Frühere Gemeinde | Frühere Gemeinde | Sprengel Lüneburg, KK Gifhorn | Patrozinium: Vitus | KO: Lüneburger KO von 1643

Orts- und Kirchengeschichte

Kirchdorf westlich der Oker. Die Ersterwähnung wird auf eine im Codex Eberhardi überlieferte Urkunde des Klosters Fulda aus der Zeit um 780/802 zurückgeführt.1 In der ersten Hälfte des 13. Jh. erscheint Didderse im Lehnsregister der Edelherren Luthard und Burchard von Meinersen. Die Landesherrschaft lag bei den Welfen (Amt Gifhorn, 1852-1859 Amt Papenteich).
Wann die Kirche entstand, ist unklar. Ein Geistlicher wird 1316 mit Johannes sacerdos plebanus in Didessen erstmals erwähnt. Ab 1527 wurde im Fsm. Lüneburg die Reformation eingeführt. Erster bekannter luth. P. war Johannes Meynecke (1534).2
P. Theodor Meyer war 1933/34 zeitweilig Mitglied der DC. Bei der KV-Wahl 1933 wurde die von der NSDAP aufgestellte Liste gewählt, die Mitglieder arbeiteten aber mit einer Ausnahme im kirchlichen Interesse. Der Ortsbauernführer trat 1942 aus dem KV aus. Der Jungmädchenverein wurde 1934 in den BDM eingegliedert. Weitere Gruppen und Kreise bestanden nicht.
Seit 1. Januar 1968 sind die KG Didderse und Hillerse pfarramtlich verbunden.3 Zum 1. Januar 2019 schloss sich die KG Didderse mit der KG Neubrück zur KG Didderse-Neubrück zusammen.4

Umfang

Von Alters her waren Neubrück und Rolfsbüttel nach Didderse eingepfarrt. Nach einem Rezess von 13. Mai 1670 sollten die Einwohner von Neubrück zur Erhaltung der Kirche beitragen und dafür einen eigenen Stand und Priechen darin erhalten.5 Von 1593 bis 1615 wurde auch Walle von Didderse aus versehen. 1823 umfasste die Parochie noch die Dörfer Didderse (mit dem Sandkrug) und Rolfsbüttel. Zum 1. April 1930 wurde der mit dem 30. September 1928 aufgelöste und mit der politischen Gemeinde Rolfsbüttel vereinigte Gutsbezirk Forst Heinewedel in die KG Didderse eingepfarrt.6

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Leiferde des Bm. Hildesheim. – 1534 zur neu gebildeten Insp. (ab 1924: KK) Gifhorn.

Patronat

Die von Bervelde als Lehnsträger des Bm. Hildesheim, später der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau
Kirche, Blick zum Altar, 1966

Kirche, Blick zum Altar, 1966

Das wohl noch aus vorref. Zeit stammende KGb wurde 1819 wegen Baufälligkeit abgebrochen. Finanzielle Schwierigkeiten verzögerten den Neubau bis 1833/34 (Pläne von Friedrich August Ludwig Hellner). Rechteckige, spätklassizistische Bruchstein-Saalkirche zu vier Achsen an den Längsseiten; die Fassade ursprünglich verputzt, seit den 1920er Jahren steinsichtig. Hohe, rundbogige Sprossenfenster. Kassettendecke über dem Schiff, das unter Einbeziehung der Kanzel durch eine umlaufende Emporenanlage gegliedert wird. Die Ostseite ist als Altarwand durch ionische Pilaster hervorgehoben. Portal, Fenster und Farbfassung im Innern wurden 1984 restauriert.

Turm

Auf dem Westende des Satteldachs ein verschieferter Dachreiter mit ins Achteck überführtem Helm.

Ausstattung

Kanzelaltarwand aus der Erbauungszeit. – Kleines Kruzifix (Mitte 18. Jh.)

Kirche, Blick zur Orgel, 1966

Kirche, Blick zur Orgel, 1966

Orgel

1850 Neubau durch Ernst Wilhelm Meyer (Hannover). 1900 Umbau durch Bruno Friedrich Christian Becker (Hannover), 9 I/P. 1917 Ausbau der Prospektpfeifen (durch Zinkpfeifen ersetzt). 1934 Um-/Neubau durch P. Furtwängler & Hammer (Hannover) unter Verwendung der alten Hauptwerks- und Pedallade, 16 II/P, pneumatische Traktur, Schleifladen. 1961 Instandsetzung durch Emil Hammer (Hannover). 1970 Neubau des Werks hinter dem klassizistischen Prospekt von 1850 durch Hermann Hillebrand (Altwarmbüchen), 8 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Zwei LG, I: g’; II: h’/b’ (beide Stahl, Gj. 1923, Bochumer Verein). – Eine SG (Bestand unklar, vielleicht 2007 ausgetauscht). – Früherer Bestand: Eine LG wurde 1876 durch die Firma J. J. Radler (Hildesheim) neu gegossen; wohl im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen.

Weitere kirchliche Gebäude

Das alte Pfarrhaus wurde 1966 abgerissen (Neubau 1978/79), das ehemalige Pfarrwitwenhaus bereits Ende des 19. Jh. verkauft.

Friedhof

Ursprünglich auf dem Kirchhof, jetzt am westlichen Ortsrand. Der Friedhof ist teilweise Eigentum der KG, teilweise der politischen Gemeinde. Die Verwaltung liegt seit 1. Januar 2015 bei der Samtgemeinde Papenteich.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 2122-2144 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 253 u. 746 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 1690-1697 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 438-442 (Visitationen); D 40 (EphA Gifhorn).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 386; Kiecker/Lütgens, KD Kr. Gifhorn, S. 39 f.; Mithoff, Kirchen und Kapellen Lüneburg, S. 370; Müller, Kirchenbauten, S. 91 f.; Piper, Orgeln, S. 6; Rund, Ortsverzeichnis Lkr. Gifhorn, S. 62.
B: Kurt Bratmann: Didderse 780-1980. Festschrift zum 1200jährigen Ortsjubiläum, [Braunschweig 1980].


Fußnoten

  1. Dronke, Trad. Fuld. § 41, 4. Vgl. auch Casemir/Ohainski, Niedersächsische Orte, S. 46.
  2. Salfeld, Pfründenregister, S. 98.
  3. KABl. 1968, S. 5.
  4. KABl. 2018, S. 132 f.
  5. Kiecker/Lütgens, KD Kr. Gifhorn, S. 40.
  6. KABl. 1930, S. 29.