Frühere Gemeinde | KapG der KG Funnix (ab 1969) | Sprengel Ostfriesland-Ems, KK Harlingerland | Patrozinium: Maria Magdalena | KO: Ostfriesische KO von 1716

Orts- und Kirchengeschichte

Ersterwähnung 1420 im Stader Copiar. Die Gemarkung von Berdum lag überwiegend im Bereich der Harlebucht, die erst von der Mitte des 14. Jh. an abschnittsweise eingedeicht wurde (Ortsteil Berdumer Großeriege 1599, Berdumer Groden 1637/38, Enno-Ludwigs-Groden 1658). Die Herrschaft übte im späten Mittelalter ein lokales Häuptlingsgeschlecht aus. Bis 1523 war das Haus Berdum im Besitz der Familie von Bassen. Nach dessen Erlöschen fiel es an die die von Bothmar, dann an die von Reinking.

Kapelle, Ansicht von Nordwesten, um 1964

Kapelle, Ansicht von Nordwesten, um 1964

Kirchlich war Berdum 1420 noch der Sendkirche in Wittmund unterstellt. 1520 erscheint Her(o) heer pastor to Berden. Unter den nachref. Geistlichen ragt P. Balthasar Arents (amt. 1675-1687) heraus, der neben theologischen Schriften zwei Chroniken und eine historische Topographie des Harlingerlandes verfasste. Insbesondere seine Landesbeschreibung des Harlingerlandes ist von bedeutendem Wert als historische Quelle.1
1966 umfasste die KG nur noch rund 420 Gemeindeglieder. Mit dem 1. Januar 1969 wurde daher die Pfarrstelle mit der von Funnix vereinigt und die KG Berdum unter Umwandlung in eine KapG in die KG Funnix eingegliedert.2 Trotz der Rückstufung und Aufgabe der eigenen Pfarrstelle bewahrte Berdum zunächst ein hohes Maß an Eigenständigkeit, so dass zeitweilig sogar erwogen wurde, die Umwandlung in eine KapG rückgängig zu machen.3 Es blieb jedoch letztlich beim Status quo. Zum 1. Juli 2015 löste sich die KapG Berdum auf, Rechtsnachfolgerin wurde die KG Funnix, die gleichzeitig den neuen Namen KG Funnix-Berdum erhielt.4

Umfang

Das Dorf Berdum, die Höfe Adlershof, Haus Berdum, Berdumer Altedeich, Alte Mitteldeich, Neue Mitteldeich und Oberdeich, Berdumer Große und Kleine Riege, Detmershausen, Ehrenwolde, Grünhof, Grünweg, Hammrich, Heppens, Harmenslust, Iheringshafe, Koppelsburg, Königskron, Lilienthal, Otterdeich, Rosenthal, Schönefeld, Stempelsgrode, Südwendung, Tiemannsegge und Tölnniesgrund.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat des Bremer Domscholasters. – 1631 bis 1643 dem luth. Coetus in Esens und ab 1643 unmittelbar dem luth. Konsistorium in Aurich unterstellt. Mit Erlass der ostfriesischen Insp.-Ordnung 1766 zur 6. (später 8. und vor 1819 9.) luth. Insp. mit Sitz in Wittmund, ab 1924 KK Wittmund (1. Januar 1974 mit dem KK Esens zum KK Harlingerland vereinigt).

Patronat

Der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau

Das heutige KGb wurde 1800/01 durch den Landbaumeister Ludwig Franzius an der Stelle eines wohl wegen Baufälligkeit abgerissenen Vorgängers errichtet. Rechteckige klassizistische Saalkirche aus rotem Ziegelmauerwerk, innen von einer Brettertonne überwölbt. Kastengestühl, Empore, Priechen aus der Erbauungszeit.

Turm

Quadratischer Westturm mit Pyramidendach und vierseitig offener Laterne. Wetterschwan als Bekrönung.5

Ausstattung

Neugotisches Altarretabel aus Holz (19. Jh.). Auf dem Altarbild der Sinkende Petrus. – Taufstein des 13. Jh., Becken in Form einer umgekehrten Faltkuppel, Fuß neu aus Zement. – Zwei kleine Evangelistenfiguren, wohl aus der alten Kanzel (17. Jh., eventuell aus der Werkstatt Cröpelin in Esens).

Orgel

Orgel

Orgel

1677 baute Joachim Richborn (Hamburg) ein Orgelpositiv auf einer kleinen Orgelempore, vermutlich an der Nordseite der Kirche oder an der Südseite des Chors. 1785 Neubau durch Hinrich Renken de Vries (Upende), 8 I/aP. Das alte Positiv wurde von de Vries nach Grimersum verkauft. Beim Neubau der Kirche 1800/01 wurde die alte Orgel zunächst übernommen, 1878 jedoch durch einen Neubau von Gerd Sieben Janssen (Aurich) ersetzt; 5 I/aP, mechanische Traktur, Schleifladen. 1977 Instandsetzung durch Firma Alfred Führer (Wilhelmshaven).

Geläut

Eine LG in e’ (Bronze, Gj. 1578).

Friedhof

Auf dem Kirchhof. Eigentum der KG (jetzt KapG).

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 6 Nr. 679-684 (Pfarrbestallungsakten); A 8 (CB); A 12 d (GSuptur. Aurich); D 57 (EphA Wittmund).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 211; Kaufmann, Orgeln Ostfrieslands, S. 72-74; Mithoff, Kunstdenkmale VII, S. 36-38; Müller-Jürgens, Vasa sacra, S. 44 f.
B: Karl-Heinz de Wall: Berdum hatte eigene Häuptlinge, in: Friesische Heimat, 1. Juli 1976.


Fußnoten

  1. Reershemius, Predigerdenkmal, S. 487; BLO III, S. 25-27.
  2. KABl. 1969, S. 12.
  3. LkAH, L 5i, Nr. 288 (Visitation 1990).
  4. KABl. 2015, S. 69 f.
  5. Lübben, Wetterschwäne, S. 26.