Sprengel Hannover, KK Grafschaft Schaumburg | Patrozinium: Ursprünglich wohl Maria, nach 1234 Johannes der Täufer | KO: Schaumburger KO von 1614

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Orts- und Kirchengeschichte

Uisbeccae, im ehemaligen Gau Tilithi, gelegen, wird 892 in einer Schenkungsurkunde Arnulfs von Kärnten für den Gf. Ekbert erstmals genannt1 und gilt damit als der älteste urkundliche erwähnt Ort des Schaumburger Landes. Die Geschichte der Kirche ist eng mit der des dortigen Stifts verbunden, das 955 durch die Adelige Helmburg aus dem Geschlecht der Ekbertiner errichtet wurde.2 Otto I. verlieh ihm das Wahlrecht, Unabhängigkeit und Immunität und übernahm selbst die Vogtei, die den Hzg. von Sachsen zu Lehen gegeben wurde. Als Untervögte fungierten die Gf. von Schaumburg, in deren Territorium das Stift lag. Helmburg scheint zunächst selbst die Leitung übernommen zu haben, ohne dass sie zur Äbtissin geweiht wurde. Erste Äbtissin war ihre Tochter Alfheid († um 1017). 1004 und 1025 wurden die Privilegien des Stifts durch die Kg. Heinrich II. und Konrad II. bestätigt.
1147 bemühte sich Wibald von Corvey um die Unterstellung des Stifts unter seine Reichsabtei, scheiterte aber am Widerstand der Stiftsdamen, Heinrichs des Löwen (als Inhaber der Vogteirechte) sowie des Gf. Adolf II. von Schaumburg. Ebenso wenig kam die durch den Mindener Bf. betriebene Umwandlung in ein Benediktinerkloster zustande. Im Zuge der klösterlichen Reformbewegung nahm der Konvent in der zweiten Hälfte des 13. Jh. die Augustinerregel an, die 1262 erstmals bezeugt ist. 1347 wurde das Stift in die Bruderschaft der Augustinereremiten von Thüringen und Sachsen aufgenommen. Der Klosterreformator Johannes Busch machte es um 1450 zu einem Musterkloster des Windesheimer Typs. Bf. Heinrich von Mindern und Gf. Erich III. zu Holstein und Schaumburg setzten 1485 gegen den Widerstand der Stiftsangehörigen die Einführung der Augustinerregel durch.
Wohl schon vor der Stiftsgründung hat in Fischbeck eine kleine Missionskapelle bzw. Niederkirche für Fischbeck und die Sünteldörfer bestanden. Nach der Gründungsurkunde waren damals schon 29 Hufen Land für den Dienst der ecclesia Visbeki bestimmt. Später war die Stiftskirche auch Pfarrkirche für das Ksp. Fischbeck. 1469 wurde die Pfarre dem Stift inkorporiert.3
Die dreischiffige Kreuzbasilika, errichtet vermutlich an der Stelle eines Vorgängerbaus ab der ersten Hälfte des 12. Jh. und 1190/92 erstmals urkundlich erwähnt, ist der bedeutendste sakrale Großbau des mittleren Wesergebiets. 1234 ist sie teilweise niedergebrannt. Nach dem Wiederaufbau (mit Veränderungen an Chor und Langhaus) wurde sie 1254 neu geweiht. Zur Ausstattung gehörten in vorref. Zeit neben dem der Maria und den Heiligen Drei Königen geweihten Altar auf dem Hochchor (1387 durch Gf. Otto I. zu Holstein und Schaumburg dotiert) mehrere Nebenaltären: Johannesaltar (wohl schon vor 1130); Katharinenaltar (1333 als neu erwähnt und durch den Ritter Johannes Busche mit einem Kothof in Hemeringen dotiert4); Annenaltar (1349); Petrus- und Paulus-Altar in der Krypta (1387); St. Johannis (1479). Vier Geistliche waren in vorref. Zeit am Stift angestellt: der Kaplan der Äbtissin, der Vikar am Marienaltar, der zugleich die Funktion des Gemeindepfarrer (Pleban) versah, ein Vikar/Kaplan am Katharinenaltar und ein Vikar am Altar der Heiligen Drei Könige. 1470 veranlasste Papst Paul II. die Inkorporierung der Kaplanei am St.-Katharinen-Altar in die Pfarrkirche.5
Als Geistliche sind namentlich belegt: Heinrich Rode und Heinrich von Minden (Priester, 1306); Ludolph (Kaplan, 1313); Rotger, Johann und Hermann (Priester, 1317); Heinrich, Ludolph und Gerhard (Priester, 1323); Heinrich (Kaplan, 1329); Burchard (Kapeln, 1341); Ludolph von Horn (Vikar an Katharinenaltar, 13536); Konrad/Cord (Kaplan, 1379); Johannes Scodibusch (Priester am Altar der Jungfrau Maria, der Heiligen Drei Könige und der 10.000 Ritter, 13877) Johann Fabri (Kirchherr, 1458, 14708); Hermann Stoter (Kaplan der Lehen in der Kapelle Unser Lieben Frau, 1461/65); Konrad Querenkerken (Kaplan, 1465). 1412 tauschte Gottfried, Vikar des Katharinenaltars, seine Stelle mit dem Pfarrer Johann Bokuel in Nettelrede.9 Zwischen 1452 und 1482 bestätigte Äbtissin Armgard von Reden Cort van dem Broke als Kaplan am St.-Katharinen-Altar, nachdem er anlässlich der Reform des Stiftes resigniert hatte.10 1477 war Johann vom Spanne Inhaber des Dreikönigs-Altars. Als seine Vorgänger werden Hermann von Benessen und Johann Schottelkorf genannt.11 1504 übertrugen Äbtissin und Konvent die Leitung der Pfarrkirche in Fischbeck dem bisherigen Kaplan Johannes Bobert.12 Gegen das Versprechen „angemessener testamentarischer Zuwendungen“ wurde die Seelsorge in der Kirche in Fischbeck 1554 auf Lebenszeit dem Stiftsamtmann Dietrich Selewinder übertragen.13
Selewinder dürfte der letzte altgläubige Inhaber der Pfarrpfründe gewesen sein. 1559 nahm Gf. Otto IV. von Schaumburg als Landesherr das luth. Bekenntnis an und führte in der Gft. die Mecklenburgische KO ein. In Fischbeck wurde auf seine Veranlassung Pfingsten 1559 der ev. GD eingeführt. Die Stiftsdamen unter der Führung der Äbtissin Katharina von Rottorp hatten sich – aus Furcht vor einer Säkularisierung – der Neuerung zunächst verweigert. Tatsächlich war der Bestand des Stifts zeitweilig gefährdet. Otto verzichtete schließlich unter dem Druck des schaumburgischen Adels, der dort seine unverheirateten Töchter versorgte, auf die Aufhebung und garantierte dem Konvent 1563 Bestand und Besitz. Mit der im gleichen Jahr erlassenen Klosterordnung wurde die Reformation endgültig festgeschrieben. Stift Fischbeck wurde ein freiadeliges ev. Damenstift, das weiterhin das Patronatsrecht über die Pfarrkirche ausübte. 1587 wurden die alten Rechte von Ks. Rudolf II. ausdrücklich bestätigt. Ein Vertrag von 1602 besiegelte die schaumburgische Landeshoheit bei gleichzeitiger Garantie der Stiftsunabhängigkeit und freien Wahl der Äbtissin.
Von den vier Geistlichen, die vor der Reformation in der Stiftskirche ihren Dienst versahen, wurden drei nicht mehr benötigt. Nach dem Abbau der den Heiligen Katharina, Anna und Johannes geweihten Nebenaltäre wurden sie 1563/64 entlassen. Der bisherige erste Geistliche Heinrich Neteler (amt. 1557–1584), der bereits dem luth. Bekenntnis anhing, wurde als Stiftsprediger übernommen. Ein Vikar übernahm wohl die Funktion des Kantors und Küsters.14 Nach Netelers Tod wurde Johannes Bürenheim (amt. 1584–1606) zum Stiftsprediger bestellt.
Fs. Ernst zu Holstein und Schaumburg erließ 1614 eine neue KO und 1621 eine Klosterordnung für die Damenstifte in Obernkirchen und Fischbeck, in der das Nonnenhabit und die lateinischen Kirchengesänge abgeschafft wurden. Die Liturgie der GD wurde neu geregelt. Schon vorher hatte sich die reformatorische Liturgie auch bei der Ausstattung und Gestaltung des Kirchenraums bemerkbar gemacht.
Im Dreißigjährigen Krieg wurden Stift und Kirche am 30. Juni 1625 durch kaiserliche Truppen geplündert. Die Äbtissin Agnes von Mandelsloh fand dabei den Tod. Infolge des Restitutionsedikts von 1629 wurde gegen den Widerstand ihrer Nachfolgerin die Rekatholisierung betrieben. Stift und Kirche wurden durch Jesuiten vereinnahmt, das Vermögen sollte bei der Ausstattung eines Jesuitenkollegs in Hameln Verwendung finden. Der ev. Pfarrer Ludolf Ebeling hielt seine GD in der Vogtei ab. Das Stift selbst war bis 1633 mit Mönchen aus Corvey besetzt. Nach der Niederlage der Kaiserlichen bei Hessisch Oldendorf wurde der frühere Rechtszustand wiederhergestellt.
Nach dem Tod des letzten Schaumburger Gf. Otto V. (1640) ergriff der Mindener Bf. im Namen der schwedischen Krone von dem Stift Besitz. Bei der Teilung der Gft. Schaumburg 1647/48 fiel es an die Landgrafschaft Hessen-Kassel. Lgfn. Amalie Elisabeth bestätigte 1649 die alten Schaumburger Rechte einschließlich der Ausübung der Augsburgischen Konfession in der Gft. Schaumburg.
In den Napoleonischen Kriegen mussten Äbtissin und Stiftsdamen zeitweilig nach Rinteln flüchten. Am 1. Dezember 1810 hob Kg. Jérôme von Westphalen das Stift auf. 1814 wurde es restituiert. Es gehörte von 1821 bis 1866 zum Kfsm. Hessen, ab 1867 zur preußischen Provinz Hessen-Nassau und ab 1932 zur Provinz Hannover. Ab 1889 fungierte der jeweilige Landrat des Kr. Gft. Schaumburg als landesherrlicher Kommissar für das Stift. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Rechtsaufsicht auf den Präsidenten der Klosterkammer übertragen. Das Stiftskapitel besteht bis heute. Die P. trugen bis 1964 die Bezeichnung „Stiftsprediger“. Die 1903/04 durch den Bauhistoriker Albrecht Haupt (Hannover) grundlegend renovierte Kirche ist Eigentum des Stifts, die KG nur Mitnutzer.
Unter den P. sind hervorzuheben: Christian Ludwig Funck (amt. 1785–1805), nachher Oberprediger, Konsistorialrat und Sup. der schaumburgischen Landeskirche, der auch schriftstellerisch tätig war und an der Überarbeitung des Landeskatechismus und des Gesangbuchs mitarbeitete. Von 1814 bis 1824 amtierte P. Philipp Eberhard Habicht, der frühere Kabinettsprediger der Kgn. Katharina von Westphalen, später Sup. und Konsistorialrat in Bernburg. Sein Nachfolger war Dr. Johann Ludwig Hyneck (amt. 1825–1883), Verfasser einer „Geschichte des freien adlichen Jungfrauenstiftes Fischbeck und seiner Äbtissinen“ (Rinteln 1856) und damit einer der ersten Chronisten des Stifts.
Der P. war um 1835 zu einer Predigt am Johannistag sowie je einer Ansprache am Erntefest und zur Einführung von neuen Kapitularinnen verpflichtet, ebenso zweimal jährlich im Mai und um den Jakobstag zu je einer Predigt (Gedenken an einen Dorfbrand und Hagelfeier) im Schulhaus zu Wehrbergen, das bis zum Siebenjährigen Krieg über eine Kapelle verfügte.15
Mit dem 1. April 2008 wurden die KG Fischbeck, Hessisch-Oldendorf, Weibeck-Krückeberg und Großenwieden pfarramtlich verbunden.16

Pfarrstellen

Vorref. – II: 1. Januar 197117; 1. Juli 1984 aufgehoben18; 1. Februar 1989 neu errichtet.19

Umfang

Der Pfarrsprengel umfasste Stift und Dorf Fischbeck, den Ziegelhof an der Fischbecker Landwehr und das Landgut Stau sowie die Dörfer Höfingen (mit der Hägersmühle), Haddessen, Bensen, Pötzen mit der (Pötzer Landwehr) sowie die um 1559 von Holtensen nach Fischbeck umgegliederte hannoversche Gemeinde Wehrbergen.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Ohsen der Diözese Minden. – Mit dem Anfall an Kurhessen 1647 zur Diözese Rinteln/KK Grafschaft Schaumburg (Klasse Rinteln). 1925 bis 1931 war Fischbeck Sitz des Sup. des KK Grafschaft Schaumburg. Am 1. April 1937 erfolgte die Umgliederung in die Ev.-luth. Landeskirche Hannovers (KK Grafschaft Schaumburg).20

Patronat

Das Kapitel des Stifts Fischbeck (bis heute).

Kirchenbau

Unter Verwaltung der Klosterkammer. Dreischiffige, flachgedeckte, spätromanische Basilika mit Westbau und Krypta (frühes 12. Jh.); das Außenmauerwerk überwiegend aus Bruchstein, der Westriegel (Mitte 12. Jh.) aus Quadermauerwerk. Chor und Apsis wurden wegen der darunter liegenden dreischiffigen Hallenkrypta (um 1120) erhöht. Die Arkatur, ursprünglich mit doppeltem Stützenwechsel, wurde nach dem Brand von 1234 verändert. Weitere geringe Umbauten im 15. Jh. Nach einer Vergrößerung des Konvents ließ die Äbtissin von Reden 1458 im südlichen Querhaus einen neuen Jungfrauenchor anlegen. Der Innenraum wurde Anfang des 18. Jh. umfassend barockisiert. 1903/04 wurden bei einer Renovierung u. a. die barocken Emporen vor den Seitenschiffen entfernt. Neuromanische Ausmalung nach Entwurf von Hermann Schaper (1903/04). 1988–92 Innenrenovierung und Restaurierung der Ausstattung, 1996/97 Restaurierung von Chor, Vierung, Seitenhäusern, Langhaus und Seitenschiffen. Ab 2013 Sanierung der Westfassade.

Turm

Westriegel mit Walmdach und aufgesetztem achtseitigem Dachreiter. Der Turm wurde um 1685 wegen Baufälligkeit abgetragen und in der heutigen Gestalt neu aufgebaut.

Grablege

Der Kirchenraum wurde bis Anfang des 18. Jh. für Bestattung benutzt. Als letzte wurden die Äbtissinnen Anna Knigge († 1663) und Elisabeth Sidonie von Arenstedt († 1701) dort beigesetzt. Auch das Gewölbe unter der Turmhalle wurde als Grablege genutzt. Spätere Beisetzungen fanden, wie zuvor schon für die Stiftsdamen, in der Krypta statt sowie (ab 1693) in der an der Südseite des Hochchors gelegenen Marienkapelle (ehemalige Privatkapelle der Äbtissinnen, 1847 abgebrochen).

Ausstattung

Auf einem mittelalterlichen Stipes ein Barockaltar mit Kreuzigungsbild zwischen gedrehten Säulen, Knorpelwerk, Sprenggiebel (1709), von einem namentlich nicht bekannten Meister aus Halberstadt (Stiftung der Äbtissin Elise Marie von der Asseburg). Das heutige Altarbild wurde 1874 von Karl Andreä (Dresden) geschaffen. – Barocke Fünfsechstelkanzel auf freistehender, gedrehter Stütze, 1710 wohl vom gleichen Meister wie der Altaraufsatz. – Ornamentierter, runder Taufstein (1615).21 – Hölzernes Lesepult in der Form eines Adlers (14. Jh.). – Kopie eines romanischen Kopfreliquiars Johannes des Täufers (Ende 12. Jh., Original im Kestner-Museum Hannover). – Triumphkreuz (Mitte 13. Jh.) über dem Choraufgang. – Holzskulptur, vielleicht der Stifterin Helmburg, an der südlichen Chorwand (um 1300). – Epitaphe der Äbtissinnen Katharina von Rottorp († 1580) und Margaretha von Oppen. – Grabdenkmal Adolfs VII. von Schaumburg (um 1361). – Wandteppich mit Darstellung der Gründungslegende (1583 nach dem verlorenen Original aus dem 13. Jh. angefertigt). – Kronleuchter (1662, gestiftet durch die Äbtissin Anna von Knigge).

Orgel

Schon 1510 führte das Stift eine Sammlung für den Bau einer Orgel durch.22 Ein neues Instrument (13 klingende Stimmen) erbaute um 1670 der Orgelbauer Christian Förner auf einer Prieche im Hochchor. 1707 wurde es in das Westwerk versetzt und 1720 durch C. P. Fricke (Hameln) instandgesetzt. Weiterer Neubau 1734/36 auf Veranlassung der Äbtissin Maria Magdalena von der Kuhla durch den Orgelbauer Johann Adam Berner (Osnabrück), 27 II/P. Die Reg. wurden teilweise aus dem Vorgänger von Förner übernommen. Der Orgelprospekt stammt von dem Bildschnitzer Meister Thomas aus Hameln. 1738 wurde die Orgel durch Johannes Patroclus Möller (Lippstadt) um ein Reg. (Vox humana) ergänzt. Instandsetzungen um 1803 durch Ernst Gottlieb Henke (Fischbecker Landwehr), 1815–17 Orgelbauer Moebius (Lauenau), 1840 C. W. Möhling (Rinteln) sowie 1885 P. Furtwängler & Hammer (Hannover); dabei Austausch von vier Reg. 1904 Neubau durch P. Furtwängler & Hammer (Hannover), 24 II/P (HW, RP, Reg. teilweise aus der alten Orgel übernommen), pneumatische Traktur, Kegelladen. Der historische Prospekt wurde bis auf einen Teil des Figurenschmucks erhalten und neu gefasst. 1927 Einbau eines elektrischen Gebläses. 1955/56 Neubau des Werks mit Schleifladen durch die Firma Hammer in Anlehnung an die 1840 aufgezeichnete Disposition von J. A. Berner; einige Veränderungen nach Vorgaben von Kirchenrat Rudolf Utermöhlen, jetzt 30 II/P (HW, RP). 1982 Restaurierung durch Gebrüder Hillebrand (Altwarmbüchen). 2007 Neubau durch Gebrüder Hillebrand (Altwarmbüchen), in Anlehnung an die Disposition von J. A. Berner, 32 II/P (HW, RP).

Geläut

Sieben LG, I: es’ (Bronze, Gj. 1731, Johann Gottfried Lapaix, Neheim); II: as’ (Bronze, Gj. 1955, Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg); III: b’ (Bronze, Gj. 1955, Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg); IV: c’’ (Bronze, Gj. 1679, Claudius Bricon, Steinheim); V: es’’ (Bronze, Gj. 1955, Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg); VI: f’’ (Bronze, Gj. 1959, Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg); VII: as’’ (Bronze, Gj. Ende 13. Jh.). – Zwei SG im Dachreiter auf dem Westwerk, I: c’’’; II: f’’’ (beide Gj. um 1900). – Früherer Bestand: Mit der Erwähnung eines Glöckners ist 1387 erstmals ein Geläut an der Kirche belegt. 1510 wurde eine große Glocke repariert. Nähere Angaben liegen erst seit dem 17. Jh. vor. Damals bestand das Geläut aus vier LG (zwei große, zwei kleine). 1679 wurden drei geborstene LG (die beiden großen und eine kleinere) durch den Meister Claudius Bricon aus Steinheim umgegossen, die Sonntagsglocke (LG II) 1692 erneut durch Nikolaus Grewe (Hannover), 1725 LG I durch Christian Voigt (Minden) sowie 1732 LG I und II durch Johann Gottfried Lapaix. Im Zweiten Weltkrieg wurden die beiden größten Glocken abgegeben; LG I wurde nach dem Krieg unbeschädigt zurückgegeben. 1955 und 1959 wurde das Geläut durch Glocken von Friedrich Wilhelm Schilling (Heidelberg) ergänzt.

Weitere kirchliche Gebäude

Ein Pfarrhaus wurde bald nach der Reformation für den Stiftsprediger Johannes Bürenheim neu errichtet und 1695 sowie zuletzt 1756 durch Neubauten ersetzt. Der jetzige Bau als zweistöckiges Fachwerkhaus unter Krüppelwalmdach. Die ehemalige Pfarrscheune wurde 1939 zu einem Gemeindesaal umgebaut und 1986 erweitert. – Organisten- und Küsterhaus (1856). Kantor- und Lehrerhaus (1744).

Friedhof

Der Kirchhof wurde bis 1825 als Friedhof genutzt. 1824 wurde ein neuer Begräbnisplatz an der Lachemer Straße am westlichen Ortsrand angelegt. Eigentum des Stifts Fischbeck, FKap kommunal (Stadt Hessisch Oldendorf).

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 6 Nr. 2461 (Pfarrbestallungsakten); A 13 (Kirchenverwaltung der Gft. Schaumburg); A 34a (EphA Rinteln).

Literatur

A: Bach, Kirchenstatistik, S. 497–499; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 468–471; Mooyer, Gft. Schaumburg, S. 29 f.; Paulus, Nachrichten, S. 128; Siebern, BKD Kr. Schaumburg, S. 41–50.
B: Die Hillebrand-Berner-Orgel in der Stiftskirche Fischbeck, Fischbeck 2007; Dagmar Köhler und Renate Oldermann: Evangelisches Damenstift Fischbeck, München 2003, 8. Aufl.; Hans Walter Krumwiede: Das Stift Fischbeck an der Weser. Untersuchungen zur Frühgeschichte 955–1158, Göttingen 1955; Hans Walter Krumwiede und Heinz Meyer-Bruck: Das tausendjährige Stift Fischbeck, Göttingen o. J.; Renate Oldermann-Meier: Die Geschichte der Orgel in der Stiftskirche zu Fischbeck, in: Acta Organologica 27 (1992), S. 109–124; Renate Oldermann-Meier: Die Stiftskirche zu Fischbeck: Baugeschichte und Ausstattung nach der Reformation, in: JbGNK 99 (2001), S. 9–30; Renate Oldermann-Meier: Die Stiftsprediger in Fischbeck seit der Reformation, in: JbGNK 102 (2004), S. 243–266; Renate Oldermann-Meier: Stift Fischbeck. Eine geistliche Frauengemeinschaft in mehr als 1000jähriger Kontinuität, Bielefeld 2010, 2. Aufl.; Brigitte Poschmann: Das Stift Fischbeck zwischen Kaiser, Papst und Grafen, [Rinteln um 1990]; Martin Winter (Hg.): Wenn das Pfarrhaus in Fischbeck erzählen könnte … Kleine Chronik der Fischbecker P. und Pastorinnen von der Reformation bis zur Gegenwart, Fischbeck 2003.


Fußnoten

  1. MGH DD Arn 102.
  2. MGH DD O I 174; UB Fischbeck I, Nr. 1.
  3. UB Fischbeck I, Nr. 196; Schwarz, Papsturkunden, Nr. 2024.
  4. UB Fischbeck I, Nr. 99.
  5. UB Fischbeck I, Nr. 200.
  6. UB Fischbeck I, Nr. 120.
  7. UB Fischbeck I, Nr. 142.
  8. UB Fischbeck I, Nr. 204.
  9. UB Fischbeck I, Nr. 154.
  10. UB Fischbeck II, Nr. 239.
  11. UB Fischbeck II, Nr. 221.
  12. UB Fischbeck II, Nr. 279.
  13. UB Fischbeck II, Nr. 357.
  14. Winter, S. 3.
  15. Bach, Kirchenstatistik, S. 498.
  16. KABl. 2008, S. 42.
  17. KABl. 1971, S. 15.
  18. KABl. 1984, S. 37.
  19. KABl. 1989, S. 21.
  20. KABl. 1937, S. 85–88.
  21. Mathies, Taufbecken, S. 123.
  22. UB Fischbeck II, Nr. 284.