Sprengel Lüneburg, KK Celle | Patrozinium: Martin | KO: Lüneburger KO von 1643

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Orts- und Kirchengeschichte

Beedenbostel geht wohl auf den Haupthof einer karolingischen Villikation bzw. einen älteren sächsischen Edelhof zurück, der Verwaltungsmittelpunkt und Gerichtsort des nördlich der Aller gelegenen Gretingo war. Es blieb nach dem Sturz Heinrichs des Löwen welfischer Allodialbesitz (Fsm. Lüneburg) und war seit Ende des 15. Jh. Sitz einer Amtsvogtei, später eines Amts (1859 aufgehoben und nach Celle verlegt).1

Kirche, Ansicht von Südosten, 1968

Kirche, Ansicht von Südosten, 1968

Möglicherweise entstand in Beedenbostel schon zur Zeit der fränkischen Mission im 9. Jh. eine Taufkirche. Darauf würde auch das (für das Mittelalter allerdings nicht gesicherte) Patrozinium des fränkischen Reichsheiligen Martin von Tours hindeuten.2 Für die Wahl des Standorts spielte vermutlich auch die Nähe zu einer vorchristlichen Kultstätte auf dem Ostufer der Aschau eine Rolle. Gesichert ist die Errichtung einer hölzernen FKap am Rand der Aschau-Insel unter Bf. Azelin († 1054). Sie wird 1050/51 in einer Schenkungsurkunde Ks. Heinrichs III. in publicis aecclesiarum parrochiis […] Beginburstalle erstmals urkundlich erwähnt.3 1197 verkaufte die Kirche St. Willehadi zu Bremen u. a. in Alrebekesa und in Eschede in parrochia beinborstelde Güter an das Kloster Walsrode.4 Die Kirche zu Beedenbostel wurde im gleichen Jahr zum Sitz eines Archidiakonats erhoben, dessen Sprengel sich mit dem Gretigo deckte.
Ein Geistlicher erscheint erstmals unter dem 25. Januar 1318 mit dem Vizepleban Hermann, der in Gemeinschaft mit Dietrich, Pfarrer der Neustadt zu Hildesheim, von den Edelherren von Homburg den Bf.-Zehnten zu Hemmendorf einlöste.5 1449 tauschten Johann Makenitze (rector ecclesie in Beynborstele, bis 1449)6 und Heinrich Gärtner, Vikar an der Kapelle zu Steimke ihre Stellen. 1503/06 wird der kerkherr Eiken genannt.

Kirche, Ansicht von Südosten, Teilansicht

Kirche, Ansicht von Südosten, Teilansicht

Die Einführung der Reformation im Fsm. Lüneburg erfolgte 1527 unter Ernst dem Bekenner. Im Landsteuerverzeichnis von 1525 wird der Kirchherr Antonius genannt, dann bis 1530/31 Bertold Nagel. Wer der erste luth. Prediger war, scheint unsicher. Jedenfalls war Henricus Volkmar (amt. 1531-1546) luth., der nach den Pfarrnachrichten schon 1526 dort predigte und dem Reformator Urbanus Rhegius nahestand.7 Eine Schule bestand bereits vor dem Dreißigjährigen Krieg.
P. Uhlhorn war seit 1933 Mitglied der BK. Obwohl die Kirchenwahlen von 1933 den DC eine große Mehrheit einbrachten, blieb ihr Einfluss im KV gering. Von den drei Mitgliedern schied eines 1938 wieder aus, die beiden anderen nahmen später eine bekenntnistreue Haltung ein.
In Ahnsbeck besteht seit vorref. Zeit eine KapG. Gescheitert sind jedoch die Bestrebungen zur Bildung einer KapG im Außenort Höfer (1957/58), wo nach der Errichtung einer FKap durch die politische Gemeinde regelmäßige GD stattfinden. Weiterhin wurde für die Versorgung der Gemeinde Lachendorf 1964 zunächst eine Pfarrvikarstelle, 1969 eine zweite Pfarrstelle errichtet. Anfang der 1970er Jahre entstand das Gemeindezentrum Arche Noah. 1994 wurde die Gemeinde verselbständigt.

Pfarrstellen

I: Vorref. – II: 1. Januar 19698 (seit 1. Juli 1964 Pfarrvikarstelle9); 1. Januar 1994 an die neu errichtete KG Lachendorf.

Umfang

Zum Ksp. gehörten ursprünglich auch die späteren Pfarrorte Eschede (zwischen 1197 und 1365 verselbständigt) und Eldingen mit ihren zugehörigen Dörfern und Wohnplätzen. 1823 umfasste es noch die Dörfer Ahnsbeck (KapG), Alvern, Beedenbostel, Bunkenburg, Gokenholz, Helmerkamp, Höfer, Jarnsen, Lachendorf, Luttern und Ohe. Helmerkamp wurde mit dem 1. April 1909 aus der KapG Ahnsbeck und der KG Beedenbostel in die KG Hohne umgepfarrt10, die luth. Einwohner des Wohnplatzes Alvern mit dem 1. April 1970 in die KG Garßen.11 Zum 1. Januar 1994 wurden die luth. Einwohner des Gemeindeteils Lachendorf der Samtgemeinde Lachendorf ausgegliedert und zur KG Lachendorf zusammengeschlossen.12

Aufsichtsbezirk

Beedenbostel war 1197 Sitz eines Archidiakonats, kam aber wohl im 14. Jh. (sicher vor 1470) zum Archidiakonat Wienhausen der Diözese Hildesheim. – Nach der Reformation zur Insp. Celle (1531 Errichtung der Suptur.). 1803 wurde eine Insp. Beedenbostel neu gebildet, deren Sitz bis 1810 Celle-Neuenhäusen, dann in Winsen (Aller) war. Beedenbostel kam 1810 wieder zur Insp. Celle. 1855 wurde eine Insp. Beedenbostel mit den KG Beedenbostel, Eldingen, Eschede, Hohne, Langlingen, Müden (Aller) und Wienhausen neu gebildet. Im April 1925 wurde der KK Beedenbostel aufgehoben und mit dem KK Celle vereinigt.

Patronat

Der Bf. von Hildesheim. Später der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau
Kirche, Grundriss, 1961

Kirche, Grundriss, 1961

Das alte KGb aus Fachwerk wurde vor 1481, vielleicht schon im 12. Jh., durch einen Massivbau ersetzt, der sich vermutlich an einen von den Billungern errichteten Wartturm auf der Aschau-Insel anlehnte. Seit Mitte des 17. Jh. sind Klagen über die Enge des Kirchenraums belegt. 1733 wurde der Wartturm abgebrochen, um Steine für den Bau des neuen Amtshauses in Beedenbostel zu gewinnen. Mit dem übrigen Material wurde 1734/37 unter P. Johann Pflug eine neue Kirche errichtet (Einweihung 21. Juli 1737 durch GSup. Heinrich Philipp Guden). Verputzer, barocker Backsteinsaal auf Feldsteinsockel mit Eckquaderung. Dreiseitiger Chorschluss (1735). Rundbogige Sprossenfenster. Innen durch eine verputzte, hölzerne Segmenttonne geschlossen. 1860/63 Innenrenovierung (dabei Übermalung der Brüstungsbilder an den Emporen); weitere größere Renovierungen 1924/26 (neue Ausmalung von Prof. Hahnhuber) und 2009/10.

Turm

Freistehender verbretterter Glockenträger (1565 erstmals nachgewiesen, Neubau um 1726). Pläne für den Bau eines Kirchturms scheiterten am Ersten Weltkrieg und der anschließenden Notzeit.

Grablege

In der Kirche wurden u. a. der herzogliche Geheime Rat und Vizekanzler Gottfried Heymann († 1677, Sarg 1968 bei einer Renovierung wieder aufgefunden), Generalmajor von Rauchhaupt († 1679) und der Beedenbosteler Amtsvogt und Generalmajor Georg von Monroy († 1794) beigesetzt.

Kirche, Blick zum Altar

Kirche, Blick zum Altar

Ausstattung

Barocker Säulenaltar mit spätgotischem Schrein (Kreuzigungsrelief, flämisch, erstes Drittel 16. Jh.). – Barocke Kanzel aus Holz, in den Brüstungsfeldern Schnitzfiguren der vier Evangelisten (nach 1735). – Moderner polygonaler Taufstein aus Muschelkalk, auf den Seiten die vier Symbole Adler, Α und Ω, Taube und Fisch; Taufschale aus Messing (1971). – Opferkasten/Eichentruhe (wohl 14. Jh.). – Bildnis des P. Johannes Pflug († 1742). – In den Fensternischen Darstellung der zwölf Apostel nach Entwurf von Prof. Hahnhuber (1925). – Auf der Front des Kastengestühls drei Bilder von P. Bindseil (1670, ursprünglich für die Priechen der alten Kirche). – Gedenktafeln für die Gefallenen von 1866 und 1914/18. – Epitaph für den 1870 gefallenen Soldaten Heinrich Cammann.

Kirche, Blick zur Orgel

Kirche, Blick zur Orgel

Orgel

Die erste Orgel (7 I/-) wurde 1659/60 vom Celler Orgelbauer Justus Kaiser erbaut und am 28. Februar 1660 eingeweiht. Ob sie in den Kirchenneubau von 1735 mit übernommen wurde, ist unklar. 1855 Neubau durch P. Furtwängler (Elze), 24 II/P (HW, OW). 1928 Neubau durch Lothar Wetzel (Hannover) nach Disposition von Christhard Mahrenholz, 24 II/P (HW, OW), pneumatische Traktur, Taschenladen. 1958/69 Instandsetzung und Änderung der Disposition durch Firma Wetzel. 1972 Neubau hinter dem historischen Prospekt von 1855 durch Firma Emil Hammer (Hannover), 21 II/P (HW,OW, neun Reg. aus der Vorgängerorgel), mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Zwei LG, I: d’ (Bronze, Gj. 1801, Johann Christoph Weidemann, Hannover); II: fis’ (Bronze, Gj. 1935, Firma Schilling, Apolda). – Eine SG in f’’ (Bronze, Gj. 1955, Gebrüder Rincker, Sinn). – Früherer Bestand: Vor der Reformation hatte die Kirche wohl nur eine kleine Vesperglocke in einem Dachreiter. 1567 ist der Umguss einer Glocke in Celle belegt, die 1801 geborsten ist und neu gegossen wurde (LG I). Sie wurde 1942 zu Rüstungszwecken abgeliefert und 1947 unbeschädigt zurückgegeben. Eine weitere Glocke war 1724 gesprungen und wurde 1726 durch den Glocken- und Rothgießer Johann Heinrich Groven (Celle) umgegossen (1918 abgeliefert, 1935 ersetzt). – Als Ersatz für zwei abgängige SG aus Eisenhartguss erwarb die Gemeinde 1979 von der KG Schüttorf eine Gebrauchtglocke der Firma Rincker als Viertelstundenglocke. Der Stundenschlaghammer wurde an der kleinen LG angebracht.

Weitere kirchliche Gebäude

Das Pfarrhaus (Pfarrhof) wurde 1651 als reetgedecktes Fachwerkhaus 1651 neu errichtet und bereits 1701 durch einen Neubau ersetzt. Mehrfach Umbauten und Instandsetzungen. 1899/1900 Neubau (als Superintendenturgebäude). Ein neugotischer Treppengiebel wurde bei einer Renovierung 1953 beseitigt. – Küsterhaus im niedersächsischen Fachwerkstil (Bj. 1751). – Ein Pfarrwitwenhaus bestand schon vor 1600. 1789 Neubau, wohl 1886 verkauft.

Friedhof

Eigentum der KG. Ursprünglich auf dem Kirchhof. Ein Legat des Amtsvogts Georg von Monroy ermöglichte anstelle des zu klein gewordenen Begräbnisplatzes auf dem Kirchhof 1810 die Neuanlage des Friedhofs „Auf dem Hiltberge“13 (sogenannter Alter Friedhof, 1852 und 1873 erweitert). Wegen der schlechten Bodenverhältnisse dort wurden ab 1848 vorübergehend auch wieder Beisetzungen bei der Kirche genehmigt. 1924 wurde der Alte Friedhof geschlossen. FKap auf dem Alten Friedhof (Bj. 1956/57). Ehrenmal für die Weltkriegsgefallenen (1959). Der Neue Friedhof am Barnbruchskamp wurde wohl 1905 in Benutzung genommen. – Eigene Friedhöfe in Ahnsbeck (für Ahnsbeck und Helmerkamp, 1852), Lachendorf (1923) und Höfer (1937).

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 747-770 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 59 und 62-63 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 640-650 (Pfarrbestallungsakten); A 8 (CB); A 9 Nr. 169-172 (Visitationen).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 203; Gädtke, Kirchspiele, S. 64-158; Mithoff, Kirchen und Kapellen Lüneburg, S. 365 f.; Zimmermann, Denkmaltopographie Lkr. Celle, S. 72-74.
B: Ernst Mertsch: Chronik der Gemeinde Beedenbostel, Bd. 1: Kirche und Schule, o. O. [1984]; Adolf Meyer: Beedenbostel als Verwaltungssitz (= Chronik der Gemeinde Beedenbostel 2), o. O. [1987].


Fußnoten

  1. Meyer.
  2. Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien I, S. 81.
  3. UB HS Hildesheim I, Nr. 86.
  4. Lüneburger UB XV, Walsrode, Nr. 3.
  5. UB S Hildesheim I, Nr. 693.
  6. Lüneburger UB V, Isenhagen, Nr. 471 und 472.
  7. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 473, Anm. 1004.
  8. KABl. 1969, S. 13 f.
  9. KABl. 1964, S. 116.
  10. KABl. 1909, S. 5.
  11. KABl. 1970, S. 4.
  12. KABl. 1994, S. 23.
  13. Meyer, S. 161-164.