Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Leine-Solling | Patrozinium: Martin | KO: Calenberger KO von 1569

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Orts- und Kirchengeschichte

Bollensen (seit 1974 Ortsteil der Stadt Uslar) wird um 1015/36 als Bullanhusun erstmals urkundlich erwähnt.1 Das Dorf lag an einer alten westöstlichen Heer- und Handelsstraße, die von der Weser her das Leinetal erschloss. Es gehörte zum Besitz der Gf. von Uslar als Vasallen der Gf. von Northeim und fiel nach dem Erlöschen des Northeimer Grafenhauses 1144 zunächst an die Gf. von Everstein, ehe später Heinrich der Löwe seine Ansprüche an das Northeimer Erbe durchsetzte. Nach der Ächtung Heinrichs traten die Gf. von Dassel im Raum Uslar seine Nachfolge an. 1258 ging die Gft. Dassel in den Besitz der Welfen über (Fsm. Göttingen, Amt Uslar). Besitzrechte in Bollensen hatten u. a. die Brüder Dietrich und Albrecht Wlome, Burgmannen in Uslar, die ihren Anspruch auf den dritten Teil des Zehnten von Bollensen 1286 an das Kloster Lippoldsberg verpfändeten.2
Die Christianisierung der Region ging wohl vom Kloster Fulda aus. Bollensen gehörte zum Bereich der Taufkirche in Nörten (Sedes Oedelsheim), später zur Parochie Uslar. Wann die Kapelle gegründet wurde, ist nicht überliefert. Im Zuge der Einführung der Reformation unter Elisabeth von Calenberg fand im Januar 1543 die Visitation der Kirche von Uslar statt.3 Für die um Uslar gelegenen KapG war damals ein Kaplan zuständig, von dem nur der Vorname Arnold überliefert ist. Noch im 16. Jh. wurde die Kapelle in Bollensen in eine Pfarrkirche umgewandelt. Der früheste bekannte Hinweis auf einen Pfarrer findet sich 1581 in einem Schweinemastregister des Amts Uslar. Zur Zeit der Visitation von 1588 hatte Bollensen ebenfalls einen eigenen Geistlichen (Justus Schleihe). Ab 1589 wurden Bollensen und Schlarpe – vermutlich aus ökonomischen Gründen – durch einen gemeinsamen Pastor betreut. Nach der Zerstörung der Kirche im Dreißigjährigen Krieg wurde die Verbindung mit Schlarpe jedoch wieder gelöst. Die Einwohner von Bollensen gingen seither nach Uslar in die Kirche und wurden durch den Inhaber der zweiten Pfarrstelle von Uslar mitbetreut, ab 1636 durch den jeweiligen Konrektor der Schule in Uslar. Seit 1642 war Bollensen ständig mit Uslar verbunden. 1757 wurden die Beziehungen zwischen Bollensen und Uslar neu geregelt und die Pfarre in Bollensen und die Kaplanei (zweite Pfarre in Uslar) seither gemeinsam besetzt.
P. Justus Jäger war Mitglied der DC, aber kirchenpolitisch nicht aktiv. Die ev. Bekenntnisschule wurde in der NS-Zeit in eine Gemeinschaftsschule umgewandelt und blieb es nach einer Elternabstimmung auch nach 1945.
Mit dem 1. August 1967 wurde die KG Bollensen mit dem gesamten Pfarramt Uslar pfarramtlich verbunden4 und zum 1. Juli 1970 für Bollensen eine vierte Pfarrstelle der KG Uslar errichtet, die mit dem 1. Januar 1996 wieder aufgehoben wurde.5

Umfang

Zum Pfarrsprengel gehörten um 1757 die KapG Allershausen, Dinkelhausen, Eschershausen; Sohlingen, Vahle und Wiensen sowie der Kupferhammer; die Ober- und Untereisenhütte, das Gut Reitliehausen, die Domäne Steimke, die Forsthäuser Knobben, Lakenhaus, Eschershausen und Vahle.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Nörten der Erzdiözese Mainz. – 1588 zur Insp. Uslar (1716–1738 mit Sitz in Lauenförde, ab 1738 vakant und von Hardegsen aus verwaltet). 1748 mit der Insp. Hardegsen vereinigt. 1798 zur wieder errichteten Insp. (1924: KK) Uslar. Der KK Uslar ging am 1. Januar 2001 im KK Leine-Solling auf.

Patronat

Der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau

Die mittelalterliche Kirche war ein rechteckiger, gotischer, nicht gewölbter Massivbau mit steilen Giebeln, den Mithoff 1863 als „alt und baufällig, weder in historischer, noch in architektonischer Beziehung von Interesse“ bewertete.6 Obgleich zunächst noch als erhaltenswert eingestuft, wurde die Kirche 1882 wegen des schlechten Erhaltungszustands und ihrer geringen Raumkapazität abgebrochen. Ein Neubau nach Entwürfen von Conrad Wilhelm Hase entstand etwas nördlich des alten Standorts im Garten der Küsterei (Einweihung am 29. Juli 1883). Gotisierender Quaderbau aus Sollinger Sandstein. Eingezogener polygonaler Chor mit Sakristeianbau.

Fenster

Buntglasfenster mit ornamentalem Dekor im Chor.

Turm

Westturm mit ins Achteck überführter verschieferter Spitze.

Ausstattung

Schlichter Blockaltar. Altarplatte, Taufstein und zwei Altarleuchter (1643) wurden aus der alten Kirche übernommen. – Runde Sandsteintaufe auf quadratischer Plinthe (1679).

Orgel

Erste Orgel 1842.7 1883 Neubau durch P. Furtwängler (Elze). 1957 Umbau durch Firma Euler (Hofgeismar), 10 II/P, mechanische Traktur, Kegelladen. Denkmalorgel.

Geläut

Zwei LG, I: es’’ (Bronze, Gj. 1960, H. Kurtz, Stuttgart); II: f’’ (Bronze, Gj. 1883, J. J. Radler, Hildesheim, 1947 stillgelegt bzw. noch zum Uhrschlag in Gebrauch, 1960 wieder in Betrieb genommen). – Früherer Bestand, I: es’’; II: fis’’ (beide Eisen, Gj. 1948, Firma Weule, Bockenem). Eine ältere LG I wurde nach dem Ersten Weltkrieg neu angeschafft und im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen.

Friedhof

Ursprünglich auf dem Kirchhof; 1884/85 im Zuge der Verkoppelung vor dem Dorf neu angelegt. Teilweise Eigentum der KG; die Verwaltung liegt seit 1970 bei der politische Gemeinde. FKap der politischen Gemeinde (Bj. 1966).

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 9 Nr. 277–281 (Visitationen); D 45 a (EphA Hardegsen-Uslar).

Literatur

A: Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 82, Nr. 56; Kämmerer/Lufen, Denkmaltopographie Lkr. Northeim, S. 336–338.
B: Willi Wieneke und Heimat- und Kulturverein Bollensen (Hg.): Bollensen. Ein Dorf und seine Geschichte, [Bollensen 1990].


Fußnoten

  1. Westfälisches UB I, Nr. 87. Vgl. auch Casemir/Menzel/Ohainski, Ortsnamen Lkr. Northeim, S. 62.
  2. Desel, Kloster Lippoldsberg, S. 124.
  3. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 275–279.
  4. KABl. 1967, S. 191.
  5. KABl. 1996, S. 157.
  6. Mithoff, Kirchen und Kapellen Göttingen, S. 386.
  7. LkAH, D 45a Spec. A Bollensen 513-1.