Frühere Gemeinde | Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Hameln-Pyrmont | Patrozinium: Christus (1949)1 | KO: Waldecker KO von 1731

Orts- und Kirchengeschichte

Ein erstes Brunnenhaus über dem Hylligen Born ließ um 1600 Gf. Philipp Ernst von Gleichen und Pyrmont († 1619) errichten.2 Im ersten Jahrzehnt des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) verfiel es oder wurde zerstört. Im Auftrag der Gf. von Waldeck entstand 1662 ein Neubau, der nur wenige Jahre später einem größeren, achteckigen Brunnenhaus weichen musste, errichtet 1666 bis 1668. Eine erste Allee mit Eichenbäumen ließ Georg Friedrich, Gf. von Waldeck-Eisenberg und Pyrmont († 1692), 1666 anpflanzen; 1670 wurden die Eichen durch Linden ersetzt. Etwa gleichzeitig mit dem Bau der Kuranlagen endeten mit dem Pyrmontischen Hauptvergleich von 1668/69 die jahrzehntelangen Auseinandersetzungen um den Besitz der Gft. Pyrmont (Vorvertrag 1666, Lügder Konferenz): Bf. Ferdinand II. von Paderborn (amt. 1661–1683) und Gf. Georg Friedrich einigten sich auf die Wahrung des Status quo (Amt Lügde an Bistum Paderborn, Rest der Gft. an Gf. von Waldeck). In den folgenden Jahrzehnten entstand um die Heilquellen zwischen Oesdorf und Holzhausen eine neue Siedlung, die Friedrich Anton Ulrich, Fs. zu Waldeck und Pyrmont, im Jahr 1720 zur „Neustadt Pyrmont“ erhob und ihr die Abhaltung von jährlich drei Vieh- und Pferdemärkten gestattete.3 Erst 1850 allerdings erhielt Pyrmont Selbstverwaltungsrechte; seit 1914 heißt der Ort Bad Pyrmont. Eine erste Ortsansicht ist aus dem Jahr 1687 überliefert.4 Die Gft. Pyrmont (seit 1807 Fsm.) blieb unter der Herrschaft der Gf. (seit 1712 Fs.) von Waldeck formal eigenständig und wurde erst 1849 mit Waldeck zum Fsm. Waldeck-Pyrmont vereinigt. Seit Januar 1868 verwaltete das Kgr. Preußen das kleine Fürstentum (Akzessionsvertrag von 1867). Der 1850 eingerichtete Kr. Pyrmont war deckungsgleich mit der ehemaligen Gft. und war seit Ende des Ersten Weltkriegs Teil des Freistaats Waldeck. 1921/22 kam der Kr. Pyrmont nach einem Volksentscheid an Preußen und ging im neuen Lkr. Hameln-Pyrmont auf (Provinz Hannover) . 1922 wurde Oesdorf nach Bad Pyrmont eingemeindet, 1938 Holzhausen und 1973 folgten Baarsen, Eichenborn, Großenberg, Hagen, Kleinenberg, Löwensen, Neersen und Thal. Wesentlicher Erwerbszweig war der Kurbetrieb (erste überlieferte Liste der Kur- und Badegäste aus dem Jahr 1705). Seit 1872 besitzt Pyrmont einen Bahnhof (Strecke Hannover–Altenbecken). Zur Struktur der Gemeinde schrieb der Ortspastor 1943: „Die Gemeinde umfasst Gaststätten- und Fremdenheimbesitzer nebst deren Angestellten, Beamte Pensionäre, Geschäftsleute, in den Betrieben Beschäftigte, Rentner. Die meisten sind von der Kur irgendwie abhängig und gleichmässig daran interessiert.“5

Kirche, Außenansicht

Kirche, Außenansicht

Kirchlich gehörte die Neustadt Pyrmont zum Kirchspiel Oesdorf. Erste Bemühungen um den Bau einer eigenen Kirche scheiterten 1727: Beim Anlegen der Fundamente erwies sich der Baugrund am heutigen Altenauplatz als ungeeignet.6 Als Fs. Friedrich Anton Ulrich ein Jahr später starb, wurde das Kirchenbauprojekt aufgegeben. Erst im 19. Jh. griffen die Pyrmonter das Vorhaben wieder auf und sammelten seit 1818 Geld für eine eigene Kirche. Überlegungen, zusammen mit Oesdorf eine gemeinsame Kirche zu errichten, scheiterten um die Jahrhundertmitte nicht zuletzt am Streit über den Standort.7 Zudem hatte Pyrmont bereits 1839 den Willen geäußert, nach dem Bau einer eigenen Kirche aus dem Kirchspiel Oesdorf auszuscheiden.8 Im Januar 1862 stimmte eine Gemeindeversammlung in Pyrmont für den Bau eine Kirche, im Februar bildete sich eine Kirchenbaukommission. Sie war für Fragen der Bauplanung, des Bauplatzes und der Baufinanzierung zuständig und sammelte überdies Geld für den Pfarrdotationsfonds.
Der Pyrmonter Baumeister Bruno Günther († wohl 1893) entwarf eine Kirche mit kreuzförmigem Grundriss, für die 1867 der Grundstein gelegt wurde. Die Bauarbeiten kamen jedoch nicht voran und zudem hob die Regierung Waldeck-Pyrmonts den Vergabebeschluss wegen eines Formfehlers auf.9 Der Kirchenbau wurde neu vergeben und ging an den Berliner Architekten August Orth (1828–1901). Am 27. Juli 1872 folgte die nächste Grundsteinlegung und am 11. Juli 1877 feierte die Gemeinde die Einweihung ihrer neuen Kirche. Zum 1. Januar 1878 gründete sich die eigenständige Ev. Kirchengemeinde der Stadt Pyrmont.10 Das Pfarramt übernahm P. Hermann Aye (amt. 1878–1881), bisher zweiter Pfarrer in Oesdorf. Die Stadt stellte eine Dienstwohnung, 1928 erwarb die KG ein Pfarrhaus in der Rathausstraße.
Die ev. Gemeinde war nicht die erste Religionsgemeinschaft in der Kurstadt: Seit Ende des 18. Jh. existierte hier bereits eine kleine Quäkergemeinde, die 1800 ein erstes Quäkerhaus an der Brombergallee errichtete.11 Ebenfalls an der Brombergallee befindet sich der 1788 erstmals belegte jüd. Friedhof.12 Jüd. Einwohner lassen sich in Pyrmont seit 1722 nachweisen, eine Gemeinde ist 1817 belegt. Sie bestand seinerzeit aus mindestens 16 Familien, besaß ein Gebäude mit Synagoge, Schulraum und Lehrerwohnung. Das Organisationsedikt von 1814 hatte Juden den übrigen Einwohnern des Fsm. Waldeck-Pyrmonts gleichgestellt. Im Pyrmonter Kurpark ließ Gf. Hugo von Hatzfeld († 1830 oder 1833) im Jahr 1829 zudem eine kath. Kapelle errichten, die der kath. Pfarrer aus dem westfälischen Lügde betreute (1861 Missionspfarrei St. Georg, 1906 Bau der Pfarrkirche St. Georg und Gründung der Pfarrei Pyrmont).13 1876/77 kam als Abspaltung von der Landeskirche die altlutherische St.-Johannis-Gemeinde hinzu. P. i. R. Carl Ludwig Christian Freybe († 1885) leitete die Gemeinde; sie zählte etwa 200 Gemeindeglieder und versammelte sich zunächst im Quäkerhaus, später in einem eigenen Gotteshaus in der Pädagogiumsstraße (Bj. 1893).14 Im Februar 1886 war die Gemeinde als „eine mit Korporationsrechten versehene Kirchengemeinde mit dem Sitze in Pyrmont“ anerkannt worden und gründete im gleichen Jahr einen Posaunenchor.15 1908 entstand in Holzhausen eine kleine neuapostolischen Gemeinde.16

Kirche, Außenansicht, um 1960

Kirche, Außenansicht, um 1960

Von 1894 bis 1898 und erneut ab 1908 war mit dem Pfarramt an der Stadtkirche das Amt des Sup. für den kleinen KK Pyrmont verbunden. Er umfasste neben der Stadtgemeinde noch die KG Oesdorf und die KG Neersen. Im Jahr 1916 gründete sich der Pyrmonter Kirchenchor.17 Zum Lutherjahr 1917 pflanzte die Gemeinde westlich der Kirche eine Lutherlinde.18
Während der NS-Zeit hatten nacheinander P. Wilhelm Schultz (amt. 1928–1939) und P. Hermann Sprick (amt. 1940–1965) das Pfarramt in Pyrmont inne. P. Schultz gehörte kirchenpolitisch seit 1933 zu den DC.19 P. Sprick war seit 1933 Leiter des Pfarrernotbundes im Waldecker Land und kein Mitglied der DC.20 Im Jahr 1933 lebten 46 jüd. Bürgerinnen und Bürger in Pyrmont, 1939 noch 22. Die Quäkergemeinde „verhalf vielen Pyrmonter Juden zur Ausreise“.21 Die noch in der Stadt lebenden jüd. Einwohnerinnen und Einwohner mussten in die „Juden-Villa Lichtenstein“ ziehen, die meisten von ihnen wurden 1942 deportiert und ermordet.22
Im Jahr 1934 löste sich die Evangelische Landeskirche in Waldeck auf; die Gemeinden der ehemaligen Gft. Pyrmont kamen zur Landeskirche Hannovers (KK Groß-Berkel-Hameln, seit 1938 KK Hameln-Pyrmont), der übrige Teil vereinigte sich mit der Evangelischen Landeskirche in Hessen-Kassel zur Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck.23 Zum 1. Oktober 1939 schloss sich auch die 1876/77 bzw. 1886 gegründete altlutherische Gemeinde Pyrmont der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers an und löste sich gleichzeitig auf; ihre Gemeindeglieder wurden entsprechend ihres Wohnsitzes in die Pyrmonter Gemeinden eingepfarrt.24 Der Posaunenchor der altlutherischen Gemeinde löste sich auf; ein neuer Posaunenchor gründete sich nach Ende des Zweiten Weltkriegs (seit 1971 für alle drei ev. Gemeinden in Bad Pyrmont).25
Die Zahl der Gemeindeglieder, die 1943 noch bei 2.600 gelegen hatte, stieg aufgrund des Zuzugs Geflüchteter in der Nachkriegszeit auf mehr als 5.000 im Jahr 1949.26 Unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkriegs hatten Stadtkirchengemeinde und Oesdorfer Gemeinde den Kindergarten am Hopfenweg übernommen; die Verwaltung lag bei der Stadtkirchengemeinde. Die Anfänge des Kindergartens reichen zurück bis 1884.27 1975 übernahm die Stadt-KG zudem die Trägerschaft der neuen Kita in der Marienstraße; nach dem Umzug in den Reesenhof übernahm die Oesdorfer Gemeinde die Trägerschaft des älteren Kindergartens.28 Die Schwesternstation, zuständig für die KG Oesdorf und die KG Pyrmont, stand ebenfalls in Verwaltung der Stadtkirchengemeinde. Gemeinsam mit „interessierten katholischen Kreisen, aber unter eindeutiger Federführung und Leitung der evgl. luth. Stadtkirchengemeinde“ gründete sich Anfang der 1950er Jahre das Pyrmonter Siedlungswerk, das am Krippesiek und in Holzhausen mehrere Zweifamilienhäuser errichtete (1956 waren 42 Häuser fertiggestellt).29

Kirche, Blick zum Altar, vor 1979

Kirche, Blick zum Altar, vor 1979

Nach der Visitation 1956 hielt der Hamelner Sup. Albert Pellens (amt. 1935–1961) zusammenfassend fest: „das kirchliche Leben ist lebendig, vor allem ist der Kirchenbesuch sehr erfreulich. In dem geistig sehr angeregten Leben in Bad Pyrmont hat die Kirche entscheidenden Einfluss“.30 Auch in den folgenden Jahrzehnten fielen die Einschätzungen positiv aus: Die Gemeinde versuche „mit viel Phantasie und Einsatzbereitschaft, das geistliche Leben der Menschen zu formen und zu bereichern“ heißt es beispielsweise 1980.31 1957/58 hatte die Stadtkirchengemeinde nahe der Kirche einen Bauplatz für ein neues Pfarrhaus und für ein Gemeindehaus erworben; ersteres konnte 1967, letzteres 1970 bezogen werden. Der langjährige P. Detlev Block (amt. 1967–1998) war neben seinem Pfarramt schriftstellerisch tätig. Er veröffentlichte zahlreiche Bücher mit Gedichten und Erzählungen und mehrere seiner Kirchenlieder finden sich im Evangelischen Gesangbuch von 1993 (überwiegend im Regionalteil Niedersachsen/Bremen). 1968 richtete er in der Stadtgemeinde einen Hauskreis ein.32 Im Rahmen der Partnerschaft zwischen der hannoverschen und der sächsischen Landeskirche knüpfte die Pyrmonter Stadtkirchengemeinde Kontakte zur St. Johannis-Kirchgemeinde in Crimmitschau (östlich von Dennheritz); Anfang der 1990er Jahre plante die Gemeinde zudem eine Partnerschaft mit Sonnenberg in Brandenburg und „mit einer polnischen Kirchengemeinde im früheren ostpreußischen Gebiet“.33
Seit 1997 besteht wieder eine jüd. Gemeinde in Bad Pyrmont, die 2003 rund 100 Gemeindeglieder zählte, die aus der ehemaligen Sowjetunion stammen.34 Zur Erfüllung diakonischer Aufgaben gründeten die drei Bad Pyrmonter ev. KG und die KG Neersen 1995 den Ev.-luth. Kirchengemeindeverband Bad Pyrmont.35 Die Trägerschaft des ev. Kita in der Marienstraße ging 2010 auf den neugegründeten Verband der ev.-luth. Kindertagesstätten im KK Hameln-Pyrmont über.36 Die Pfarrstelle der Stadtkirchengemeinde fiel Anfang 2016 weg. Zum 1. Juli 2016 schlossen sich die Stadt-KG Bad Pyrmont, die St.-Johannes-KG Bad Pyrmont-Holzhausen, St.-Petri-KG Bad Pyrmont-Oesdorf und die Paulus-KG Neersen zusammen und gründeten gemeinsam die Ev.-luth. KG Bad Pyrmont.37

Umfang

Pyrmont bzw. Bad Pyrmont (ohne Eingemeindungen).38

Aufsichtsbezirk
Kirche, Blick zur Orgel, um 1960

Kirche, Blick zur Orgel, um 1960

Mit Gründung der KG 1878 zum KK Pyrmont, Sitz des Sup. (1921: Kirchenrat) war von 1894 bis 1898 und von 1908 bis 1933 die Stadtkirche Pyrmont, ansonsten die St. Petri-Kirche in Oesdorf. Zum 31. Juli 1934 wechselte der KK Pyrmont mit seinen drei KG Neersen, Pyrmont-Oesdorf und Bad Pyrmont von der aufgelösten Ev. Landeskirche in Waldeck zur Ev.-luth. Landeskirche Hannovers, die drei Gemeinden kamen zum KK Groß-Berkel-Hameln.39 Zum 1. Oktober 1934 wurden die Gemeinden des KK Groß-Berkel-Hameln zu einem Aufsichtsbezirk zusammengefasst und der Sitz der Superintendentur nach Hameln verlegt.40 Seit 1938 trägt der KK den Namen KK Hameln-Pyrmont.41

Patronat

Gemeindepatronat: 1877 gewährte der Fs. von Waldeck-Pyrmont „der evangelischen Pfarrgemeinde der Stadt Pyrmont das Recht, die bei ihr anzustellenden Pfarrer nach Maßgabe des Wahlregulativs dem Konsistorium zu präsentieren“.42

Kirchenbau

Neugotischer, einschiffiger Bau mit eingezogenem, dreiseitig geschlossenem Chor mit Umgang (Sakristei), ausgerichtet nach Nordosten, errichtet 1872–77 (Architekt: Baurat August Orth, Berlin). Satteldächer über Chor und Schiff, nach Nordosten abgewalmt; Umgang mit Pultdächern. Mauerwerk aus hellen Sandsteinquadern, abgetreppte Strebepfeiler an Schiff und Chor; Längsseiten des Schiffs mit hoher Sockelzone und je vier dreibahnigen, spitzbogigen Maßwerkfenstern; am Chor fünf zweibahnige, spitzbogige Maßwerkfenster; Umgang mit kleinen Spitzbogenfenstern; Schiff und Chor mit umlaufender Traufgalerie, durchbrochen mit Dreipässen, über den Strebepfeilern verkröpft; Nebeneingänge nach Nordwesten und Nordosten (Sakristei). Im Innern vierjochiges Kreuzrippengewölbe auf freistehenden Säulen und schmale Spitztonnengewölbe über den Fenstern; im Chor Rippengewölbe; u-förmige Holzempore im Schiff; rechts im Umgang Taufkapelle, links Vorraum zur Sakristei. 1953 Renovierung, Neuausmalung und Umgestaltung des Innenraums (Gerhard Langmaak, Hamburg, Eugen Kube, Bad Pyrmont; u. a. Emporen verkürzt).43 1967/68 Freitreppe vor Haupteingang erneuert. 1979/80 Sanierung, Neuausmalung und Neugestaltung Altarraum.44

Fenster

Drei figürliche Buntglasfenster im Chor (1953, Entwurf: Karl Hellwig, Stefansbecke bei Hagen; Ausführung: Werkstatt Heberle, Hagen-Haspe), linkes Fenster: Gericht und Auferstehung (Christus der Weltenrichter, Mt 25,31 ff.; Vor der letzten Ernte, Mt 13,24–30,37–40; Ausgießung der Schalen des Zorns, Offb 16; Der unfruchtbare Feigenbaum, Lk 13,6–9; Der Cherub vor dem Paradies, 1 Mos 3,24; Die Auferstehung der Toten, Joh 5,25–29; Die Heimholung des Frommen, Lk 16,19–21; Himmelfahrt Christi, Mk 16,19; Der Auferstandene und Maria Magdalena, Joh 20,11–18; Auferweckung von Jairus’ Tochter, Mk 5,22–43), mittleres Fenster: Der ewige Herr und das ewige Reich (Der wiederkommende Christus vor der goldenen Stadt und die wartende Gemeinde, Offb 21 und 22,20; Der feste Thron Gottes im wogenden Meer, Offb 4; Der Sturz Satans, Offb 20,1–3; Der Wächter auf der Zinne, Jes 62,6–7; Die Schar der Erlösten, Offb 7,9–17; Das ewige Friedensreich, Jes 11,6–9; Der Sieg des Lammes, Offb 5; Das Kind auf der Weltkugel, Jes 9,5–6; Die kluge Jungfrau, Mt 25,1–13), rechtes Fenster: Ehre sei Gott im Himmel und auf Erden (Der Erzengel Michael im letzten Streit, Offb 12,7–8; Der Engel der sieben Gemeinden, die die Ehre Gottes bekennen, Offb 1,20; Die Verkündigung der Auferstehung, Mt 28,1–7; Christus in Gethsemane, Lk 22,39–43; Der Lobgesang der Engel in Bethlehem, Lk 2,8–14; Der flügelrauschen Cherub, Engel mit Harfe, Engel mit Posaune, Engel mit Flöte, Lobsingende Engel).45

Kirche, Außenansicht

Kirche, Außenansicht

Turm

Vor der Südwestfassade vierseitiger Turm mit achtseitigem, gemauertem Helm, bekrönt mit Kreuz. An den Ecken abgetreppte Strebepfeiler. Glockengeschoss mit vier Dreiecksgiebeln und vier weiten, spitzbogigen Schallöffnungen mit zweibahnigem Maßwerk. Nach Südwesten Uhrziffernblatt und spitzbogiges Hauptportal mit Wimperg und Freitreppe, Bogenfeld des Portals mit Vierpass.

Ausstattung

Tischaltar aus rotem Sandstein, als Retabel bronzene Kreuzigungsgruppe mit Maria und Johannes (1978/80, Siegfried Zimmermann, Hannover). – Erhöhte Kanzel links vor dem Chor (wohl 1877), polygonaler Kanzelkorb aus Holz, auskragende Brüstung, Ecksäulchen, spitzbogige Füllungen mit floralen Reliefs sowie teilweise mit Spruchbändern, u. a. „Him[m]el und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen“. – Achtseitiger Taufstein aus grauem Marmor, Inschrift: „Der Kirche zu Pyrmont, Wilh[elm] Sievers & Frau. 1877.“ – Hölzerner Altartisch, hölzernes Kruzifix sowie Holzfiguren Maria und Johannes (um 1880, Eiche), Teile des ehemaligen Hauptaltars, in der Sakristei. – Betender Engel (um 1877, Johann Friedrich Drake, Berlin), Geschenk des Künstlers. – Hölzernes Relief, teilweise mosaikartig besetzt, Erzengel Michael kämpft gegen den Drachen, Inschriften: „Ein feste Burg ist unser Gott A[nno] D[omini] 1916“ und „H. Wilkening“. – Holztafel mit den Namen der im Ersten Weltkrieg getöteten Soldaten aus Bad Pyrmont, unten Inschrift: „Wir sollen auch das Leben für die Brüder lassen. 1. Joh. 3,16“. – Bronzetafel mit Glockeninschriften sowie Gewicht, Durchmesser und Schlagton (1979). – Ehemalige Ausstattung: Kruzifix (Rolf Scheibner, Hamburg), von 1953 bis 1980 hinter dem Blockaltar im Chor aufgestellt.

Orgel von 1972

Orgel von 1972

Orgel

Orgelneubau 1878, ausgeführt von Ph. Furtwängler & Söhne (Hannover), 16 II/P, mechanische Traktur, Kegelladen (Opus 156).46 Um 1928/29 Orgelneubau, ausgeführt von Firma Klassmeier (Kirchheide bei Lemgo), wohl 28 II/P (HW, OW), pneumatische Traktur, vorhandenes Pfeifenmaterial wieder verwendet. 1953 Instandsetzung und Änderung der Disposition, ausgeführt von Emil Hammer (Hannover), 28 (davon 4 Transmissionen) II/P (HW, OW), pneumatische Traktur, darüber hinaus 2 vakante Register. 1972 Orgelneubau, ausgeführt von Alfred Führer (Wilhelmshaven), 19 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen, darüber hinaus 7 vakante Register; vorhandenes Pfeifenmaterial wieder verwendet. 1980/81 Instrument vervollständigt auf 26 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 2003 Umbau und Erweiterung, ausgeführt von Firma Gebrüder Hillebrand (Altwarmbüchen), 28 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Drei LG, I: es’, Inschrift: „Herr, die ganze weite Welt sei in dein Hand gestellt, daß sie Frieden macht und hält“; II: f’, Inschrift: „Herr, behüte unsre Stadt und die Menschen, die sie hat. Segne Landschaft, Kur und Bad“; III: g’, Inschrift: „Ruf uns, Herr, an diesen Ort, sammle jetzt und immerfort die Gemeinde um dein Wort“ (alle Bronze, Gj. 1979, Firma Rincker, Sinn).47 – Früherer Bestand: Bronzeglocken im Ersten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben. Anschaffung eines neuen Dreiergeläuts 1922, I: c’; II: es’’; III: g’ (alle Eisenhartguss, Gj. 1922, Ulrich & Weule, Apolda und Bockenem), 1979 durch heutiges Geläut ersetzt, LG I und LG II an Stadt Pyrmont verkauft (sollen „an einem öffentlichen Platz im Stadtgebiet“ aufgestellt werden), LG III an privat verkauft.48

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus Friedrichstraße (Bj. 1967). – Gemeindehaus (Bj. 1969/70). – Küsterhaus Seipstraße (Bj. 1926). – Haus Dorothea, Seipstraße (1969/70 erworben, Gästehaus, bis 1991 betrieben vom Diakonischen Werk Hannover).

Friedhof

Kein kirchlicher Friedhof. Städtische Friedhöfe in Holzhausen (Stadtfriedhof, angelegt 1898, FKap Bj. 1950) und in Oesdorf (Oesdorfer Friedhof).

Liste der Pastoren (bis 1940)

1878–1881 Heinrich Aye. – 1881–1886 Wilhelm Karl Johann Hansen. – 1887–1894 Gustav Wulff. – 1894–1897 Gustav Striepecke. – 1897–1928 Otto Kleinschmidt. – 1928–1939 Wilhelm Karl Richard Schultz. – 1940–1965 Hermann Sprick (Versehungsauftrag bis 1967).

Angaben nach: Meyer, Pastoren II, S. 283–284

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 6 Nr. 6782–6794 (Pfarrbestallungsakten); D 9 (EphA Hameln-Pyrmont); L 5a Nr. 21–24, 1048, 1198–1200, 1706, 1764–1765 (LSuptur. Calenberg-Hoya mit Verden-Hoya und Celle); S 9 Nr. 691 (Presseausschnittsammlung); S 11a Nr. 7609 (Findbuch PfA).

Kirchenbücher

Taufen: ab 1832
Trauungen: ab 1878
Begräbnisse: ab 1832
Kommunikanten: ab 1879 (Lücken: 1897)
Konfirmationen: ab 1878

Früher in den Kirchenbüchern der Oesdorfer Kirche.

Literatur & Links

A: Bühring, KD Lkr. Hameln-Pyrmont, S. 60; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 170; Meyer, Pastoren II, S. 283–284.
B: Gemeindebuch der Evgl.-Luth. Stadtkirchengemeinde – Christuskirche – Bad Pyrmont, Bad Pyrmont 1960; Detlev Block: Stadtkirche Bad Pyrmont 1877–1977. Geschichte, Kirchenführer, Gemeindeleben, Bad Pyrmont 1977; Detlev Block: Kirchenführer, Bad Pyrmont 1977 [auch in: Detlev Block: Stadtkirche Bad Pyrmont 1877–1977. Geschichte, Kirchenführer, Gemeindeleben, Bad Pyrmont 1977]; Detlev Block: Die evangelische Stadtkirche Bad Pyrmont. Wegweiser und Meditationshilfe, Bad Pyrmont 1982; Hans Brautlecht: Geschichte der St. Petri Kirchengemeinde in Oesdorf/Bad Pyrmont, [1989], bes. S. 191–205; Hermann Engel (†): Pyrmont und das historische Superjahr 1668, in: Bad Pyrmonter Geschichtsblätter 4 (2018), S. 29–46; Carl Friedrich Hauck: Die Ösdorfer Kirche und ihre Geschichte. Herausgegeben zur Erinnerung an die 50jährige Wiederkehr des Umbaues der Ösdorfer Kirche von der Ösdorfer Kirchengemeinde. 1881–1931, Bad Pyrmont 1931; Titus Malms: STADT Pyrmont – 300 Jahre im Tal der sprudelnden Quellen. Eine historische Zeitreise zum Stadtjubiläum, in: Bad Pyrmonter Geschichtsblätter 6 (2022), S. 53–95.
Internet: Bildindex der Kunst & Architektur: Kirche (Außenansicht), Kirche (Innenansicht).

GND

1214458297, Christuskirche (Bad Pyrmont)

Weitere Bilder

Fußnoten

  1. Block, Stadtkirche (1977), S. 5; Block, Stadtkirche (1982), S. 7.
  2. Vgl. zum Folgenden Engel, Pyrmont, S. 29 ff.
  3. Malms, S. 57.
  4. Abb. in Bad Pyrmonter Geschichtsblätter 4 (2018), S. 15.
  5. LkAH, L 5a, Nr. 21 (Visitation 1943).
  6. Hauck, S. 3. Zum Folgenden vgl. Gemeindebuch, S. 4 ff., Block, Stadtkirche (1977), S. 8 ff.
  7. Brautlecht, S. 127 f. und S. 191 ff.
  8. Brautlecht, S. 191.
  9. Block, Stadtkirche (1977), S. 9.
  10. Fürstlich-Waldeckisches Regierungsblatt 1877, S. 29 [Digitalisat].
  11. Nebelsiek, Anfänge, S. 31.
  12. Obenaus, Handbuch II, S. 1291 ff.
  13. Vgl. dazu: 100 Jahre St. Georg. Katholische Kirche Bad Pyrmont 1906–2006, 2006 [Digitalisat online], S. 21 und S. 34.
  14. Brautlecht, S. 188; Dietrichkeit, S. 8 ff.
  15. Fürstlich-Waldeckisches Regierungsblatt 1886, S. 55 [Digitalisat].
  16. Brautlecht, S. 217.
  17. Gemeindebuch, S. 11.
  18. Gemeindebuch, S. 9.
  19. Brautlecht, S. 265: „Im April 1933 schloß er [P. Schultz] sich – ganz entgegen seiner sonstigen Einstellung – den D. C. an.“
  20. LkAH, B 7, Nr. 3933, Bl. 22 und 22a.
  21. Obenaus, Handbuch II, S. 1296.
  22. Obenaus, Handbuch II, S. 1297: „Nach 1945 lebten noch sechs Bürger in Pyrmont, die wegen ihres jüdischen Glaubens oder ihrer jüdischen Abstammung während der NS-Zeit verfolgt wurden“.
  23. Vgl. dazu Brautlecht, 238 ff. Reichsbischof Ludwig Müller (1883–1945) hatte den Waldeckischen Landeskirchenrat im Januar 1934 abgesetzt und Amtsgerichtsrat Heinrich Happel als Bevollmächtigten eingesetzt.
  24. KABl. 1940, S. 99.
  25. LkAH, L 5a, Nr. 22 (Visitation 1974).
  26. LkAH, L 5a, Nr. 21 (Visitationen 1943 und 1949).
  27. Block, Stadtkirche (1977), S. 56 ff.: Den Kindergarten hatten die Pyrmonter Frauenvereine eingerichtet, 1886 übernahm eine Diakonisse aus Bethel die Einrichtung und 1889 wurde für Kindergarten und Gemeindeschwesternstation ein Neubau errichtet (Hopfenweg 2) und 1928 erweitert. 1923 übernahm die Ev. Frauenhilfe die Trägerschaft und 1943 die NSV.
  28. Block, Stadtkirche (1977), S. 25 und S. 59 f. LkAH, L 5a, Nr. 22 (Visitation 1980).
  29. LkAH, L 5a, Nr. 21 (Visitation 1956); Block, Stadtkirche (1977), S. 16. Das Siedlungswerk wurde betreut von der Siedlungsgesellschaft des Hilfswerks der Evangelischen Kirche, Zweigstelle Hannover.
  30. LkAH, L 5a, Nr. 21 (Visitation 1956).
  31. LkAH, L 5a, Nr. 22 (Visitation 1980).
  32. Block, Stadtkirche (1977), S. 79 f.
  33. LkAH, L 5a, Nr. 23 (Visitation 1993). Allgemein: Cordes, Gemeindepartnerschaften, S. 38 ff.
  34. Obenaus, Handbuch II, S. 1297.
  35. KABl. 1995, S. 202 ff.; KABl. 2006, S. 33 ff.
  36. KABl. 2010, S. 116 ff.
  37. KABl. 2016, S. 79 ff.
  38. Straßenverzeichnis 1960: Gemeindebuch, S. 18; Straßenverzeichnis 1977: Block, Stadtkirche (1977), S. 52; Straßenverzeichnis 1982: Block, Stadtkirche (1977), S. 70.
  39. KABl. 1934, S. 132 f.
  40. KABl. 1934, S. 158.
  41. KABl. 1934, S. 158; KABl. 1938, S. 93.
  42. Meyer, Pastoren II, S. 283.
  43. P. Hermann Sprick (amt. 1940–1965), beklagte, dass die vor der Renovierung vorhandene „buntscheckige Ausmalung dem an sich ernsten Kirchenraum wenig entsprach und eine innere Sammlung nicht unterstützte“, Block, Stadtkirche (1977), S. 15.
  44. Block, Stadtkirche (1982), S. 13 ff.
  45. Gemeindebuch, S. 7 ff.
  46. Pape/Schloetmann, Hammer, S. 94.
  47. Die Inschriften formulierte P. Detlev Block (amt. 1967–1998), LkAH, B 2 G 9 B, Nr. 31, Bl. 175.
  48. LkAH, B 2 G 9 B, Nr. 31, Bl. 170.