Sprengel Lüneburg, KK Walsrode | Patrozinium: Kreuz (seit 1999) | KO: Lüneburger KO von 1643

Orts- und Kirchengeschichte

Das östlich der Aller gelegene Dorf wird 826/876 in den Corveyer Traditionen als Heclo erstmals genannt.1 1237 erwarb Hermann von Hodenberg durch Tausch vom Kloster Walsrode sechs Hufen in Eickeloh.2 Die von Hodenberg/Hodenhagen besaßen das Dorf als Lehen, die Landesherrschaft lag bei den Lüneburger Hzg. (Amt Ahlden). – Auch kirchlich gehörte Eickeloh ursprünglich nach Ahlden. Nachdem Hermann III. von Hodenberg 1244 an der Meiße die Bruchfeste Hodenhagen hatte errichten lassen, besuchte die Einwohner von Eickeloh möglicherweise auch die dortige Burgkapelle, insbesondere wenn der Kirchweg nach Ahlden durch die Witterungsverhältnisse nicht passierbar war. Im Übrigen war aber weiterhin der Ahldener Pfarrer für die Seelsorge zuständig. Wegen der besonders im Winter unzulänglichen Wegeverbindung stifteten 1296 Heinrich von Hodenberg, seine Frau Hedwig sowie seine Söhne Hermann und Heinrich die Kirche in Eickeloh (Bestätigung durch Bf. Ludwig von Minden 23. August 1296).3 Konkreter Anlass soll ein Schiffsunglück auf der Aller gewesen sein, bei dem mehrere Kirchgänger ums Leben kamen. Das neue Ksp. umfasste die Dörfer und Wohnplätze zwischen Aller und Meiße. Sendrecht und kirchliche Aufsicht oblagen weiterhin der Archidiakonatskirche in Ahlden, der Eickeloh auch abgabenpflichtig war. In einem Zehntverzeichnis von 1489 wird es allerdings der Parochie Kirchboitzen zugerechnet.4 Der auf dem ehemaligen Kirchhof gelegene Bau der alten Kirche wird auf das 14. Jh. datiert. Es handelt sich um den ältesten erhaltenen gotischen Backsteinbau in der Heide-Aller-Region.
Von den vorref. Geistlichen wird 1523 im Landsteuerregister der kerckher Marquard von Hudenberge genannt.5 Über die Durchführung der Reformation liegen keine gesicherten Angaben vor. Das Fsm. Lüneburg nahm das luth. Bekenntnis 1527 an. Die Einführung in Eickeloh erfolgte wohl um 1530 von Ahlden aus. Als erster luth. P. erscheint im Visitationsprotokoll von 1543 Hinrich Woltmann.6
1866/68 ließ die KG auf einem schon vorher bestehenden Friedhof am Rand der alten Dorflage nach Plänen von Conrad Wilhelm Hase ein neues KGb errichten (Einweihung am 19. Dezember 1868). Nach den gleichen Plänen entstand etwa zeitgleich die Kirche in Eitzendorf. Die alte Kirche wurde durch den hannoverschen Kultusminister Bodo von Hodenberg als Familiengrabstätte erworben7, als solche 1999 aufgegeben und nach ihrer Sanierung 2001 wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Für den Erhalt der Pfarrstelle wurde 2009 der Förderkreis „Arche Eickeloh-Hademstorf“ gegründet

Umfang

Seit der Gründung die Dörfer Eickeloh und Hademstorf.8 Ursprünglich gehörte zur Parochie Eickeloh auch die Kapelle in Hudemühlen. Sie wurde 1424 der Pfarre in Ahlden inkorporiert und zugleich den von Hodenberg das Recht zur Einsetzung eines eigenen Priesters zugestanden.9 Mit dem 1. Januar 1961 wurde die Siedlung bei Hodenhagen von Hudemühlen nach Eickeloh umgepfarrt.10

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Ahlden der Diözese Minden. – Nach der Reformation wechselnder Suptur.-Sitz in Walsrode, Ahlden und Düshorn; bei der Teilung der Insp. 1774 zur neu gebildeten Insp. Schwarmstedt, ab 1882 Insp. (1924: KK) Ahlden und nach der Vereinigung des KK Ahlden mit dem KK Walsrode ab 1. Januar 1929 zum KK Walsrode.

Patronat

Die von Hodenberg als Stifter der Kirche. Das Patronat war Familienpatronat, zugleich aber an den Besitz der drei Familiengüter in Hudemühlen gebunden. Die Gemeinde pflegte seit jeher eine enge Beziehung zu ihren Patronatsherren: Von 1679 bis 1827 waren sämtliche P. vorher Hodenbergische Prediger in Hudemühlen. Durch Verzicht des Freiherrn Bodo von Hodenberg ist das Patronat 1974 erloschen.11

Kirchenbau – Alte Kirche

Schlichter, einschiffiger Saalbau aus Ziegelmauerwerk ohne Strebepfeiler auf einem rechteckigen Fundament aus Feld- und Raseneisenstein (14./15. Jh.). Am Ostgiebel weiß verputzte Blendnischen und ein zweibahniges gotisches Spitzbogenfenster. Der Innenraum ist durch eine verbretterte Balkendecke geschlossen, der Chor mit einem Kreuzgratgewölbe eingewölbt.

Turm

Westlich des Kirchenbaus befand sich früher ein (nicht erhaltener) hölzerner Glockenturm.

Kirchenbau – Neue Kirche

Gotisierende, vierjochige Backsteinsaalkirche in Nordost-Südwest-Ausrichtung (1866/68). Eingezogener, polygonaler Chor. Dreibahnige Maßwerkfenster.

Turm

Querrechteckige Turm unter Satteldach; daraus aufragend eine hohe, kupferverkleidete Spitze. Treppenhausanbau an der Nordwestseite.

Ausstattung

Neugotischer Altar und Kanzel der Bauzeit aus glasierten Klinkern. Das Altarretabel mit großem Kruzifix, flankiert von den Bildern Abels und Isaaks sowie Aaron und Melchisedek. In den Brüstungsfeldern der Kanzel die vier Evangelisten. – Taufstein mit sechsseitiger Kuppa auf einem Sockel aus drei Rundsäulen.

Orgel

1868 Neubau durch Folkert Becker (Hannover), neugotischer Prospekt nach Entwurf von Conrad Wilhelm Hase, 14 II/P, mechanische Traktur. Das Pfeifenmaterial stammt teilweise aus einer alten Orgel des Kantors A. Rodewald (Eickeloh) aus der Zeit um 1840. 1917 Ausbau der Prospektpfeifen (später durch Zinkpfeifen ersetzt). 1938 Veränderung der Disposition durch Lothar Wetzel (Hannover). 1971 Instandsetzung durch Martin Haspelmath (Walsrode). 1988 Restaurierung durch Firma Alfred Führer (Wilhelmshaven).

Geläut

Zwei LG, I: a’ (Bronze, Gj. 1775, Johann Meyer, Celle, Umguss aus einer älteren Glocke); II: c’’ (Bronze, Gj. 13.-15. Jh.). – Eine SG in d’’’ (Eisen, 20. Jh.).

Friedhof

Eigentum der KG. Der alte Friedhof, der angeblich schon seit 1245 bestand, wurde 1928 geschlossen und an den Nordrand des Ortes verlegt. FKap (Bj. 1973).

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 2670-2679 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 2023-2029 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 541-543 (Visitationen); D 99 (EphA Walsrode).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 424; Pantel, Denkmaltopographie Lkr. Soltau-Fallingbostel, S. 173-176; Hahn, Heidekirchen, S. 58 und 107; Holscher, Bisthum Minden, S. 270; Mithoff, Kirchen und Kapellen Lüneburg, S. 372; Pape, Haspelmath, S. 90-92; Schild, Denkmal-Orgeln I, S. 289-307; Wolff, KD Kr. Burgdorf und Fallingbostel, S. 118-120.
B: Franz Wiebe: Die Geschichte des Dorfes Eickeloh (Kr. Fallingbostel), Hannover, Eickeloh o. J.


Fußnoten

  1. Casemir/Ohainski, Niedersächsische Orte, S. 106.
  2. Lüneburger UB XV, Walsrode, Nr. 27.
  3. Westfälisches UB VI, Nr. 1578.
  4. Lüneburger UB XV, Walsrode, Nr. 315.
  5. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 468, Anm. 987.
  6. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 468.
  7. Vierteljährliche Nachrichten 1868, S. 184.
  8. Wolff, KD Kr. Burgdorf und Fallingbostel, S. 119.
  9. Hodenberger UB, Nr. 184.
  10. KABl. 1950, S. 106.
  11. LKA, G 15/Eickeloh.