Frühere Gemeinde | Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Münden | Patrozinium: Johannes der Täufer | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte

Mit einer curtis in Trhenesfelde wird Dransfeld in einer Schenkungsurkunde Ottos I. für das Kloster Hilwartshausen schon 960 erstmals urkundlich erwähnt.1 Damit gehört es zu den ältesten Siedlungen im südlichen Niedersachsen. 1022 erscheint es als Dranuelt […] in pago Logne (Leinegau) im Güterverzeichnis des Hildesheimer Michaelisklosters.2 Später war es welfischer Besitz (Fsm. Göttingen, Unteramt Münden). Schon vor 1305 sind Mauer und Wall nachgewiesen, 1345 ein Ratsgremium, doch erst um 1368 verlieh Hzg. Otto I. von Braunschweig-Göttingen der Kommune das volle Stadtrecht.3 Von 1852 bis 1859 war Dransfeld vorübergehend Sitz eines Amts. Die Stadt wurde mehrfach zerstört: u. a. 1374 (im Sternerkrieg), 1634 (im Dreißigjährigen Krieg) und zuletzt bei einem Großbrand im Januar 1834.
Die Johanniskirche entstand um 1232 als zweite Pfarrkirche in Dransfeld neben der älteren Martinikirche (Dransfeld, Martini) möglicherweise als Kirche der Marktgemeinde. 1262/69 überließen der Vogt Hermann der Jüngere von Ziegenberg und sein Schwager Burkhard (bzw. Gottschalk von Plesse und Burkhard von Ziegenberg) die Kirche dem Kloster Mariengarten4, dem sie 1318 durch den Mainzer Ebf. Peter inkorporiert wurde (erst 1420 durch Papst Martin V. bestätigt).5 Als Geistlicher wird 1245 dominus Johannes de Transfelde erwähnt, ohne dass die Zuweisung zu einer der beiden Kirchen gesichert wäre. Das gleiche gilt für den 1368 genannten Hinricus plebanus in Dranvelt, der als Zeuge in einer Urkunde des Edlen Hermann von Grone für das Kloster Reinhausen auftritt.6 1308 bestätigte Ebf. Peter von Mainz eine Schenkung des Pfarrers Johann in Dransfeld für den Johannisaltar des Stifts Weende.7 1269 erscheint Bertoldus plebanus in Dranswelt als Zeuge.8 Sicher zuweisbar ist der Pfarrer Johannes, der 1297 dem Kloster Mariengarten Grundbesitz in Groß Schneen vermachte9 und bis 1308 wiederholt als Urkundenzeuge auftrat.10 1312 begründete er eine Messstiftung in der Marienkapelle der Stiftskirche in Weende.11 Am 14. Februar 1312 beauftragte der Propst zu Nörten den Pfarrer an der Unterkirche in Dransfeld mit der Einführung des vom Kloster Mariengarten präsentierten Albrecht von Göttingen in der Kirche St. Johannes.12 1318/19 war Heinrich von Lödigsen dort Pfarrer13; 1461/64 Heiso Frashart.14 Bei dem 1454 genannten Konrad Krowel († 1468)15 ist nicht klar, an welcher Kirche er amtierte. Als Vikare sind belegt: 1467/69 Heinrich Schrader/Sartor16; 1497 Nikolaus Schrader/Sartor17; Nikolaus Müller/Molitor († 1507); Konrad Kürschner/Meigerant (1507 präsentiert18); Konrad Brandt († 1521).19
Mit Heinrich Brandt (amt. 1521- um 1534)20 setzte die Reihe der luth. Geistlichen ein. Er nahm das neue Bekenntnis an, heiratete und wurde 1538 auf Empfehlung der Hzgn. Elisabeth als Pfarrer an die Albanikirche in Göttingen berufen, wo er 1540 starb.21 Als Nachfolger präsentierte das Kloster Mariengarten den bisherigen Vikar Tilemann Gernant (1534, eventuell wieder kath.)22, der wohl nach kurzer Zeit freiwillig resignierte, jedenfalls zur Zeit der Visitation vom 24. Januar 1543 nicht mehr im Amt war. Der 1549 berufene P. Valentin Heyland verweigerte die Anerkennung des Interims und die Rekatholisierung unter Erich II., wurde 1550 beurlaubt und ging als P. nach Göttingen. 1560 ist kurzzeitig Matthias Mennigfelden (später P. an St. Martini) als Prediger an St. Johannis nachgewiesen. Im Übrigen war die Pfarrstelle von 1550 bis 1568 vakant und wurde erst nach der Regierungsübernahme Hzg. Julius (1568) wiederbesetzt, mit der auch das luth. Bekenntnis endgültig festgeschrieben wurde.
Organisatorische Veränderungen betrafen u. a. die Kaplanei an St. Johannis, die im Zuge der Visitation von 1543 mit der Schulmeisterstelle vereinigt wurde. Erst 1613 wird wieder ein eigener Schulmeister erwähnt. Der zur Johannispfarre gehörige Kaland wurde aufgehoben, sein Besitz an den Rat veräußert und den Mitgliedern auf Lebenszeit eine Rente garantiert.23
Der kostspielige Unterhalt von zwei Stadtpfarrkirchen war angesichts der geringen Größe der Kommune nach der Reformation nicht mehr notwendig, so dass schon 1543 grundsätzlich die Aufgabe der Johanniskirche beschlossen wurde.24 Doch wurde sie für Mittwochspredigten und einzelne Amtshandlungen vorläufig weitergenutzt. Die gemeinsamen GD der beiden Gemeinden wurden dagegen in der Martinikirche gefeiert. Mangelnder Bauunterhalt führte zusehends zum Verfall des KGb. Der Turm wurde im Januar 1611 durch Blitzschlag beschädigt, aber 1613 noch einmal instandgesetzt. 1634 wurde er durch einen Brand erneut schwer beschädigt. Anfang des 18. Jh. war der Zustand der Kirche so desolat, „daß ohne die größte Lebensgefahr kein GD hat gehalten werden können.“25 Mehrere Initiativen zum Wiederaufbau scheiterten an fehlenden Finanzmitteln. Beim Ausbau der Chaussee wurde 1779 als letztes Relikt der Kirchturm abgebrochen. Die Pfarre als solche blieb bestehen. Nach dem Stadtbrand von 1834 blieb sie – um Geld für den Wiederaufbau von Kirche und Pfarrhaus zu sparen – vorübergehend vakant, wurde jedoch 1840 wiederbesetzt und wohl erst nach dem Zweiten Weltkrieg in die zweite Pfarrstelle der Martinikirche überführt, wo sich die beiden P. mit Predigten, Betstunden und Bibellehre abwechselten. Die zunächst noch klar festgelegten Gemeindegrenzen (Zuweisung von Häusern bzw. Feuerstellen) wurden letztlich aufgegeben.
Unter den P. von St. Johannis ist Gottlieb Christian Breiger (amt. 1815-1826) zu erwähnen, nachher GSup. in Harburg, Herausgeber mehrerer theologischer Schriften. Er befasste sich u. a. auch mit dem Mangel an theologischem Nachwuchs.26 In der NS-Zeit war P. Ludwig Janssen Mitglied der BK. 1934 wurden durch den später aus der Kirche ausgetretenen NS-Ortsgruppenleiter mehrere DC-Treffen mit auswärtigen Rednern einberufen, die aber auf wenig Interesse stießen. Mit guter Beteiligung verliefen dagegen die zur Aufklärung der Gemeinde veranstalteten Veranstaltungen der BK. 1934 und 1935 fand jeweils ein BK-GD statt. Der KV organisierte mehrfach Fahrten zu BK-Veranstaltungen in Göttingen.

Aufsichtsbezirk

1588/89 Insp. Dransfeld (mit Sitz an St. Martini), ab 1636/37 Insp. Göttingen, später zur Insp. Münden und bei deren Teilung 1742 zur Insp. Münden II. Teils (mit Sitz in Göttingen: 1742-1769 an St. Albani, 1773-1796 an St. Jacobi). 1796 zur Insp. Göttingen I. 1801 wurde die Insp. Dransfeld neu errichtet27 (Sitz ab 1804 an St. Johannis). Zugehörige Gemeinden waren (1895) Atzenhausen, Barterode, Bühren, Dankelshausen, Dransfeld (St. Johannis und St. Martin), Jühnde, Meesen und Varlosen.28 Mit Aufhebung des KK Dransfeld zum 1. Januar 1929 in den KK Münden eingegliedert.29

Patronat

Das Patronat lag ursprünglich bei den in Dransfeld begüterten Herren von Uslar und ging 1220/41 (vielleicht 1232) durch Schenkung in den Besitz des Deutschen Ordens über.30 1262 waren die von Ziegenberg Patronatsinhaber, doch überließen sie noch im gleichen Jahr die Kirche dem Kloster Mariengarten31, dem sie 1318 inkorporiert wurde.32 Nach Übertragung des Klosters auf die Universität Helmstedt (1629/33) wurde das Patronatsrecht zunächst von dieser, ab 1650 aber von der herzoglich Regierung bzw. dem Konsistorium ausgeübt.33 Nach Aufhebung der Universität 1809 fiel es endgültig an den Landesherrn (bis 1871).34

Kirchenbau

Nicht mehr vorhanden. Befand sich nahe dem Göttinger Tor an der Langen Straße.

Orgel

Die Orgel wird im Visitationsbericht von 1543 als „gantz verwüstet und zerbrochen“ bezeichnet und sollte auf Abbruch verkauft werden.35 Wurde vermutlich nicht mehr ersetzt.

Friedhof

Der Kirchhof der abgegangenen Johanniskirche wurde noch bis 1812 als Friedhof genutzt. Danach wurde für beide KG außerhalb der Stadt ein neuer Begräbnisplatz angelegt.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 5 Nr. 191 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 1802-1818 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 472-476 (Visitationen).

Literatur

A: Gemeindebuch KKV Münden, S. 31-35
B: Georg Gieseke: Mittelalterliche Urkunden zur kirchlichen Geschichte Dransfelds, in: ZGNK 34/35 (1929/30), S. 157-165; Georg Gieseke: Die Pfarrer in Dransfeld seit der Reformation, in: ZGNK 37 (1932), S. 55-93; Friedel Rehkop u. a.: Stadt Dransfeld. Ein geschichtlicher Rückblick vom 19. Jahrhundert bis zur Frühzeit, Horb a. N. [1999].


Fußnoten

  1. MGH DD O I Nr. 206. Vgl. auch Casemir/Ohainski, Niedersächsische Orte, S. 51.
  2. UB HS Hildesheim I, Nr. 69.
  3. Sudendorf, UB III, Nr. 340.
  4. UB Plesse, Nr. 196 und 240.
  5. Schwarz, Papsturkunden, Nr. 1480.
  6. UB Reinhausen, Nr. 63.
  7. UB Weende, Nr. 77.
  8. UB Mariengarten, Nr. 27.
  9. UB Mariengarten, Nr. 68.
  10. UB Mariengarten, Nr. 74, 77, 82, 91 f., 95, 99, 106, 118.
  11. UB Weende, Nr. 82.
  12. UB Mariengarten, Nr. 125.
  13. UB Mariengarten, Nr. 138, 140.
  14. UB Mariengarten, Nr. 288.
  15. Prietzel, Kalande, S. 569 f.
  16. UB Mariengarten, Nr. 299.
  17. UB Mariengarten, Nr. 326.
  18. UB Mariengarten, Nr. 341-343.
  19. UB Mariengarten, Nr. 364.
  20. UB Mariengarten, Nr. 362.
  21. Boetticher, Kloster und Grundherrschaft, S. 21; Rehkop, S. 214.
  22. UB Mariengarten, Nr. 394.
  23. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 291.
  24. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 290.
  25. LkAH, A 6, Nr. 1803 (Promemoria von P. H. P. Krone, 26.09.1804).
  26. Steinmetz, GSup. Harburg, S. 261 f.
  27. LkAH, A 6, Nr. 1802.
  28. Übersicht Besetzung 88 (1895), S. 14 f.
  29. KABl. 1929, S. 1.
  30. Uslar-Gleichen, Urkunden I, S. 18.
  31. UB Mariengarten, Nr. 14 f.
  32. UB Mariengarten, Nr. 137.
  33. Brauch, Klöster, passim.
  34. LKA, G 15/Dransfeld.
  35. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 291.