Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Göttingen-Münden, Amtsbereich Göttingen | Patrozinium: Kreuz | KO: Calenberger KO von 1569
Orts- und Kirchengeschichte
Die Kreuzkirchengemeinde in der Göttinger Südstadt gründete sich zum 1. Januar 1963.1 Das Pfarramt beschrieb die soziale Zusammensetzung der Gemeinde 1968 als heterogen, besonders im ersten Pfarrbezirk: „Neben einer geschlossenen Professorensiedlung haben wir im Wohngebiet des Ebertals eine Häufung von Familien des Kleinbürgertums mit (allerdings abnehmenden) Einsprengseln von Asozialen. Im 2. Pfarrbezirk wohnen viele Heimatvertriebene. […] Außerdem ist der Anteil von Rentnern und Pensionären erheblich.“2
Das Gemeindegebiet der Kreuzkirche hatte zuvor teilweise zur St.-Albani-KG, teilweise zur St.-Johannis-KG gehört (jeweils Pfarrbezirk III). Von ihren beiden Muttergemeinden übernahm die neue Kreuzgemeinde jeweils eine Pfarrstelle, besetzt mit P. Werner Marquardt (amt. 1947–1977) und P. Hans-Martin Müller (amt. 1959–1963). An Gottesdienststätten verfügte die Gemeinde zum einen über das 1953 von der Albanigemeinde errichtete Gemeindehaus an der Merkelstraße, das nun den Namen Dietrich-Bonhoeffer-Haus erhielt (zunächst zweiwöchentliche Gottesdienste, ab Mitte 1968 nur noch an hohen Feiertagen).3 Zum anderen über die Kreuzkirche, erbaut nach Plänen des Göttinger Architekten Diez Brandi (1901–1985) und eingeweiht am 4. November 1962 (sonntäglicher Gottesdienst). Das Kirchenzentrum – Kirche, Pfarrhaus und Gemeindesaal – an der Ecke aus Königsberger und Immanuel-Kant-Straße war in ein Gesamtkonzept eingebettet, das auch die südlich und westlich benachbarten Schulen einbezog. Die kirchlichen Gebäude gruppieren sich um einen zentralen Innenhof; die Kirchenanlage steht unter Denkmalschutz.
Der Name Kreuzkirche nahm Bezug auf die ehemalige Hospitalkirche St. Crucis, die bis 1785 vor dem Geismarer Tor stand, sowie auf die St.-Pauli-Kreuzkirche in Karl-Marx-Stadt (Chemnitz), der Patenkirche von St.-Johannis.4 Im Rahmen der Partnerschaft zwischen der hannoverschen und der sächsischen Landeskirche pflegten Kreuz und St. Johannis diese Kontakte nach Karl-Marx-Stadt in der Folgezeit gemeinsam.5 Bereits zum 1. Januar 1965 verkleinerte sich die Kreuzgemeinde und gab östliche Teile an die neue Stephanus-KG Göttingen-Geismar ab (Zietenkaserne).6
Von der Albanigemeinde hatte die Kreuz-KG auch den Barackenkindergarten im Ebertal übernommen; 1964 bezog die Einrichtung neue Räumlichkeiten.7 Die Zahl der Gemeindeglieder lag 1968 bei rund 8.500.8 Nach der Visitation 1982 schrieb der Sup. des KK Göttingen-Stadt zusammenfassend über die größte Gemeinde seines Kirchenkreises: „Im ganzen gesehen nimmt sich die Kreuzkirchengemeinde als normal bis gut funktionierende volkskirchliche Gemeinde mit einem von einer engagierten und aktiven haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterschaft getragenen, in zahlreichen Gruppen und Kreisen durch alle Altersgruppen organisierten blühenden Gemeindeleben aus.“9 Die Bandbreite reiche „vom Bibelseminar bis zum Tanzkreis, vom Männerkreis (!) bis 3.-Welt-Arbeitskreis“.
2013 trat die Kreuzgemeinde dem „Ev.-luth. Kindertagesstättenverband Göttingen-Nord-Süd“ bei, der die Trägerschaft des gemeindeeigenen Kindergartens übernahm (2026 aufgegangen im „Ev.-luth. Kindertagesstättenverband Göttingen-Münden“).10 Seit 2014 kooperiert die Kreuzgemeinde in einer Arbeitsgemeinschaft mit ihren Nachbargemeinden Stephanus und St. Martini. 2024 zählte die Kreuzgemeinde gut 2.650 Gemeindeglieder. Seit 2025 gehört sie zum „Ev.-luth. KGV Region Gleichen/Göttingen-Süd“.11
Pfarrstellen
I: 1963. – II: 1963.
Umfang
Südöstlicher Teil der Göttinger Südstadt. 1965 östliche Teile abgegeben an die neue Stephanus-KG Göttingen-Geismar.12
Aufsichtsbezirk
Bei Errichtung der KG 1963 zum KK Göttingen-Stadt. Ab 1. Januar 2001 KK Göttingen.13 Seit 1. Januar 2023 KK Göttingen-Münden, Amtsbereich Göttingen.14
Kirchenbau
Rechteckbau mit Sakristeianbau an der Südostecke, erbaut 1960–62 (Architekt: Diez Brandi, Göttingen); denkmalgeschützt.15 Satteldach. Betonpfeilerkonstruktion, Außenwände mit hellem Sandstein verkleidet. Kreisfenster nach Osten, Betonglasflächen nach Norden. Süden und Westen. Eingang an der Nordwestecke, von hier aus Laubengang zum westlich stehenden Gemeindehaus. Im Innern verklinkerte Wände, eingestelltes Stahlbetongerüst („wie ein riesiger Baldachin“16), holzverschalte Deckenflächen, Westempore; freistehende Klinkerwand vor dem Rundfenster in der Ostwand.
Fenster
Farbige Betonglasfenster im Osten und Westen (Ulrich Oelßner), mosaikartige Fenster nach Norden und Süden (Diez Brandi, Göttingen).
Turm
An der Südwestecke vierseitiger Turm mit flachem Satteldach. Betonpfeilerkonstruktion mit heller Ausfachung. Im Glockengeschoss Giebelseiten komplett als Schallfenster gestaltet, Traufseiten bei vertikaler Teilung zu etwa zwei Dritteln. An der Nordwestecke des Turms ein Balkon.
Ausstattung
Schlichter, hölzerner Altartisch. – Hinter dem Altar monumentales, barockes Holzkruzifix (17. Jh., vielleicht aus Tirol), aus dem Nachlass des 1960 verstorbenen Pädagogen Herman Nohl.
Orgel
1962 Positiv aus St. Johannis geliehen (bis Oktober 1963). 1963 Leihpositiv von Rudolf Janke (Bovenden) aufgestellt, 4 Register. 1965 Orgelneubau, ausgeführt von Rudolf Janke (Bovenden), 26 II/P (HW, RP), mechanische Traktur, Schleifladen. 1972 Änderung der Disposition, Rudolf Janke (Bovenden). 1991 Instandsetzung und Überarbeitung, Rudolf Janke (Bovenden). – Kleinorgel, erbaut 1956 von Paul Ott (Göttingen), 5 I/aP, mechanische Traktur, Schleifladen, zunächst im Dietrich-Bonhoeffer-Haus, 1993 umgesetzt in die Kreuzkirche.
Geläut
Zwei LG, I: g’ (Bronze, Gj. 1962, Glockengießerei Heinrich Kurtz, Stuttgart), Inschrift: „Es sei ferne von mir, mich zu ruehmen, denn allein von dem Kreuz Christi“; II: b’ (Bronze, Gj. 1962, Glockengießerei Heinrich Kurtz, Stuttgart), Inschrift: „Seid froehlich in Hoffnung, geduldig in Truebsal, haltet an am Gebet“.
Weitere kirchliche Gebäude
Pfarr- und Küsterhaus, Immanuel-Kant-Straße (Bj. 1957/58). – Gemeindehaus und Laubengang zur Kirche, Immanuel-Kant-Straße (Bj. 1962). – Pfarrhaus, Merkelstraße (Bj. 1958). – Dietrich-Bonhoeffer-Haus, Merkelstraße (Bj. 1953), eine LG, c’’’ (Bronze, Gj. 1781), Inschrift: „J. H. S. G. P. et E. D. et B. V. M. P. A. aabus S. S. O. I. G. H. G. G. A. D. 1781“, Bild: sitzender Heiliger mit Kreuz und Sanduhr, Patenglocke aus dem Kr. Rosenberg (Schlesien). – Kindergarten (Bj. 1995, Vorgängerbau Bj. 1964, 1994 abgebrannt).
Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)
B 2 G 9 Nr. 1015–1017 (Baupflege und Bauwesen); S 06 Nr. 242 (Handschriften); S 09 rep Nr. 1135 (Presseausschnittsammlung).
Literatur & Links
A: Bielefeld, Orgeln, S. 113–115; Engelhardt, Kirchen, S. 89; Freigang, Brandi, S. 58–60.
B: 25 Jahre Kreuzkirchen-Gemeinde Göttingen, hrsg. vom Kirchenvorstand der Kreuzkirchengemeinde (= Gemeindebrief, 20. Jg., Heft 6, Oktober/November 1987), Göttingen 1987; Martina Neubert: Alltag und Vielfalt der Gemeindearbeit. 25 Jahre Kreuzkirche, in: Göttinger Jahresblätter 11 (1988), S. 69–76.
Internet: Denkmalatlas Niedersachsen: Kreuzkirche, Pfarrhaus, Küsterhaus, Gemeindesaal, Kirchenanlage; Wikimedia Commons: Kreuzkirche (Göttingen).
GND
1214391397, Ev.-luth. Kreuzkirche Göttingen.
Website der Kirchengemeinde (18.02.2024)
Fußnoten
- KABl. 1963, S. 7 f.
- LkAH, L 5c, unverz., Göttingen, Kreuz, Visitation 1968.
- Neubert, S. 74.
- Neubert, S. 70, nach der bei der Grundsteinlegung eingemauerten Stiftungsurkunde.
- LkAH, L 5c, unverz., Göttingen, St. Albani, Visitation 1988. Allgemein: Cordes, Gemeindepartnerschaften, S. 38 ff.
- KABl. 1965, S. 4; Neubert, S. 70.
- 25 Jahre, S. 32; Neubert, S. 72 f.
- LkAH, L 5c, unverz., Göttingen, Kreuz, Visitation 1968.
- Dies und das folgende Zitat: LkAH, L 5c, unverz., Göttingen, Kreuz, Visitation 1982.
- KABl. 2013, S. 150 ff.; KABl. 2025, S. 275.
- KABl. 2025, S. 75 ff. Folgende KG gehören zum KGV Region Gleichen/Göttingen-Süd: KG Diemarden, Apostel KG Gleichen, Kreuzweg-KG Gleichen, Kreuz-KG Göttingen, Stephanus-KG Göttingen-Geismar, St. Martins-KG Göttingen-Geismar, KG Lengder Burg und KG Reinhausen.
- KABl. 1965, S. 4.
- KABl. 2000, S. 150 f.
- KABl. 2022, S. 189 ff.
- Engelhardt, Kirchen, S. 89; Denkmalatlas Niedersachsen.
- Freigang, Brandi, S. 59.



