Frühere Gemeinde | Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Göttingen-Münden, Amtsbereich Göttingen | Patrozinium: Christus | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte

Seit Errichtung der dritten Pfarrstelle an der Göttinger St.-Marien-KG im Jahr 1946 bildete die Göttinger Weststadt einen eigenen Pfarrbezirk. Inhaber der neuen Pfarrstelle war P. Bruno Benfey (amt. 1946–1951).1 Zum Gottesdienst versammelte sich die Gemeinde des Pfarrbezirks seit 1947 mindestens einmal im Monat auf dem Gelände des früheren Fliegerhorstes (Haus 94, später Haus 100).2 Mit dem Gemeindehaus auf dem Kleinen Hagen (später Hagenberg) erhielt der Pfarrbezirk 1951 ein erstes kirchliches Gebäude. Zum 1. Oktober 1951 schied er aus der Mariengemeinde aus und das LKA Hannover begründete die „Ev.-luth. Friedenskirchengemeinde Göttingen“.3 Erster Pastor war P. Hans Helweg (amt. 1951–1974).

Kirche, Göttingen, Christus, im Bau, Außenansicht

Kirche im Bau, Außenansicht, um 1953

Am 28. September 1952 versammelte sich die Gemeinde im Norden des Egelsbergs, um die Grundsteinlegung der Christuskirche zu feiern. Nach Plänen der Göttinger Architekten Diez Brandi (1901–1985) ließ die Friedensgemeinde nach dem Gemeindehaus auf dem Hagenberg ein zweites kirchliches Zentrum errichten. Gemeinsam mit Lbf. Hanns Lilje (amt. 1947–1971) weihte die Gemeinde am 13. Dezember 1953 ihre neue Kirche ein. Das Untergeschoss bot Räume für einen Kindergarten (1954 eröffnet), im Südwestteil und im Turm befanden sich Räume für die Gemeindearbeit. Einige Monate gliederte das Landeskirchenamt das Einzugsgebiet der Christuskirche – südlich des Hagenbergs bis zur Linie Friedrich-Naumann-Straße–Königsallee–Kogelhof – aus der Friedensgemeinde aus und errichtete die eigenständige „Ev.-luth. Christus-KG Göttingen“; von ihrer Muttergemeinde übernahm sie die mit P. Helweg besetzte Pfarrstelle.4
P. Helweg war gleichzeitig Stadtjugendpastor, so dass die Jugendarbeit einen Schwerpunkt in der Christusgemeinde bildete. Im Bericht zur Visitation 1961 schrieb der Göttinger Sup.: „Das gemeindliche Leben hat sich weiter gefestigt und entfaltet, wobei die Mitarbeit der Jugend und ihre Beteiligung am Gottesdienst besonders erfreulich und für die weitere Entwicklung der Gemeinde von hoher Bedeutung sind.“5 1961 gründete sich ein Posaunenchor. Im Rahmen der Partnerschaft zwischen der hannoverschen und der sächsischen Landeskirche unterhielt die Christusgemeinde seit den 1950er Jahren Kontakte zur Matthäus-Kirchgemeinde in Karl-Marx-Stadt (Chemnitz).6

Kirche, Göttingen, Christus, Außenansicht

Kirche, Außenansicht, etwa 1955

Seit Gründung der Christusgemeinde hatte die Grenze zur St.-Marien-KG, die unmittelbar südlich der Christuskirche verlief, für Diskussionen gesorgt.7 Zum 1. August 1963 schließlich vergrößerte sich die Christusgemeinde nach Süden und umfasste seither den gesamten Egelsberg.8 Gleichzeitig erhielt sie eine zweite Pfarrstelle, die P. Johannes Domke (amt. 1964–1982) übernahm. Zudem setzte mit der 1961 beginnenden Bebauung des weiter südlich gelegenen Leinebergs bald ein weiteres Wachstum ein: 1961 hatte die Christusgemeinde etwa 4.800 Gemeindeglieder gezählt, 1967 waren es etwa 10.000.9 Nach Einschätzung der beiden Ortspfarrer bestand die Gemeinde seinerzeit „zum größten Teil aus Kleinbürgertum und Arbeitern“.10
Das Gemeindegebiet verkleinerte sich zum 1. Januar 1968, als das Landeskirchenamt für den Leineberg die neue „Ev.-luth. Thomas-KG Göttingen“ errichtete.11 In einem Rückblick auf zwei Jahrzehnte Gemeindearbeit, verfasst von Pfarramt, Kirchenvorstehern und Gemeindegliedern anlässlich der Visitation 1973, attestierte einen Rückgang: „Vieles ist inzwischen eingestellt worden: die Männerarbeit, die wir einmal hatten, der Frauenkreis, die Bibelstunden, die Adventsandachten, die Wochenschlußandachten der Jugend, der einst blühende Kirchenchor“.12 Der Grundton ist jedoch nicht resignativ: „Frei von Angst vor der Zukunft der Kirche, die nicht unsere, sondern Gottes Sache ist, Werden wir tun müssen, was die jeweilige Zeit mit ihren Menschen braucht.“ Als Schwerpunkte künftiger Arbeit werden u. a. benannt mehr Information und Diskussion zu politischen und sozialen Fragen, eine stärkere ökumenische Kooperation mit der kath. St.-Godehardigemeinde, intensivere Alten- und Jugendarbeit und eine breitere Mitwirkung der Gemeinde in der Gottesdienstgestaltung. 1985 ließ die Gemeinde am Kirchturm die Aufschrift „Atomwaffenfreie Zone“ anbringen. Die Zahl der Gemeindeglieder lag 1993 bei gut 3.300.13
Im Jahr 2013 gehörte die Christusgemeinde zu den Gründerinnen des „Ev.-luth. Kindertagesstättenverbandes Göttingen-West“; der Verband übernahm die Trägerschaft der ev. Kindertagesstätte der Gemeinde (2026 erweitert und umbenannt in „Ev.-luth. Kindertagesstättenverband Göttingen-Münden“).14 Zum 1. Januar 2023 schlossen sich die Friedens- und die Christusgemeinde wieder zusammen und gründeten gemeinsam die neue „Ev.-luth. Weststadt-KG Göttingen“.15

Pfarrstellen

I: 1954–2013 (seit 1999 vakant, 2013 als dauervakant aufgehoben16). – II: 1963.17

Umfang

Nordwestliche Teile der Stadt Göttingen, zunächst im wesentlichen Blümchenviertel, seit 1963 auch Egelsberg (bislang St. Marien)18 und Leineberg (neu besiedelt). Der Leineberg kam 1968 zur neuen Thomasgemeinde.19

Aufsichtsbezirk

Mit Errichtung der KG 1954 zum KK Göttingen-Stadt. Ab 1. Januar 2001 KK Göttingen.20 Seit 1. Januar 2023 KK Göttingen-Münden, Amtsbereich Göttingen.21

Kirchenbau

Rechteckbau mit niedrigem Rundbau an der Ostecke (Sakristei), ausgerichtet nach Nordosten, erbaut 1952/53 (Architekt: Diez Brandi, Göttingen), denkmalgeschützt.22 Satteldach. Ziegelmauerwerk. Rechteckige Fensterflächen nach Südosten und Südwesten, Kreisfenster nach Nordwesten, Rechteckfenster nach Südosten. Nebeneingang nach Südosten. Im Innern flache, hölzerne Kassettendecke, Empore an der Nordwestwand; Altarwand gestaltet als Bilderwand mit vierzig Szenen aus AT und NT (Helmuth Uhrig [auch Hellmuth bzw. Helmut], Arnoldshain im Taunus).23 Im Südwestteil Gemeinderäume (können zum Kirchenraum hin geöffnet werden), im Untergeschoss Räume für Kindergarten. 2000 neues Südostfenster (Entwurf: Wilhelm Buschulte, Unna).

Fenster

Figürliches Ostfenster (Helmuth Uhrig, Arnoldshain im Taunus), Christus als Herr und Richter der Welt.

Turm

Vor der Südostseite der Kirche vierseitiger Turm mit quadratischem Grundriss, Galerie und achtseitiger, offener Laterne, bekrönt mit Kugel, Kreuz und Wetterhahn. Ziegelmauerwerk, im oberen Teil Betonfachwerk mit Ziegelausfachung. Im Glockengeschoss an jeder Seite je ein hochrechteckiges Schallfenster, darüber je ein Kreisfenster, darunter sei ein Rechteckfenster; in den übrigen Geschossen Rechteckfenster in den Mittelachsen der Außenwände; nach Nordosten Haupteingang. 1986 Renovierung. 2005–11 Sanierung (2005 hölzerne Laterne abgetragen, 2011 erneuert und Mauerwerkssanierung).

Ausstattung

Hölzerner Tischaltar. – Hölzernes Kruzifix (Helmuth Uhrig, Arnoldshain im Taunus). – Leicht erhöhte, hölzerne Kanzel (Helmuth Uhrig, Arnoldshain im Taunus). – Taufstein aus gebranntem Ton (Helmuth Uhrig, Arnoldshain im Taunus), umgedrehter Kegelstumpf, hölzerner Fuß; Reliefbilder an den Wandungen des Beckens.

Kirche, Göttingen, Christus, Orgel

Orgel

Orgel

1955/56 Orgelneubau, erster Bauabschnitt, ausgeführt von Fa. Paul Ott (Göttingen), Prospekt nach Entwurf von Wulf Knipping (Hagen), 9 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen, außerdem vier Vakantplätze, ebenfalls erbaut wurden Klaviaturen für Manual I und III sowie Gehäuse für Rückpositiv (mit stummen Prospektpfeifen, ansonsten leer). 1968 Orgel erweitert auf 12 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen, Paul Ott (Göttingen). 2016 Orgel erweitert auf 28 III/P, mechanische Traktur, Schleifladen, Werner Bosch (Niestetal).

Geläut

Drei LG, I: f’; II: as’; III: b’ (Bronze, Gj. 1953, Firma Rincker, Sinn).

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus I, Friedrich-Naumann-Straße (Bj. 1962), umgebaut zu Gemeindehaus. – Pfarrhaus II, Rosmarinweg (Bj. 1962). – Kindergarten (Bj. 1989–91, Architekt: Jochen Brandi, Göttingen), über Glasgang mit Kirche verbunden.

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

B 2 G 9 Nr. 988–990 (Baupflege und Bauwesen); S 09 rep Nr. 1138 (Presseausschnittsammlung).

Kirchenbücher

Taufen: ab 1954
Trauungen: ab 1954
Begräbnisse: ab 1954
Konfirmationen: ab 1954
Früher siehe Göttingen, Frieden

Literatur & Links

A: Bielefeld, Orgeln, S. 76–80; Engelhardt, Kirchen, S. 85–89; Freigang, Brandi, S. 55–57.

B: Die Bilderwand der Christuskirche in Göttingen, hrsg. von der Ev. Kirchengemeinde der Christuskirche, [Göttingen] o. J.; Richard Engelhardt: Die vier evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden in der Weststadt, in: 100 Jahre Göttingen und sein Museum. Texte und Materialien zur Ausstellung im Städtischen Museum und im Alten Rathaus, Göttingen 1989, S. 187–196.

Internet: Denkmalatlas Niedersachsen: Christuskirche, Gemeindehaus, Kirchenanlage; Wikipedia: Christuskirche (Göttingen); Wikimedia Commons: Christuskirche (Göttingen).

GND

7664144-2, Christuskirche Göttingen.


Fußnoten

  1. Zu P. Benfey – bereits 1927–1937 Inhaber der zweiten Pfarrstelle an St. Marien und erneut 1951–1962 – vgl. Lindemann, Stellung, S. 104 ff., S. 310 ff., S. 346 ff., S. 792 ff.
  2. Engelhardt, S. 187.
  3. KABl. 1951, S. 117 f.
  4. KABl. 1954, S. 29 f.
  5. LkAH, L 5c, unverz., Göttingen, Christus, Visitation 1961.
  6. LkAH, L 5c, unverz., Göttingen, Christus, Visitation 1973. Allgemein: Cordes, Gemeindepartnerschaften, S. 38 ff.
  7. LkAH, L 5c, unverz., Göttingen, Christus, Visitation 1955.
  8. KABl. 1963, S. 110.
  9. LkAH, L 5c, unverz., Göttingen, Christus, Visitationen 1961 und 1967.
  10. LkAH, L 5c, unverz., Göttingen, Christus, Visitation 1967.
  11. KABl. 1968, S. 3 f.
  12. LkAH, L 5c, unverz., Göttingen, Christus, Visitation 1973.
  13. LkAH, L 5c, unverz., Göttingen, Christus, Visitation 1993.
  14. KABl. 2013, S. 49 ff.; KABl. 2025, S. 275.
  15. KABl. 2022, S. 171 f.
  16. KABl. 2010, S. 156 ff. (Kirchengesetz zur Änderung des Finanzausgleichsgesetzes (FAG) und anderer Kirchengesetze, Art. 6).
  17. KABl. 1963, S. 110.
  18. KABl. 1963, S. 110.
  19. KABl. 1968, S. 3 f.
  20. KABl. 2000, S. 150 f.
  21. KABl. 2022, S. 189 ff.
  22. Freigang, Brandi, S. 55 ff.; Engelhardt, Kirchen, S. 85 ff.; Denkmalatlas Niedersachsen.
  23. Bilderwand, S. 4 ff.