Sprengel Lüneburg, KK Walsrode | Patrozinium: Michael (1989) | KO: Lüneburger KO von 1643

Orts- und Kirchengeschichte

Das auf halber Strecke zwischen Walsrode und Rethem gelegene Kirchdorf wird zum ersten Mal im Jahr 1203 urkundlich erwähnt, als Graf Sigfried von Osterburg dem Kloster Walsrode eine Hausstelle in Kirchboitzen (kerchbozem) übertrug.1 Der Landstrich zählte in sächsischer Zeit (7. Jh.) vermutlich zum Loingau.2 Das Mittelalter und die frühe Neuzeit hindurch war Kirchboitzen Gerichtsort eines Goes und Sitz des zuständigen Gografen, der schon lange vor 1700 seine Bedeutung verloren hatte und nur noch als Unterbeamter des landesherrlichen Amts fungierte.3 Kirchboitzen mit dem dazugehörigen Go war seit Ende des 13. Jh. Teil des welfischen Herrschaftsgebietes und unterstand der 1311 errichteten Vogtei Rethem, seit 1426 Amt Rethem, Fsm. Lüneburg (1705 Kfsm. Braunschweig-Lüneburg bzw. Kurhannover).4 Das Dorf wies eine Besonderheit auf, die es darüber hinaus nur noch in Sievershausen bei Lehrte gegeben haben dürfte: Die Bevölkerung beider Dörfer setzte sich ausschließlich aus Kötnern zusammen, ohne dass sich jedoch Anzeichen für eine landesherrliche Gründung erkennen lassen.5 Aufgrund ihres geringen Landbesitzes arbeiteten die meisten Kötner nebenbei als Handwerker, Gewerbetreibende oder Händler und machten so das Kirchspieldorf zum wirtschaftlichen Zentrum der Umgebung.6 Die übrigen Dörfer des Kirchspiels waren dagegen bäuerlich geprägt mit Hofstellen, die unterschiedlichen Grundherren pflichtig waren.7 Diese Struktur blieb bis ins 19. Jh. bestehen. Als Mittelpunkt eines weitläufigen Kirchspiels war Kirchboitzen, obwohl nie im Besitz von Fleckenrechten, Veranstaltungsort eines Jahrmarktes (Tag nach Michaelis), der um die Kirche herum stattfand.8 In Napoleonischer Zeit zählte Kirchboitzen zwischen 1810 und 1813 zunächst zum Satellitenkgr. Westphalen (Frühjahr bis Dezember 1810), später zum Kaiserreich Frankreich (bis 1813). Danach gehörte das Dorf, nun im Kgr. Hannover, wieder zum Amt Rethem und kam nach dessen Auflösung 1859 zum Amt Fallingbostel.9 Mit der Annexion des Kgr. Hannover fiel Kirchboitzen 1866 an das Kgr. Preußen und kam 1885 bei Einführung der neuen Kreisordnung zum Lkr. Fallingbostel, der 1977 mit dem Nachbarkreis Soltau zum Großkreis Soltau-Fallingbostel zusammengeschlossen wurde (2011: Heidekreis).10 Die Gebietsreform von 1974 gliederte das alte Kirchspiel Kirchboitzen mit seinen Dörfern in die Stadt Walsrode ein.11

Kirche, Ansicht von Nordosten, 1956, Zeichnung von Alfred Brecht

Kirche, Ansicht von Nordosten, 1956, Zeichnung von Alfred Brecht
Zeichnung von A. Brecht

Mit der Eroberung des sächsischen Stammesgebietes in Norddeutschland durch die Franken Ende des 8. und Anfang des 9. Jh. kam wohl auch das Gebiet um Kirchboitzen unter den Einfluss des Christentums.12 Im Mittelalter gehört das Kirchspiel zum Archidiakonat Ahlden der Diözese Minden.13 Schon zu Beginn des 13. Jh. dürfte es am Ort eine Kirche gegeben haben, wie der Name kerchbozem nahelegt.14 Urkundlich ist die Kirche erstmals 1226 erwähnt, als der Bremer Ebf. Gerhard II. (amt. 1219–1258) Güter und Privilegien des Klosters Zeven bestätigte, darunter auch Botsem cum medietate ecclesie (Boitzen mit der halben Kirche).15 Weitere Urkunden belegen die Anwesenheit eines Priesters in Kirchboitzen: So wird 1275 ein Johanne de botsem unter mehreren Priestern genannt, die bei der Verpfändung eines Hauses als Zeugen fungieren.16 Ebenso wird in der Zeugenliste einer Urkunde von 1342 ein plebanus (Pfarrer) Ludolf in botzem genannt.17 Über zwei Jahrzehnte später taucht in einer Urkunde aus dem Jahr 1363 ein Gerdt vann Ludersenn als Kerckhere to Botzem (Pfarrer) in einer Zeugenreihe auf.18 Noch einmal in vorref. Zeit wird die Pfarrei Kirchboitzen (parrochia Botzem) in einem Verzeichnis der um 1489 dem Kloster Walsrode zehntpflichtigen Ortschaften genannt.19
Die Reformation erlebte Kirchboitzen wie die allermeisten Dörfer und Städte im Fsm. Lüneburg als „Reformation von oben“, also auf Initiative des Landesherrn Hzg. Ernst I. zu Braunschweig-Lüneburg († 1546).20 Nachdem er 1527 mit der Vorlage des sogenannten. „Artikelbuches“ erste Maßnahmen zur Neuordnung des kirchlichen Lebens im Sinne der Reformation angestoßen hatte, folgten im Zuge der Visitationen von 1529 eine Predigtinstruktion des Herzogs und schließlich als letzte Maßnahme zu seinen Lebzeiten eine Ordnung betreffend die Einkommen der Pfarrer sowie zu Ehe- und Familiensachen.21 Zugleich sorgte der von Hzg. Ernst I. nach Celle geholte Reformator Urbanus Rhegius als Generalsuperintendent (amt. 1531–1541) neben dem Aufbau kirchlicher Strukturen auch für eine inhaltliche Festigung der ev. Landeskirche, u. a. durch seine Schrift „Wie man fürsichtiglich und ohne Ärgernis reden soll von den fürnemsten Artikeln christlicher Lehre“ (1536).22
Erster ev. Pastor in Kirchboitzen war vermutlich P. Stefan Rogge, der 1534 im Pfründenregister als „Pastor Her Steffen…“23 und bei der Visitation von 1543 als „Steffanus rogge, pastor tho Boetzen“ erwähnt wird.24 Sein Sohn Otto wurde offenbar 1552 sein Nachfolger und amtierte bis 1577.25 Im Bericht zur Visitation von 1568 wird er als mittelmäßig in Glauben und Lehre beschrieben; auch sein Verhältnis zu den Kirchenjuraten scheint schwierig gewesen zu sein.26 Aus der Zeit seines Nachfolgers P. Johannes Köhne (amt. 1577–1625) liegen verschiedene Nachrichten über Form und Zustand der Kirche vor:27 Sie besaß einen Turm und ihre von gemauerten Pfeilern gestützten Gewölbe reichten bis an den Chor, der größer war als der heutige Chorraum. Weiterhin gab es in der Kirche Emporen für die Angehörigen örtlicher Gutsbesitzerfamilien. Der Altar befand sich in der Mitte des Chorraums, die Kanzel erhöht in der Mitte der rechten Längsseite des Schiffs. Um das Jahr 1580 brachte die Gemeinde Mittel für die Neueindeckung des Daches auf (122 Schilling und 12 Groschen). Am 11. November 1610 (Martinsnacht) stürzte ein Stück des Deckengewölbes in die Kirche herunter und verursachte Schäden an Mauern und Pfeilern. Bis 1618 wurde an der Kirche, Dach, Decke und Inneres gearbeitet, zuletzt mit einer Neupflasterung. Mitten im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) erhielt die Kirche im Jahr 1625 ein Altarbild des Walsroder Meisters Hans Brüggemann mit einer Darstellung der Himmelfahrt Mariens, das vorher in der Walsroder Kirche gestanden hatte.28 Erst 1643 bezahlte die Gemeinde den Preis von 40 Talern. Noch 1695 schrieb der Walsroder Superintendent Rudolph Lodemann, dass die Bildtafel sich auf dem Altar in Kirchboitzen befände. Der weitere Verbleib des Kunstwerks liegt im Dunkeln. Möglicherweise ist es beim Kirchturmbrand im Jahr 1724 zerstört worden oder beim Neubau der Kirche zwischen von 1862 und 1864 abhandengekommen.

Offenbar war die Pfarre in Kirchboitzen zu Anfang des 17. Jh. gut ausgestattet und verfügte neben einem stattlichen Pfarrhaus29 ab 1621/22 auch über ein „Studierhaus“. Vermutlich war hier zunächst P. Wolfgang Maser (amt. 1625–1655) untergebracht, der seit 1620 als Kaplan zur Unterstützung von P. Johannes Köhne (amt. 1577–1625) in Kirchboitzen gewirkt hatte und später P. Köhnes Tochter Adelheit heiratete.30 Sein Nachfolger P. Caspar Bucholtz (amt. 1655–1686) wiederum heiratete Anna Margrethe, Tochter von P. Maser.31 Die Folgen des Dreißigjährigen Krieges waren für die Kirche erst Anfang der 1660er Jahre beseitigt, nachdem bis dahin immer wieder Reparaturen am Mauerwerk, Dach, Türen und Fenstern nötig wurden.32 Im Jahr 1724 zerstörte ein Feuer den Kirchturm samt Geläut.33 Nach der Wiederherstellung des Turmes rückte die Frage nach einem Um- oder Neubau des Kirchenschiffs in den Vordergrund, um mehr Platz für die gewachsene Gemeinde zu schaffen.34 1742 erneuerte die Gemeinde den Westteil der Kirche (Kosten: 300 Reichstaler) und ließ eine zweigeschossige Empore einbauen; Licht- und Platzprobleme blieben jedoch.35 Gut ein Jahrhundert nach diesen Erneuerungsarbeiten kam es anlässlich der Visitation 1841 zu einer Aussprache über die Möglichkeit eines Neubaus. U. a. wegen Streitigkeiten über die Verteilung der Baulasten zwischen der Dorfschaft Kirchboitzen und den Außendörfern sowie wegen Schwierigkeiten mit Handwerken begannen die Arbeiten jedoch erst zwei Jahrzehnte später.36 Am 30. April 1861 fasste der KV den Beschluss zum Neubau, Konsistorialbaurat Conrad Wilhelm Hase (1818–1902) lieferte die Pläne.37 Das mittelalterliche, meterdicke Feldsteinmauerwerk des fast quadratischen Turms bezog Hase mit in den Neubau ein; am 6. März 1864 weihte die Gemeinde ihre neue Kirche ein.38 Im Jahr 1866 erhielt die neue Kirche auch eine neue Orgel. In dieser Gestalt sollte die Kirche zu Kirchboitzen über 80 Jahre Bestand haben, ehe sie wenige Wochen vor Ende des Zweiten Weltkrieges am 15. April 1945 nach Kämpfen zwischen britischen und deutschen Truppen ausbrannte. Allein die Umfassungsmauern blieben weitgehend erhalten.39

Einweihung der wiederaufgebauten Kirche, August 1949

Einweihung der wiederaufgebauten Kirche, August 1949

Während der NS-Zeit hatten nacheinander P. Karl Christian August Wilhelm Dornblüth (amt. 1926–1935), P. Karl August Wilhelm Schützer (amt. 1935–1942) und P. Paul Höltje (amt. 1942–1950) das Pfarramt Kirchboitzen inne. Im „Fragebogen zur Geschichte der Landeskirche von 1933 bis Kriegsende“ schrieb P. Höltje rückblickend, alle drei Pastoren hätten kirchenpolitisch zur Hannoverschen Bekenntnisgemeinschaft gezählt und P. Dornblüth habe auch in der Gemeinde einen „Mitgliederkreis der Bekenntnisgemeinschaft“ gegründet.40 Im Jahr 1933 hätten die NS-Verbände geschlossen und mit Fahnen „an besonderen Gottesdienst (Heldengedenktag, Tag der Arbeit)“ teilgenommen. Nach der Neuwahl des KV im Jahr 1933 gehörte die Hälfte der acht Kirchenvorsteher der NSDAP an. „Nach heftigen Auseinandersetzungen traten diese 4 nach kurzer Dienstzeit wieder zurück.“41
Nach Kriegsende – die Zahl der Gemeindeglieder hatte sich „durch die Aufnahmen der Evakuierten und Flüchtlinge nahezu verdoppelt“ (1939: 2.523)42 – begann der Wiederaufbau der zerstörten Kirche. Die Pläne dafür entwarf Ernst Zinsser (1904–1985).43 Am 7. August 1949 konnte die Gemeinde ihre wiederhergestellte Kirche einweihen. Den Wettbewerb zur Gestaltung der Altarwand in der wiederaufgebauten Kirche hatte der ebenfalls aus Hannover kommende Maler Kurt Sohns (1907–1990) gewonnen. Er schuf eine monumentale Darstellung der Sturmstillung (Mk 4,35–41).44 Seit dem Michaelistag 1989 trägt die Kirche den Namen „St. Michaeliskirche Kirchboitzen“.45
Im Gebiet der KG Kirchboitzen liegen zwei ev. Kindergärten: Der ev. Kindergarten unterm Regenbogen in Südkampen (1992 aus einem Spielkreis hervorgegangen) und der ev. Kindergarten Am Hülshof in Kirchboitzen (2002 eröffnet); beide Einrichtungen befinden sich seit 2011 in Trägerschaft des KK Walsrode.

Umfang

Kirchboitzen, Altenboitzen, Groß Eilstorf, Hamwiede, Hollige, Klein Eilstorf, Nordkampen, Südkampen und Vethem. Bis 1913 auch Schneeheide (dann in die KG Walsrode umgepfarrt).46

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Ahlden der Diözese Minden.47 – Nach der Einführung der Reformation unterstand Kirchboitzen dem GSup in Celle (1531), seit der zweiten Hälfte des 16. Jh. Insp. mit wechselnden Superintendentursitzen: Gilten, Ahlden, Düshorn, Walsrode und Schwarmstedt. Seit 1815 Insp. Schwarmstedt, 1882 umbenannt in Insp. Ahlden (1924: KK), 1929 aufgegangen in KK Walsrode.48

Patronat

Der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau
Orgel, nach 1954

Orgel, nach 1954

Neugotischer Rechteckbau mit eingezogenem Polygonchor und südöstlichem Sakristeianbau, errichtet 1862–64 (Architekt: Conrad Wilhelm Hase, Hannover).49 Satteldach, Chordach abgewalmt. Backsteinmauerwerk. An den Längsseiten abgestufte Strebepfeiler und je fünf hohe Spitzbogenfenster mit einfachem Backsteinmaßwerk; Chor ebenfalls mit abgestuften Strebepfeilern und Spitzbogenfenstern. Im Innern Holzstützen, die sowohl die Seitenemporen als auch die flache, in den Dachraum hineingezogene Holzdecke tragen; hohe Orgelempore im Westen; hohe spitzbogige Öffnung zwischen Schiff und Chor; Kreuzrippengewölbe im Chor. An der östlichen Chorwand monumentales Wandgemälde (1949, Kurt Sohns, Hannover), Sturmstillung nach Mk 4,35–41; unten das Boot im Sturm mit den verängstigen Jüngern, nach oben der dem Sturm Einhalt gebietende Jesus. April 1945 Kirche ausgebrannt. Bis 1949 Wiederaufbau (Architekt: Ernst Zinsser, Hannover).50 1981/82 Renovierung.

Turm

Etwa quadratischer Westturm, im unteren Bereich noch mittelalterliches Bruchsteinmauerwerk, im oberen Drittel neuzeitliches Backsteinmauerwerk. Vierseitiges Zeltdach, bekrönt mit Kugel, Kreuz und Hahn. Unterhalb der Dachtraufe jeweils drei spitzbogige Schallfenster nach Norden, Süden und Westen. Uhrziffernblatt nach Westen. Nach Norden und Süden zwei flankierende Treppentürme mit Spitzbogenfenstern und spitzbogigen Westportalen; nach Westen zwei Stützpfeiler, dazwischen rundbogiges Portal. April 1945 ausgebrannt. Bis 1949 veränderter Wiederaufbau (zuvor hoher Turmhelm mit achteckig ausgezogener Spitze).

Vorgängerbau

Mittelalterlicher Bau, Schiff und Chor zusammen gut 23 Meter lang, knapp 8 Meter breit.51 1610 Decke teilweise eingestürzt. Bis 1618 Instandsetzungsarbeiten. 1724 Kirchturm abgebrannt und wieder aufgebaut. 1742 Instandsetzung. 1862 Kirchenschiff abgebrochen.

Ausstattung

Schlichter Blockaltar aus Oberkirchener Sandstein (1949). – Niedrige Kanzel mit Holzbrüstung. – Achtseitige, neugotische Taufe aus Gussstein (um 1900). – Runde, geschnitzte Holztaufe (1969, Otto Flath, Bad Segeberg). – Vier geschnitzte Holzreliefs (1969, Otto Flath, Bad Segeberg), „Die Kindersegnung“, „Die Diskussion“, „Die Anbetung“ und „Die Mission“; ursprünglich Flügelretabel des Altars. – Holzskulptur eines Engels. – Ehemalige Ausstattung: Geschnitztes Altarbild mit Darstellung der Himmelfahrt Mariens (nach 1523, Meister Hans Brüggemann), seit 1625 in Kirchboitzen (erworben von der Gemeinde Walsrode), möglicherweise 1724 beim Brand des Kirchturms zerstört oder 1861 bei Neubau der Kirche abhandengekommen.52

Orgel, nach 1954

Orgel, nach 1954

Orgel

Im Jahr 1815 erhielt die Kirche eine erste Orgel, erbaut von Peter Tappe (Verden), 16 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen; bei Abriss der alten Kirche 1862 abgebaut und verkauft an den Verdener Baukommissar Campe.53 Orgelneubau 1866 (nach Neubau der Kirche 1862–64), ausgeführt von P. Furtwängler & Söhne (Elze bei Hannover), 15 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen (Opus 78), Kosten: 1.230 Reichstaler; bei Brand der Kirche im April 1945 zerstört.54 Orgelneubau 1954, ausgeführt von Paul Ott (Göttingen), 18 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1990 überarbeitet und erweitert von Martin Haspelmath (Walsrode), 19 II/P.55

Geläut

Zwei LG, I: h’ (Bronze, Gj. 12. Jh.), Bienenkorbform, keine Inschrift; II: d´´ (Bronze, Gj. 13. Jh.), Zuckerhutform, keine Inschrift; beide Glocken 1952 als Patenglocken aus dem Verdener Dom übernommen. – Früherer Bestand: Die Glocken der mittelalterlichen Kirche wurden beim Turmbrand von 1724 zerstört. 1725 zwei neue Glocken gegossen56, I: ⌀ 117 Zentimeter (Bronze, Gj. 1725, Thomas Rideweg, Hannover), Inschrift u. a.: „M[eister] Thomas Rideweg goss mich in Hannover Anno 1725“, weitere Inschrift bezog sich auf den Kirchturmbrand 1724; II: ⌀ 92 Zentimeter (Bronze, Gj. 1725, Thomas Rideweg, Hannover), Inschrift u. a.: „M[eister] Thomas Rideweg goss mich in Hannover Anno 1725“; eine Glocke im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben, die zweite beim Brand der Kirche im April 1945 zerstört.

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus mit Gemeinderäumen (Bj. 1798, 1979/80 Erweiterung des Gemeindeteils, 1985/86 Ausbau Erdgeschoss).

Friedhof

Kirchlicher Friedhof am Nordostrand Kirchboitzens, in Eigentum und Betrieb der KG; FKap (Bj. 1900, erweitert 1970/71).

Liste der Pastoren (bis 1940)

1534, 1543 Stephanus Rogge. – 1568–1577 Otto Rogge. – 1578 (?) Hermann (?) Kregel (?). – 1578–1624 Johannes Köhn(e). – 1625–1655 Wolfgang Maser. – 1655–1686 Caspar Buchholtz. – 1686–1721 Levin Seelhorst. – 1722–1736 Levin Seelhorst. – 1737–1743 Ludolph Tobias Petersen. – 1743–1768 Johann Friedrich Crusius. – 1768–1803 Johann Hermann Gerhard Oppermann. – 1797–1822 Johann Erich Semler. – 1822–1840 Daniel Gottlieb Overbeck. – 1836–1841 Friedrich August Georg Ludwig Overbeck. – 1841–1871 Carl Justus Tegeler. – 1872–1877 August Rudolf Wilhelm Krüger. – 1877–1891 Johann August Theodor Steinberg. – 1891–1925 Christian Johannes Robert Traugott Haspelmath. – 1926–1935 Karl Christian August Wilhelm Dornblüth. – 1935–1942 Karl August Wilhelm Schützer.
Angaben nach: Meyer, Pastoren II, S. 12

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 1 Nr. 6467–6498 (Pfarroffizialakten); A 6 Nr. 4382–4389 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 1275Digitalisat, 1276Digitalisat, 1277Digitalisat (Visitationen); S 11a Nr. 7202 (Findbuch PfA).

Kirchenbücher

Taufen: ab 1655 (Unvollständig: 1709)
Trauungen: ab 1722
Begräbnisse: ab 1722
Kommunikanten: 1835
Konfirmationen: ab 1656 (Lücken: 1683–1686, 1809, 1853–1875)

Literatur & Links

A: Gemeindebuch KK Walsrode, S. 33–35; Kirchenkreis Walsrode, S. 24–25; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 795; Hahn, Heidekirchen, S. 108; Kayser, Kirchenvisitationen, S. 470–471; Manecke, Beschreibungen II, S. 392–394; Meyer, Pastoren II, S. 12; Mithoff, Kunstdenkmale IV, S. 110; Pantel, Denkmaltopographie Lkr. Soltau-Fallingbostel, S. 361–362; Stock, Kirchenkreis, S. 33–34; Wolff, KD Kr. Burgdorf und Fallingbostel, S. 132–133.
B: Werner Brünecke u. a. (Hg.): Das Erbregister des Amtes Rethem von 1669. Die alten Gerichte Kirchboitzen, Kirchwahlingen und Cordingen, Walsrode 1992; Hans Stuhlmacher: Geschichte der Stadt Walsrode, Walsrode 1964; Ursula Thalacker: Geschichte des Kirchspiels Kirchboitzen 1203–1900, Kirchboitzen 2011.

GND

7858367-6, St.-Michaelis-Kirchengemeinde Kirchboitzen


Fußnoten

  1. Lüneburger UB XV, Walsrode, Nr. 6; Thalacker, S. 10.
  2. Thalacker, S. 10.
  3. Thalacker, S. 11 f.
  4. Vgl. Thalacker, S. 12.
  5. Thalacker, S. 15; das Erbregister des Amtes Rethem von 1669 nennt 32 Kötner und 9 Brinksitzer in Kirchboitzen, siehe Brünecke u. a., S. 205.
  6. Zum Ganzen siehe Thalacker, S. 16 f.
  7. Vgl. Übersicht im Erbregister von 1669, Brünecke, S. 114 ff.; siehe auch Thalacker, S. 86 und 91.
  8. Siehe Thalacker, S. 99 ff.
  9. Siehe Thalacker, S. 13 f. Im Jahre 1813 gehörte die Commune Kirchboitzen zur Mairie Kirchboitzen im Arrondissement Nienburg des Departements der Weser-Mündungen.
  10. Vgl. Thalacker, S. 14.
  11. Vgl. Thalacker, S. 14.
  12. Siehe dazu Meyer, Kirchengeschichte, S. 17 ff.; Krumwiede, Kirchengeschichte I, S. 24 ff.
  13. Holscher, Bisthum Minden, S. 257.
  14. Holscher, Bisthum Minden, S. 257; Thalacker, S. 135.
  15. Wolff, KD Kr. Burgdorf und Fallingbostel, S. 133.
  16. Lüneburger UB XV, Walsrode, Nr. 72.
  17. Lüneburger UB XV, Walsrode, Nr. 153.
  18. Lüneburger UB XV, Walsrode, Nr. 173; Thalacker, S. 160.
  19. Lüneburger UB XV, Walsrode, Nr. 315.
  20. Zum Ganzen siehe Busch, Anfänge, S. 30 ff.; Krumwiede, Kirchengeschichte I, S. 130 ff.; Otte, Einführung Reformation, S. 8 ff., bes. S. 11–16.
  21. Siehe dazu Bock, Lasst aber alles, S. 60 ff.
  22. Bock, Lasst aber alles, S. 62 f.
  23. Salfeld, Pfründenregister, S. 98. Das Pfründenregister von 1534 nennt noch eine Kapelle im Dorf Altenboitzen, wobei die „Capelle tho Kerckboetzem“ aber die Pfarrkirche für das Kirchspiel ist. Die Kapelle in Altenboitzen wird schon knapp ein Jahrzehnt später bei der Visitation 1543 nicht mehr erwähnt, Thalacker, S. 160.
  24. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 470; Meyer, Pastoren II, S. 12.
  25. Thalacker, S. 160 f.
  26. Thalacker, S. 161.
  27. Zum Ganzen siehe Thalacker, S. 136 ff.
  28. Zum Ganzen siehe Thalacker, S. 139; Stuhlmacher, S. 274.
  29. So Thalacker, S. 188 f.
  30. Thalacker, S. 162 und 190 f. Im Jahr 1656 wird es offenbar ein letztes Mal erwähnt.
  31. Thalacker, S. 162 ff. Pastor Bucholtz legte auch das älteste noch erhaltene Kirchenbuch (Taufbuch) der Gemeinde an.
  32. Vgl. Thalacker, S. 140 ff.
  33. Wolff, KD Kr. Burgdorf und Fallingbostel, S. 133; Thalacker, S. 141.
  34. Thalacker, S. 141.
  35. Vgl. Thalacker, S. 141 f.
  36. Thalacker, S. 142 f.
  37. Vgl. Thalacker, S. 146; Pantel, Denkmaltopographie Lkr. Soltau-Fallingbostel, S. 361.
  38. Thalacker, S. 149, Pantel, Denkmaltopographie Lkr. Soltau-Fallingbostel, S. 361.
  39. Zu den militärischen Ereignissen siehe Ulrich Saft: Krieg in der Heimat. Das bittere Ende zwischen Weser und Elbe, Walsrode ²1988, S. 263 ff.; Gemeindebuch KK Walsrode, S. 33; Pantel, Denkmaltopographie Lkr. Soltau-Fallingbostel, S. 361.
  40. Dies und das Folgende Zitat: LkAH, S 1 H III Nr. 518, Bl. 15r. Allgemein zum Fragebogen: Kück, Ausgefüllt, S. 341 ff.
  41. LkAH, S 1 H III Nr. 518, Bl. 15v.
  42. LkAH, S 1 H III Nr. 518, Bl. 17 und Bl. 15.
  43. Pantel, Denkmaltopographie Lkr. Soltau-Fallingbostel, S. 361 f.; zu Ernst Zinssers Werk und Leben siehe Haas, Zinsser; Möller, Zinsser. Ernst Zinsser war vor allem beim Wiederaufbau des kriegszerstörten Hannovers tätig und schuf mehrere Neubauten in den 50er und frühen 60er Jahren, u. a. Verwaltungsgebäude der Continental-Gummiwerke AG von 1952/53 (Haas, Zinsser I, S. 103 f.; Haas, Zinsser II, S. 270 ff.; Möller, Zinsser, S. 16 f. und S. 30 ff.) oder Gemeindezentrum Ansgarkirche von 1964/66 (Haas, Zinsser I, S. 136). Außerhalb Hannovers: Wiederaufbau St. Marien-Kirche in Laatzen, Ortsteil Grasdorf, 1946–51 (Haas, Zinsser I, S. 146; Haas, Zinsser II, S. 170), Wiederaufbau der ev. Friedenskirche in Ludwigshafen 1955/56 (Haas, Zinsser I, S. 152; Haas, Zinsser II, S. 180).
  44. Sohns griff religiöse Themen ansonsten eher als Glasmaler auf (z. B. Chorfenster in der Münsterkirche St. Bonifatius zu Hameln), vgl. Stuttmann, Sohns, S. 13 und S. 29.
  45. LKA, G 8/Kirchboitzen Bd. I, Bl. 118.
  46. KABl. 1913, S. 79
  47. Holscher, Bisthum Minden, S. 257 f.
  48. KABl. 1929, S. 1.
  49. Siehe: http://glass-portal.privat.t-online.de/cwhase/g-l/kirchboitzen_kirche.htm, 01.06.2022.
  50. Siehe zum Ganzen Pantel, Denkmaltopographie Lkr. Soltau-Fallingbostel, S. 362; Hahn, Heidekirchen, S. 108; Kirche in unserer Region, S. 24.
  51. Vgl. Mithoff, Kunstdenkmale IV, S. 110.
  52. Hans Stuhlmacher: Geschichte der Stadt Walsrode, Walsrode 1964, S. 272 ff. Hans Brüggemann schuf 1514–21 den Bordesholmer Altar im Dom zu Schleswig.
  53. Topp/Pape, Tappe, S. 31; Thalacker, S. 150 f.
  54. Pape/Schloetmann, Hammer, S. 88.
  55. Pape, Haspelmath, S. 214.
  56. Siehe zum Folgenden Wolff, KD Kr. Burgdorf und Fallingbostel, S. 133.