Sprengel Lüneburg, KK Soltau | Patrozinium: Lambert von Maastricht| KO: Lüneburger KO von 1643

Orts- und Kirchengeschichte

Die parrochie Berge wird 1197 in einer Verkaufsurkunde der Kirche St. Willehadi zu Bremen für das Kloster Walsrode erstmals erwähnt.1 Die wohl um 900 entstandene Siedlung entwickelte sich früh zu einem Zentralort der Lüneburger Heide. Sie erlangte im Mittelalter Marktgerechtigkeit und bestand 1438 aus zehn Höfen und 30 Koten. Als Inhaber der Goherrschaft sind seit dem Ende des 13. Jh. die Welfen belegt, die hier das Erbe der Billunger angetreten haben. Seit dem 17. Jh. war Bergen Sitz einer Amtsvogtei bzw. ab 1852 eines Amts (1885 zum Kreis Celle). Stadtrecht seit 1957.

Kirche, Ansicht von Südosten, 1938

Kirche, Ansicht von Südosten, 1938

Die Lambertikirche gehörte vermutlich zu den Altkirchspielen des 9. Jh., jedenfalls deutet das Lambertuspatrozinium auf eine fränkische Gründung hin. Im frühen 11. Jh. kam die Kirche in den Besitz des Michaelisklosters in Lüneburg, das seither auch das Patronatsrecht ausübte. Nach dem Wüstfallen bzw. der Zerstörung der Kirche in Hermannsburg Mitte des 11. Jh. sind wohl deren Pfarrechte auf Bergen übertragen worden. Um 1065 umfasste die Parochie Bergen den gesamten Bereich der Goe Bergen und Hermannsburg sowie mindestens die Veest Örrel des Goes Munster.2 Nach dem Neubau der Kirche in Hermannsburg Anfang des 12. Jh. wurden die beiden Pfarrsprengel wieder getrennt. 1203 verkaufte die Kirche in Bergen den Zehnten zu Huxahl an die Kirche in Walsrode.3 Zur Erhöhung der Einnahmen und Vornahme der notwendigen Instandsetzungen wurde die Pfarre 1302 (nebst anderen) dem Michaeliskloster in Lüneburg inkorporiert.4
An vorref. Geistlichen sind bekannt: Sindrammus (plebanus, 1234); Johannes (1306); Johann von Bücken (1376, 13775); Johannes (rector ecclesiae, 1395)6; Gottfried Slüter/Schlüter (1416); Johann von Leerten (1421/22)7; Johann von Cort (1425); Johannes (eventuell derselbe, plebanus, 14288); Ludolf von Lerte (1457, auch Verweser der Propstei Lüne und Vertreter des Lüneburger Rates in Rom9); Johann Gieseke (1471); Heinrich Piper (plebanus, 1471)10; Eggehardus Spangenberg (1504). Mit der Marien- und Fronleichnamsgilde bestanden in Bergen zwei geistliche Institutionen zur Pflege des Totengedächtnisses. Dank umfangreicher Stiftungen verfügte die Kirche über eine reich ausgestattete Pfründe. Zuwendungen kamen u. a. 1421 von den Herren von Ahlden, 1454 von Heinrich Hoppensteder zu Wolthausen (übertrug der Kirche den sogenannten Wedinghof in Nindorf) und 1522 Theodor von Wietzendorf (Propst in Schnega und Domherr zu St. Blasius in Braunschweig), der der Kirche für sich, seine Eltern, Geschwister und Verwandte vier Memorien in der Kirche zu Bergen stiftete.11

1527 führte Hzg. Ernst der Bekenner im Fsm. Lüneburg die Reformation ein. Erster luth. Geistlicher in Bergen war Cord Hollmann (nachgewiesen ab 153412). Auf luth. Einfluss verweist jedoch schon die 1529 durch die Olderleute vorgenommene Einrichtung einer Armenkasse, deren Grundstock die bisher für das jährliche Totengedenken verwendeten Gelder bildeten. Gleichfalls der Reformation ist die Einrichtung einer Schule 1534 zu verdanken. Hollmann war noch bei der Visitation von 1543 im Amt und starb 1563. Sein Nachfolger war P. Dithmer Bußmann (amt. 1563-1577). Von den späteren Geistlichen war P. Karl Friedrich Kaiser (amt. 1782-1824) auch als Bienenkundler und Pädagoge bekannt (mehrere Veröffentlichungen, u. a. Anleitung zur Korbbienenzucht in den lüneburgischen Heidegegenden, Celle 1798; Ueber die Industrieschule zu Bergen, in: Monathliche Nachrichten 1807).

Die Gemeinde Bergen grenzt im Westen an den gemeindefreien Bezirk Lohheide, der 1945 durch Teilung des ehemaligen militärischen Gutsbezirks Platz Bergen entstand (Truppenübungsplatz Bergen, 1935 angelegt). Für Lohheide wurde 1953 eine weitere Kirche errichtet (seit 2003 Zum Guten Hirten). – Die Gemeinde unterhält zwei KiTa. In der Trägerschaft der Diakonie befinden sich eine Sozialstation und ein Alten- und Pflegeheim. Zur Förderung der Gemeindearbeit wurde eine Stiftung (St.-Lamberti-Stiftung) errichtet.

Pfarrstellen

I: Vorref. – II: 1866. – III: 1. April 196413, aufgehoben 2008.

Umfang

Von den ursprünglich nach Bergen eingepfarrten Orte wurden Wietzendorf 1231 (vorher schon Standort einer Kapelle), Schmarbeck nach 1489, 1502/04 auch Sülze verselbständigt. 1823 umfasste die Parochie noch die Dörfer Becklingen, Belsen (mit der Belsermühle), Bergen, Bleckmar, Bollersen, Catensen, Dageförde, Diesten, Dohnsen, Hagen, Mannhorn, Nindorf, Offen, Siddernhausen, Wardböhmen, Widdernhausen und Wohlde, die Höfe Bredebeck, Brockhof, Hoppenstedt, Hoppenstedter Mühle, Klötzenhof, Lindhorst, Meyerhof bei Bleckmar, Ohlhof, Oyhus, Sehlhof, Susenburg, Waller Forsthaus und Ziegelei auf der Hohne.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Ahlden der Diözese Minden. – Nach der Reformation zur Insp. Celle (1531 Errichtung der Suptur.), 1803 zur neu errichteten Insp. Beedenbostel mit Suptur. in Celle-Neuenhäusen). Nach Verlegung des Suptur.-Sitzes ab 1810 Insp. Winsen/Aller. 1865 wurde Bergen Sitz der Suptur. Ab 1892 war die Stelle unbesetzt und wurde von Soltau aus versehen. Mit dem 1. Februar 1925 wurde der KK Beedenbostel aufgehoben und mit dem KK Celle vereinigt.

Patronat

Die Pfarrkirche wurde 1397 durch Papst Bonifatius IX. dem Michaeliskloster Lüneburg14 und von Innozenz VII. 1406 dem Almosenamt des Klosters inkorporiert.15 Nach Aufhebung des Klosters 1850 gingen die Lasten und Pflichten auf den Allgemeinen hannoverschen Klosterfonds über. Gemäß Erlass vom 10. Juni 1863 wurden die Patronatsrechte der aufgehobenen Männerklöster durch das Konsistorium ausgeübt.16

Kirchenbau – Lambertikirche
ehem. Kirche (1826/27 durch einen Neubau ersetzt), Grundriss, 1877

ehem. Kirche (1826/27 durch einen Neubau ersetzt), Grundriss, 1877

Ein erstes KGb wurde nach dem archäologischen Befund um 900, wohl als edelfreie Eigenkirche oder -kapelle, errichtet und vielleicht beim großen Brand von 1354 zerstört. In seiner Nachfolge entstand in der zweiten Hälfte des 14. oder im 15. Jh. ein gewölbter gotischer Massivbau aus Feld- und Backsteinmauerwerk mit polygonalem Chorschluss. Seit dem 18. Jh. war das Gebäude zunehmend schadhaft. Das Kirchenschiff wurde 1826/27 nach einem Entwurf des Landbaumeisters Friedrich Wilhelm Mithoff als dreischiffiger, klassizistischer Emporensaal aus verputztem Ziegelmauerwerk mit Vorbau im Westen und einem Sakristeianbau neu errichtet. 1904/05 wurde es durch einen romanisierenden Choranbau nach Osten erweitert. Die Längsseiten sind durch je fünf hohe rundbogige Sprossenfenster durchbrochen. Der durch eine umlaufende Empore in drei Schiffe gegliederte Saal wird in der Mitte durch ein Tonnengewölbe, an den Seiten durch eine Flachdecke geschlossen. Die Emporen und die Giebelwand vor dem Chor wurden nach dem Ersten Weltkrieg durch den Kunstmaler Warg aus Krefeld neu gestaltet (1956 übermalt). Sanierung der Kirche (innen und außen) 2014/15.

Fenster

Über dem Altar ein halbrundes Buntglasfenster mit Christus als Weltenherrscher und den Symbolen der vier Evangelisten.

Turm

Aus statischen Gründen wurden schon 1728 die Glocken aus dem Turm genommen und in einem separat stehenden Glockenträger aufgehängt. Der Kirchturm wurde 1736 abgebrochen und 1750 durch einen zweistufigen (quadratischen und oktogonalen) Aufbau über der Westfassade mit Kupferverkleidung ersetzt. Achtseitiger Spitzhelm mit Seitengiebeln. – Nördlich vor der Kirche befindet sich zusätzlich ein modern verkleideter, separat stehender, hölzerner Glockenturm mit Pyramidendach (1728). 1881 neue Kirchturmspitze.

Ausstattung

Im Zuge des Choranbaus wurde eine ältere klassizistische Kanzelaltarwand durch einen freistehenden, holzsichtigen Kanzelaltar mit Altarschranken ersetzt. Kreuzigungsrelief, alttestamentarische Figuren; an den Seiten Skulpturen Johannes der Täufer und Moses mit den Gesetzestafeln (1905). – Überlebensgroßes, teilweise ergänztes Kruzifix (Ende 15. Jh.). – Grabsteine des 17. Jh. – In den Kassetten der Orgelempore Bilder des Malers Walter Hilke (1962).

Orgel

Orgel

Orgel

1826/29 Neubau durch Johann Heinrich Christian Friedrich Lohstöter (Celle), 22 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1914 Neubau hinter dem historischen Prospekt durch P. Furtwängler & Hammer (Hannover), 34 II/P, pneumatische Traktur. 1917 Ausbau der Prospektpfeifen. 1963/66 Neubau hinter dem historischen Prospekt durch Firma Hermann Hillebrand (Altwarmbüchen), 28 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1999/2000 Neubau durch Firma Muhleisen (Straßburg), 34 III/P (HW, UW, SeitenW). Die Reg. der Hillebrandorgel wurden teilweise übernommen. – In der FKap: 1977 Neubau durch Firma Schmidt & Mappes (Langenhagen), 5 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Vier LG, I: c’ (Eisenhartguss, Gj. 1949, J. F. Weule, Bockenem); II: es’’ (Bronze, Gj. 1763, Johann Meyer, Celle); III: g’ (Eisenhartguss, Gj. 1949, J. F. Weule, Bockenem), IV: as’’ (Bronze, Gj. 1650, unbekannter Gießer). – Eine SG im Westturm (Dreikönigsglocke; Bronze, 15. Jh.). – Früherer Bestand: Aus dem Jahr 1574 liegt eine Urkunde über einen Glockenkauf durch Hans Moller und Hans Willingk vor.17 Beim Umzug in den Glockenträger (1728) wurde von vier damals vorhandenen Glocken eine umgegossen (erneuter Umguss 1731, 1738 und 1745). Für eine 1917 zu Rüstungszwecken abgelieferte Glocke wurde 1925 eine Ersatzglocke gegossen. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Glocken von 1650, 1763 und 1925 abgeliefert. Die beiden ersteren kehrten zurück. Die Glocke von 1925 wurde eingeschmolzen.

Kirchenbau – Kirche Zum Guten Hirten

Schlichter Saalbau mit eingezogenem Chorraum, erbaut 1953/54. Flachbogige Fenster. Im Innern hölzernes Tonnengewölbe.

Turm

Südturm mit Satteldach, rundbogige Schallfenster.

Ausstattung

Blockaltar. Altarbild von Rudolf Schäfer (letzte Arbeit Schäfers für einen Sakralraum).18 – Die Kanzel ist in die Wand neben dem Durchgang zum Chorraum eingelassen.

Geläut

Zwei LG, I: h’; II: d’’ (beide Eisen, Gj. 1954, Firma Weule, Bockenem).

Orgel

1958 Neubau durch Paul Ott (Göttingen), 7 II/P, mechanische Traktur, Schleiflade.

Friedhof

Eigentum der KG. Ursprünglich auf dem Kirchhof, jetzt nördlich des Ortszentrums (Beethovenstraße).

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 797-821 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 64-68 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 691-711 (Pfarrbestallungsakten); A 8 (CB); A 9 Nr. 178-180 (Visitationen); D 10 Nr. 24-63 (Urkunden).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 212; Holscher, Bisthum Minden, S. 261 f.; Mithoff, Kirchen und Kapellen Lüneburg, S. 366; Poser, Schäfer, S. 193-194 und Abb. F 94; Zimmermann, Denkmaltopographie Lkr. Celle, S. 76 f.
B: Gerhard Bratke: Die Glocken von St. Lamberti in Bergen, in: Heimatkalender für die Lüneburger Heide, 1953, S. 51 f.; Ludwig Otto Albert Spitta: Aus der Geschichte der St. Lamberti-Gemeinde zu Bergen, Hildesheim 1876.


Fußnoten

  1. Lüneburger UB XV, Walsrode, Nr. 3.
  2. Bothmer, Mirica, S. 125.
  3. Lüneburger UB XV, Walsrode, Nr. 15.
  4. Lüneburger UB VII, St. Michaelis, Nr. 179.
  5. UB Verden II, Nr. 1927.
  6. Lüneburger UB VII, St. Michaelis, Nr. 801.
  7. LkAH, D 10, Nr. 25.
  8. UB Zeven, Nr. 147.
  9. Schwarz, Papsturkunden, Nr. 1938.
  10. Lüneburger UB XVII, Celle, Nr. 288.
  11. Holscher, Bisthum Minden, S. 261 f.
  12. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 454, Anm. 981.
  13. KABl. 1964, S. 12 f.
  14. Schwarz, Papsturkunden, Nr. 1205 (mit Datum 1397); auch Lüneburger UB VII, St. Michaelis, Nr. 179 (mit dem Jahr 1302).
  15. Schwarz, Papsturkunden, Nr. 1332.
  16. LkAH, B 1 Nr. 11161, Bl. 67.
  17. LkAH, D 10, Nr. 44.
  18. Poser, Schäfer, S. 193.