Sprengel Stade, KK Verden | Patrozinium: Jakobus (und Gangolf)1 | KO: Keine Kirchenordnung

Orts- und Kirchengeschichte

Wittlohe gehörte im frühen 13. Jh. zum Besitz der Familie von Hillingsfeld und ist schriftlich zuerst 1231 in einer Urkunde von Ebf. Gerhard II. von Bremen als wittenlogen belegt.2 Der Bremer Ebf. verzichtete darin auf seine Lehnrechte in Wittlohe und schenkte sie dem Domkapitel Verden, das Wittlohe erworben hatte.3 1233 versprach das Bremer Domkapitel, auch in Zukunft keine Ansprüche auf irgendwelche Rechte in der villa wittenloge zu erheben.4 Die Obödienz Wittlohe wurde nicht vollständig in die spätere Vogtei- bzw. Ämterstruktur des Hochstifts Verden integriert; die Gerichtshoheit lag beim Domkapitel (Strukturgericht bzw. gericht Wittlohe, umfasste auch Stemmen und Grafel).5 Mit dem Westfälischen Frieden von 1648 kam das säkularisierte Hochstift Verden – und damit auch Wittlohe – als Teil der vereinigten Hzm. Bremen und Verden unter schwedische Herrschaft. Im Großen Nordischen Krieg (1700–1721) besetzte Dänemark 1712 die beiden Herzogtümer und 1715 konnte das welfische Kfsm. Braunschweig-Lüneburg (Kurhannover) die Hzm. Bremen und Verden erwerben (1719 von Schweden gegen weitere Zahlung anerkannt). In französischer Zeit gehörte Wittlohe 1810 kurzzeitig zum Kgr. Westphalen und zählte dann bis 1813 zum Kanton Verden im Arrondissement Bremen des Departements Wesermündung im Kaiserreich Frankreich. Danach gehörte Wittlohe wieder zum Amt Verden (Gericht Wittlohe 1852 aufgehoben), zunächst im Kgr. Hannover und nach der Annexion Hannovers im Jahr 1866 im Kgr. Preußen. Seit Einführung der Kreisverfassung 1885 gehört Wittlohe zum Lkr. Verden. 1972 wurde das Dorf nach Kirchlinteln eingemeindet. Das Kirchspiel Wittlohe ist überwiegend ländlich geprägt; der Kirchort Wittlohe ist einer der kleineren Orte im Gemeindegebiet. Um 1810 lebten rund 130 Menschen in Wittlohe (Otersen: 250, Stemmen: 110), 1905 gut 160, 1950 etwa 250 und 2008 knapp 130.

Kirche, Ansicht von Südwesten

Kirche, Ansicht von Südwesten

Die Ersterwähnung des Dorfes Wittlohe ist auch gleichzeitig der früheste schriftliche Nachweis für die dortige Kirche; unter den Wittloher Gütern, die das Verdener Domkapitel erhielt, ist auch die ecclesia in wittenloge mit aufgezählt.6 Zur örtlichen Kirchengeschichte in vorref. Zeit ist nur wenig bekannt. Im Jahr 1470 ist – allerdings ohne Nennung des Namens – ein kerkhere bzw. plebanus in Wittelo belegt und die gleiche Quelle nennt überdies – wiederum ohne Namen – die oldelude to Wittelo, also die Kirchenjuraten.7 Weitere Details finden sich in einer erst um 1630 entstandenen Quelle.8 Die Wittloher Kirche sei gegründet worden von den „Grafen zue Wittelohe“ – gemeint sind vielleicht die Herren von Hillingsfeld –und dem hl. Gangolf geweiht gewesen. Der Domdekan Heinen von Mandelsloh habe 1521 „den Chor, so itzund ist, an die kirchen bauen lassen. Und ist der erste chor zur kirchen genommen, die kirche wegen der zuhorer großer gemacht und anno 1523 durch fratrem Christopherum, Bischof zu Costnitz suffraganeum der stifte Brehmen und Vehrden, in die ehre Gangolphi und Jacobi am tage Jacobi des großen solenniter [feierlich] consecrirt worden“. Im Jahre 1531 versah der Verdener Domvikar Theodor von Mandelsloh den Pfarrdienst in Wittlohe.9
Die Reformation setzte sich im Hochstift Verden erst spät und nur allmählich durch.10 Der Verdener (und Bremer) Bf. Christoph von Braunschweig-Lüneburg (amt. 1502–1558) bekämpfte die luth. Lehre.11 Sein Bruder und Nachfolger in beiden Bistümern, Bf. Georg (amt. 1558–1566), duldete den neuen Glauben, hatte einen ev. Kanzler, berief vermutlich auch einen ev. Hofprediger und bestimmte im Jahr 1564 zusammen mit dem Verdener Domkapitel den Protestanten Eberhard von Holle zu seinem Nachfolger. Seinerzeit gehörten das Abendmahl in beiderlei Gestalt und die Priesterehe „im Stifte Verden schon zu rechtem Gebrauche“, wie das Domkapitel formulierte; gleichzeitig verlangte es von Holle jedoch eine päpstliche Bestätigung.12 In Zusammenarbeit mit dem Domkapitel förderte und festigte Bf. Eberhard von Holle (amt. 1566/67–1586) die luth. Lehre. Vermutlich kurz nach der Visitation von 1570 erhielt das Hochstift Verden eine ev. Kirchenordnung (nicht erhalten).13 Die erste gedruckte Kirchenordnung erließ schließlich Bf. Philipp Sigismund (amt. 1586–1623) im Jahr 1606.14
Als erster luth. Prediger ist P. Bernhard Lukemann (amt. 1572/73) anzusehen.15 Sein Nachfolger P. Theodor Körner (amt. wohl 1574–1593) unterschrieb 1579 die Konkordienformel. Als das Hochstift Verden während des Dreißigjährigen Krieges mit Bf. Franz Wilhelm von Wartberg (amt. 1630–1631) kurzzeitig wieder einen kath. Landesherren besaß, musste der ev. P. Johann Quaderschmidt (amt. 1627–16??) Wittlohe verlassen, konnte nach 1631 jedoch zurückkehren. Mit P. Jakob Rauschenbusch (amt. 1666–1693) und seinem Sohn P. Christoph Rauschenbusch (amt. 1694–1725) betreuten nacheinander zwei pietistisch geprägte Theologen die Gemeinde Wittlohe.
Im Jahre 1742 zerstörte ein Brand weite Teile des Dorfes Wittlohe, u. a. auch das Pfarrhaus mit den älteren Kirchenbüchern. Erhalten blieben lediglich vier Gebäude und die Kirche.16 Aus Kirchenmitteln erwarb die Gemeinde 1778 zwei Feuerspritzen und ließ ein Spritzenhaus errichten.17 Für anderthalb Jahrhunderte zählte der Brandschutz in Wittlohe zu den kirchlichen Aufgaben und erst 1928 ging diese Verantwortung über auf den neu gegründeten Spritzenverband der Gemeinden Stemmen, Wittlohe und Otersen.
Im Laufe des 19. Jh. vergrößerte sich das Gemeindegebiet: 1825 wurden die Anbauerhöfe „Hinter dem Brüchen“ eingepfarrt, 1846 Lehringen und 1859 Neddenaverbergen. Die Zahl der Gemeindeglieder hatte sich damit verdoppelt.18 1891 beschlossen P. August Groschupf (amt. 1888–1909) und die Kirchenvorsteher, eine neue Kirche zu errichten, da die alte mittlerweile zu klein sei. Im Juni 1893 versammelte sich die Gemeinde nordöstlich ihrer Kirche zur Grundsteinlegung des Neubaus, im August 1894 konnte das neugotische Gotteshaus eingeweiht werden. Die mittelalterliche Kirche blieb noch fast anderthalb Jahrzehnte erhalten. 1907 beklagte ein anonymer Briefschreiber ihren desolaten Zustand: „Alle Türen stehen offen, jeder mutwillige Bube kann ungestraft eingehen und seinen Mutwillen an den dort befindlichen Kunstgegenständen ausüben. Die Samtbekleidung an der Kanzel war mit Gewalt zerrissen, Bücher lagen umher“. P. Groschupf und der KV wiesen die Vorwürfe zurück, die alte Kirche sei verschlossen und „alles Brauchbare für die neue Kirche herausgenommen“.19 Ein Jahr später ließ die Gemeinde das Schiff abbrechen und 1927/28 auch den Turm.
P. Wilhelm Steinwede (amt. 1932–1962), der während der NS-Zeit Pfarrer in Wittlohe war, gehörte kirchenpolitisch seit 1933 ur Hannoverschen bekenntnisgemeinschaft, wie er im „Fragebogen zur Geschichte der Landeskirche von 1933 bis Kriegsende“ angab.20 Die DC seien in Wittlohe „nie in Erscheinung getreten“. Bei der Neuwahl des KV 1933 wählte die Gemeinde überwiegend neue Kirchenvorsteher; zwei schieden „nach einigen Jahren freiwillig wieder aus“.

Kirche, Blick zum Altar

Kirche, Blick zum Altar

Mit dem Zuzug Geflüchteter wuchs nach Ende des Zweiten Weltkriegs der Zahl der kath. Christen im Kirchspiel (1949: knapp 140); sie versammelten sich zum Gottesdienst in der Schule von Neddenaverbergen und nutzten die Kirche in Wittlohe nicht.21 Nach der Visitation 1955 resümierte der Sup. des KK Verden, die KG sei „so stark vom Bewusstsein des Kirchlichen geprägt“, dass sie auch heute noch „zu den guten im Kirchenkreise zu rechnen ist“.22 Obwohl seinerzeit fast 90 Prozent der Gemeindeglieder außerhalb des Kirchdorfs Wittlohe lebten, sprach sich der KV zunächst gegen Gottesdienste im größeren Neddenaverbergen (etwa 800 Einwohner) aus, da er einen weiteren Rückgang des Gottesdienstbesuches in Wittlohe fürchtete. Nur zwei Jahre später jedoch nahmen die regelmäßigen Gottesdienste in Neddenaverbergen ihren Anfang: Ab Advent 1957 versammelte sich die Gemeinde etwa einmal im Monat zum Hauptgottesdienst in der dortigen Schule (später in der FKap).
Wie schon im 19. Jh. wurden auch 1973 wieder einige Ortschaften des Verdener Kirchspiels St. Andreas in die KG Wittlohe umgepfarrt (Armsen, Hohenaverbergen und Luttum).23 Und erneut verdoppelte sich damit die Zahl der Gemeindeglieder. Eine Verlegung des Pfarrsitzes in das größere Luttum lehnte der KV ab, auch mit den Stimmen der Kirchenvorsteher aus den neuen Gemeindeteilen.24 P. Christoph Scholz (amt. 1972–1982) nutzte die Gelegenheit der Gemeindevergrößerung, um das gemeinsame Abendmahl für Männer und Frauen in der KG Wittlohe einzuführen. Zudem hielt er in regelmäßigen Abständen Hauptgottesdienste in den FKap von Armsen, Hohenaverbergen und Luttum. Nach der Visitation 1973 hielt der Sup. zusammenfassen fest, die Gemeinde Wittlohe sei interessiert am kirchlichen Leben und bereit „teilweise erhebliche Wege in Kauf zu nehmen“. In den 1970er Jahren stieg zudem die Zahl der Gemeindekreise.
Im Rahmen der Partnerschaft zwischen den Landeskirchen Hannovers und Sachsens (seit 1949) unterhielt die KG Wittlohe bis 2012 Kontakte zur sächsischen Kirchgemeinde Machern bei Leipzig.25 Die Partnerschaft mit der der russ.-orth. KG St. Tichon in Klin bei Moskau begann 1990 und endete 2009.26 Weiterhin aktiv sind die Beziehungen zur südafrikanischen KG Nquthu (KK Shiyane der ELCSA), die in den 1980er Jahren ihren Anfang nahm.
Neben den regelmäßigen, vormittäglichen Gottesdiensten in der Wittloher Kirche und den Kapellen in Armsen, Hohenaverbergen, Luttum und Neddenaverbergen lädt die Gemeinde mittlerweile einmal im Monat zu einem abendlichen Sonntagsgottesdienst nach Wittlohe ein („Um sechs bei Jakob“). Im Jahr 2013 legte die KG auf einem Stück Brachland den „Jakobi-Wald“ an, in dem Gemeindeglieder an zwei Terminen im Jahr Bäume pflanzen können, um beispielsweise an Taufen, Konfirmationen, Hochzeiten oder Beerdigungen zu erinnern. 2016 richtete die KG Wittlohe eine Kleiderkammer ein („Klamottenkiste“).

Umfang

Wittlohe und die Ortschaften Ludwigslust, Otersen und Stemmen. Seit 1825 zudem Teile von Neddenaverbergen, seit 1846 auch Lehringen, seit 1859 ganz Neddenaverbergen, alle zuvor Andreas-KG Verden.27 Seit 1973 auch Armsen, Hohenaverbergen und Luttum, zuvor Andreas-KG Verden.28

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat der Dompropstei Verden der Diözese Verden. – 1651 zur Insp. für die Ämter Verden und Rotenburg (1924: KK Verden).

Patronat

Ab 1233 lag das ius eciam patronatus ecclesie Wittenloge beim Verdener Dompropst.29 Später der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau
Kirche, Westen, 1950, Zeichnung von Sindel

Kirche, Westen, 1950, Zeichnung von Sindel

Neugotischer Backsteinbau mit breitem Querhaus, niedrigerem Polygonchor und Sakristeianbau im Südosten, errichtet 1893–94 (Entwurf: Karl Börgemann, Hannover).30 Satteldächer, abgewalmtes Dach über dem Chor; Strebepfeiler an Schiff und Chor; zweistöckige Fenstergliederung am Schiff: unten kleine Flachbogenfenster in Spitzbogennischen, darüber breite Spitzbogenfenster mit schlichtem Maßwerk; an den Giebelseiten der Querhäuser unten vier kleine Flachbogenfenster, darüber ein breites, vierbahniges Backsteinmaßwerkfenster mit Spitzbogen, oben im Giebeldreieck Rundfenster; am Chor hochliegende Spitzbogenfenster ohne Maßwerk. Innenraum dreischiffig mit breitem Mittelschiff und schmalen Seitenschiffen im zweijochigen Langhaus; dreiseitige Emporenanlage; Kreuzrippengewölbe; spitzer Triumphbogen zwischen Chor und Schiff; an den Chorwänden links und rechts des Altars Einsetzungsworte des Abendmahls. 1985 Gesamtsanierung der Kirche.

Fenster

Mittleres Chorfenster ornamental gestaltet. Südliches Querhausfenster farbig gestaltet (u. a. Pelikan), gestiftet von Familie von Behr (Gut Klein-Häuslingen).

Turm

Westturm aus Backsteinmauerwerk mit seitlichen Treppenhäusern, erbaut 1894. Verschieferter Turmhelm mit vierseitigem Ansatz und achteckig ausgezogener Spitze, bekrönt mit Kugel und Wetterhahn, vier Uhrerker; im Glockengeschoss je zwei lanzettartige, spitzbogige Schallfenster. Nach Westen flachbogige Portal in Spitzbogennische mit Wimperg, über der Tür Backsteinrelief mit Agnus Dei; flachbogige Seitenportale in Spitzbogennischen.

Vorgängerbau

Romanischer, fünfjochiger Rechteckbau aus Backsteinmauerwerk, errichtet vor 1231.31 Brauthaus an Nordseite, Fachwerkvorbau mit Emporenaufgang an Nordseite, Sakristei an Südseite, quadratischer Westturm mit vierseitigem Pyramidendach, Auslegestuhl für Uhrschlagglocke nach Westen; Schiff mit Satteldach; am Chor dreiteilige Fenster mit Dreipass. Im Innern gebustes Kreuzgewölbe mit Birnstabrippen. Emporen an West- und Nordseite, im Osten Orgelempore. Die Familie von Behr auf Klein-Häuslingen besaß mindestens seit 1581 Begräbnisplätze innerhalb der Kirche (unterhalb des Altarraums und der Sakristei).32 Wohl 1521–23 Kirche um die zwei östlichen Joche verlängert und Gewölbe errichtet (vorher flache Decke).33 1862 neue Turmuhr (Firma Furtwängler, Elze). 1908 Schiff abgebrochen, 1927/28 Turm abgebrochen. Ein Findling mit der Inschrift „Hier stand unsere alte Kirche von etwa 1250–1928“ erinnert an den Standort der Kirche.

Ausstattung

Altar mit neugotischem Holzretabel, verziert mit Wimperg und Fialen (1894), im hohen Mittelfeld Mandorla mit Kruzifix, in den Seitenfeldern Schnitzfiguren: Moses und Johannes der Täufer; in der Predella vier Schnitzreliefs (Abel, Melchisedek, Isaak, Aaron). – Hohe, neugotische Holzkanzel, an den Wandungen des Kanzelkorbs Schnitzreliefs der vier Evangelisten. – Taufe mit kleinem, halbkugelförmigem Becken, säulenartigem Schaft und rundem Fuß. – Gemälde mit Kreuzigungsszene (1895, Hedwig Müffelmann, Herford), ehemaliges Altarbild.34 – Zwei Ikonen (Apostel Jakobus und St. Tichon), Geschenke der Partnergemeinde aus Klin bei Moskau. – Außen an Ostwand: Relieftafel mit Wappen (16. Jh.). – Außen: mehrer Grabsteine des 18. Jh. – Ehemalige Ausstattung: Rokokokanzel aus der Vorgängerkirche (1750, Arend Meyer, Verden), am Kanzelkorb in puttenbekrönten Medaillons Zitate aus den vier Evangelien: „Matthäus C. 28 V. 20. Jesus sprach: Ich bin bey euch alle Tage bis an der Welt Ende.“, „Marcus C. 1 V 15. Tuht Busse und gleubet an das Evangelium.“, „Lucas C. 11 V. 28. Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren.“, „Johannes C. 17 V. 3. Das ist das ewige Leben, dass sie dich Gott und Jesum Christum Christus, erkennen“ sowie Inschrift: „Johann Anton v. Reis Pastor. Jakob Dittmers, Johan Rohde, Michael Röhrs Juraten. Anno 1750“, Schalldeckel verziert mit wolken- und strahlenumkränztem Gottesauge (darin hebräische Inschrift JHWH), links und rechts je eine Putten; Kanzel seit 1999 ausgestellt im Quaet-Faslem Haus des Museums Nienburg (Weser), Engel des Schalldeckels im Fresenhof des Museums Nienburg (Weser).35 – Rokokoaltar aus der Vorgängerkirche (1722, 1755 verändert oder ergänzt von Arend Meyer, Verden)36, nur Gemälde und Altarschranken erhalten, Ölgemälde mit Kreuzigungsszene, kleines Abendmahlsbild mit Inschrift: „Der Mensch prüfe aber sich selbst und also esse er von diesem Brodt und trincke von diesem Kelch“ (Predella), linke Altarschranke mit Inschrift „Johann Antohn v. Riess Past 1755“, Pfosten mit Taufschale und Inschriftenmedaillon: „Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht den solcher ist das Reich Gottes“ (es fehlt der Deckel der Taufe: Schnitzfigur Jesu bei seiner Taufe, darüber Baldachin); rechte Altarschranke mit Inschrift: „Harm precht, Christoph Greve, Harm Blancke Iuraten“, Pfosten mit Opferstock und Inschriftenmedaillon: „Wer sich des Armen erbarmet / der leihet dem Herrn der wird ihm wieder Guts vergelten“, Deckel des Opferstocks mit Inschrift: „Gebet, so wird Euch gegeben“ sowie Schnitzfigur eines Bettlers, darüber Baldachin; erhaltene Teile des Altars im Museum Nienburg (Weser).

Orgel

1764 Neubau, ausgeführt von Johann Andreas Zuberbier (Obernkirchen), 9 I/aP, mechanische Traktur, Schleifladen.37 1814 Reparatur, Peter Tappe (Verden).38 1835 Reparatur, Gottlob Möbius (Lauenau). Um 1894 Orgel abgegeben an die Kästorfer Anstalten, später weitergegeben an KG Rethen. 1894 Orgelneubau für die neue Kirche, ausgeführt von P. Furtwängler & Hammer (Hannover), 17 II/P, mechanische Traktur, Kegelladen (Opus 308).39 1917 Zinnpfeifen des Prospekts zu Rüstungszwecken abgegeben, später durch Zinkpfeifen ersetzt. 1994/95 Reparatur, ausgeführt von Firma Alfred Führer (Wilhelmshaven), u. a. Zinkpfeifen des Prospekts ersetzt. Instrument weitgehend unverändert erhalten; am Prospekt zwei gemalte Posaunenengel.

Geläut

Vier LG, I: gʼ (Bronze, Gj. 1954, Firma Rincker, Sinn), Inschriften: „Zum Gedächtnis der Gefallenen der beiden Weltkriege 1914–1918 und 1939–1945“ und „O Land Land Land höre des Herrn Wort. Durch Krieges Not erstarb der Schwester Mund an ihrer Stelle mein Klang euch tue Kund, was das Vermächtnis eurer Toten bleibet alle Stund“; II: aʼ (Bronze, Gj. 1730, Thomas Rideweg, Hannover), Inschriften: „Thomas Rideweg goss mich in Hannover“, „H. Iohann Christoph Wahrendorf Consistorialrath und Superintendens zu Verden. H. Thomas Parpard Pastor. Jac. Ditmer. Ioh. Rohde, Mich. Röhrs Iuraten“ und „Licht und Recht sei dieser Stätte ein beständig Heiligthum daß man freudig für Gott trete zu befördern seinen Ruhm bis wir im andern Jerusalem droben unsern Gott preisen und ewiglich loben“; III: cʼʼ (Bronze, Gj. 1954, Firma Rincker, Sinn), Inschrift: „Soli deo gloria. Es mahnet mein Geläut zum Dienste Gottes an, es folge meinem Ruf, wer immer folgen kann“; IV: dʼʼ (Bronze, Gj. 1954, Firma Rincker, Sinn), Inschrift: „Es muß bei Freud und Leid mein heller Klang erschallen. O Wittlohe versäume nicht, ins Haus des Herrn zu wallen“. – Früherer Bestand: Alte Bronzeglocken 1730 eingeschmolzen und zwei neue LG gegossen: heutige LG II sowie eine LG, ⌀ 122 Zentimeter (Bronze, Gj. 1730, Thomas Rideweg, Hannover), Inschriften: „Thomas Rideweg goss mich in Hannover“, „H. Iohann Christoph Wahrendorf Consistorialrath und Superintendens zu Verden. H. Thomas Parpard Pastor. Jac. Ditmer. Ioh. Rohde, Mich. Röhrs Iuraten“ und „Es muss bey Freud und Leid mein heller Klang erschallen, es mahnet mein Geleut zum Dienste Gottes an. O Wittloh säume nicht in dieses Haus zu wallen, es folge meinem Ruff wer immer folgen kann, der Himmel wolle dich in seine Arme fassen, solange in der Welt sich Glocken hören lassen“; im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben. – Eine SG (Bronze), bis 1927 am Turm der alten Kirche, dann abgegeben an Schule Neddenaverbergen, im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben.40

Weitere kirchliche Gebäude

Kapitelhaus (Bj. wohl 12./13. Jh., rechteckiger Backsteinbau mit Satteldach, saniert 1989, ursprünglich wohl Gerichtshaus, später u. a. Backhaus, heute Gemeinderaum; ältestes Gemeindehaus der Landeskirche). – Pfarr- und Gemeindehaus (Bj. 1843). – Küsterhaus (Bj. 1838).

Friedhof

Kirchlicher Friedhof um die Kirche in Wittlohe. – Kommunaler Friedhof in Neddenaverbergen, angelegt 1836, FKap (Bj. 1967), Friedhof war bis 1969 kirchlich, dann ohne Aufgabe des Eigentumsrechtes der Gemeinde Neddenaverbergen „zur Nutzung und Verwaltung unentgeltlich überlassen“.41 – Kommunaler Friedhof in Hohenaverbergen, angelegt 1836, FKap (Bj. 1971) mit Glockenturm. – Kommunaler Friedhof in Luttum, angelegt 1920, FKap (Bj. 1973) mit Glocke. – Kommunaler Friedhof in Armsen, angelegt 1836, FKap (Bj. 1971). – Kommunaler Friedhof in Otersen, angelegt 1971/72, FKap (Bj. 1972) mit Glockenturm (Bj. 1981) mit einer LG, c’’ (Bronze, Rincker, Sinn), Inschrift: „Herr, kehre dich doch wieder zu uns und sei Deinen Knechten gnädig“; als Gebrauchtglocke erworben.

Liste der Pastoren (bis 1940)

1531 Theodor von Mandelsloh. – 1569–1593 Theodor Körner. – 1… Johann Köhne. – 1614 Johann Köhne. – 1627–16.. Johann Quaderschmidt. – 16..–1652 Christoph Baumgarten. – 16..–1665 Gerhard Egenhausen (Enghausen). – 1666–1693 Magister Jakob Rauschenbusch. – 1694–1725 Carl Christoph Rauschenbusch. – 1726–1746 (?) Thomas Christoph Parpard. – 1747–1757 Johann Anton de Reis. – 1758–1800 Thomas Christian Kemna. – 1800–1841 Johann Heinrich Bohn. – 1842–1875 Georg Wilhelm Möhlenbrock. – 1875–1887 Wilhelm Carl Gottfried Ohnesorg. – 1888–1909 August Ludwig Friedrich Gottfried Groschupf. – 1909–1922 Wilhelm Johann Heinrich Meyer. – 1922–1926 Johannes Karl Oesterley. – 1926–1931 Paul Ernst Erich Liebeneiner. – 1932–1962 Gustav Heinrich Wilhelm Steinwede.
Angaben nach: Meyer, Pastoren II, S. 523, ebd. III, S. 47 (mit Ergänzungen)

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A Nr. 485 (CB); A 12g Nr. 24, 30 (GSuptur. Stade); E 9 Nr. 1411–1417 (Amt für Bau- und Kunstpflege); Kons. Stade A 2 Nr. 1605–1624 (Akten des Konsistoriums in Stade); Kons. Stade A 6 Nr. 8834–8837 (Akten des Konsistoriums in Stade); Kons. Stade A 8 Wit (Akten des Konsistoriums in Stade); Kons. Stade A 9 Nr. 2571–2574, 2776–2777 (Akten des Konsistoriums in Stade); L 5g Nr. 334–335, 832 (LSuptur. Stade); S 09 rep Nr. 2308 (Presseausschnittsammlung); S 11a Nr. 7916 (Findbuch PfA); S 13 Nr. 106–107 (Sachgegenstände).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 1381; Meyer, Pastoren II, S. 522–523; Osmers, Kirchen, S. 160–163; Siebern/Wallmann/Meyer, KD Kr. Verden, Rotenburg, Zeven, S. 135–140; Topp, Orgelbau Lkr. Verden V, S. 277–280.
B: Dorfchronik Wittlohe-Stemmen, hrsg. von der Gemeinde Kirchlinteln, Kirchlinteln 2000, bes. S. 137–177; St. Jakobi-Kirche Wittlohe 1894/1994, hrsg. von der Kirchengemeinde Wittlohe, Verden 1994; Willy Störk: Die Kirche Wittlohe, in: Heimatkalender für den Landkreis Verden 1986, S. 300–310; Willy Störk: Neueinrichtung von Friedhöfen vor 150 Jahren, in: Heimatkalender für den Landkreis Verden 1986, S. 310–313.

GND

1035262282, Ev.-luth. Kirchengemeinde Wittlohe; 1035258838, Sankt Jakobi-Kirche (Kirchlinteln)


Fußnoten

  1. Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien I, S. 270.
  2. Hodenberg, Verdener Geschichtsquellen II, Nr. 57; vgl. auch ebd. Nr. 60; UB Verden I, Nr. 328 und 332.
  3. Die Rechte Ebf. Gerhards in Wittlohe stammten aus einer Schenkung Heinrichs von Hillingsfeld d. J. Albert von Stelle, verheiratet mit Ida, Heinrichs Schwester und Erbin, besaß Wittlohe als Lehen des Bremer Erzbischofs und verkaufte das Dorf an das Domkapitel Verden, UB Verden I, Nr. 328 und 332.
  4. UB Verden I, Nr. 332.
  5. Manecke, Verden, S. 9; Dorfchronik, S. 22 ff.
  6. Hodenberg, Verdener Geschichtsquellen II, Nr. 57.
  7. UB Verden IV, 2, Nr. 1579.
  8. Amus, Verdener Akten, S. 39. Dort auch das folgende Zitat. Die Quelle, die historische Notizen über Kirchen im Hochstift Verden und Verzeichnisse ihrer Einkünfte enthält, entstand, als Bf. Franz Wilhelm von Wartenberg (amt. 1630–1631) während des Dreißigjährigen Krieges kurzzeitig die Herrschaft in Verden übernahm und versuchte, das Bistum zu rekatholisieren, vgl. ebd., S. 29 ff.
  9. Siebern/Wallmann/Meyer, KD Kr. Verden, Rotenburg, Zeven, S. 135.
  10. Vgl. zum Folgenden: Jarecki, Reformation, S. 81 ff., sowie die Beiträge von Hans Otte, Matthias Nistal und Thomas Vogtherr in Dannenberg/Otte, Reformation.
  11. Zu Bf. Christoph vgl. den Beitrag von Matthias Nistal in Dannenberg/Otte, Reformation, S. 39 ff.
  12. Zit. bei Jarecki, Reformation, S. 94. Zu Holle vgl. den Beitrag von Thomas Vogtherr in Dannenberg/Otte, Reformation, S. 53 ff. Die päpstliche Bestätigung konnte Holle nicht beibringen.
  13. Bei der Visitation wurden nicht die einzelnen Gemeinden besucht; vielmehr fand für das jeweilige Amt eine Predigerversammlung in Rotenburg (Wümme) und eine in Verden statt, vgl. Jarecki, Reformation, S. 99 f.
  14. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 7,1, S. 145 ff: „Kirchenordnung, wie es mit christlicher lehr und ceremonien, verreichung der h[eiligen], hoch[wirdigen] sacramenten und andern kirchensachen im stift Verden hinfort durch Gottes gnad und beystand ordentlich gehalten werden soll“.
  15. Dannenberg/Schulze, Geschichte II, S. 71; Wanderstab 2/2020, S. 17 ff.
  16. Dorfchronik, S. 25 und S. 29 f.
  17. St. Jakobi-Kirche, S. 37 f.; Dorfchronik. S. 169 ff.
  18. St. Jakobi-Kirche, S. 9.
  19. Zit. in: Dorfchronik, S. 151.
  20. LkAH, S 1 H III Nr. 717, Bl. 38. Dort auch die folgenden Zitate. Allgemein zum Fragebogen: Kück, Ausgefüllt, S. 341 ff.
  21. LkAH, L 5g, Nr. 334 (Visitationen 1949 und 1955).
  22. LkAH, L 5g, Nr. 334 (Visitation 1955).
  23. KABl. 1973, S. 9.
  24. LkAH, L 5g, Nr. 335 (Visitation 1973). Vgl. ebd. zum Folgenden, einschließlich des Zitats.
  25. Allgemein: Cordes, Gemeindepartnerschaften, S. 38 ff.
  26. St. Jakobi-Kirche, S. 20.
  27. St. Jakobi-Kirche, S. 9; Dorfchronik, S. 20 f.
  28. KABl. 1973, S. 9.
  29. UB Verden I, Nr. 333.
  30. Grundriss: St. Jakobi-Kirche, S. 12.
  31. Grundriss, Längsschnitt und Querschnitt in Siebern/Wallmann/Meyer, KD Kr. Verden, Rotenburg, Zeven, S. 137 (Figur 119).
  32. Dorfchronik, S. 19.
  33. Asmus, Verdener Akten, S. 39.
  34. Vgl. zur in Otersen geborenen Hedwig Müffelmann: St. Jakobi-Kirche, S. 15 ff. sowie Jan Osmers: Hedwig Müffelmann (1855–1943). Lehrerin, Malerin und Schriftstellerin aus Otersen, in: Heimatkalender für den Landkreis Verden 57 (2014), S. 99–113.
  35. Dorfchronik, S. 153 f., die Kanzel (und die Altarschranken) befanden sich wohl seit den 1950er Jahren im Magazin des Museums, wurden im Zuge der Erarbeitung der Wittloher Dorfchronik dort entdeckt und identifiziert, 1998 restauriert und 1999 in die Dauerausstellung aufgenommen. Abb. und Erläuterungen auf der Website des Museums: https://www.museum-nienburg.de/ausstellungen/dauerausstellungen/quaet-faslem-haus/kanzel-aus-wittlohe/, 14.09.2020.
  36. Dorfchronik, S. 153, Eintrag im Kirchenrechnungsbuch: „1722 wurden für den neuen Altar aus Walsrode gezahlt 117 Th 48.“
  37. Topp, Orgelbau Lkr. Verden V, S. 277 ff.
  38. Topp, Peter Tappe, S. 31.
  39. Pape/Schloetmann, Hammer, S. 103.
  40. St. Jakobi-Kirche, S. 22; Dorfchronik, S. 147.
  41. LkAH, L 5g, Nr. 335 (Visitation 1973). Vgl. auch Störk, Neueinrichtung, S. 313, dort auch Angaben zu den im Folgenden genannten Friedhöfen.