Frühere Gemeinde | KapG der St.-Johannis-KG Dannenberg | Sprengel Lüneburg, KK Lüchow-Dannenberg | Patrozinium: Anna | KO: Lüneburger KO von 1643

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Orts- und Kirchengeschichte

Die südwestlich des Stadtzentrums vor dem ehemaligen Drawehner Tor gelegene Kapelle wurde 1510 durch den Dannenberger Propst Johannes Patyner (zugleich Kanoniker an der St.-Blasii-Kirche in Braunschweig) gegründet. Sie enthielt zwei Altäre, deren Vikarien Heinrich Meyger, Kirchherr zu Quickborn und Ältester des Kalands (1510)1 und Bernhard Fricke, Vikar an St. Johannis (St.-Annen-Altar, 1511) stifteten. Um 1530/44 ist der Vikar Johann Preder als Inhaber des Lehens der St.-Annen-Kapelle belegt.2 Nach der Reformation wurde sie vermutlich ebenso wie die St.-Georgs-Kapelle durch den Archidiakon von St. Johannis versorgt. Eine Küsterschule (wohl seit Anfang des 17. Jh.) wurde 1805 aufgehoben und die Gliedgemeinden der neu errichteten Schule in Prisser angeschlossen, deren erster Lehrer auch die niederen Kirchendienste in der Kapelle zu besorgen hatte.
Das KapGb war ein schmuckloser Fachwerkbau mit polygonalem Chorschluss und Dachreiter im Westen. Die Gefache wurden 1778 mit Ziegeln aus der Ziegelei Damnatz ausgebessert. Da die KapG über kein eigenes Vermögen verfügte, mussten anfallende Instandsetzungsarbeiten durch Umlagen aus den zugehörigen Dörfern finanziert werden. Während der Befreiungskriege wurde die das KapGb 1813 zeitweilig als Hospital, Gefängnis und Quartier für in Dannenberg liegende Kosaken genutzt. Die dabei entstandenen Schäden machten 1817 eine gründliche Instandsetzung notwendig.3 Der weiter schlechte Bauzustand führte jedoch 1874 zu Verkauf und Abbruch des Gebäudes. Die KapG bestand zunächst fort. Sie wurde mit dem 1. Januar 1969 aufgehoben und in die St.-Johannis-KG eingegliedert (Dannenberg, Johannis).4

Umfang

Die südlich und westlich von Dannenberg gelegenen Dörfer Bückau, Gamehlen, Groß Heide, Klein Heide, Langenhorst, Lauben, Lebbien, Liepehöfen, Lüggau, Prabstorf, Prisser, Schaafhausen, Schmarsau, Streetz, Thunpadel, Tramm und Tripkau.

Patronat

Der Magistrat der Stadt Dannenberg.

Kapellenbau

Nicht mehr vorhanden (1874 abgebrochen).

Geläut

Eine LG (1778 belegt). Keine näheren Angaben.

Friedhof

Der Friedhof wurde im September 1871 aus hygienischen Gründen geschlossen. In einigen Gliedgemeinden waren zuvor eigene Begräbnisstätten entstanden. 1879 wurde das Areal zur Gedenkstätte umgestaltet. Sie erinnert an die Freiheitskämpferin Eleonore Prohaska, die als Lützower Jäger verkleidet 1813 in der Schlacht an der Göhrde tödlich verwundet wurde, und an Theodor Körner, der dort 1813 sein „Bundeslied vor der Schlacht“ verfasste. Nur wenige Grabstätten sind neben dem neueren Kriegerdenkmal erhalten.

Archiv

NLA HA, Hann. 74 Dannenberg Nr. 1838 (Kirchhof bei der Kapelle St. Annen vor Dannenberg); Hann. 83 II Nr. 8154 (Reparatur der St.-Annen-Kapelle vor Dannenberg).

Literatur

A: Sänger, Denkmaltopographie Lkr. Lüchow-Dannenberg, S. 85.
B: Otto Puffahrt: Sterberegister der St.-Annen-Kapelle zu Dannenberg 1676–1803, Lüneburg 1982.


Fußnoten

  1. Krüger, Quellen, Nr. 30.
  2. Brosius, Gerichtsprotokolle, Nr. 224.
  3. NLA HA, Hann. 83 II Nr. 8154 (Bericht der Kirchenkommission zu Dannenberg, 13.05.1815).
  4. KABl. 1969, S. 8.