 1790 von Stephan Heeren (Gottsbüren) oder 1820 von Johann Dietrich Kuhlmann12 erbaut worden sein. 1901 Neubau des Werks durch P. Furtwängler & Hammer (Hannover), 11 II/P (HW, OW), pneumatische Traktur, Kegelladen. 1946 Instandsetzung durch Paul Ott (Göttingen). 1960 Einbau eines elektrischen Gebläses. 2001 Neubau hinter dem historischen Prospekt durch Firma Elmar Krawinkel (Trendelburg), 13 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Zwei LG , I: g’ (Bronze, Gj. 1610, Hans Reuter, Göttingen); II: b’ (Bronze, Gj. 1737, Johann Arnold Geyer, Nordhausen).13

Friedhof

Ursprünglich auf dem Kirchhof. Um 1913 an die Straße nach Scheden am südöstlichen Ortsrand verlegt. Eigentum der KG, Verwaltung durch die Samtgemeinde Dransfeld. FKap (Bj. 1972).

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus aus Eichenfachwerk, um 1870/80 in unmittelbarer Nähe der Kirche errichtet (Umbau 1958). Das Pfarrnebengebäude (ehemalige Stallungen) wurde 1954 zu Gemeinderäumen ausgebaut. Die Pfarrscheune wurde 1994 abgetragen und nach Katlenburg-Elvershausen versetzt.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 1958-1962 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 195 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 1588-1594 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 413-415 (Visitationen).

Quelle

Mitteilung von P. Horst Metje vom 21. April 2015.

Literatur

A: Lufen, Denkmaltopographie Altkr. Münden, S. 250 f.; Gemeindebuch KKV Münden, S. 28-30.
B: Joachim von Stockhausen: Dankelshausen-Wellersen zwischen Göttingen und Hannoversch Münden. Ein dorf- und familiengeschichtlicher Streifzug, [Hamburg 2014].


Fußnoten

  1. UB Hilwartshausen, Nr. 135; auch Casemir/Ohainski/Udolph, Ortsnamen Lkr. Göttingen, S. 90. Meyer, Pastoren I, S. 179, nannte noch 1311 als Jahr der ersten Nennung.
  2. UB Hilwartshausen, Nr. 116.
  3. UB Hilwartshausen, Nr. 316.
  4. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 248, Anm. 503.
  5. Althaus, Generalvisitation II, S. 119.
  6. Rotermund, Das gelehrte Hannover II, S. 206.
  7. KABl. 1976, S. 8 f.
  8. Kayser, Registrum II, S. 278.
  9. KABl. 1929, S. 1.
  10. LkAH, B 2 G 15/Dankelshausen (Aktenvermerk Dr. Speer, 20.07.1972).
  11. Stockhausen, S. 35.
  12. LkAH, B 2 G 9 B/Dankelshausen (Hans Jendis an KV Dankelshausen, 18.10.1972).
  13. LkAH, B 2 G 9 B/Dankelshausen (Bericht über die amtliche Glockenrevision am 24.06.1963).