Sprengel Lüneburg, KK Celle | Patrozinium: Johannes Evangelist (seit 1969) | KO: Lüneburger KO von 1643

Orts- und Kirchengeschichte

Ortschaft nordöstlich von Celle an der Aschau, seit 1065 belegt. Eschede gehörte 1438 zur lüneburgischen Vogtei Beedenbostel und bildet seit 1664 eine Untervogtei. 1850 wurde es Sitz einer eigenen Vogtei, die 1859 wieder aufgelöst und mit der Großvogtei Celle vereinigt wurde. Zum Ksp. gehört auch das Dorf Habighorst, dessen adelig freier Hof 1702 aus dem Erbe der von Habighorst an die von Melvill und nach dem Tod des Generals en Chef Georg Ernst Melvill († 1742, Epitaph und Erbbegräbnis in der Kirche von Eschede) an die Familie von der Schulenburg kam. Die Einwohnerzahl von Eschede hat sich infolge des wirtschaftlichen Aufschwungs nach dem Bahnanschluss (Bahnstrecke Celle–Harburg, 1847) und durch den Kali- und Salzbergbau (1911-1977) von 1821 bis 1967 in etwa verzehnfacht. 1967 wurde die Samtgemeinde Eschede gebildet.
Die auf dem Hofplatz eines der ältesten Höfe im Osten des Dorfes gelegene Kirche war wohl eine Stiftung des welfischen Landesherrn. Schriftliche Belege für ihre Entstehung sind nicht überliefert. Für das Frühmittelalter wird das Bestehen eines Ausspannhofs am Aschauübergang vermutet (wohl im 13./14. Jh. aufgegeben), zu dem möglicherweise bereits eine Kapelle gehörte. 1197 war Eschede noch der Parochie Beedenbostel zugehörig.1 1365 wird das kerkspeele to Esche genannt.2 Die Verselbständigung muss also zwischen 1197 und 1365 erfolgt sein. 1377 nahmen de kerkhere van Esche und Syn meyer in der Fehde zwischen dem Hzg. von Sachsen-Lauenburg und Hzg. Otto von Braunschweig Schaden.3 1490 schenkte Rolef von Hodenberg der Kirche in Eschede eine Kote in Scharnhorst.
Die Reformation wurde im Fsm. Lüneburg 1527 durch Ernst den Bekenner eingeführt Als erste bekannte luth. Geistliche amtierten 1534 P. Brandanus Bronnemann4, 1544 bis 1572 P. Johannes Everdes5; 1572 bis 1621 P. Jacob Schele. Seit Mitte des 16. Jh. ist eine Ksp.-Schule in Eschede belegt, für die 1714 ein neues Schulhaus errichtet wurde.
Eschede war in der NS-Zeit eine Hochburg der DC. P. Rose, Mitglied der NSDAP und der DC, wurde 1933 zum Unterbevollmächtigten des Kommissars der preußischen Staatsregierung für den Bereich der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers ernannt. Er versuchte im Sinne der DC Einfluss auf die Gemeindevertretungswahlen vom 23. Juli 1933 zu nehmen.6 P. coll. Werner (1934/35), zunächst ebenfalls DC-Mitglied, wechselte im November 1934 zur BK, woraufhin es zu einer Spaltung und vorübergehenden Handlungsunfähigkeit des KV kam, der sich teilweise zu den DC, teilweise zum Lbf. hielt. Werner führte nach seinem Wechsel zur BK eine Unterschriftenaktion gegen die Besetzung mit P. Gerhard Kleuker durch. Kleuker (amt. 1935-1954), wiederum Mitglied der NSDAP und der DC, wurde dennoch zum Nachfolger bestimmt. In seiner Amtszeit fanden mehrere gut besuchte DC-GD und –Vortragsabende mit auswärtigen Rednern und Predigern statt. 1937 legte der NS-Ortsgruppenleiter sein KV-Amt nieder. Kleuker wurde auf Veranlassung der britischen Militärregierung 1947 zunächst entlassen, konnte seinen Dienst aber wenig später wieder aufnehmen und wechselte 1954 als Sup. nach Nienburg.
Auf Betreiben von P. Görke erhielt die Kirche in Eschede 1969 den Namen „Johanneskirche“. Ein mittelalterliches Patrozinium ist nicht überliefert.
Mit dem 1. Januar 2010 wurde die KG Eschede mit den KG Eldingen und Hohnhorst pfarramtlich verbunden.7

Pfarrstellen

I: Vorref. – II: 1. Januar 19708; 1. November 1997 in eine Pfarrstelle mit eingeschränktem Dienst (halbe Stelle) umgewandelt.

Umfang

Die Dörfer Dalle, Endelholz, Eschede, Habighorst, Heese, Kragen, Lohe, Marwede, Rebberlah, Scharnhorst, Starkshorn und Weyhausen; der Hof Schelploh und das Forsthaus Unterlüß. Die luth. Einwohner von Heese wurden mit dem 1. Januar 1993 in die Marien-KG Eldingen umgegliedert9; die luth. Einwohner des Wohnplatzes Queloh mit dem 1. Oktober 2001 aus der KG Hermannsburg in die KG Eschede.10

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Wienhausen der Diözese Hildesheim – Nach der Reformation zur Insp. Celle (1531 Errichtung der Suptur.), ab 1803 zur neu errichteten Insp. (1924: KK) Beedenbostel (mit Sitz in Celle-Neuenhäusen). 1810 wieder zur Insp. Celle. 1855 zur wieder errichteten Insp. (1924: KK). Mit der Aufhebung des KK Beedenbostel am 8. April 1925 zum KK Celle.

Patronat

Die Hzg. von Braunschweig und Lüneburg; der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau

Der mittelalterliche Kirchenbau dürfte auf die Zeit um 1220/30 zu datieren sein. Ob es einen Vorgängerbau gab, ist unsicher. 1712 wurde das alte KGb wegen Baufälligkeit abgerissen. An seiner Stelle errichtete der Maurermeister Diedrich Goldberg 1712/13 eine barocke Saalkirche aus verputztem Ziegelmauerwerk mit fünfseitigem Chorschluss und hohen rundbogigen Sprossenfenstern. 1853-56 wurde an den Chorraum eine Sakristei angebaut. Der durch ein hölzernes Tonnengewölbe geschlossene Innenraum wird durch Emporen in drei Schiffe geteilt. 1968 Umbau (u. a. Entfernung der Altarschranken, Rückbau der Seitenemporen) und grundlegende Renovierung der Kirche.

Fenster

Glasfenster mit Porträtmedaillons Luthers, Ernst des Bekenners und Urbanus Rhegius. Im Chorraum beiderseits des Altars seit 1950 zwei Glasfenster mit den vier Evangelisten und ihren Symbolen.

Turm

Vor der Westseite ein freistehender, holzverschalter Glockenturm mit Pyramidendach (ursprünglich 1710, nach Brandschaden vom Februar 1978 neu aufgeführt).

Grablege

Erbbegräbnisse der Familie von Habighorst und des Generals Georg Ernest von Melvill (1730); Grabstätte des P. Johann Conrad Binder († 1751) vor dem Altar; weitere Pastorengräber befanden sich an der Südseite der Kirche. Die Grabgewölbe wurden beim Einbau einer neuen Heizung nach dem Zweiten Weltkrieg teilweise beseitigt.

Ausstattung

Kanzelaltar mit barocken Elementen; aufgemalte Marmorierung. – Taufengel (erste Hälfte 18. Jh.). 1909 stiftete die Familie Bühmann aus Rebberlah außerdem ein Taufbecken mit auf vier Säulen ruhender Taufschale. Beide (Taufengel und Taufbecken) sind noch vorhanden. Das Taufbecken wurde bei der Kirchenrenovierung von 1968 um einen Deckel mit kniender Christusfigur (um 1750) ergänzt. – Epitaph für den General Georg Ernest von Melvill († 1742) an der Südseite des Chors; Grabplatte mit Reliefbild des P. Jacob Schele († 1621) an der Nordseite des Chors. – Figur des Evangelisten Johannes (süddeutsch, um 1750).

Orgel

1775 kaufte die Gemeinde eine 1769 gebaute Orgel mit acht Reg. des Orgelbauers Zuberbier aus dem Schloss zu Burgdorf an. Ein Neubau von E. Meyer (1855) mit 15 II/P (HW, OW) wurde 1922 an die Gemeinde Berge (Kr. Meschede) verkauft. Im gleichen Jahr baute die Firma Faber & Greve (Salzhemmendorf) hinter dem vorhandenen Prospekt eine pneumatische Orgel; 18 (davon eine Transmission im Pedal) II/P. Das defekte Instrument wurde 1968 abgebrochen und der Meyersche Prospekt 1977 an die Martin-Luther-Kirche in Soltau abgegeben. Als Interimslösung diente seit 1968 ein Orgelpositiv der Firma Emil Hammer (Arnum) mit 6 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen (1984 an die kath. Pfarrgemeinde St. Martin in Hannover-Roderbruch verkauft). 1986/87 Neubau durch die Gebrüder Hillebrand (Altwarmbüchen), 15 (16) II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1996 Vervollständigung auf 16 klingende Stimmen, ebenfalls durch Gebrüder Hillebrand.

Geläut

Drei LG, I: f’; II: as’; III: c’’ (alle Bronze, Gj. 1979, Gebrüder Rincker, Sinn). – Eine SG in a’’ (Bronze, Gj. 1964). – Früherer Bestand: 1861 verfügte die Kirche über ein Geläut aus drei LG, von den die kleinste 1764 durch den Stückgießer Johann Meyer (Celle) gegossen wurde und die mittlere noch „aus alter Zeit“ (wohl vorref.) stammten. Die große Glocke (Susanna) war 1797 geborsten und wurde 1818 durch Christoph August Becker und H. C. Dann (Hildesheim) umgegossen. Letztere wurde 1917 zu Rüstungszwecken abgeliefert. 1922 erhielt die Kirche ein neues Geläut aus Eisenhartguss mit der Schlagtonfolge f’, as’ und c’’ (geliefert von der Firma Radler, Hildesheim; Gießerei unbekannt, vielleicht Weule11). Sie wurden beim Brand des Glockenturms zerstört und 1979 durch die heutigen Glocken ersetzt.

Friedhof

Eigentum der KG. Ursprünglich auf dem Kirchhof, 1837 nach Osten erweitert. 1848 Neuanlage eines Begräbnisplatzes auf dem Osterfeld, 1894 erweitert. FKap (Bj. 1931). – Kommunale Friedhöfe in Marwede und Habighorst.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 3218-3232 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 2300-2310 (Pfarrbestellungsakten); A 8 (CB); A 9 Nr. 658-659 (Visitationen).

Literatur

A: Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 242, Nr. 17; Barenscheer, Taufengel, S. 55; Zimmermann, Denkmaltopographie Lkr. Celle, S. 121 f.; Mithoff, Kirchen und Kapellen Lüneburg, S. 374.
B: Johannes-Kirche Eschede. Festschrift zur Einweihung der neuen Hillebrand-Orgel, 1987; Mijndert Bertram: Christen, Kirchen und Gemeinden in Celle während der NS-Zeit – Fragmente eines Bildes, in: Kirche in Celle. Beiträge zur Kirchengeschichte, Celle 1992, S. 157-178; Klaus Drögemüller und Hans Türschmann (Hg.): 300 Jahre Johanniskirche 1713-2013, Eschede 2013; Hans Joachim Görke: Chronik der ev.-luth. Johannes-Kirche zu Eschede, Eschede 1971.


Fußnoten

  1. Lüneburger UB XV, Walsrode, Nr. 3.
  2. UB Sudendorf III, Nr. 270.
  3. UB Sudendorf V, Nr. 124.
  4. Salfeld, Pfründenregister, S. 100.
  5. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 475, Anm. 1010.
  6. Bertram, S. 156.
  7. KABl. 2010, S. 10.
  8. KABl. 1970, S. 12.
  9. KABl. 1992, S. 187.
  10. KABl. 2001, S. 199 f.
  11. LKA, G 9 B/Eschede I, Bl. 19 (Gutachten über das Geläut in der ev.-luth. Kirche zu Eschede, 21.03.1960).