Sprengel Stade, KK Rotenburg | Patrozinium: Bartholomäus1 | KO: Lüneburger KO von 1643

Orts- und Kirchengeschichte

Urkundlich ist Neuenkirchen erstmals im Jahr 1288 nachgewiesen, als Hzg. Albrecht II. von Sachsen seinem Onkel dem Verdener Bf. Konrad I. die bona, que Vriban vulgariter nuncupantur, in Neyenkerken et Hellewede, übertrug (die ‚Freibann‘ genannten Güter in Neuenkirchen und Hellwege).2 Neuenkirchen gehörte seitdem zum weltlichen Territorium der Bischöfe von Verden (Hochstift Verden) und dort seit Entwicklung der Ämterstruktur zum Amt Rotenburg. Mühle, zwei Höfe und sieben Kothöfe waren im Spätmittelalter im Besitz der Familie Schleppegrell.3 Ein wohl wesentlicher Teil der Bewohner waren Freie und die Gerichtsbarkeit über sie lag nicht in der Hand des Bischofs oder eines bischöflichen Vogtes, sondern „wurde von den Bauernschaften selbst ausgeübt“ (etwa bis Anfang des 18. Jh.).4 Nach Ende des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) wurde das Hochstift Verden säkularisiert und blieb zusammen mit dem ebenfalls säkularisierten Hochstift Bremen unter schwedischer Herrschaft (vereinigte Herzogtümer Bremen-Verden). Im Großen Nordischen Krieg (1700–1721) besetzte Dänemark 1712 die beiden Territorien und 1715 konnte das welfische Kfsm. Braunschweig-Lüneburg (Kurhannover) Bremen und Verden erwerben (1719 von Schweden gegen weitere Zahlung anerkannt). Seit der ersten Hälfte des 18. Jh. war Neuenkirchen Sitz einer Amtsvogtei im Amt Rotenburg.5 In französischer Zeit zählte Neuenkirchen 1810 kurzzeitig zum Kgr. Westphalen und dann bis 1813 zum Kaiserreich Frankreich (Kanton Walsrode, Arrondissement Nienburg, Departement der Wesermündung). Danach gehörte der Ort, nun im Kgr. Hannover, wieder zum Amt Rotenburg, ab 1852 zum kurzlebigen Amt Schneverdingen und ab 1859 zum Amt Soltau. Mit der preußischen Annexion des Kgr. Hannover fiel Neuenkirchen 1866 an das Kgr. Preußen und kam mit Einführung der Kreisverfassung 1885 zum Lkr. Soltau (1977 Lkr. Soltau-Fallingbostel, 2011 umbenannt in Lkr. Heidekreis). 1974 wurden Behningen, Brochdorf, Delmsen, Gilmerdingen, Grauen, Ilhorn, Schwalingen, Sprengel und Tewel eingemeindet. 1952 beschrieb der Sup. des KK Rotenburg die KG Neuenkirchen als „eine hauptsächlich bäuerliche Gemeinde“, allein im Kirchdorf selbst wohnten zudem „viele Handwerker und Geschäftsleute“.6 Um 1813 lebten gut 410 Menschen in Neuenkirchen (mit Eingemeindungen von 1974: rund 1.720), 1895 knapp 540 (2.400), um 1939 rund 810 (3.000) und 2014 gut 2.660 (5.770).

Kirche, Blick zum Altar, 1951

Kirche, Blick zum Altar, 1951

Der Name Neuenkirchen legt nahe, dass die Dörfer des Kirchspiels ursprünglich zu einem anderen Kirchspiel gehörten, möglicherweise zu Visselhövede.7 Vor dem Bau der namensgebenden neuen Kirche soll in Delmsen eine Kapelle gestanden haben.8 Schriftlich lässt sich das Kirchspiel Neuenkirchen erstmals 1288 in einem Tafelgutverzeichnis des Bf. von Verden als parrochia in Nienkerken belegen.9 In einer der späteren Verdener Bischofschroniken wird angegeben, erst Bf. Daniel (amt. 1342–1364) habe die Neuenkirchener Kirche gegründet.10 Das älteste erhaltene Ausstattungsstück der Kirche, der Bronzene Taufkessel, stammt aus der Zeit um 1390; der in der Inschrift genannte Stifter Ludeke Miles lässt sich als Angehöriger einer Lüneburger Patrizierfamilie in mehreren Urkunden belegen.11 Auf einer Urkunde aus dem Jahr 1407, ausgestellt von einigen „Vryen in deme kerkspele to Nyenkerken“, findet sich der früheste Abdruck des Pfarrsiegels; es trägt die Umschrift S[igillum] ecclesiae in Nyenkerken und zeigt das Bild des heiligen Bartholomäus.12 Namen vorref. Geistlicher des Kirchspiels sind nicht überliefert.
Die Reformation setzte sich im Hochstift Verden erst spät und nur allmählich durch.13 Der Verdener (und Bremer) Bf. Christoph von Braunschweig-Lüneburg (amt. 1502–1558) bekämpfte die luth. Lehre.14 Sein Bruder und Nachfolger in beiden Bistümern, Bf. Georg (amt. 1558–1566), duldete den neuen Glauben, hatte einen ev. Kanzler, berief vermutlich auch einen ev. Hofprediger und bestimmte im Jahr 1564 zusammen mit dem Verdener Domkapitel den Protestanten Eberhard von Holle zu seinem Nachfolger. Seinerzeit gehörten das Abendmahl in beiderlei Gestalt und die Priesterehe „im Stifte Verden schon zu rechtem Gebrauche“, wie das Domkapitel formulierte; gleichzeitig verlangte es von Holle jedoch eine päpstliche Bestätigung.15 In Zusammenarbeit mit dem Domkapitel förderte und festigte Bf. Eberhard von Holle (amt. 1566/67–1586) die luth. Lehre. Vermutlich kurz nach der Visitation von 1570 erhielt das Hochstift Verden eine ev. Kirchenordnung (nicht erhalten).16 Die erste gedruckte Kirchenordnung erließ schließlich Bf. Philipp Sigismund (amt. 1586–1623) im Jahr 1606.17 Als erster luth. Prediger der Gemeinde Neuenkirchen gilt P. Johann Jentis (amt. 1567–1593), dessen Grabstein sich noch heute in der Kirche befindet.
Während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) regierte mit Bf. Franz Wilhelm von Wartenberg (amt. 1630–1631) kurzzeitig wieder ein kath. Landesherr im Hochstift Verden und der luth. P. Andreas Bergstedt (amt. 1621/25–1661, anfangs P. adj.) musste seine Pfarrstelle verlassen. In dieser Zeit war der Jesuitenpater Johannes Arnoldi zuständig für die Kirchspiele Schneverdingen, Neuenkirchen und Visselhövede.18 Im August 1630 notierten die Neuenkirchener Juraten Meinke Baden und Hans Hopes: „de katholische Pater is hier ankommen uns arme Lüde eene ander Lehre intobilden; Unse Köster Andres Bergstedt will em in siner Misse nicht deenen und veel lewer sinen Deenst verlaten“.19 Nachdem schwedische Truppen 1631 das Hochstift Verden eingenommen hatten, ermordeten Visselhöveder Bauern Pater Arnoldi.20 P. Bergstedt kehrte nach Neuenkirchen zurück und wurde 1636 formell auf die Pfarre berufen. 1642 brannte das Pfarrhaus ab, angesteckt wohl von kaiserlichen Truppen. Nach P. Bergstedt übernahm sein Sohn P. Peter Bergstedt (amt. 1662–1703) das Pfarramt; er legte 1680 das erste Kirchenbuch der Gemeinde an. Seit 1698 unterstützte ihn sein Sohn und Nachfolger P. Andreas Friedrich Bergstedt (amt. 1703–1728) als P. adj.; das Pfarramt Neuenkirchen lag als mehr als ein Jahrhundert in der Hand der Familie Bergstedt.
Im 18. Jh. wurde die mittelalterliche Kirche zu klein für die wachsende Bevölkerung des Kirchspiels. Ein Teil der Gemeinde musste während der Gottesdienste, die nach Auskunft des Küsters Augustin Blasius Fine bei P. Hinrich Welle (amt. 1729–1787) vier bis fünf Stunden dauern konnten, draußen stehen.21 Um die Zahl der Plätze zu vergrößern erhielt die Kirche 1739 eine Empore (1789 vergrößert). P. Welle war auch publizistisch tätig und veröffentlichte eine Predigt sowie kleinere theologische Schriften.22 Seine Nachfolger P. Johann Friedrich Hönert (amt. 1787–1820) und P. Ernst Gerhard Goebel (amt. 1821–1851) waren theologisch beide vom Rationalismus geprägt.23
Im Sommer 1817 brannte das 1643 errichtete Pfarrhaus ab; dabei ging auch das älteste Kirchenbuch der Gemeinde verloren (1680–1729). Überdies barst beim Brandläuten die große Glocke.24 Das neue Pfarrhaus brannte 1863 ab. In der ersten Hälfte des 19. Jh. begannen auch die Diskussionen um eine Erweiterung oder einen Neubau der Kirche.25 P. Christian Heinrich Beenß (amt. 1858–1874) favorisierte jedoch den Neubau einer Orgel und angesichts der zu erwartenden Kosten lehnte auch ein großer Teil des Kirchspiels einen Kirchenneubau ab. Nicht zuletzt aufgrund der Schulden, die nach dem Bau des neuen Pfarrhauses abzuzahlen waren, entschieden sich KV und Deputierte des Kirchspiels 1864, das Kirchenbauprojekt zu verschieben.26 1877 sprach sich der fünfköpfige KV schließlich für den Kirchenneubau aus, wobei P. Ernst Christoph Arfken (amt. 1874–1892) die entscheidende Stimme abgab. Die Abbruch- und Neubauarbeiten begannen 1879. Während der Bauzeit versammelte sich die Gemeinde zum Gottesdienst in einer Scheune neben dem Kirchplatz. Am 25. Sonntag nach Trinitatis 1880 konnte die Gemeinde das neugotische Gotteshaus einweihen.27
P. Wilhelm Wittkopf (amt. 1893–1909) war der erste Chronist der Gemeinde, er veröffentlichte 1897 die „Geschichte des Kirchspiels Neuenkirchen im Kreise Soltau“. In seine Amtszeit fielen die Gründung des Posaunenchors (1897) und die Anstellung der ersten Gemeindeschwester (Nanny Thimme).28 Die Trägerschaft der Schwesternstation lag seit 1930 beim Vaterländischen Frauenverein, ab 1938 bei der NSV und seit 1945 bei der KG Neuenkirchen.29 Während der NS-Zeit hatte P. Gerhard Hüsing (amt. 1931–1949) das Pfarramt inne. Bei den Kirchenwahlen 1933 „wurde der alte, sehr verständnisvolle Kirchenvorstand durch eine tumultarische Wahl beseitigt“, wie er 1942 formulierte.30 Insgesamt charakterisierte Ernst Lienhop, LSup. des Sprengels Verden Hoya (amt. 1936–1953), Neuenkirchen jedoch zusammen Schneverdingen, Wolterdingen und Scheeßel als „auch heute noch kirchliche Perlen der Lüneburger Heide“.31
Mit dem Zuzug Geflüchteter in der Nachkriegszeit wuchs auch die kath. Bevölkerung im Kirchspiel (1952: etwa 160, 1965 gut 60). 1946 hielt ein Priester aus Soltau einmal im Monat einen kath. Gottesdienst in der Neuenkirchener Kirche. In den 1960er Jahren nutzte die kath. Gemeinde den Saal im alten Küsterhaus (1964 verkauft).32 Im Rahmen der Partnerschaft zwischen den ev. Landeskirchen Sachsens und Hannovers baute die Gemeinde Neuenkirchen seit den 1950er Jahren Kontakte zur Kirchgemeinde Wilthen bei Bautzen auf.33 Nach der Visitation 1976 beschrieb der Sup. des KK Rotenburg Neuenkirchen als „noch immer unverkennbar geprägt durch die ‚Hermannsburger-Tradition‘“ und ergänzte: „Zugleich ist die Gemeinde erfreulich ‚offen‘.“34
Seit der 100-Jahrfeier des Kirchengebäudes trägt das Neuenkirchener Gotteshaus wieder den Namen „St.-Bartholomäus-Kirche“.35 Im gleichen Jahr ging die Schwesternstation der Gemeinde in der neuen Sozialstation Soltau auf.36 1984 beantragte der KV der Bartholomäusgemeinde die Errichtung einer zweiten Pfarrstelle; Neuenkirchen sei eine „wachsende Gemeinde“ und gerade im Bereich der Jugendarbeit herrsche im Moment ein „Notstand“.37 1986 wurde die Stelle eingerichtet. Seit den 2000er Jahren unterstützt die „Bartholomäus-Stiftung Neuenkirchen“ das kirchliche Leben in der Gemeinde.

Pfarrstellen

I: vorref. – II: 1986, 2003 in halbe Stelle umgewandelt.38

Umfang

Neuenkirchen sowie Behningen, Brochdorf, Bruch Delmsen, Frielingen, Gilmerdingen, Grauen, Hartböhn, Hertel, Ilhorn, Jerusalem, Kempen, Leverdingen, Nersum, Molkenreith, Rutenmühlen, Schwalingen, Tewel und Tewel-Moor.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Scheeßel der Diözese Verden.39 – 1567 Spezial-Superintendentur für das Amt Rotenburg (wechselnde Suptur.-Sitze). Seit 1659 Propstei Rotenburg innerhalb der Insp. für die Ämter Verden und Rotenburg, 1676/81 Propstei aufgehoben; Neuenkirchen kam zur Propstei bzw. Insp. Verden. 1827 zur neuen Insp. Rotenburg (1924: KK).

Patronat

Der Bf. von Verden bzw. der Landesherr. In der zweiten Hälfte des 17. Jh. Gf. von Königsmarck, dann wieder der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau

Neugotischer, rechteckiger Backsteinbau mit eingezogenem, fünfseitigen Chor, erbaut 1879–80 (Entwurf: August Schwägermann, Stade). Satteldach, Chordach nach Osten abgewalmt. Backsteinfries entlang der Trauflinie, Strebepfeiler an Schiff und Chor; am fünfachsigen Schiff zweigeschossige Fenstergliederung: oben jeweils breites, dreibahniges Spitzbogenfenster mit schlichtem Backsteinmaßwerk, darunter je zwei kleine Spitzbogenfenster; am Chor zweibahnige Spitzbogenfenster mit schlichtem Backsteinmaßwerk; nach Süden in der Mittelachse des Schiffs Vorbau mit flachbogigem Eingangsportal, darüber Inschriftenmedaillon: „Herr ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort da deine Ehre wohnet. Ps. 26“. Im Innern Rippengewölbe im Chor, flache Balkendecke im Schiff; Spitzbogen zwischen Chor und Schiff; u-förmige Emporenanlage auf hölzernen Stützen. Vor 1900 Neuausmalung (Sternenhimmel im Chorgewölbe durch Figuren der vier Evangelisten ersetzt).40 1926 Orgelempore erweitert. 1939 Renovierung und Neugestaltung Chor (Evangelistenfiguren übermalt, Altar umgestaltet). 1945 Reparatur Kriegsschäden (Dach, Fenster). 1950–52 schrittweise Instandsetzung. 1967 Altarraum renoviert. 1980 Renovierung.

Turm

Backsteinerner Westturm mit flankierenden Treppentürmchen. Vier kleine Dreiecksgiebel, darüber verkupferter Turmhelm mit vierseitigem Ansatz und achteckig ausgezogener Spitze, bekrönt mit Kugel und Wetterfahne. Im Glockengeschoss an jeder Seite zwei hohe, spitzbogige Schallfenster, darüber jeweils rundes Uhrziffernblatt; spitzbogiges Westportal. 1879/80 Turmuhr (Firma Weule, Bockenem), Ziffernblätter ursprünglich unterhalb der Schallfenster. 1963 neue Kirchturmuhr, neue Ziffernblätter.

Vorgängerbau

Rechteckbau mit eingezogenem Chor und Brauthaus an Nordseite.41 Feld- und Backsteinmauerwerk, spitzbogige Fenster. Im Innern gewölbter Chor, Schiff teilweise gewölbt, teilweise mit flacher Decke; Rundbogen zwischen Chor und Schiff; Emporen an West- und Nordseite. Freistehender Fachwerkglockenturm neben der Kirche, erneuert 1694. Kirche wohl in drei Bauphasen entstanden: Ursprünglicher Bau zunächst um östlichen Chor erweitert und wohl 1589 Schiff nach Westen verlängert (Datierung nach überlieferten Fensterinschriften).42 Vor 1739 Empore eingebaut. 1789 Empore an Nordseite verlängert.

Ausstattung

Blockaltar aus gemauertem Stipes und Mensa aus Sandstein (1967); Altarretabel mit geschnitzter, farbig gefasster Kreuzigungsgruppe (um 1490, seit 1939 Teil des Altars), in den Eckfeldern des Kreuzes Evangelistensymbole, leicht überlebensgroßer Korpus, links Maria, rechts Johannes. – Bronzenes Taufbecken (um 1390), moderner Steinsockel, darauf drei Figuren, die den konischen Kessel tragen, am Kessel spiegelverkehrte Inschrift: „Orate pro ludeke mils unde sin vrowe“ (Betet für Ludeke Miles und seine Frau).43 – Hohe Holzkanzel mit Schalldeckel (1879/80). – Lesepult (Bronze, 1967, Meister Bolze, Bremen). – Neugotisches Kruzifix und drei Schnitzfiguren (Abel, Aaron, Melchisedek), Teile des Altars von 1879/80. – Grabstein für P. Johannes Jentis († 1593) mit Relief des Verstorbenen, Inschriften: „Anno 1593 den 26 April starb der erwürdiger Herr Johan Jentis Pastor disser Kerken dem Godt gnade“ sowie „Christus is min Levent. Starven is min Gevin“. – Modernes, farbiges Bleiglasbild, an der östlichen Stirnwand des Schiffs rechts des Altarraums. – Mehrere Pastorenporträts (Gemälde, Fotografien). – Außen: Mehrere Grabsteine des 19. Jh. – Ehemalige Ausstattung: Altarretabel (1879/80), Kruzifix sowie vier Schnitzfiguren: Melchisedek, Aaron, Isaak und Abel, von P. Wittkopf als „nur Handwerksarbeit“ beschrieben, die „steife unnatürliche Christus-Figur“ müsse beseitigt und durch ein Ölbild ersetzt werden.44 Altar umgestaltet: Im Mittelfeld Gemälde Segnender Christus, links und rechts jeweils übereinander die vier Schnitzfiguren; Retabel 1939 entfernt.45

Orgel

Orgelneubau 1879/80, Johann Hinrich Röver (Stade), 18 II/P., mechanische Traktur. Hängelade; im Ersten Weltkrieg ein Teil der Pfeifen zu Rüstungszwecken abgegeben, Zustand 1944: 16 II/P.46 1958 Orgelneubau, ausgeführt von Firma Emil Hammer (Hannover), 21 II/P, mechanischen Traktur, Schleifladen (Opus 1429), Pfeifenmaterial des Vorgängerinstruments verwendet.47 1968 Orgelreparatur, Klaus Becker (Kupfermühle). 1976 Instandsetzung und Umintonation, Firma Alfred Führer (Wilhelmshaven).

Geläut

Drei LG, I: es’, Inschrift: „Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name“; II: as’, Inschrift: „Dein Reich komme“; III: b’, Inschrift: „Dein Wille geschehe“ (alle Bronze, Gj. 1971, Glockengießerei Heidelberg). – Früherer Bestand: Eine LG (Bronze, Gj. 1630, Klaus Jürgens), Inschriften: „An Gottes Segen ist alles gelegen. Dorchs Feuer floss ich Claws Jürgens goss mich anno 1630 B. S. K.“ und „Durch Beförderung H. Christopher Borgstede Foget, Hans vorm Hold, Hans Bargmann, Meincke Baden Juraten. Andreas“48. Sommer 1817 große Glocke beim Brandläuten geborsten, umgegossen zu einer neuen LG (Bronze, Gj. 1819, Anton Keller, Tostedt).49 Für die neuerbaute Kirche drei neue LG angeschafft, I: dʼ; II: fisʼ; III: aʼ (alle Bronze, Gj. 1880, F. Otto, Hemelingen), I und II im Ersten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben (1917); III wohl bei Anschaffung des neuen Geläuts verkauft, Verbleib unbekannt.50 Drei neue LG, I: es’; II: g’; III: b’ (Eisenhartguss, Gj. 1921, Ulrich & Weule, Apolda-Bockenem), II und III 1970 wegen Rostschäden stillgelegt; 1972 abgenommen und ersetzt, zwei der alten Glocken vor der Kirche aufgestellt.

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (Bj. 1863). – Gemeindehaus (Bj. 1964, erweitert 1977/78).

Friedhof

Alter kirchlicher Friedhof rund um die Kirche, letzte Beerdigung 1868. Neuer kirchlicher Friedhof am südöstlichen Ortsrand, erste Beerdigung 1860; FKap (Bj. 1965) mit Dachreiter und einer Glocke gis’’ (Bronze, Gj. 1965, Firma Rincker, Sinn); Orgelpositiv, erbaut von Klaus Becker, Kupfermühle, 4 I/–, mechanische Traktur, Schleiflade, 1981 Dispositionsänderung ausgeführt von Firma Alfred Führer (Wilhelmshaven). Kommunale Friedhöfe in Grauen, Tewel und Schwalingen.

Liste der Pastoren (bis 1940)

1567–1593 Johann Jentis. – 1593–1625 Heinrich Weingärtner. – 1625–1661 Andreas Bergstädt. – 1662–1702 Petrus Bergstädt. – 1703–1728 Andreas Friedrich Bergstädt. – 1729–1787 Heinrich Welle. – 1787–1820 Johann Friedrich Christian Hönert. – 1821–1851 Ernst Gerhard Goebel. – 1852–1857 Heinrich Arminius Theodor Borstelmann. – 1858–1874 Christian Heinrich Beenß. – 1874–1892 Ernst Christoph Arfken. – 1892–1909 Wilhelm August Theodor Wittkopf. – 1910–1928 Friedrich Wilhelm Böster. – 1928–1931 Georg Wilhelm Emil Winkelmann. – 1931–1949 Gerhard Friedrich Julius Hüsing.
Angaben nach: Meyer, Pastoren II, S. 184

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 6 5949–5953 (Pfarrbestallungsakten); A 8 Nr. 305 (CB); A 12g, Nr. 9 (GSuptur. Stade); B 18, Nr. 76 (Orgelsachverständiger); D 61 (EphA Rotenburg); E 5 Nr. 775 (Konsistorialbaumeister); E 9 Nr. 1613–1639 (Amt für Bau- und Kunstpflege); Kons. Stade A 2 Nr. 1057–1071, A 6 Nr. 5950–5952, A 8 NkR, A 9 Nr. 2563–2565, 2705 (Akten des Konsistoriums in Stade); L 5g Nr. 240–241, 876 (LSuptur. Stade); S 09 rep Nr. 1772 (Presseausschnittsammlung); S 11a Nr. 7306 (Findbuch PfA).

Literatur & Links

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 972; Deckert u. a., KD Kr. Soltau, S. 37–42; Hahn, Heidekirchen, S. 114–115; Meyer, Pastoren II, S. 184–185; Pantel, Denkmaltopographie Lkr. Soltau-Fallingbostel, S. 240–242; Pratje, Bremen und Verden VII, S. 107–113.
B: 100 Jahre St.-Bartholomäus-Kirche Neuenkirchen. 1880–1980, hrsg. von der ev.-luth St.-Bartholomäus-Kirchengemeinde, Soltau 1980; Neuenkirchen 1283–1983. Beiträge zur älteren Geschichte eines Kirchspiels im ehemaligen Stift und Herzogtum Verden, hrsg. von der Gemeinde Neuenkirchen, Neuenkirchen 1983; Horst Mikasch: Die Kirchenbücher des Kirchspiels Neuenkirchen (Kr. Soltau) von 1790–1812, [um 1982]; Horst Mikasch: Neuenkirchen von der Vorzeit bis zur Gegenwart. Eine Einordnung in die Landesgeschichte, Schneverdingen 1983; Horst Mikasch: Kulturgeschichtliches, Siedlungskundliches, Höfegeschichte, Kirchengeschichte, Schulgeschichte (= Beiträge zur Geschichte von Neuenkirchen im Sticht 8), Neuenkirchen 2009, bes. S. 115–134; Wilhelm Wittkopf: Geschichte des Kirchspiels Neuenkirchen im Kreise Soltau, Neuenkirchen 1897.
Internet: Bildindex der Kunst & Architektur: Kirche, Kreuzigungsgruppe, Kreuzigungsgruppe, Taufe, Grabstein Johann Jentis.

GND

2109685-5, Evangelisch-Lutherische Sankt-Bartholomäus-Kirchengemeinde (Neuenkirchen (Heidekreis)); 1213757088, Sankt-Bartholomäus-Kirche (Neuenkirchen (Heidekreis))


Fußnoten

  1. Ältestes Indiz für das Patrozinium ist das Kirchensiegel von 1407, dass St. Bartholomäus zeigt, vgl. Wittkopf, S. 8 (Abb.) und S. 152 (Identifizierung). Neben St. Bartholomäus scheint zeitweise auch St. Anna eine Rolle gespielt zu haben: An der alten Kirche befand sich außen ein Stein, „in den das Bild einer heiligen eingehauen war, welches die Unterschrift hatte: St. Anna“, Wittkopf, S. 8. Vgl. insgesamt: 100 Jahre, S. 35 ff.; Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien I, S. 263.
  2. UB Verden I, Nr. 657 (zur Datierung vgl ebd., Anm. 1: „1283 kann nicht stimmen“, siehe auch Mischka, Kulturgeschichtliches, S. 121; Heyken. in: Neuenkirchen, S. 25 f.).
  3. Ausführlich: Brosius, in: Neuenkirchen, S. 68 ff.
  4. Pantel, Denkmaltopographie Lkr. Soltau-Fallingbostel, S. 240; Wittkopf, S. 5 ff.
  5. Bohmbach, in: Neuenkirchen, S. 172 ff. Ein erster Vogt lässt sich bereits 1640 nachweisen.
  6. LkAH, L 5g, Nr. 240 (Visitation 1952).
  7. Mischka, Kulturgeschichtliches, S. 116.
  8. Wittkopf, S. 4, überliefert eine Sage zum Bau der ersten Kirche in Neuenkirchen.
  9. UB Verden I, Nr. 657.
  10. Mischka, Neuenkirchen, S. [10].
  11. Wittkopf, S. 11.
  12. Lüneburger UB XV, Walsrode, Nr. 237. Siegelabbildung bei Wittkopf, S. 8; Pantel, Denkmaltopographie Lkr. Soltau-Fallingbostel, S. 241.
  13. Vgl. zum Folgenden: Jarecki, Reformation, S. 81 ff., sowie die Beiträge von Hans Otte, Matthias Nistal und Thomas Vogtherr in Dannenberg/Otte, Reformation.
  14. Zu Bf. Christoph vgl. den Beitrag von Matthias Nistal in Dannenberg/Otte, Reformation, S. 39 ff.
  15. Zit. bei Jarecki, Reformation, S. 94. Zu Holle vgl. den Beitrag von Thomas Vogtherr in Dannenberg/Otte, Reformation, S. 53 ff. Die päpstliche Bestätigung konnte Holle nicht beibringen.
  16. Bei der Visitation wurden nicht die einzelnen Gemeinden besucht; vielmehr fand für das jeweilige Amt eine Predigerversammlung in Rotenburg (Wümme) und eine in Verden statt, vgl. Jarecki, Reformation, S. 99 f.
  17. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 7,1, S. 145 ff: „Kirchenordnung, wie es mit christlicher lehr und ceremonien, verreichung der h[eiligen], hoch[wirdigen] sacramenten und andern kirchensachen im stift Verden hinfort durch Gottes gnad und beystand ordentlich gehalten werden soll“.
  18. Vgl. dazu Metzler S. J., Arnoldi, bes. S. 144 ff.
  19. Zit. bei Wittkopf, S. 20. Küster und Pastor trugen beide den Namen Andreas Bergstedt.
  20. Metzler S. J., Arnoldi, S. 168 ff.
  21. Wittkopf, S. 37.
  22. Pratje, Bremen und Verden VII, S. 113.
  23. Wittkopf, S. 37 und S. 71.
  24. Wittkopf, S. 69.
  25. Zum Neubau: 100 Jahre, S. 10 ff.
  26. Wittkopf, S. 77.
  27. 100 Jahre, S. 30 ff.
  28. 100 Jahre, S. 74 ff.
  29. 100 Jahre, S. 68; LkAH, L 5g, Nr. 240 (Visitationen 1940 und 1947).
  30. LkAH, L 5g, Nr. 240 (Visitation 1940, Schreiben von P. Hüsing an den Sup. des KK Rotenburg, 29.04.1942).
  31. LkAH, L 5g, Nr. 284 (Visitation 1941).
  32. LkAH, L 5g, Nr. 240 (Visitationen 1947 und 1952) und ebd., Nr. 241 (Visitation 1965).
  33. 100 Jahre, S. 80 f. Allgemein: Cordes, Gemeindepartnerschaften, S. 38 ff.
  34. LkAH, L 5g, Nr. 241 (Visitation 1976).
  35. 100 Jahre, S. 38.
  36. 100 Jahre, S. 70.
  37. LkAH, L 5g, Nr. 876 (Schreiben des KV Neuenkirchen an das LKA Hannover, 18.07.1984 und 07.03.1986).
  38. KABl. 1986, S. 154; KABl. 2003, S. 16.
  39. Burchhardt u. a., Bistum Verden, S. 34.
  40. Abb. Zustand 1905: 100 Jahre, S. 39.
  41. Grundriss von 1788: NLA ST Rep. 40 Nr. 990, Bl. 26, 15.12.2020; abgebildet bei Mischka, Kulturgeschichtliches, S. 119. Beschreibung und Hinweise zur Ausstattung: ebd. und Deckert u. a., KD Kr. Soltau, S. 37 ff.
  42. Mischka, Kulturgeschichtliches, S. 118 f.
  43. Deckert u. a., KD Kr. Soltau, S. 39 mit Tafel 23a.
  44. Wittkopf, S. 79; 100 Jahre, S. 30.
  45. Abb.: 100 Jahre, S. 39.
  46. LKA, G 9 B/Neuenkirchen Bd. I, Bl. 1
  47. Pape/Schloetmann, Hammer, S. 165; 100 Jahre, S. 59 f. Siehe auch https://www.orgel-information.de/Orgeln/n/na-ne/Neuenkirchen_Bartholomaeus.html, 02.12.2020.
  48. Deckert u. a., KD Kr. Soltau, S. 39.
  49. Wittkopf, S. 69.
  50. Reinhold, Kirchenglocken, S. 470; 100 Jahre, S. 40.