Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Peine | Patrozinium: Martin | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte
Kirche, Ansicht von Südosten, 1933 oder 1936

Kirche, Ansicht von Südosten, 1933 oder 1936

Seit 1974 Ortsteil von Hohenhameln. – Wichtigster mittelalterlicher Grundherr in Bierbergen war das Moritzstift zu Hildesheim, dessen (nur bei Johann Barward Lauenstein überlieferte1) Besitzbestätigung durch Papst Alexander II. und Ks. Heinrich IV. 1068/72 als Ersterwähnung des Ortes geführt wird.2 Weiteren Besitz hatten Mitglieder des Domkapitels, der Abt des Michaelisklosters sowie Vikarien an der Hildesheimer Kreuz- und Martinskirche. Ein ritterliches Geschlecht von Bierbergen ist seit dem ausgehenden 12. Jh. belegt. Landesherr war der Bf. von Hildesheim (Amt Peine, ab 1526 an die Stadt Hildesheim, 1556-1603 an Hzg. Adolf von Schleswig-Holstein verpfändet).

Mit Heinricus de Berberge […] sacerdos, der 1226 als Urkundenzeuge auftritt, erscheint erstmals ein Geistlicher in Bierbergen.3 Nachdem sich die Reformation 1542 in Hildesheim durchgesetzt hatte, wurde sie sukzessive auch im Amt Peine eingeführt. Als erster luth. Prediger in Bierbergen wird Johann Robeke (1552/54) genannt. Zwischen 1600 und 1620 dürfte die Schule gegründet worden sein. Während des Dreißigjährigen Krieges kam es noch einmal zu einer vorübergehenden Rekatholisierung der Pfarre. Nach der für die protestantische Partei verlustreichen Schlacht bei Lutter am Barenberge wurde im Hochstift Hildesheim die Gegenreformation eingeleitet. P. Johann Molken wurde 1628 vertrieben, amtierte später in Lesse (Amt Lichtenberg, heute zu Salzgitter) und kehrte nicht mehr nach Bierbergen zurück. Erst 1632 wurde mit Conrad Wilagius wieder ein luth. Pfarrer für Bierbergen ordiniert. 1634-1667 folgte der aus Thüringen stammende Johann Hopfgarten. Seither war die Pfarrstelle durchgehend mit luth. Geistlichen besetzt.

Kanzelaltar

Kanzelaltar

In der Zeit des Nationalsozialismus stand P. Rosenthal (amt. 1929-1934) der BK nahe, der 1937 eingeführte P. Hans Dietrich Gebauer den DC. Der 1933 gebildete KV setzte sich ausschließlich aus Mitgliedern der NSDAP zusammen, verhielt sich aber kirchenpolitisch indifferent. P. Meyer-Roscher, der während der Kriegsjahre mit der Vertretung der Pfarrstelle beauftragt war, berief 1940 einen neuen handlungsfähigen KV. Kirchenkampf und Krieg wirkten sich, abgesehen von der kriegsbedingten Abwesenheit des Pfarrers (seit 1945 vermisst) auf das Gemeindeleben kaum aus.
Durch den Zuzug von Flüchtlingen, besonders aus Schlesien, hat sich die Zahl der Gemeindeglieder nach dem Zweiten Weltkrieg nahezu verdoppelt. Die Kirche wurde bis 1959 auch den Katholiken zur Verfügung gestellt. Im Pfarrhaus wurde 1946 eine Gemeindeschwesternstation eingerichtet.
1593-1667, 1726-1749, 1789-1824 und ab 1841 versahen die Pfarrer von Bierbergen auch die Pfarrstelle in Oedelum. Mit dem 1. Januar 1949 wurde die Verbindung gelöst.4 Da die Zahl der Gemeindeglieder in Bierbergen bald nach dem Krieg wieder unter 1.000 sank, entfiel der Anspruch auf eine Wiederbesetzung der Pfarrstelle. Ab 1953 war die Pfarrstelle dauervakant und wurde zunächst von Soßmar aus versehen und am 1. November 1984 mit der St.-Georgs-KG in Soßmar pfarramtlich verbunden.5 Am 1. August 2004 wurde die Verbindung um die St.-Briccius-KG Adenstedt (Ilsede) erweitert.6

Umfang

Das Dorf Bierbergen.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Hohenhameln, später wohl Archidiakonat Solschen der Diözese Hildesheim. – Bierbergen kam 1561 zur neu errichteten Insp. Peine und wurde nach der Aufhebung der Suptur. 1612 dem Geistlichen Ministerium des Amtes Peine (ohne festen Sitz des Seniors) unterstellt. Nach Aufhebung des Hochstifts Hildesheim 1803 Insp. Peine wieder eingerichtet. Bierbergen kam 1831 zur neu errichteten Insp. (1924: KK) Groß Solschen (1. Januar 1965 Verlegung der Suptur. und Umbenennung in KK Ölsburg; mit dem 1. Januar 1999 im KK Peine aufgegangen).

Patronat

Nach 1331 der Propst bzw. Dechant des Moritzstifts in Hildesheim; seit dessen Aufhebung (1810) der Landesherr. Für die pfarramtlich verbundene KG Oedelum lag das Patronat beim das Kloster Loccum (seit 1259). Ab 1920 wechselte die Pfarrstellenbesetzung zwischen der KG Bierbergen und der Kirchenregierung. Das Kloster Loccum präsentierte für Oedelum jeweils den gewählten bzw. ernannten Geistlichen.

Kirchenbau
Kirche, Grundriss, 1938

Kirche, Grundriss, 1938

Das KGb stammt im Kern noch aus der romanischen Bauperiode. Der westliche Teil des einschiffigen, verputzten Langhauses entstand wohl in der ersten Hälfte des 13. Jh. 1719 wurde es im barocken Stil erneuert und vergrößert. Das Mauerwerk besteht aus Sand- und Kalkbruchstein. 1909 wurden der eingezogene Altarraum und die Sakristei angebaut. Nordportal vom Ende des 19. Jh. Der Innenraum ist durch eine Bretterdecke geschlossen, im Westteil zu einem Spiegelgewölbe geweitet.

Turm

Quadratischer romanischer Westturm aus unverputztem Bruchsteinmauerwerk, das Untergeschoß vom Ende des 12. Jh., das Obergeschoß etwas jünger. Ins Achteck überführte, schiefergedeckte Spitze mit Ausleger für die Schlagglocke. – Auf dem östlichen Ende des Langhauses ein achtseitiger, verschieferter Dachreiter mit Glockenhaube.

Ausstattung

Barocker Kanzelaltar (1719), wohl aus der Werkstatt von Daniel Bartels (Hildesheim); am Kanzelkorb Schnitzfiguren der vier Evangelisten, flankiert von Moses und Aaron. Unter der Kanzel vollplastische Abendmahlsgruppe, als Bekrönung die Figur des auferstandenen Christus. – Farbig gefasste achteckige Sandsteintaufe (1796, gestiftet durch die Kirchenjuraten J. B. Westermann und A. M. Oberg). – Kronleuchter (1705).

Blick zur Orgel, vermutlich 1975

Blick zur Orgel, vermutlich 1975

Orgel

Ein Neubau von Carl Heyder (Heiligenstadt) ersetzte 1856 ein älteres barockes Instrument; 8 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1909 weiterer Neubau durch P. Furtwängler & Hammer (Hannover) hinter dem klassizistischen Gehäuse von 1856, 12 (davon eine Transmission) II/P (HW, OW), pneumatische Traktur, Taschenladen. 1954/55 Einbau eines elektrischen Gebläses, 1965 Instandsetzung und Änderung der Disposition durch die Hildesheimer Orgelbauwerkstatt.

Geläut

Zwei LG, I: d’ (Bronze, Gj. 1869, Johann Jacob Radler, Hildesheim); II: f’ (Eisenhartguss, Gj. 1952, J. F. Weule, Bockenem). – Eine SG in f’’ (Bronze, Anfang 13. Jh., außen am Turmhelm). – Früherer Bestand: Die KG beschaffte 1869 bei Radler in Hildesheim zwei LG als Ersatz für die beiden gesprungenen Glocken. Eine wurde 1917 zu Rüstungszwecken abgeliefert und 1933 durch einen Neuguss ersetzt (J. J. Radler & Söhne, Hildesheim, Schenkung der politischen Gemeinde). Letztere wurde 1942 gleichfalls eingeschmolzen.

Weitere kirchliche Gebäude

Gemeindehaus (Bj. 1973/74).

Friedhof

In Trägerschaft der KG. Ursprünglich auf dem Kirchhof (dort mehrere historische Grabsteine erhalten), 1832 geschlossen und an den südlichen Ortsrand (Friedhofsstraße) verlegt. FKap nach Plänen des Architekten Henke, Hildesheim (Bj. 1957/58).

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 1052-1054 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 818-823 (Pfarrbestellungsakten); A 9 Nr. 216-219 (Visitationen); D 21 (EphA Ölsburg/Solschen).

Literatur

A: Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 74, Nr. 42; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 223; Jürgens u. a., KD Kr. Peine, S. 10-14; Pape, Palandt, S. 221-223; Pape, Orgeln Kr. Peine, S. 3 f.


Fußnoten

  1. Lauenstein, Historia Diplomatica, S. 296.
  2. Vgl. dazu MGH DD H IV 250; UB HS Hildesheim I, Nr. 112.
  3. UB HS Hildesheim II, Nr. 188.
  4. KABl. 1949, S. 2.
  5. KABl. 1984, S. 93.
  6. KABl. 2004, S. 116.