Frühere Gemeinde | Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Göttingen-Münden, Amtsbereich Göttingen | Patrozinium: Maria1 | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte

Vor 1293 legte der Göttinger Stadtherr, Hzg. Albrecht II. († 1318) westlich des Leinekanals die Neustadt Göttingen an.2 Die neue Ortschaft bestand aus „einem beidseitig bebauten Straßenzug von nur etwa 80 m Länge“ und knüpfte anscheinend an ältere Ansiedlungen an. Im Jahr 1319 kaufte der Göttinger Rat die nyen stad tzo Gotingen; er bezahlte insgesamt 300 Mark.3
Am Südende der Neustadt war St. Marien im letzten Jahrzehnt des 13. Jh. als Pfarrkirche für die neue Siedlung errichtet worden. Da das Patronatsrecht bei den welfischen Stadtherren lag, ist wohl Hzg. Albrecht II. als Stifter anzusehen. Der Göttinger Chronist Franciscus Lubecus (1533–1595) schrieb in der zweiten Hälfte des 16. Jh.: „Im 1290. jare hebben die Niensteder fur Gottingen erstlich ohre kerchen zu bawen angfangen, auch indulgentias und ablaß erworben vom biscof zu Lunden, der eben zu der zeit zu Brunswig gelegen, dis jars an s. Margretendage“.4 Ein im Dachstuhl der Sakristei zweitverwendeter Balken ließ sich auf 1298/99 dendrodatieren, Lubecus’ Zeitangabe erscheint also schlüssig.5 Lubecus erwähnt zudem einen Ablass aus dem Jahr 1295, in dem die Kirche der Neustadt „das lutke odderkleine Jherusalem fur Gottingen“ genannt werde.6
Schriftlich erwähnt sind Kirche und ein namentlich nicht genannter Geistlicher erstmals 1307: cum plebano sancte Marie nove civitatis extra muros Gotingen (mit dem Pleban von St. Marien in der Neustadt außerhalb der Mauern Göttingens).7 Mit Zustimmung Hzg. Albrechts und des Mainzer Ebf. Peter von Aspelt (amt. 1306–1320) trat die Parochie St. Albani 1307/08 Gebiete westlich von Göttingen an die neue Parochie St. Marien ab.8 Der Pfarrer von St. Albani begründete die Umpfarrung damit, dass er wegen der nächtlichen Schließung der Stadttore und wegen des Flusslaufs der Leine nicht in der Lage sei, seine Pfarrkinder in diesem Gebiet immer, wenn es nötig sei, zu besuchen.9 Der Pfarrer der Marienkirche könne die dort lebenden Menschen besser versorgen. Mit Iohannes sancte Marie in nova civitate […] plebani ist im Mai 1312 erstmals der Name eines Pfarrers überliefert.10 Der plebanus Iohannes ist urkundlich noch bis 1323 belegt.11
Im Februar 1318 schenkten Hzg. Albrecht II. und sein Sohn Hzg. Otto der Milde († 1344) dem Deutschen Orden die Marienkirche in der Göttinger Neustadt zusammen mit zwei Höfen westlich der Kirche.12 Das Pfarramt übernahmen fortan Ordensleute: Zwischen 1333 und 1349 etwa ist frater Johannes de Brunswig urkundlich mehrfach als plebanus an St. Marien belegt.13 Noch in der ersten Hälfte des 14. Jh. ließ der Deutsche Orden die kleine, einschiffige Kirche vergrößern und zu einer dreischiffigen Hallenkirche umbauen; vermutlich ist der Ablassbrief von 1339 in diesem Kontext zu sehen.14 Im Jahr 1356 war Conradus Pfarrer an St. Marien.15 und 1394 ist her Hermann von Gosler als „pernher to unser leiven Vrowen uppe der nienstad to Gottingen“ nachgewiesen.16 In der ersten Hälfte des 15. Jh. war broder Johann Hundisborg Pfarrer (1421, 1430)17 und im Jahr 1440 sind zudem die Namen zweier Laien überliefert: Hans Evernhusen und Hans Heysen waren alderlude (Älteste, Geschworene) an St. Marien. Sie hatten den Turm der Marienkirche, der Eigentum der Stadt war, aufstocken lassen, damit die Glocken besser zu hören waren. Insgesamt war er nun 32 Fuß höher (grob zehn Meter).18 Im Jahr 1469 ist frater Iohannes als plebanus belegt.19 In seine Amtszeit fiel möglicherweise die Umgestaltung des Langhauses zu einer Stufenhalle (Dendrodatierung des Dachstuhls auf 1468/69).
Chronist Lubecus berichtet auch über die letzte große Baumaßnahme in vorref. Zeit: Im Jahr 1510 „hat man angefangen zu bawen an Unser Lieben Frauwenkirchen einen newen chor, dan die kirch anfing, den pfarrleuten zu enge und zu kleine zu werden“; spätestens 1512 waren die Arbeiten abgeschlossen.20 Der neue Chor erhielt um 1524/26 einen Flügelaltar, der sich in Teilen bis heute erhalten hat.21
Zu dieser Zeit, seit der ersten Hälfte der 1520er Jahre, lassen sich Anzeichen der luth. Lehre in Göttingen nachweisen und nach Lubecus waren 1528 erstmals „die bucher des alten testaments, so Doctor Martinus Luther zu vordeutschen angefangen“ in der Stadt erhältlich.22 Im Herbst 1529 kam der luth. Prediger und ehemalige Dominikaner Friedrich Hüventhal aus Rostock nach Göttingen. In der Stadt formierte sich eine luth. Opposition, die in Verhandlungen mit dem Rat einen ersten öffentlichen luth. Gottesdienst durchsetzte, den Hüventhal am 24. Oktober in der Kirche der Dominikaner hielt (Paulinerkirche). Mit dem Wechsel der Konfession gingen in Göttingen auch politische Neuerungen im Verhältnis von Rat, Gilden und Bürgerschaft einher (Rezess vom 18. November).23 Die Einigung zwischen Opposition und Rat bedeutete eine „ruhigere Gangart“ der Reformation: Den Prediger Hüventhal wies der Rat wegen seiner radikalen Tendenzen aus und bat wohl etwa gleichzeitig die Stadt Braunschweig um die Entsendung des Predigers Heinrich Winkel, da dieser „alse wy horen, nicht to uproere und vornichtunge der klostere edder ceremonien, sunder dat gemeyne in syner predigunge myt deme reynen waren godes worde to irlangunge der salicheyd to underwisende geneget syn schall“ (wie wir hören nicht zu Aufruhr und Vernichtung der Klöster oder Zeremonien neige, sondern die Gemeinde in seinen Predigten mit dem reinen, wahren Worte Gottes zur Erlangung der Seligkeit unterweise).24 Anfang Dezember 1529 verbot der Rat Gottesdienste in den Göttinger Pfarrkirchen, solange noch keine luth. Prediger eingesetzt waren; Gottesdienste fanden nun für einige Wochen lediglich in den beiden Kirchen der Dominikaner und der Franziskaner statt. Schon im März 1530 trat die Christlike ordeninge der stadt Gottinge in Kraft. Ende Mai 1531 schloss sich die Stadt dem Schmalkaldischen Bund an. 1533 erreichte Göttingen eine Einigung mit dem weiterhin altgläubigen Landesherrn Hzg. Erich I. († 1540) und im gleichen Jahr verließen die letzten Mönche die Stadt.
1535 richtete Göttingen eine Superintendentur ein und berief Magister Johann Sutel, Pfarrer an St. Nicolai, zum ersten Stadtsuperintendenten. Landesherrliche Visitationen der städtischen Kirchen lehnte der Rat ab. Allerdings musste er 1542 das landesherrliche Patronat über die städtischen Pfarrkirchen anerkennen. 1585 trat die Calenberger KO an die Seite der städtischen Kirchenordnung und ab 1610 war das Amt des Stadtsuperintendenten mit dem des Generalsuperintendenten des Fsm. Göttingen verbunden. Der Rezess von 1665 schränkte die Befugnisse des Rates weiter ein und bedeutete die „Eingliederung des Göttinger Kirchenwesens in die Territorialkirche des Fürstentums Calenberg-Göttingen“.25
Der erste luth. Prediger an St. Marien war P. Johannes Birnstiel (amt. 1531), der auf Empfehlung Martin Luthers nach Göttingen kam. Er war, schrieb Johannes Sutel, ein „alter, frommer, getagter Mann, blieb nicht lange in Göttingen; denn seine Sprache war fränkisch, er sprach bald sehr laut, bald leiser, so daß man ihn überhaupt nicht verstehen konnte“.26 Ihm folgte vielleicht zunächst P. Andreas Lemenhusen (amt. 1531–1532?) und dann P. Nikolaus Hanauer (amt. 1532?–1540), der 1540 an der Pest starb. Der Deutsche Orden, der das Patronat über die Pfarrstelle besaß und für den Unterhalt der Pfarrer aufkommen musste, weigerte sich allerdings, einen luth. Prediger zu bezahlen. Der Rat musste – wie auch in den übrigen städtischen Parochien, in denen Pfarrpfründen und -häuser noch im Besitz der altgläubigen Amtsinhaber bzw. ihrer Stellvertreter waren – zunächst selbst für Unterhalt und Wohnung des neuen Predigers sorgen.27 1543 sprach der Rat den St.-Marien-Pfarrhof der Gemeinde zu, musste ihn 1548 jedoch dem Deutschen Orden zurückgeben; 1558 erwarb der Rat schließlich ein Pfarrhaus für St. Marien. Die Pfarre hatte seinerzeit P. Valentin Heilandt (amt. 1551–1590) inne; während seiner Amtszeit kam es 1552/53 zu einem Pestausbruch und im Kirchspiel St. Marien starben laut Franciscus Lubecus insgesamt 324 Menschen, „jung und alt“.28 P. Heilandt führte ein Tagebuch, das in Auszügen überliefert ist.29 Während der Pest 1597 starben nacheinander P. Johannes Langhagen (amt. 1597) und P. Andreas Grothenius (amt. 1597); letzterer war lediglich 25 Tage im Amt und bestattete in dieser Zeit fast einhundert Menschen.30
Hinsichtlich des Patronats über die Pfarrstelle an St. Marien erreichten Stadt und Deutscher Orden schließlich 1670 eine Einigung: Seither wechselten sie sich bis zur Aufhebung des Ordens 1809 bei der Besetzung der Marienpfarre ab.31 Unter den Göttinger Parochien zählte St. Marien zu den ärmeren, was sich nicht zuletzt in einem recht häufigen Wechsel der Pastoren spiegelt.32 Während des Siebenjährigen Kriegs (1756–1763) war die Pfarrstelle der Marienkirche einige Jahre vakant (1760–1763); für die französischen Truppen fanden hier kath. Gottesdienste statt und zeitweise diente die Kirche als Mehllager.33 Nachdem sich 1770 Risse im Mauerwerk des Chors gezeigt hatten, ließ die Gemeinde 1784 das Chorpolygon abbrechen und stattdessen eine gerade Ostwand errichten. Die Kirche erhielt einen Kanzelaltar, dessen Rückwand aus der Festtagsseite des spätmittelalterlichen Flügelretabels gestaltet war.
Die Pfarrstelle an St. Marien hatten seit dem letzten Viertel des 18. Jh. nacheinander die Brüder P. Ludwig Gerhard Wagemann (amt. 1773–1804) und P. Arnold Wagemann (amt. 1804–1819) inne. Beide waren, wie auch ihr Nachfolger P. Carl Heinrich Miede (amt. 1820–1851) für die städtische Armenverwaltung zuständig. In diesen Kontext gehört auch die „Göttinger Industrieschule“, die P. Ludwig Gerhard Wagemann 1784 an der Küsterschule von St. Marien einrichtete.34 „Industrie“ war hier im aufklärungspädagogisch Sinne von Fleiß und Betriebsamkeit gemeint; es ging u. a. darum, „ständig an der Verbesserung der eigenen Lebensbedingungen, der Werkzeuge, der Ernteerträge zu arbeiten, um Mehrwert zu erwirtschaften […]; die Arbeitszeiten so intensiv wie möglich auszunutzen […]; sich neue Kenntnisse anzueignen […], um nicht nur den eigenen Lebensunterhalt zu verbessern, sondern dem Gemeinwesen insgesamt zu nutzen“.35 Die Schule kombinierte Lehrunterricht (Schreiben, Lesen, Rechnen, Religion) und Arbeitsunterricht (etwa Stricken, Nähen, Spinnen, später u. a. auch Gartenbau, Steinmetzarbeit); für die hier geleistete Arbeit wurden die Kinder entlohnt. Konzipiert war die Einrichtung als Armenschule, seit den 1790er Jahren nahmen auch vermehrt Bürgerkinder am Unterricht teil. Die Schule „erwies sich als Pilotprojekt, das bis zum Ende des 18. Jahrhunderts im Kurfürstentum Hannover die Gründung von 78 weiteren Industrieschulen nach sich zog“.36 P. Arnold Wagemann erweiterte die Einrichtung 1811 um eine „Sonntagsschule für Handwerker“, aus der 1831 die Göttinger Berufsrealschule hervorging. Die Industrieschule bestand bis 1854.
Nach Aufhebung der Deutschordenskommende in Göttingen im Jahr 1809 erwarb die Stadt schließlich 1874 das ehemalige Ordenshaus und war seitdem alleiniger Patron der St.-Marien-KG. Nach Entwürfen des Hannoveraner Konsistorialbaumeisters Conrad Wilhelm Hase ließ die Gemeinde ihre Kirche in den Jahren 1885 bis 1890 neugotisch renovieren und das gut einhundert Jahre zuvor abgebrochene Chorpolygon rekonstruieren (geplant seit 1862). Zu Beginn der Amtszeit von P. Ernst Danckwerts (amt. 1887–1916) lag die Zahl der Gemeindeglieder im Marienkirchspiel bei etwa 4.500. Obwohl sich das Gemeindegebiet aufgrund der Neuziehung der Göttinger Parochialgrenzen 1898 verkleinert hatte, zählte St. Marien bei P. Danckwerts Emeritierung 1916 etwa 9.000 Gemeindeglieder.37 Zusätzlich zur Pfarrstelle hatte die Gemeinde 1904 eine ständige Pfarrkollaboratur erhalten, die als erster P. coll. Hugo Blitz (amt. 1904–1906) übernahm.38 Seit 1910 erschien das „Göttinger Gemeindeblatt“ als gemeinsames Gemeindeblatt der vier Göttinger KG.
Im Jahr 1923 gründeten die Göttinger Kirchengemeinden den „Ev.-luth. Gesamtverband Göttingen“, der u. a. die Kirchensteuern in der Stadt vereinheitlichte und an die Gemeinden verteilte, Angelegenheiten übernahm, die alle Stadtgemeinden betrafen und die einzelnen Gemeinden bei der Finanzierung größerer Vorhaben unterstützte (etwa neue Glocken, Kirchenrenovierungen, Zuschüsse zu Gemeindeschwesternstationen); ein erster Gründungsversuch war 1912 noch gescheitert.39 Mit Unterstützung des Gesamtverbandes erhielt die Marienkirche 1926 eine neue Orgel, deren Disposition maßgeblich P. coll. Dr. Christhard Mahrenholz (amt. 1925–1926) erarbeitet hatte; die „Mahrenholz-Furtwängler-Orgel“ gilt als „epochemachendes Werk der Kirchenmusikgeschichte“, das „den Beginn der Orgelbewegung“ markiert.40 P. coll. Mahrenholz beschrieb 1926 das charakteristische des Instruments: Die Werke – Hauptwerk, Oberwerk, Rückpositiv und in gewissem Sinne auch das Pedal – seien „in sich geschlossene, von einander gänzlich unabhängige, selbständige Tonkörper […] gleichberechtigt stehen sie nebeneinander. Jedes Werk hat seine besondere Aufgabe im Rahmen der Gesamtdisposition, jedes Werk vereinigt in sich aber auch den nötigen Fundus an Prinzipalen, Mixturen, Rohrwerken und dergl[eichen]“.41
1927 wandelte das Landeskirchenamt Hannover die Kollaboratur in eine zweite Pfarrstelle um.42 Erster Inhaber war P. Bruno Benfey (amt. 1927–1937, erneut 1946–1962), der 1930 eine Ortsgruppe des „Weltbundes für Freundschaftsarbeit der Kirchen“ in Göttingen gründete. Gegen P. Benfeys Berufung hatte ein kleiner Teil der Mariengemeinde antisemitisch protestiert (Unterschriftenliste mit etwa einhundert Unterschriften), da er jüd. Vorfahren hatte.43
Während der NS-Zeit hatten nacheinander P. Eduard Baring (amt. 1916–1935) und P. Heinrich Runte (amt. 1935–1965) die erste Pfarrstelle an St. Marien inne sowie der erwähnte P. Bruno Benfey und P. Cord Cordes (amt 1938–1951) die zweite. Im „Fragebogen zur Geschichte der Landeskirche von 1933 bis Kriegsende“ gab P. Runte rückblickend an, er habe kirchenpolitisch dem Wittenberger Bund nahegestanden und sei Mitglied der SA gewesen (1937 ausgeschlossen); P. Benfey und P. Cordes hätten der Hannoverschen Bekenntnisgemeinschaft angehört.44 P. Baring war Mitglied der DC.45 Über den 1933 neu gewählten KV schrieb P. Runte, ihm hätten „der Ortsgruppenleiter und ein Ehrenzeichenträger der NSDAP“ angehört sowie weitere Parteimitglieder; der Ortsgruppenleiter habe sein Kirchenvorsteheramt 1936 niedergelegt.46 Insgesamt gehörten drei Viertel des KV zu NSDAP bzw. DC.47
P. Benfey, der nach den Nürnberger Gesetzen (1935) als Volljude galt, hatte sich bei der Neubesetzung der ersten Pfarrstelle 1935 für einen anderen Kandidaten eingesetzt als den später berufenen P. Runte. Dabei hatte er dem KV auch negative Einschätzungen über P. Runte präsentiert, die er von verschiedenen Seiten erhalten hatte. Dieses „ungeschickte Verhalten Benfeys […] bot seinen Gegnern den willkommenen Anlaß, gegen den ihnen mißliebigen Pfarrer jüdischer Herkunft vorzugehen“.48 P. Runte verweigerte die Zusammenarbeit mit P. Benfey und der KV betrieb seine Absetzung. Ein landeskirchliches Disziplinarverfahren gegen P. Benfey endete im September 1936 mit einem Verweis; gleichzeitig formulierte das Gericht die Erwartung, dass „die durch dieses Urteil gesühnte Angelegenheit nicht Gegenstand und Ausgangspunkt weiterer Spannungen und weiteren Streites in der Gemeinde werden wird“.49 Die Rückkehr ins Pfarramt scheiterte jedoch; ein erster Gottesdienst im November 1936 wurde von antisemitischen Störungen begleitet und P. Benfeys Göttinger Amtsbrüder bezeichneten seinen Verbleib im Amt einstimmig als „untragbare Belastung“.50 Wie P. Albrecht Saathoff (amt. 1904/10–1946), zweiter Pastor an St. Albani, in einem Brief an P. Benfey offen formulierte, wollten sie sich nicht dem Verdacht aussetzen, sie hätten „sich auf die Seite von Pastor Benfey gestellt oder ihm den Rücken gestärkt“.51 Nach dem Bußtagsgottesdienst am 18. November wurde P. Benfey verhaftet und wenige Tage später polizeilich aus dem Regierungsbezirk Hildesheim ausgewiesen.52 Die Landeskirche versetzte ihn zum 1. Juni 1937 in den vorzeitigen Ruhestand. Nach einer Verhaftung während der Reichspogromnacht am 9. November 1938 emigrierte P. Benfey zusammen mit seiner Familie im Januar 1939 nach Holland.53
Aufgrund des Zuzugs Geflüchteter nach Ende des Zweiten Weltkriegs stieg die Zahl der Gemeindeglieder an St. Marien bis 1950 auf ungefähr 17.000 bis 18.000 an.54 Im August 1945 bat P. Benfey um Wiedereinsetzung in seine Pfarrstelle an St. Marien.55 Das LKA Hannover lehnte ab, da die Stelle nicht vakant sei; zudem sei die Berufung auf eine andere Stelle, zu der das LKA prinzipiell bereit war, im Moment nicht möglich, da zunächst Pastoren berücksichtigt werden müssten, die aus dem Krieg heimgekehrt seien. Anfang 1946 kehrte P. Benfey zurück nach Göttingen und erhob erneut Anspruch auf eine Pfarrstelle an St. Marien; auch aus der Gemeinde gab es entsprechende Wünsche. Das LKA bestritt den Anspruch und wies die Bitten zurück. Erst ein Schreiben des Göttinger Ratsherren Emil Bretschneider leitete im LKA einen Sinneswandel ein. Unter anderem schrieb Bretschneider: „Es besteht […] durchaus die Möglichkeit, daß alle unkirchlichen Vertreter des Stadtparlaments sich dieser Sache aus echtem Empfinden für Recht und Wiedergutmachung annehmen, während wir Christen beschämt die Augen niederschlagen müssen vor der Tatsache, daß die Kirche von ihrer Schuld nur redet, während die Nichtchristen Schuld wiedergutmachen“.56 Nachdem P. Runte und P. Benfey erklärt hatten, sie seien bereit zusammenzuarbeiten richtete das LKA Hannover zum 1. Oktober 1946 die seit 1939 geplante dritte Pfarrstelle an St. Marien ein und berief P. Benfey. Nach dem Weggang von P. Cordes kehrte P. Benfey schließlich 1951 auf seine alte Pfarrstelle zurück, die er bis zu seiner Pensionierung 1962 innehatte. Ab 1950 beschäftigte P. Benfey den ehemaligen Kerstlingeröder Pfarrer Eugen Mattiat als Gemeindehelfer und ebnete ihm so den Weg zurück ins Pfarramt (Mattiat hatte sich 1931 der NSDAP angeschlossen, war Deutscher Christ sowie Mitglied der SS gewesen und schließlich aus der Kirche ausgetreten; Wiedereintritt nach Kriegsende).57
Der 1946 eingerichtete dritte Pfarrbezirk umfasste im Wesentlichen das neue Wohngebiet am Kleinen Hagen. Zum Gottesdienst versammelte sich die Gemeinde mindestens monatlich zunächst auf dem Gelände des früheren Fliegerhorstes, später in einem Saal des ehemaligen Eisenbahnzentralamtes.58 1951 erhielt der Pfarrbezirk mit der Friedenskirche ein eigenes Kirchengebäude; der Göttinger Architekten Diez Brandi (1901–1985) hatte den Bau entworfen. Zum 1. Oktober 1951 schied der „Randbezirk“ aus der St.-Marien-KG aus und das Landeskirchenamt errichtete die neue „Ev.-luth. Friedens-KG Göttingen“.59 Von ihrer Muttergemeinde übernahm die Friedensgemeinde die dritte Pfarrstelle. St. Marien zählte 1956 etwa 12.250 Gemeindeglieder.
Seit 1948 unterhielt die Mariengemeinde einen kirchlichen Kindergarten. Nahe der Kirche weihte die Gemeinde 1955 ein Gemeindehaus ein (1981/82 erweitert). In den Pfarrbezirken der Gemeinde bestanden jeweils eigene Jugend-, Frauen- und Bibelstundenkreise.60 Nachdem die KG 1963 Gebiete westlich der Leine an die Christusgemeinde abgegeben und sich damit weiter verkleinert hatte, wurden sämtliche Kreise beider Pfarrbezirke zusammengelegt. 1964 zählte St. Marien rund 6.700 Gemeindeglieder.61 Der Göttinger Sup. beschrieb die Gemeinde 1970als „die Gemeinde der sogenannten kleinen Leute […], eines nicht sehr gehobenen Bürgertums“.62 Im Bericht zur Visitation 1976 heißt es, der Gottesdienst stehe „nicht so im Mittelpunkt des Gemeindelebens […]. Der Akzent des Gemeindelebens fällt auf die Gemeindekreise.“63 Im Rahmen der Partnerschaft zwischen der hannoverschen und der sächsischen Landeskirche unterhielt die Mariengemeinde Kontakte zur St. Petri-Lukas Kirchgemeinde in Karl-Marx-Stadt (Chemnitz).64
Seit 1981 war nur noch ein Pfarrer in der Mariengemeinde tätig (1981–1987 erste Pfarrstelle vakant, 1987–2013 zweite Pfarrstelle dauervakant). Die Zahl der Gemeindeglieder sank aufgrund des Rückgangs und der Säkularisierung der Wohnbevölkerung bis 1988 auf rund 2.960 ab. Der 2002 gegründete diakonische Verein „Hilfe im Alltag für ältere Menschen e. V.“ ist in der Mariengemeinde beheimatet.65 Im Jahr 2009 gründete sich auf Initiative der fünf Göttinger Innenstadtgemeinden St. Albani, St. Jacobi, St. Johannis, St. Marien und Thomas die Tobiasbruderschaft; sie trägt dazu bei, dass Verstorbene ohne Angehörige oder eigene Mittel würdig bestattet werden.66 2013 hob das Landeskirchenamt die dauervakante zweite Pfarrstelle an St. Marien auf; gleichzeitig wurde eine pfarramtliche Verbindung zwischen St. Marien und Thomas eingerichtet. Neben der ev.-luth. Gemeinde nutzen auch die bapt Gemeinde (Göttingen International Church, wöchentlich) und die gr.-orth. Gemeinde (monatlich) die Marienkirche (2012).67
Seit 2021 gehört die Mariengemeinde zum „Ev.-luth. KGV Göttingen-Innenstadt“, der außerdem St. Albani, St. Jacobi, St. Johannis und Thomas umfasst.68 Der Verband fördert die inhaltliche, personelle und finanzielle Kooperation der fünf Gemeinden und ist u. a. Träger der Tobiasbruderschaft und Herausgeber des Magazins „Kirche für die Stadt“. 2024 zählte die St.-Marien-KG gut 1.520 Gemeindeglieder.
Zum 1. Januar 2026 schlossen sich die fünf Gemeinden des KGV Göttingen-Innenstadt zusammen und gründeten gemeinsam die „Ev.-luth. KG Göttingen-Mitte“.69

Umfang

Ursprünglich nur die Göttinger Neustadt, 1307/08 auf das westliche Umland erweitert (bislang Teil von St. Albani. 1951 nördlicher Teil verselbständigt als Friedens-KG Göttingen.70 1963 Gebiete westlich der Leine an die Christus-KG abgegeben.71

Pfarrstellen

I: vorref. – II: 1927–1951 (1904 errichtet als ständige Pfarrkollaboratur, 1927 Pfarrstelle, 1951 übergegangen auf die neue Friedens-KG).72 1951–2013 (neu errichtet aus III, seit 1987 dauervakant, 2013 als dauervakant aufgehoben).73 – III: 1946–1951 (umgewandelt in II).74

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Nörten (sedes Geismar) der Erzdiözese Mainz.75 – Seit der Reformation Stadtsuperintendentur (Geistliches Ministerium) der Stadt Göttingen. Seit 1924 Insp. bzw. KK Göttingen I, 1937 umbenannt in KK Göttingen-Stadt.76 Ab 1. Januar 2001 KK Göttingen.77 Seit 1. Januar 2023 KK Göttingen-Münden, Amtsbereich Göttingen.78

Patronat

Bis 1318 Hzg. zu Braunschweig-Lüneburg (Landesherr).79 Ab 1318 der Deutscher Orden, später der Deutsche Orden und der Magistrat der Stadt Göttingen abwechselnd (Rezess vom 23. April 1670). Seit der Aufhebung des Ordens 1809 abwechselnd die Stadt und der jeweilige Besitzer der ehemaligen Ordenskommende; nachdem die Stadt 1874 die Kommende erworben hatte, war sie alleinige Inhaberin des Patronats.80 Das Patronat bezieht sich auf die erste Pfarrstelle an St. Marien und besteht bis heute.

Kirchenbau

Dreischiffige Hallenkirche mit unterschiedlich breiten Seitenschiffen, polygonal geschlossenem Chor und Sakristeianbau an der Nordseite des Chors, älteste Teile aus dem späten 13. Jh. (Dendrodatierung eines sekundär verbauten Balkens auf 1298/99).81 Satteldächer über Langhaus und Chor, über dem Chor nach Osten abgewalmt und bekrönt mit Kugel und Schwan. Langhaus aus steinsichtigem Bruchsteinmauerwerk, Strebepfeiler und Fenstergewände aus behauenem Sandstein; Chor aus Tuffsteinmauerwerk mit Sandsteinverblendung, Strebepfeiler aus Sandsteinquadern. Zwei- und dreibahnige, spitzbogige Maßwerkfenster am Langhaus (Norden, Süden, Osten) und am Chor; vermauertes Maßwerkfenster nach Westen; im Westjoch spitzbogige Portale nach Norden und Süden, Südportal flankiert von zwei Skulpturen (Petrus und Paulus, 1885, Carl Dopmeyer, Hannover) und mit modernem Tympanon, nach Westen überdachte Holzbrücke zum Deutschordenshaus. Nach Süden Sonnenuhr (1885) sowie Reliefstein (Lamm Gottes mit Kreuzstab). Im Innern Stufenhalle mit Kreuzrippengewölbe in Langhaus und Chor, im südlichen Seitenschiff zwei Schlussteine mit Inschrift (Minuskeln): „ave maria“82; zwischen Mittel- und Seitenschiffen Spitzbogenarkaden mit achteckigen Pfeilern; Emporen im südlichen Seitenschiff (ansteigende Ränge), Doppelempore im Westen. In der ersten Hälfte des 14. Jh. schrittweise Erweiterung der einschiffigen, dreijochigen und wohl gewölbten Saalkirche (Höhe und Breite im Mauerwerk des Westgiebels erkennbar) um Chor, Sakristei sowie zwei Seitenschiffe (Umbau zu dreischiffiger Hallenkirche, nördliches Seitenschiff schmaler als südliches).83 Um 1468/69 Langhaus zu Stufenhalle umgebaut (Dachstuhl dendrodatiert).84 1510 Chor vergrößert.85 1770 Chor baufällig (abgesackt, Riss im Mauerwerk). 1784 Chorpolygon abgerissen, Altarraum verkürzt und gerade geschlossen, Bankreihen im Langhaus umgestaltet. 1885–90 Renovierungen (Architekt: Conrad Wilhelm Hase, Hannover), u. a. Außenputz entfernt, Strebepfeiler teilweise neu bekrönt, Neugestaltung von Emporen, Bänken, Altar und Kanzel. 1887–90 Rekonstruktion des Chorpolygons (Architekt: Conrad Wilhelm Hase, Hannover), erste Pläne 1862. 1909 Hochwasserschäden. 1911 Zentralheizung. 1911/12 Neuausmalung. November 1944 Dach beschädigt und knapp die Hälfte der Fenster zerstört (Bombenangriff). 1968/69 Sicherungsmaßnahmen am südlichen Seitenschiff, den Langhausarkaden und den Strebepfeilern. 1998 Neudeckung Chordach, Bekrönung mit Schwan. 2000–03 Innensanierung.

Fenster

Im Chor und im südlichen Seitenschiff farbige Betonglasfenster zur Passionsgeschichte (1970, Johannes Schreiter, Langen/Hessen). Im nördlichen Seitenschiff figürliche Buntglasfenster (um 1890), Aposteldarstellungen (ursprünglich im Chor, 1970 versetzt).

Turm

Vor dem südlichen Seitenschiff vierseitiger Westturm mit spitzbogiger Tordurchfahrt in Nord-Süd-Richtung, erbaut wohl um 1290, schriftlich belegt 1319 („van der ecken des tornes, dar de clocken uppe hanghet“).86 Der Turm war gleichzeitig der südliche Zugang zur Neustadt; an der Westseite des Turms schließt sich die Ordenskommende an. Verschieferter Helm mit vierseitigem Ansatz, würfelförmigem Aufsatz mit drei Uhrziffernblättern sowie Pyramidendach mit offener Laterne, bekrönt mit Kugel, Krone, Wetterfahne und Kreuz. Verputztes Mauerwerk, rötlicher Sandstein an den Ecken. Im Glockengeschoss je ein zweibahniges Schallfenster mit Maßwerk nach Norden und Süden, je ein kleineres Schallfenster mit Dreipassbogen nach Osten und Westen. Nach Süden Reliefstein mit Deutschordens-Kreuz über der Tordurchfahrt. 1440 Turm zur Verbesserung der Akustik um zwei Geschosse erhöht.87 1767 Turmspitze abgebrannt.88 1820 Turmhelm erneuert. 1835/36 Reparaturen. 1886 neue Turmuhr (J. F. Weule, Bockenem).

Ausstattung

Kastenförmiger Altar mit seitlichen Schranken und neugotischem Retabel (1863/82, Bildhauer Bernhard Niemeyer, Göttingen); neben einem neugotischen Kruzifix (1863/82) enthält das Retabel Teile eines mittelalterlichen Flügelaltars: geschnitzte Heiligenfiguren und Reliefs (1524, Bartold Kastrop, Göttingen) sowie drei Tafelbilder in der Predella (1524, Heinrich Heisen, Göttingen); in der Mitte Kruzifix, in den Medaillons an den Kreuzenden Symbole der Evangelisten, darunter je zwei Reliefs mit Szenen aus dem Leben der Maria (Verkündigung, Anbetung, Geburt Christi, Tempelgang Marias), darüber neugotische Bekrönung mit Engelsfiguren, außen je acht zweireihig angeordnete Heiligen- und Apostelfiguren (links: Paulus, Jakobus minor, Philippus, Bartholomeus, Hieronymus, Ursula, Judas Thaddäus, Matthias, rechts: Petrus, Andreas, Jakobus maior, Johannes, Matthäus, Simon, Rupert, Elisabeth); in der Predella drei Gemälde mit Szenen der Passionsgeschichte (Gethsemane, Kreuztragung, Kreuzabnahme); Inschrift u. a.: „Na der ghebort unsers Herrn Jhesu M CCCC[C] XX [IV] is bereidet düsse tafele to der ere godes unde eynem sunderliken prise unde Lowe der unbefleckeden jungfrauen Marien der moder godes und allen godes hilgen dorch bertold Ka[s]trop unde henrich [H]eisen to der tid old lude Werner von esebeck, henrick hohof“89; ursprünglich Wandelaltar mit Werk-, Sonn- und Festtagsseite, Werktagsseite mit vier Tafelbildern zum Leben Marias (Verkündigung, Flucht nach Ägypten, Tod, Krönung), Sonntagsseite mit 16 Tafelbildern zur Passionsgeschichte (Einzug in Jerusalem, Abendmahl, Gethsemane, Gefangennahme, Verhör vor Hannas, Verhör vor Kaiphas, Geißelung, Dornenkrönung, Ecce homo, Handwaschung des Pilatus, Kreuztragung, Kreuzigung, Kreuzabnahme, Grablegung, Vorhölle, Auferstehung), Festtagsseite mit vergoldeten Schnitzfiguren und Reliefs: in der Mitte große Marienfigur (Mondsichelmadonna), flankiert von je zwei Reliefs (Verkündigung, Anbetung, Geburt Christi, Tempelgang Marias), in den Flügeln 16 Apostel- und Heiligenfiguren (Anordnung wie heute); 1783/84 Altar zu Kanzelaltar umgestaltet (Marienfigur durch Kanzel ersetzt, Innenflügel mit Heiligenfiguren oberhalb des Schreins angebracht, Marienfigur als Bekrönung, Außenflügel und Gemälde nicht verwendet90; „Hervorzuheben ist, dass sich in der Wiederverwendung eines Teils der Figuren bereits eine Wertschätzung des Mittelalters ausdrückt“91); 1836 Gemälde auf den Rückseiten der ehemaligen Innenflügel abgenommen und an Emporenbrüstung angebracht, neue Rückwand für ehemalige Innenflügel gefertigt, Figuren neu vergoldet; 1863 Neurahmung des Retabels, u. a. Kanzelkorb und Marienfigur entfernt, Kruzifix als Zentrum; 1882 Corpus des Kruzifix und Engelsfiguren in Auftrag gegeben (Bildhauer Bernhard Niemeyer, Göttingen); 1950 Restaurierung, u. a. durchbrochener Wimperg und Pelikanfigur oberhalb der Bekrönung entfernt; 1968/69 Restaurierung.92 – Hölzerner Altartisch, rechteckig mit abgeschrägten Ecken. – Hohe, neugotische Kanzel mit Schalldeckel, polygonaler Kanzelkorb auf einer zentralen Stütze; vor den Ecken des Kanzelkorbs gewundene Säulchen; an den Wandungen spitzbogige Nischen mit Gemälden: ganzfigurige Darstellungen von Christus und den Evangelisten auf Goldgrund. – Achtseitiger, pokalförmiger Taufstein (1881, Bildhauer Niemeyer, Göttingen), zeitweise im städtischen Museum, seit 2003 wieder in Benutzung. – Hölzerne Skulptur Maria mit Jesuskind auf der Mondsichel (1524, Bartold Kastrop), ursprünglich zentraler Teil des Flügelretabels. – Acht Tafelbilder mit Szenen der Passionsgeschichte (1524, Heinrich Heisen), Verhör vor Hannas, Verhör vor Kaiphas, Handwaschung des Pilatus, Kreuzigung, Grablegung, Einzug in Jerusalem, Abendmahl und Gefangennahme; ursprünglich Teil des Flügelretabels. – Schwedischer Weltkugelleuchter, angefertigt nach dem Vorbild eines Leuchters im Dom zu Uppsala; 1990 aufgestellt. – Grabstein (1612), mit Relief der oder des Verstorbenen, Inschrift verwittert.93 – Ehemalige Ausstattung: Grabstein für Giseler von Münden († 1409).94

Orgel

1570–73 Orgelneubau, ausgeführt von Jürgen Schaumburg (Göttingen), 9 I/aP, mechanische Traktur, aufgestellt im östlichen Joch des nördlichen Seitenschiffs.95 1646 Reparatur, Orgelmacher Christoph Weiß (Eisenach), zwei Register erneuert, Zustand 1678: 9 I/aP. Vor 1783 Umbau, 10 I/P mechanische Traktur. 1784 Umbau und Umsetzung auf die Westempore, Ignatius Kahlert (Duderstadt), wohl 10 I/P. 1794 Reparatur und vermutlich Erweiterung um ein zweites Manual, Stephan Heeren (Gottsbüren). 1864/65 Orgelneubau unter Verwendung vorhandenen Pfeifenmaterials, ausgeführt von Carl Giesecke (Göttingen), 18 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1891 Reparatur und ein neues Register, P. Furtwängler & Hammer (Hannover). 1911/12 Änderung der Disposition und Erweiterung (pneumatische Zusatzlade), P. Furtwängler & Hammer (Hannover); 1925 Orgel abgebaut. 1925–28 Orgelneubau unter Verwendung vorhandenen Materials, ausgeführt von P. Furtwängler & Hammer (Hannover), 1926 zunächst 45 (davon 3 Transmissionen) III/P (HW, RP, OW), pneumatische Traktur, Taschenladen, bei Bau des neuen Hauptprospekts 1927/28 erweitert auf 48 (davon 3 Transmissionen) III/P (HW, RP, OW), pneumatische Traktur, Taschenladen (Opus 982), Disposition von Christhard Mahrenholz, kupferne Prospektpfeifen; Einweihung 14. Mai 1928.96 Das ab 1949/50 offiziell als „Mahrenholz-Furtwängler-Orgel“ bezeichnete Instrument gilt als „epochemachendes Werk der Kirchenmusikgeschichte“, das „den Beginn der Orgelbewegung“ markiert.97 1934 ein Register erneuert, Carl Giesecke & Sohn (Göttingen). 1940 Mixtur im Hauptwerk erneuert, Paul Ott (Göttingen). 1950 Umbau und Änderung der Disposition, Paul Ott (Göttingen), 48 (davon 3 Transmissionen) III/P (HW, RP, OW), pneumatische Traktur, Taschenladen. 1970 und 1971 Reparatur, Furtwängler & Hammer (Arnum) und Carl Giesecke & Sohn (Göttingen), 48 (davon 3 Transmissionen) III/P (HW, RP, OW), elektropneumatische Traktur, Taschenladen. 2002/03 Restaurierung und weitgehende Rückführung auf den Zustand von 1925/26, Firma Gebrüder Hillebrand (Altwarmbüchen), 48 (davon 3 Transmissionen) III/P (HW, RP, OW), elektropneumatische Traktur, Taschenladen. Denkmalorgel. – Positiv, erbaut 1930 von Paul Ott (Göttingen), 6 I/–, mechanische Traktur, Schleiflade (Opus 1), 1932 verkauft an die Versöhnungskirche in Leipzig-Gohlis, später abgegeben an die Friedenskirche (2016: Paxkirche) in Leipzig-Gohlis).98 – Positiv, 1931 erbaut von Paul Ott (Göttingen), 5 I/–, mechanische Traktur, Schleiflade (Opus 2), nur kurzzeitig in der Marienkirche. – Truhenorgel, erbaut 1998 von Ingo Kötter (Göttingen), 4 I/–, mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Zwei LG, I: es’ (Bronze, Gj. 1464), Inschrift (Minuskel): „anno domini millesimo cccc sexagesimo quarto laudo deum verum plebe[m] voco congrego clerum defvnctor ploro hostem fugo festa decoro. maria“ (Im Jahre des Herrn 1464. Ich lobe den wahren Gott, rufe das Volk, versammle die Geistlichkeit, beklage die Toten, schlage den Feind in die Flucht, schmücke die Feste. Maria), Bilder: zwei Reliefs: jeweils Kruzifix mit Johannes und Maria99; II: g’ (Bronze, Gj. 1359), Inschrift (Majuskeln): „Anno Domini M CCC LIX in die S[ancti] Odelritci. Ave Maria gracia plena dominvs tecvm b[ene]dicta tv in mvlieribvs et benedictvs frvctvs ventris tvi amin. O rex eterne popvlvm tv ledere sperne [fvl]mine [pe]ste fame qvocigens tinnit sonvs a me“ (Im Jahre des Herrn 1359, am Tag des hl. Ulrich. Sei gegrüßt, Maria, du bist voll Gnade, der Herr ist mit dir. Gesegnet bist du unter den Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes, Amen. Oh ewiger König, verschone das Volk vor Verletzung durch Blitz, Pest und Hungersnot, so oft der Klang von mir ertönt), Bilder: zwei Relieffiguren100. Zwei SG, I: b’’; II: c’’’ (Eisen, Gj. 1921). – Früherer Bestand: 1319 „de clocken“ erwähnt.101 Eine LG (Bronze), vor 1463/64 zu Büchsen umgegossen.102 Eine Glocke (Bronze, Gj. 14. Jh.?), Inschrift (Majuskeln): „A[ttah] G[ibbor] L[eolam] A[donai]“ (Du bist mächtig in Ewigkeit, Herr!) 1885 für eine neue Glocke in Zahlung gegeben.103 Zwei SG (beide Bronze, Gj. 1886, Firma Weule, Bockenem), im Ersten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben (1917).

Friedhof

Ursprünglich bei der Kirche.104 1784 neuer Friedhof an der Ostseite der Leinebrücke angelegt (Kirchhof an der Leine), erweitert 1847/48, wegen Eisenbahnbau Verlegung nötig (Leineregulierung), Friedhof blieb bis 1913 unverändert. 1853 neuer Marienfriedhof nördlich des Bartholomäifriedhofs angelegt, genutzt bis 1885 (1881 städtischer Friedhof eröffnet).

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (Bj. 1898). – Gemeindesaal (Bj. 1954–56, Architekt: Diez Brandi, Göttingen) und Gemeindehaus (Bj. 1982, Architekt: Jochen Brandi, Göttingen). – Küsterhaus (Bj. 1878, 1981 abgerissen). – Ehemaliges Pfarrhaus (Bj. 1876; Vorgängerbau Bj. 1770, jetzt Gemeindezentrum der jüd. Gemeinde).105

Liste der Pastoren (bis 1940)

Erste Pfarrstelle: 1531 Magister Johannes Birnstiel. – 1531–1532 Magister Andreas Lemenhusen (?). – 1532?–1540 Magister Nikolaus Hanauer. – 1544–1550 Magister Simon Kleinschmidt. – 1551 Jacob Straube. – 1551–1590 Valentin Heilandt. – 1590–1597 Magister Felicianus Clarus. – 1597 Johannes Langhagen. – 1597 Andreas Grothenius. – 1597–1612 Magister Christoph Lossius. – 1612–1615 Magister Justus Großcurdt (Großkuhrd). – 1616–1620 Pankraz Schimler. – 1620–1622 Georg Böhme. – 1622 Magister Martin Otto (Otho) aus Nordhausen. – 1626 Magister Hermann Gecius. – 1636–1643 Johannes Roscher. – 1643–1658 Samuel Berckhoff. – 1658–1668 Justus Ammon. – 1668–1671 Magister Johannes Hilgard. – 1671–1679 Johann Andreas Lesche. – 1679–1684 Magister Otto Christoph Köhler (Coelerus). – 1685–1695 Heinrich Domeier. – 1695–1707 Johann David Schreiber. – 1708–1734 Magister Friedrich Heinrich Sartorius. – 1735–1755 Justus Heinrich Sohten. – 1756–1760 Magister Friedrich Benjamin Gautsch. – 1763–1773 Rudolf Wedekind. – 1773–1804 Ludwig Gerhard Wagemann. – 1804–1819 Arnold Heinrich Wagemann. – 1819 Georg Friedrich Bertling. – 1820–1851 Karl Heinrich Miede. – 1851–1880 Georg Ludwig Ferdinand Miede (Bild). – 1880–1883 Johann Christian Wilhelm Brügmann. – 1883–1887 Johann Georg Sebastian Geisenhof. – 1887–1916 Ernst August Wilhelm Danckwerts. – 1916–1935 Eduard Ferdinand Edmund Baring. – 1935–1965 Heinrich Runte.

Zweite Pfarrstelle: 1927–1937 Bruno Benfey (1946–1951 dritter Pfarrer, 1951–1962 erneut zweiter Pfarrer). – 1938–1951 Dr. Cord Cordes.

Hilfsgeistliche: 1904–1906 Hugo Blitz. – 1906–1909 Dr. Carl Nebel. – 1909–1914 Walter Hartwig. – 1914–1916 Eduard Baring. Lücke. – 1919 Hans Kittel. – 1919–1925 Karl Wörpel. – 1925–1926 Dr. Christhard Mahrenholz. – 1926–1927 Walter Gehrig.

Angaben nach: Meyer, Pastoren I, S. 330–331 und III, S. 21

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 1 Nr. 4015–4023 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 273, 178 (Spec. Landeskons); A 6 Nr. 2827–2835 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 813Digitalisat, 814Digitalisat (Visitationen); B 2 G 9 Nr. 1019–1023 (Baupflege und Bauwesen); E 5, Nr. 0372 (Konsistorialbaumeister); N 48 (Nachlass Christhard Mahrenholz); S 06 Nr. 242 (Handschriften); S 09 rep Nr. 1125 (Presseausschnittsammlung); S 11a Nr. 8181 (Findbuch PfA); S 11a Nr. 8140 (Findbuch EphA).

Kirchenbücher

Taufen: ab 1670 (1670–1683 schlecht lesbar)
Trauungen: ab 1670
Begräbnisse: ab 1670
Kommunikanten: ab 1773
Konfirmationen: ab 1680 (Lücken: 1746–1767)

Literatur & Links

A: Bielefeld, Orgeln, S. 30–35 und S. 208–233; Böhme, Denecke u. a., Göttingen, bes. I, S. 465–529, II, S. 525–657, III, S. 591–760; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 509–510; Gmelin, Tafelmalerei, Kat.-Nr. 196; Meyer, Pastoren I, S. 330–331 und III, S. 21; Mithoff, Kunstdenkmale II, S. 76–77; Reiche/Scholl, Kirchen, S. 196–231 (Beitrag von Judith Kröger & Hanke Tammen) [Digitalisat]; Rüttgerodt-Riechmann, Denkmaltopographie Göttingen, S. 53; Vogel u. a., Orgeln Niedersachsen, S. 312–313.

B: Festschrift zur Einweihung der Mahrenholz-Furtwängler-Orgel in der ev.-luth. St. Marienkirche Göttingen am 19. Oktober 2003. Nach der Restaurierung 2002–2003, Göttingen 2003; Kirchenführer St. Marienkirche Göttingen, Göttingen 22012; Karl Heinz Bielefeld: Funde zur Baugeschichte der St.-Marien-Kirche zu Göttingen, in: Göttinger Jahrbuch 18 (1970), S. 49–54; Karl Heinz Bielefeld & Hans-Werner Diederich (Bearb.): Stadt Göttingen. St. Johannis, St. Marien, St. Nikolai, St. Crucis (= Trauregister aus den Kirchenbüchern Südniedersachsens Teil II: 1801–1850), Norderstedt 2014; Silke Düker: Neue Baubefunde an St. Marien in Göttingen, in: Göttinger Jahrbuch 46 (1998), S. 19–30; Otto Fahlbusch: Der Deutsche Orden in Göttingen. Eine wirtschaftsgeschichtliche Untersuchung, in: Neues Archiv für Niedersachsen 4 (1950), S. 610–620; Kim Nina Girod: Das Hochaltarretabel der St. Marien-Kirche in Göttingen, in: Kunst und Frömmigkeit in Göttingen. Die Altarbilder des späten Mittelalters, hrsg. von Thomas Noll und Carsten-Peter Warncke, Berlin-München 2012, S. 258–282; Helga Hauenschild & Hans Georg Herrlitz: Die Pastoren Wagemann und die Industrieschule an St. Marien, in: Perspektiven zur sozialen Frage, hrsg. von Martin Cordes, Göttingen 1991, S. 9–21; Gaby Kuper: Die Übertragung der Pfarrechte westlich der Leine an die Marienkirche im Jahre 1307/1308, in: Göttinger Jahrbuch 44 (1996), S. 93–106; Christhard Mahrenholz: Die neue Orgel in der Marienkirche zu Göttingen. Eine Sammlung von Aufsätzen, Göttingen 1926 und Göttingen ²1931; Alfred Oberdiek: Die Rekonstruktion des Flügelaltares aus der Marienkirche zu Göttingen (= Alte Göttinger Altäre 1), Göttingen 1978.

Internet: Bildindex der Kunst & Architektur: Kirche, Kirche, Altar, Altarbilder; Denkmalatlas Niedersachsen: Kirche, Kirche und Kommende, Gemeindehaus; Wikipedia: St. Marien (Göttingen).

GND

4628306-7, Sankt Marien (Göttingen).


Fußnoten

  1. Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien I, S. 153 f.
  2. Böhme, Denecke u. a., Göttingen I, S. 92 (dort auch das folgende Zitat); HStAM, Urk. 36 (1293).
  3. UB Göttingen I, Nr. 87 [Digitalisat].
  4. Lubecus, Annalen, S. 95.
  5. Düker, S. 19.
  6. Lubecus, Annalen, S. 99.
  7. UB Göttingen I, Nr. 68a [Digitalisat]. Kuper, Nr. 1.
  8. Ausführlich dazu: Kuper, S. 93 ff.
  9. Kuper, Nr. 2.
  10. UB Weende, Nr. 83.
  11. UB Göttingen I, Nr. 73 [Digitalisat] und Nr. 103 [Digitalisat]; UB Mariengarten, Nr. 140, 144–146.
  12. Fahlbusch, S. 610 (Urkunde vom 16. Februar 1318 in NLA HA Cal. Br. 35 Nr. 1. Vgl. auch die spätere Urkunde vom 5. Dezember 1318, in der die Marienkirche allerdings nicht erwähnt ist: UB Göttingen I, Nr. 85 [Digitalisat]. Vgl. Dolle, Klosterbuch II, S. 464 ff., siehe auch Niedersächsische Klosterkarte.
  13. UB Göttingen I, Nr. 129 [Digitalisat], Nr. 148 [Digitalisat] und Nr. 154 [Digitalisat].
  14. UB Göttingen I, Nr. 149 [Digitalisat].
  15. UB Göttingen I, Nr. 201 [Digitalisat].
  16. UB Göttingen I, Nr. 355 [Digitalisat].
  17. UB Göttingen II, Nr. 90 [Digitalisat] und Nr. 145 [Digitalisat] (Zitat).
  18. UB Göttingen II, Nr. 195 [Digitalisat].
  19. UB Mariengarten, Nr. 300 (Rückvermerk).
  20. Lubecus, Annalen, S. 288; UB Göttingen III, Nr. 76.
  21. Vgl. Girod, S. 258 ff.
  22. Zum Folgenden: Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,2, S. 901 ff.; Böhme, Denecke u. a., Göttingen I, S. 492 ff.; Lubecus, Annalen, S. 338 ff.; Butt, Stadt, S. 79 ff.; Volz, Reformation, S. 49 ff.
  23. UB Göttingen III, Nr. 438. Böhme, Denecke u. a., Göttingen I, S. 499 f. Das Ergebnis „dieser bedeutenden Verfassungsreform“ war eine Stärkung der Gilden (u. a. Wahl der Gildemeister) und der Bürgerschaft (u. a. stärkere Kontrolle der Kämmerei) auf Kosten des Rates. Vgl. auch ebd., S. 513.
  24. UB Göttingen III, Nr. 440. Böhme, Denecke u. a., Göttingen I, S. 501.
  25. Böhme, Denecke u. a., Göttingen II, S. 526.
  26. Saathoff, Pfarrer, S. 130.
  27. Böhme, Denecke u. a., Göttingen I, S. 507 und S. 516; Saathoff, Kirchengeschichte, S. 139 f.; Saathoff, Pfarrer, S. 139.
  28. Lubecus, Annalen, S. 398.
  29. Saathoff, Kirchengeschichte, S. 156.
  30. Saathoff, Kirchengeschichte, S. 169.
  31. Böhme, Denecke u. a., Göttingen II, S. 525 f.
  32. Böhme, Denecke u. a., Göttingen II, S. 531; Saathoff, Kirchengeschichte, S. 173, S. 183 und S. 185.
  33. Saathoff, Kirchengeschichte, S. 203.
  34. Hauenschild & Herrlitz, S. 9 ff.; Böhme, Denecke u. a., Göttingen II, S. 549 und S. 566 f.; Saathoff, Kirchengeschichte, S. 214.
  35. Hauenschild & Herrlitz, S. 13 f.
  36. Böhme, Denecke u. a., Göttingen II, S. 549.
  37. Saathoff, Kirchengeschichte, S. 236 und S. 238 f.; Böhme, Denecke u. a., Göttingen III, S. 597.
  38. KABl. 1904, S. 13.
  39. Böhme, Denecke u. a., Göttingen III, S. 610; Saathoff, Kirchengeschichte, S. 249.
  40. Zit. bei Bielefeld, Orgeln, S. 225. Vgl. auch ebd., S. 32, sowie Saathoff, Kirchengeschichte, S. 250, Festschrift, S. 8 ff., und Mahrenholz, S. 9 ff.
  41. Mahrenholz, S. 16.
  42. KABl. 1927, S. 36.
  43. Vgl. zu Benfey ausführlich Lindemann, Stellung, S. 104 ff., S. 310 ff., S. 346 ff., S. 792 ff. Vgl. knapp Böhme, Denecke u. a., Göttingen I, S. 622 f. und S. 639 ff.
  44. LkAH, S 1 H III, Nr. 412, Bl. 31. Allgemein zum Fragebogen vgl. Kück, Ausgefüllt, S. 341 ff.
  45. Lindemann, Stellung, S. 314.
  46. LkAH, S 1 H III, Nr. 412, Bl. 31.
  47. Lindemann, Stellung, S. 312.
  48. Lindemann, Stellung, S. 346 f. Lindemann rekonstruiert das Besetzungsverfahren detailliert, vgl. ebd. S. 347 ff.
  49. Zit. bei Lindemann, Stellung, S. 410.
  50. Zit. bei Lindemann, Stellung, S. 440.
  51. Zit. bei Lindemann, Stellung, S. 441.
  52. Auf eine Verhaftung vor dem Gottesdienst hatte die Gestapo verzichtet, da Dr. Sophie Kunert-Benfey, studierte Theologin und Ehefrau Benfeys, gedroht hatte, den Gottesdienst an Stelle ihres Mannes zu halten, vgl. Lindemann, Stellung, S. 448.
  53. Lindemann, Stellung, S. 495: „Durch Vermittlung des späteren Dannenberger Superintendenten Friedrich Voges, damals Pfarrer an der deutschen Gemeinde in Amsterdam und dem Dritten Reich äußerst loyal gegenüberstehend, setzte ihn die deutsche Verwaltung später als Seelsorger für Protestanten jüdischer Herkunft in einem Konzentrationslager in der Nähe von Arnheim ein. Auf Anraten des Amsterdamer Gestapo-Chefs fand man eine Möglichkeit, Benfey das Tragen eines Judensterns und auch die drohende Deportation zu ersparen, so daß er Voges in der deutschen Gemeinde helfen konnte und nach dessen Wechsel an die Gartenkirche in Hannover im Mai 1944 die deutschsprachigen Gottesdienste hielt.“
  54. LkAH, L 5c, unverz., Göttingen, St. Marien, Visitation 1950. Vgl. zur Situation 1945: Bielefeld, Kirchengemeinden 1945, S. 271 ff.
  55. Zum Folgenden: Lindemann, Stellung, S. 792 ff.
  56. Zit. bei Lindemann, Stellung, S. 800 f.
  57. LkAH, B 7, Nr. 3830; Klee, Personenlexikon, S. 395. Vgl. auch Böhme, Denecke u. a., Göttingen I, S. 418 und S. 622 ff.
  58. LkAH, L 5c, unverz., Göttingen, St. Marien, Visitation 1950.
  59. KABl. 1951, S. 117 f.
  60. LkAH, L 5c, unverz., Göttingen, St. Marien, Visitation 1956.
  61. LkAH, L 5c, unverz., Göttingen, St. Marien, Visitation 1966.
  62. LkAH, L 5c, unverz., Göttingen, St. Marien, Visitation 1970.
  63. LkAH, L 5c, unverz., Göttingen, St. Marien, Visitation 1976.
  64. LkAH, L 5c, unverz., Göttingen, St. Marien, Visitation 1988. Allgemein: Cordes, Gemeindepartnerschaften, S. 38 ff.
  65. Kirchenführer, S. 11 f.
  66. Siehe https://tobiasbruderschaft.wir-e.de, 16.05.2025.
  67. Kirchenführer, S. 12.
  68. KABl. 2020, S. 205 ff.
  69. KABl. 2026, S. 24 ff. Der KGV wurde gleichzeitig aufgehoben.
  70. KABl. 1951, S. 117 f.
  71. KABl. 1963, S. 110.
  72. KABl. 1904, S. 13; KABl. 1927, S. 36; KABl. 1951, S. 117 f.
  73. KABl. 1951, S. 117 f.; KABl. 2010, S. 156 ff. (Kirchengesetz zur Änderung des Finanzausgleichsgesetzes (FAG) und anderer Kirchengesetze, Art. 6).
  74. KABl. 1946, S. 66; KABl. 1951, S. 117 f.
  75. Bruns, Archidiakonat Nörten, S. 167.
  76. KABl. 1924, S. 86; KABl. 1937, S. 135.
  77. KABl. 2000, S. 150 f.
  78. KABl. 2022, S. 189 ff.
  79. Zum Patronat in Göttingen: Böhme, Denecke u. a., Göttingen I, S. 481 f.
  80. Fahlbusch, S. 618 f.: 1810 hatte Amtmann Spieß (bisher Pächter) die Kommende erworben, 1821 kaufte Georg Friedrich Backhaus († 1837) das Gut, 1838 kam es an Leopold Backhaus, 1842 war Johann Friedrich Eberhardt im Besitz der Kommende, 1867 erwarb sie Salomon Schwabe und 1868 der Werkhausverwalter Lange. Vgl. auch Böhme, Denecke u. a., Göttingen II, S. 526, Anm. 3.
  81. Düker, S. 19; Reiche/Scholl, Kirchen, S. 196 ff.
  82. DI 19, Stadt Göttingen, Nr. 16 (Werner Arnold), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di019g001k0001608.
  83. Grundriss mit Bau- und Restaurierungsphasen: Scholl/Reiche, S. 201, Abb. 125. Zur Baugeschichte vgl. ebd., S. 200 ff.
  84. Reiche/Scholl, Kirchen, S. 208.
  85. Lubecus, Annalen, S. 288: „Dis jar hat man angefangen zu bawen an Unser Lieben Frauwenkirchen einen newen chor, dan die kirch anfing, den pfarrleuten zu enge und zu kleine zu werden. Man fuhrde die steine darzu dis jares“.
  86. UB Göttingen I, Nr. 92 [Digitalisat].
  87. UB Göttingen II, Nr. 195 [Digitalisat].
  88. Saathoff, S. 204.
  89. DI 19, Stadt Göttingen, Nr. 87 (Werner Arnold), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di019g001k0008705.
  90. Zwei Gemälde des rechten Außenflügels in den 1960er Jahren auf Schloß Bückeburg entdeckt, etwa seit 1806 oder 1826 dort vgl. Girod, S. 275 f.
  91. Reiche/Scholl, Kirchen, S. 215 und S. 226 (Abb. 146); Girod, S. 273 f. Eine ähnliche Umgestaltung erfuhr um 1799 das Flügelretabel in Hetjershausen.
  92. Zum Altar vgl. ausführlich Girod, S. 258 ff.; Gmelin, Tafelmalerei, Kat.-Nr. 196. Speziell zu den Inschriften: DI 19, Stadt Göttingen, Nr. 87 (Werner Arnold), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di019g001k0008705.
  93. DI 19, Stadt Göttingen, Nr. 152 (Werner Arnold), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di019g001k0015200.
  94. DI 19, Stadt Göttingen, Nr. 32† (Werner Arnold), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di019g001k0003200.
  95. Zur Orgelgeschichte: Bielefeld, Orgeln, S. 30 ff. und S. 208 ff.; Festschrift, S. 8 ff.; Mahrenholz, S. 9 ff., S. 68 ff.
  96. Pape/Schloetmann, Hammer, S. 135.
  97. Zit. bei Bielefeld, Orgeln, S. 225. Vgl. auch ebd., S. 32.
  98. Bielefeld, Orgeln, S. 230.
  99. DI 19, Stadt Göttingen, Nr. 46 (Werner Arnold), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di019g001k0004609.
  100. DI 19, Stadt Göttingen, Nr. 7 (Werner Arnold), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di019g001k0000709.
  101. UB Göttingen I, Nr. 92 [Digitalisat].
  102. DI 19, Stadt Göttingen, Nr. 46 (Werner Arnold), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di019g001k0004609.
  103. DI 19, Stadt Göttingen, Nr. 24† (Werner Arnold), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di019g001k0002409.
  104. Vgl. Döring, Friedhöfe, S. 95 ff., bes. S. 109 ff. und S. 117 ff.
  105. Kirchenführer, S. 12.