Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Peine | Patrozinium: Briccius1 | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte

Der zuerst im 13. Jh. erwähnte Ort (seit 2015 Ortsteil der Gemeinde Ilsede) war Teil der Kleinen Grafschaft, die die Gf. von Lauenrode von den Bf. von Hildesheim zu Lehen hatten. Als Konrad III. von Lauenrode 1236 das Lehen an die Hildesheimer Kirche zurückgab, übte das Hochstift Hildesheim die Landesherrschaft aus (Amt Peine). Schon seit dem Mittelalter bestand in Adenstedt eine zur Parochie Groß Solschen (Solschen) gehörige Kapelle mit eigenem Priester. Nach einem Konflikt zwischen dem Pleban zu Adenstedt und dem Priester der Archidiakonatskirche in Solschen wurde die Gemeinde 1290 gegen den Widerstand der Mutterkirche, aber unter Zustimmung des Archidiakons Arnold von Warberg durch den Hildesheimer Bf. Siegfried verselbständigt und ihre Kapelle zur Pfarrkirche erhoben.2

Alte Kirche, Ansicht von Südosten, Aquarell, vor 1916

Alte Kirche, Ansicht von Südosten, Aquarell, vor 1916

Seit 1526 war das Amt Peine an die Stadt Hildesheim verpfändet. Die Einführung der Reformation in der Stadt durch Johannes Bugenhagen (1542) blieb auch auf das verpfändete Gebiet nicht ohne Einfluss. 1552 wird in Adenstedt als erster ev. Prediger ein Cordt (Nachname unbekannt) erwähnt. Doch setzte sich das luth. Bekenntnis wohl erst mit dem Regierungswechsel in Wolfenbüttel 1568 durch, da die Hzg. von Braunschweig-Wolfenbüttel – ungeachtet der hildesheimischen Landeshoheit (bzw. Pfandherrschaft des ev. Hzg. Adolf von Holstein, 1556-1603) – das Patronatsrecht für die Pfarre ausübten. Mit M. Johannes Sander setzt um 1568 die Reihe der luth. P. ein.3 Wegen des Verdachts calvinistischer Irrlehren war zeitweilig eine Untersuchungskommission gegen ihn eingesetzt.4 Sanders, der später als Sup. nach Barum bei Salzgitter wechselte, wurde auch als Verfasser einer fünfaktigen „Tragoedia. Von dem anfang, mittel vnd ende heiligen thewren mans Gottes vñ vorleuffers Christi Johannis des Teuffers“ (gedruckt Magdeburg 1588) bekannt.5 Während des Dreißigjährigen Krieges wurde das Ksp. 1628 noch einmal rekatholisiert und die seelsorgerliche Betreuung durch einen Benediktinermönch wahrgenommen.
1970 übernahm die KG die Trägerschaft für den von der politischen Gemeinde errichteten KiGa. Die Zahl der Gemeindeglieder betrug 1985: 1.605, 1991: 1.810.6 Seit dem 1. August 2004 ist die KG in Adenstedt mit den KG Bierbergen und Soßmar pfarramtlich verbunden.7

Umfang

Das Dorf Adenstedt mit der Lauenthaler Mühle.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Groß Solschen der Diözese Hildesheim. – Adenstedt kam 1561 zur neu errichteten Insp. Peine, nach 1594/99 zur Suptur. (Insp.) Nieder-Freden8 und wurde nach der Aufhebung der Suptur. 1612 dem Geistlichen Ministerium des Amtes Peine unterstellt (ohne festen Sitz des Seniors).9 1831 zur neu errichteten Insp. (1924: KK) Groß Solschen (1. Januar 1965 Verlegung der Suptur. und Umbenennung in KK Ölsburg; mit dem 1. Januar 1999 im KK Peine aufgegangen).

Patronat

Der Hzg. von Braunschweig-Wolfenbüttel (für das Haus Braunschweig 1290 erstmals erwähnt), ab 1805 der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau
Notkirche, Außenansicht, nach 1916, vor 1922

Notkirche, Außenansicht, nach 1916, vor 1922

Das ursprünglich romanische KGb wurde auf die Zeit um 1000 datiert. An seiner Stelle errichtete der Hildesheimer Baumeister Wend 1779 einen barocken Neubau (einschiffige Saalkirche mit dreiseitigem Ostschluss, an den sich eine achteckige Sakristei anschloss. Der Turmhelm mit ins Achteck überführter Spitze wurde 1820/21 neu aufgesetzt). Die Kirche wurde, als im Zuge des gestiegenen Rohstoffbedarfs während des Ersten Weltkriegs der alte Ortskern einer Erweiterung des Erztagebaus der Ilseder Hütte zum Opfer fiel, 1916 abgerissen. GD fanden danach zunächst in einer Notkirche statt (das spätere Gemeindehaus). 1919-22 finanzierte die Ilseder Hütte einen Neubau auf einem Platz am nördlichen Ortsrand (Entwurf: Konsistorialbaumeister Karl Mohrmann, Hannover; Einweihung am 17. Dezember 1922). Gotisierender Backsteinsaalbau mit polygonalem Chorschluss und Kreuzgewölbe (1922). U-förmige Empore. Renovierungen 1966 (Innen) und 2003/05.

Fenster

Glasfenster im Altarraum (der segnende Christus, Luther und der Apostel Paulus; darüber in Rundfenstern die Evangelisten Markus, Matthäus und Lukas). Weitere Fenster u. a. mit Symbolen aus Bergbau und Handwerk.

Turm

Querrechteckiger Westturm mit quadratischem Glockengeschoss und ins Achteck überführter Spitze. 2010/11 saniert.

Ausstattung

Ursprünglich mit Kanzelaltar. Im Zuge einer Innenrenovierung wurde 1966 die Kanzel seitlich in den Altarraum verrückt. Neuer gemauerter Stipes. Triptychon des Künstlers Hermann Buß, Norden (2005).

Neue Kirche, Blick zur Orgel

Neue Kirche, Blick zur Orgel

Orgel

1816 Neubau durch den Mechaniker Sander (Wolfenbüttel), wohl die erste Orgel der KG. 1894 Neubau durch P. Furtwängler & Hammer (Hannover). 1922 Neubau durch P. Furtwängler & Hammer, 20 (davon eine Transmission) II/P, pneumatische Traktur, Taschenladen. Prospekt von Karl Mohrmann. 1986 Neubau im neuen Gehäuse durch Gebrüder Hillebrand (Altwarmbüchen), 7½ I/P, davon vier Reg. als Transmission im Pedal, mechanische Traktur, Schleifladen.10 Der Prospekt von Mohrmann blieb aus denkmalpflegerischen Gründen erhalten.

Geläut

Zwei LG, I: f’ (Bronze, Gj. 1867, J. H. Bartels, Hildesheim); II: g’ (Bronze, Gj. 1923, Hans Kennerknecht, Weilheim). – Früherer Bestand: Die große LG von 1867 stammt noch aus der alten Kirche. Als Ersatz für die im Zweiten Weltkrieg abgelieferte LG II beschaffte die KG 1947 eine Eisenhartgussglocke in g’ der Firma J. F. Weule (Bockenem), die 1980 stillgelegt und durch eine bei der Gebrüder Bachert (Bad Friedrichshall) angekaufte Gebrauchtglocke aus Bronze ersetzt wurde. Die Weule-Glocke wurde außen neben dem Eingang der Kirche aufgestellt.

Weitere kirchliche Gebäude

Das 1768 errichtete Pfarrhaus fiel wie die alte Kirche dem Tagebau zum Opfer und wurde 1908 durch einen Neubau an der jetzigen Stelle ersetzt.

Friedhof

Eigentum der KG. Neuanlage 1831 auf Veranlassung von P. Georg Ferdinand Schütze, 1849 vergrößert und wegen des Tagebaus nach der Jahrhundertwende aufgegeben. 1910 neuer Friedhof im Lahwald. FKap (Bj. 1920).

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 73-87 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 46-59 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 14-19 (Visitationen); D 21 (EphA Ölsburg/Solschen).

Literatur

A: Boetticher, Ortsverzeichnis Lkr. Peine, S. 22 f.; Jürgens u. a., KD Kr. Peine, S. 3-5; Pape, Orgeln Kr. Peine, S. 1 f.
B: Ortsrat Adenstedt und Heimatfreunde Adenstedt e.V. (Hg.): Adenstedter Heimatbuch. Beiträge zur Ortsgeschichte, [Adenstedt 1994]; Willi Schocke: Geschichte und Geschichten aus meinem Heimatort, Adenstedt 2002; D. Schultzen: Zur kirchlichen Geschichte des Kreises Peine, in: Der Kreis Peine. Ein Beitrag zur Heimatkunde, Magdeburg 1933.


Fußnoten

  1. Bf. von Tours.
  2. UB HS Hildesheim III, Nr. 879a (mit falschem Verweis); Braunschweigische Anzeigen 6 (1750), Nr. 89, S. 1798 ff.
  3. Meyer, Pastoren I, S. 5.
  4. Schultzen, S. 61.
  5. ADB 30 (1890), S. 352 f.
  6. LkAH, L 5h, unverz., Adenstedt, Visitation 1991.
  7. KABl. 2004, S. 116.
  8. Reller, Kirchenverfassung, S. 219.
  9. Meyer-Roscher, Streiflichter, S. 123.
  10. LkAH, L 5h, unverz., Adenstedt, Visitation 1991.