(Drispenstedt)
Frühere Gemeinde | Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Hildesheim-Sarstedt | Patrozinium: Thomas | KO: Calenberger KO von 1569

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Orts- und Kirchengeschichte

In der Zeugenliste einer Urkunde des Hildesheimer Bf. Bernhard von 1151 findet sich der Name Hildebrandus de Drisminstede.1 Drispenstedt selbst erscheint schriftlich erstmals als Drismenstede in einer Urkunde des Jahres 1193, in der Papst Coelestin III. die Besitztümer des Michaelisklosters in Hildesheim bestätigte.2 Das Dorf gehörte zum Amt Steuerwald des Hochstifts Hildesheim (1523: Kleines Stift) und war zusammen mit dem benachbarten Bavenstedt nach Hildesheim, St. Andreas eingepfarrt. Daher wechselten beide Dörfer zusammen mit der Stadt Hildesheim 1542 zum luth. Bekenntnis. Von 1556 bis 1564 war das Amt Steuerwald an den prot. Hzg. Adolf von Schleswig verpfändet. Nachdem Bf. Burchard von Hildesheim das Amt wieder eingelöst hatte, war er bemüht, die beiden Dörfer zu rekatholisieren, scheiterte jedoch zunächst am Widerstand der Stadt Hildesheim. Erfolgreicher war sein Nachfolger Bf. Ernst, der im Februar 1609 den Domvikar Heinrich Lübbecke als neuen Geistlichen in Drispenstedt einführen ließ und sich einige Wochen später der Unterstützung Ks. Rudolfs II. versicherte.3 Der luth. Glaube verschwand wieder weitgehend aus Drispenstedt und das Dorf blieb bis in die zweite Hälfte des 20. Jh. hinein überwiegend kath. 1938 wurde Drispenstedt nach Hildesheim eingemeindet und seit Anfang der 1960er Jahre entstand Neu-Drispenstedt, eine Trabantenstadt, für die eine Bevölkerung von 12.000 bis 15.000 Menschen geplant war. Überwiegend Arbeiter und Angestellte zogen in den neuen Stadtteil, auch der Anteil türkischer Gastarbeiter war in den 1980er Jahren hoch. Die Bevölkerung fluktuierte stark und der Visitationsbericht von 1986 stellt zusammenfassend fest: „Wer wirtschaftlich vorankommt und floriert, sieht zu, daß er den Ortsteil Drispenstedt verläßt.“4 Mit der wachsenden Bevölkerung stieg auch die Zahl der ev. Christen; sie lag 1968 bei 6.000 und ein Anwachsen auf bis zu 9.000 wurde erwartet.5

Kirche, Blick zu Altar und Orgel, nach 1964 (1964 Orgelneubau)

Kirche, Blick zu Altar und Orgel, nach 1964

Die Lutheraner in Drispenstedt waren zunächst in den Nordbezirk der Andreasgemeinde eingepfarrt und kamen 1951 zur neugegründeten Martin-Luther-Gemeinde.
Zum 1. Juli 1962 konstituierte sich die eigenständige St.-Thomas-Gemeinde und übernahm die 1960 eingerichtete vierte Pfarrstelle der Martin-Luther-Gemeinde.6 Die Grundsteinlegung des Pfarr- und Gemeindehauses hatte sie bereits ein Jahr zuvor feiern können, einen provisorischen Holzturm mit zwei Glocken hatte sie im Juni 1962 eingeweiht. Der eigentlich geplante Bau einer großen Kirche mit Turm kam nicht zustande. 1972 folgte als weiteres Provisorium ein eiserner Glockenträger für die dritte Glocke, bevor die Gemeinde 1978 den freistehenden pyramidenförmigen Turm neben dem Gemeindehaus errichten ließ. Bereits bei der ersten Visitation der KG 1968 sah der Sup. die Notwendigkeit einer zweiten Pfarrstelle, deren Einrichtung er zum 1. Januar 1970 anstrebte.7 Nominell erhielt Drispenstedt diese zweite Stelle 1976, allerdings blieb sie bis zu ihrer Aufhebung 2007 unbesetzt.8 Die Gründe lagen nicht zuletzt darin, dass sich die Pläne, Drispenstedt und Bavenstedt zu einer Gemeinde zusammenzulegen als unrealistisch erwiesen: Es bestünden kaum Kontakte zwischen den Einwohnern der beiden Orte und zudem bilde die „Autobahn Hannover–Göttingen eine natürliche Grenze“.9
Seit 1972 unterhält die Gemeinde einen ev. Kindergarten. Ab Juni 2007 besaßen die St.-Thomas- und die Martin-Luther-Gemeinde ein gemeinsames Pfarramt mit zwei Pfarrstellen, zum 1. Januar 2011 fusionierten beide Gemeinden zur „Ev.-luth. Martin-Luther-Kirchengemeinde Nordstadt-Drispenstedt in Hildesheim“10.

Pfarrstellen

I: 1962. – II: 1976-2007 (nie besetzt).

Umfang

Hildesheimer Ortsteil Drispenstedt.

Aufsichtsbezirk

Mit Gründung zum KK Hildesheim, seit 1. Januar 1999 KK Hildesheim-Sarstedt.11

Kirchenbau

Gemeindehaus mit Pfarrwohnung, erbaut 1961-62, Architekt August Steinborn. Zweigeschossiger Hauptbau (unten Gemeindesaal, oben Pfarrwohnung), eingeschossiger Nebentrakt (ursprünglich Büro, Jugendräume), verklinkert, Satteldach. Gemeindesaal mit flacher Holzdecke.

Turm

Freistehender Kirchturm in Form einer Spitzpyramide mit bekrönendem Kreuz, Erdgeschoss offen, erbaut 1978. Vorher freistehender Holzglockenträger mit zwei Glocken (1962) und freistehender Eisenglockenträger mit einer Glocke (1972).

Ausstattung

Schlichter Altartisch (Holz, Stahl). – Altarbildteppich mit Darstellung des ungläubigen Thomas (1962/63, Helge Michael Breig, Hannover). – Altarkreuz und -leuchter (Helge Michael Breig, Hannover).

Orgel

1962 Neubau eines Positives durch Manfred Gaulke (Göttingen), 4 I, mechanische Traktur, Schleifladen (Meisterstück); zu klein für die Kirche, daher 1964 umgesetzt in die kath. Kapelle St. Maria Magdalena in Steuerwald. 1964 neue Orgel, erbaut von Ludwig Hoffmann (Betheln), 7 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. Aufgestellt rechts des Altars.

Geläut

Vier LG, I: a’, Dominika, Inschrift: „Christus spricht: Ich bin das Licht der Welt“ (Bronze, Gj. 1979, Heidelberger Glockengießerei); II: cis’’, Betglocke, Inschrift: „Christus spricht: Ich bin die Auferstehung und das Leben“ (Bronze, Gj. 1972, Heidelberger Glockengießerei); III: e’’, Trauglocke, Inschrift: „Ich aber und mein Haus wollen dem Herrn dienen“ (Bronze, Gj. 1962, Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg); IV: fis’’, Taufglocke, Inschrift: „Christus spricht: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“ (Bronze, Gj. 1962, Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg).

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (Bj. 1972/73, eingeschossiger Bau mit Flachdach, verklinkert). – Kindergarten (Bj. 1972, eingeschossiger Bau mit Flachdach, verputzt).

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

PfA Hildesheim/St. Thomas; S 11a Nr. 8198 (Findbuch PfA).

Literatur

A: Pape, Organographia Historica Hildesiensis, S. 379-382.
B: Festschrift zum 25-jährigen Bestehen der Ev.-luth. St. Thomas-Kirchengemeinde in Hi.-Drispenstedt, hrsg. vom Kirchenvorstand der St. Thomas-Kirchengemeinde, Hildesheim 1987; Angelika Kroker: Drispenstedt. Ein Dorf im Sog der Stadt Hildesheim, Hildesheim 1990.

GND

16099130-4, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Sankt Thomas (Drispenstedt).


Fußnoten

  1. UB HS Hildesheim I, Nr. 276.
  2. UB HS Hildesheim I, Nr. 492.
  3. Bertram, Bistum Hildesheim II, S. 261 und 408 ff.
  4. LkAH, L 5h, unverz., Hildesheim, St. Thomas, Visitation 1986.
  5. LkAH, L 5h, unverz., Hildesheim, St. Thomas, Visitation 1968.
  6. KABl. 1962, S. 76.
  7. LkAH, L 5h, unverz., Hildesheim, St. Thomas, Visitation 1968.
  8. KABl. 1976, S. 56; KABl. 2007, S. 163.
  9. LkAH, L 5h, unverz., Hildesheim, St. Thomas, Visitation 1980.
  10. KABl. 2007, S. 163; KABl. 2010, S. 187 f.
  11. KABl. 1998, S. 211 f.