Sprengel Ostfriesland-Ems, KK Harlingerland | Patrozinium: Dionysius1 | KO: Ostfriesische KO von 1716

Orts- und Kirchengeschichte

Ort im Harlingerland, seit 1972 Ortsteil von Wittmund. – Das auf einer Kirchenwarft gelegene KGb wird auf die Wende vom 12. zum 13. Jh. datiert. Ein Geistlicher erscheint zuerst 1343 mit Hinricus de Svachusen, Pfarrer in Asel, der als Zeuge des Bremer Ebf. Burchard auftrat.2 Die ursprünglich wohl der Sendkirche in Jever3, später der Sendkirche in Wittmund zugeordnete Parochie ist um 1420 im Stader Copiar erstmals nachweisbar (Aszele dat IV grossos).4 1491 wurde sie durch den Häuptling Hicko Boings von Werdum in seinem Testament bedacht.5 1537 wurde der aus Ardorf vertriebene Mamme Folkardus erster ev. Prediger in Asel.6 In seiner Amtszeit wurde wohl die vorref. Ausstattung der Kirche beseitigt und verbrannt.7 Seither amtierten in Asel durchgehend luth. Prediger. Von Bedeutung war besonders Theodor Johann Julius Cöster (amt. 1906-1929, nachher Sup. in Wittmund), der in seiner Zeit in Asel kirchengeschichtliche Forschungen betrieb (Wittmund und seine Kirche im Laufe der Jahrhunderte, Wittmund 1926).

Kirche, Ansicht von Südosten, Foto für ein Prospekt, 1948

Kirche, Ansicht von Südosten, Foto für ein Prospekt, 1948

Seit 1929 bestand in Asel ein Sprengeljugendpfarramt unter der Leitung von P. Karl Schaaf (amt. 1929-1937).8 Von seiner Tätigkeit profitierte auch die KG: 1930 bildete sich ein Jungmädchenverein; aus einem Kreis der männlichen Jugend entstand der Posaunenchor. Das Sprengeljugendpfarramt wurde später an den Dienstsitz des jeweiligen Amtsinhabers (1959 nach Arle, 1962 Wiesens) verlegt, das Freizeitheim dagegen blieb bestehen und wurde erheblich erweitert. 1964 wurden an Stelle der Pfarrscheune und des alten Konfirmandensaals eines neues Jugend- und Freizeitheim für die KK Wittmund und Reepsholt errichtet, das auch der Erwachsenenbildung und für Soldatenfreizeiten genutzt wurde. Mit der Amtsübernahme durch P. Hans-Dieter Tjarks wurde Asel 1969 auch wieder Sitz des Jugendpfarramts. Nach Auflösung der Volksschule in Asel wurde deren Gebäude 1973 dem Freizeitheim zur Verfügung gestellt, das 1981 zum Zentrum der Jugendarbeit im gesamten Sprengel Ostfriesland ausgebaut wurde und heute der Trägerschaft des KK Harlingerland untersteht.
In den 1960er Jahren war die Pfarrstelle zeitweilig mit dem zweiten Seelsorgebezirk in Wittmund und der Militärseelsorge am dortigen Luftwaffenstandort verbunden. 1966 hatte die KG noch 330 Gemeindeglieder. Die geplante Umwandlung in eine KapG und Eingliederung in die KG Eggelingen wurde nicht vollzogen. Seit 2007 ist die Pfarrstelle vakant und wird von Funnix aus versehen.

Umfang

Das Dorf Asel und die Höfe Barg, Dohusen, Hohehörn, Hornum, Horst, Klinge, Nörtis und Schluis.

Aufsichtsbezirk

Im 13. Jh. wohl zum Archidiakonat des Bremer Domdekans (Sedes Jever), vor 1420 zum Archidiakonat des Bremer Domscholasters (Sedes Wittmund).9 – Asel unterstand von 1631 bis 1643 dem luth. Coetus in Esens und ab 1643 unmittelbar dem luth. Konsistorium in Aurich. Mit Erlass der ostfriesischen Insp.-Ordnung 1766 zur 6. (später 8. und vor 1819 dann 9.) luth. Insp. mit Sitz in Wittmund, ab 1924 KK Wittmund (1. Januar 1974 mit dem KK Esens zum KK Harlingerland vereinigt).

Patronat

Der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau
Kirche, Blick zum Altar, Foto: Ernst Witt, Hannover, August 1956

Kirche, Blick zum Altar, Foto: Ernst Witt, Hannover, August 1956

Saalkirche aus Granitquadern mit kleinen, hochsitzenden Rundbogenfenstern (Ende 12. Jh./frühes 13. Jh.; Kiesow: Mitte 12. Jh.; Noah 2008: Kurz vor 1200; Meinz: zweites Viertel 13. Jh.). Vor 1722 fanden umfangreiche Sanierungsarbeiten an der noch 1706 als „sehr wüste“ bezeichneten Kirche statt.10 1797 wurde der Westgiebel vollständig abgetragen. Die ursprünglich halbrunde Ostapsis wurde 1829 wegen Bauschäden abgebrochen und durch einen geraden Chorschluss ersetzt, zugleich die Längsmauern des Schiffs teilweise abgetragen und in Backstein niedriger neu aufgemauert. Flache Balkendecke. Westempore (17. Jh.). 1957 wurde die Kirche umfassend renoviert.

Turm

Südlich der Kirche ein freistehender Glockenturm des geschlossenen Typs in rotem Ziegelmauerwerk, 1661 aus Steinen des Vorgängerbaus neu errichtet. Pyramidendach mit Schwan als Bekrönung.11

Ausstattung

Schriftaltar, bestehend aus einem hölzernen Altaraufsatz mit Dreiecksgiebel, Schrifttafeln mit den fünf Stücken des luth. Katechismus. Im Giebel eine Darstellung der Auferstehung. (Anfang 17. Jh., Noah 2008: um 1800). – Kanzel mit polygonalem Kanzelkorb (dat. 1608), Bemalung mit den vier Evangelisten, Luther und Blumengehängen (1752 von Claes Röttger). – Rokoko-Taufengel von David Benjamin Opitz aus Groden bei Cuxhaven (1753). – Gedenkstein für P. Johan Volraht von Lewen († 1772). – In den Brüstungsfeldern der Orgelempore Aposteldarstellungen; in der Mitte vor der Orgel eine Ehrung der Gefallenen des Zweiten Weltkriegs (1955).

Kirche, Blick zur Orgel, Foto: Ernst Witt, Hannover, August 1956

Kirche, Blick zur Orgel, Foto: Ernst Witt, Hannover, August 1956

Orgel

Auf der Westempore. Die erste Orgel wurde 1855/56 durch den Orgelbauer Gerd Sieben Janssen (Aurich) erbaut, 7 I/aP. 1917 Abgabe der Prospektpfeifen. 1953 Umbau und Erweiterung durch Firma Alfred Führer (Wilhelmshaven), u. a. Einbau eines selbständigen Pedals, jetzt 9 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Zwei LG, I: g’ (Bronze, Gj. 1803, Heidefeldt und Fremy); II: b’’ (Bronze, Gj. 1454, Ghert Klinghe oder einem seiner Gesellen zugeschrieben12; ist um 1925 gesprungen, wurde im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgeliefert, kehrte aber wieder zurück. Die Glocke stand zwischenzeitlich in der Kirche, wurde zwischen 1967 und 1970 geschweißt und wieder aufgehängt).

Friedhof

Auf dem Kirchhof. Eigentum der KG.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 6 Nr. 314-317 (Pfarrbestallungsakten); A 8 (CB); A 12 d (GSuptur. Aurich); D 57 (EphA Wittmund).

Literatur

A: Aye/Kronenberg, Taufbecken, S. 235, Nr. 4; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 141 f.; Diederichs-Gottschalk, Schriftaltäre, S. 166-176; Kaufmann, Orgeln Ostfrieslands, S. 59; Meinz, Sakralbau Ostfriesland, S. 119 f.; Mithoff, Kunstdenkmale VII, S. 29; Müller-Jürgens, Vasa sacra, S. 38 f.; Noah, Kirchen Harlingerland, S. 79-84; Rogge, Kirchen, S. 60.
B: Hermann Haiduck: Zwei Ritzzeichnungen auf einer mittelalterlichen Glocke in Asel, in: Ostfriesland. Zeitschrift für Kultur, Wirtschaft und Verkehr 2/1975, S. 17-20; Wilfried Janßen: Die Jugendbildungsstätte Asel feiert ihr 70jähriges Bestehen, in: Harlinger Heimatkalender 1999, S. 87-99; Wilfried Janßen: Kleine Geschichte der Ortschaft Ardorf, in: Harlinger Heimatkalender 2008; Robert Noah: Die Kirche in Asel. Ein Sakralbau der Romanik, in: Harlinger Heimatkalender 2008, S. 86-93; Andreas Scheepker (Hg.): Der Taufengel in der Kirche von Asel. Festschrift zur Restaurierung des Aseler Taufengels, Asel [2007].


Fußnoten

  1. Aus vorreformatorischer Zeit nicht sicher zuzuweisen. Die Identifikation als Dionysius-Kirche beruht auf der Glocke von 1454 mit der Darstellung eines Bf., der als heiliger Dionysius gedeutet wird. Vgl. Noah, Kirchen Harlingerland, S. 79.
  2. Bremisches UB II, Nr. 513.
  3. Smid, Ostfriesische Kirchengeschichte, S. 39.
  4. Hodenberg, Stader Copiar, S. 52.
  5. Ostfriesisches UB III, Nr. 649.
  6. Janßen, Geschichte, S. 36.
  7. Diederichs-Gottschalk, Schriftaltäre, S. 173.
  8. BLO II, S. 321 f.
  9. Hodenberg, Stader Copiar, S. 52.
  10. Noah, Kirchen Harlingerland, S. 83.
  11. Lübben, Wetterschwäne, S. 26.
  12. Haiduck, S. 17; Hellwig, Klinge, S. 180.