Sprengel Ostfriesland-Ems, KK Harlingerland | Patrozinium: Florian1 | KO: Ostfriesische KO von 1716

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Orts- und Kirchengeschichte

Die im 11. Jh. gegründete Warftsiedlung lag zu Zeiten der größten Ausdehnung der Harlebucht im 12. Jh. auf einer Insel im Wattenmeer. Der erste Kirchenbau entstand vermutlich gleichfalls im 12. Jh. auf einer eigenen Kirchenwarft am östlichen Dorfrand. Die auf dem gleichen Platz errichtete heutige Kirche stammt aus dem 14. Jh. Seit 1420 ist sie in Schriftquellen (Bremer Dekanatsregister im Stade Copiar: Ffunerckesze dat VI. grosses) nachweisbar.2 Als erster Geistlicher erscheint 1523 her Johann, pastor tho Funnexe.3 Als erster luth. P. gilt der 1578 verstorbene Hermann Heinrich Japeti.4
Großen Ansehens erfreute sich in der Gemeinde der von 1771 bis 1791 in Funnix amtierende P. Johann Christian Jani († 1813), der sich auch einen Namen als Verfasser theologischer (Streit-)Schriften machte (Gegner der von Sup. Gerhard Julius Coners propagierten Aufklärungstheologie) und 1791 als Oberdomprediger sowie GSup. der Altmark und Prignitz nach Stendal wechselte.5
Wie das gesamte Harlingerland galt die überwiegend von Bauern und Arbeitern bewohnte Gemeinde als wenig kirchlich, eine Haltung die durch die starke Präsenz des Tannenbergbundes (Bund für Gotterkenntnis) in der NS-Zeit noch verstärkt wurde und sich auch über die Kriegszeit hinaus auswirkte.6 Die P., die in der Zeit des Kirchenkampfs in Funnix wirkten (P. Hafermann 1914-1935, P. coll. Marx 1937/38) werden als bekenntnistreu beschrieben, gehörten aber wohl nicht der BK an. Die Gemeinde teilte überwiegend ihre Haltung. 1934/35 fanden in Funnix mehrere gut besuchte BK-GD statt.
Mit dem 1. Januar 1969 wurde die Pfarrstelle der Maria-Magdalenen-KG in Berdum in eine KapG umgewandelt und in die KG Funnix eingegliedert7 und mit dem 1. Juli 1978 die KG Buttforde durch das Pfarramt Funnix mit der KG Funnix pfarramtlich verbunden.8 Nach Aufhebung dieser Verbindung wurde Funnix am 1. August 2005 mit der KG Carolinensiel pfarramtlich verbunden.9 Zum 1. Juli 2015 löste sich die KapG Berdum auf und die KG Funnix erhielt den neuen Namen KG Funnix-Berdum.10

Umfang

Die Dörfer Altfunnixsiel, Funnix, Neufunnixsiel und Westerdeich; die Höfe Enno-Ludwigsgrode, Ennoswonne, Funnixer Große und Kleine Riege, Funnixer Altedeich, Funnixer Hörn, Funnixer Mitteldeich und neue Mitteldeich, Güstweide, Goldenstraße, Grünweg, Heglershausen, Ihnkenburg, Käkerei, Kattrepel bei Altfunnixsiel, Kattrepel bei Neufunnixsiel, Lehe, Ludwigsburg, Lüchtenburg, Osterhusen, Poggenburg, Vereinigung und Westerhusen; seit 1969 auch die frühere KG Berdum mit dem Dorf Berdum und den zugehörigen Höfen.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat des bremischen Domscholasters (Sedes Wittmund). – Unterstand von 1631 bis 1643 dem luth. Coetus in Esens und ab 1643 unmittelbar dem luth. Konsistorium in Aurich. Mit Erlass der ostfriesischen Insp.-Ordnung 1766 zur 6. (später 8. und vor 1819 9.) luth. Insp. mit Sitz in Wittmund, ab 1924 KK Wittmund (1. Januar 1974 mit dem KK Esens zum KK Harlingerland vereinigt).

Patronat

Der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau

Ehemals in drei Joche eingewölbte, heute durch eine flache Balkendecke geschlossene rechteckige Saalkirche aus rotem Ziegelmauerwerk, erbaut 1330/1400; im Westen um 1500 um etwa drei Meter verkürzt. Westportal und Giebel sind spätgotisch. Innen wurden 1669 Seitenemporen eingebaut. Ein hölzerner Lettner zwischen Altarraum und Schiff wurde 1954/55 entfernt und 1983 wieder hergestellt.

Turm

Vor dem Westgiebel ein freistehender Backsteinglockenturm des geschlossenen Typs (13. Jh.).

Ausstattung

Gemauerter Blockaltar. Darauf ein zweiflügeliger niederdeutscher Schnitzaltar aus dem späten 15. Jh.; im Zentrum des Mittelschreins ein Kalvarienberg, links davon Gethsemane und Kreuztragung, rechts Auferstehung und Dornenkrönung. In den Flügeln links die Jugendgeschichte Jesu, rechts Apostelgeschichte und Szenen aus dem Leben des Apostels Andreas. Zwischen den Feldern der Flügel sechs Apostelfiguren.11 Verlorene Figuren wurden im 17. Jh. durch Jacob Cröpelin ersetzt. Auf der Rückseite der Flügel Gemälde der heiligen Bischöfe Bernhard und Augustinus (wohl 1668). – Barocke Kanzel, teilweise von Jacob Cröpelin (Esens), auf den Seiten zwischen Ecksäulen Statuetten der vier Evangelisten (1650/68). – Taufstein aus Granit (wohl Ende 12. Jh.) – Weihwasserbecken aus Granit (wohl 12. Jh.). – Sieben Holzbildwerke, die möglicherweise nach der Reformation aus anderen Kirchen oder Klöstern nach Funnix gebracht wurden: Thronende Muttergottes (Eichenholz, frühes 13. Jh., Robra: erste Hälfte 14. Jh.12; vielleicht westfälisch oder vom Niederrhein). Gekrönte Heilige mit Buch (Eichenholz, Anfang 13. Jh.); weibliche bekrönte Heiligenfigur (Eichenholz, um 1380/140013). Anna Selbdritt (Eichenholz, Ende 15. Jh.). Heilige Barbara (um 1500). Marienklage (Eichenholz, um 1520, Meister von Osnabrück oder dessen Umkreis14). Die Originale wurden 1990 dem Schlossmuseum in Jever übergeben und später durch Repliken ersetzt. – Grabmal des P. Hermann Heinrich Japeti († 1578).15 Grabmal der Gertrudt Erasmi, Tochter des P. Erasmus Hermanni († 1600).16

Orgel

Bei der Visitation von 1653 wird der Organist Johannsen erwähnt (frühester Nachweis). Die Orgel befand sich ursprünglich an der Ostseite der Kirche auf einer Prieche über dem Altar. Joachim Kayser (Jever) baute 1678 ein neues Positiv mit sieben Reg. Weiterer Neubau mit Rokoko-Gehäuse 1760-62 durch Johann Friedrich Constabel und Hinrich Just Müller (Wittmund), 8 I/aP, mechanische Traktur, Schleifladen. 1911 Instandsetzung und Änderung der Disposition durch Johann Martin Schmid (Oldenburg). 1953/54 durch die Firma Alfred Führer (Wilhelmshaven) renoviert, teilweise verändert und an die Westseite der Kirche verlegt. 1984-86 wurde dieser Umbau durch das gleiche Orgelbauunternehmen revidiert und der frühere Zustand wieder hergestellt. Denkmalorgel.17

Geläut

Eine LG in f’ (Bronze, Gj. 1622, Hans Nuesel, Hamburg).

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus mit Gemeindeteil (Bj, 1913).

Friedhof

An der Südseite der Kirche. Eigentum der KG.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 6 Nr. 2533-2534 (Pfarrbestallungsakten); A 8 (CB); A 12 d (GSuptur. Aurich); D 57 (EphA Wittmund).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 483; Kaufmann, Orgeln Ostfrieslands, S. 123 f.; Meinz, Sakralbau Ostfriesland, S. 129 f.; Mithoff, Kunstdenkmale VII, S. 94 f.; Müller-Jürgens, Vasa sacra, S. 65 f.; Noah, Kirchen Harlingerland, S. 72-77; Robra, Holzplastik, passim; Schild, Denkmal-Orgeln I, S. 358-372.
B: Robert Noah: Die Kirche in Funnix. Der Bau und seine bemerkenswerte Ausstattung, in: Harlinger Heimatkalender 2005, S. 59-66.


Fußnoten

  1. Kein mittelalterliches Patrozinium.
  2. Hodenberg, Stader Copiar, S. 52.
  3. Meyer, Pastoren I, S. 300.
  4. Reershemius, Predigerdenkmal, S. 482.
  5. Ernst, Einflüsse der Aufklärung, S. 264 f.
  6. LkAH, L 5i, Nr. 289 (Visitation 1950).
  7. KABl. 1969, S. 12.
  8. KABl. 1978, S. 83.
  9. KABl. 2005, S. 194.
  10. KABl. 2015, S. 69 f.
  11. Robra, Holzplastik, S. 30-32.
  12. Robra, Holzplastik, S. 15.
  13. Robra, Holzplastik, S. 20 f.
  14. Robra, Holzplastik, S. 20.
  15. Stracke, Bildnisgrabmale, S. 88.
  16. Stracke, Bildnisgrabmale, S. 122.
  17. LkAH, B 1 A, Nr. 4587 (Verzeichnis der Denkmalsorgeln der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers, Stand 01.10.1958).