Sprengel Stade, KK Cuxhaven-Hadeln | Patrozinium: Petrus (seit 1959) | KO: Keine Kirchenordnung

Karte wird geladen, bitte warten...
Orts- und Kirchengeschichte

Für den 1569/70 zur Verproviantierung sowie als Not- und Winterquartier der Hamburger Schiffer angelegten Hafen ist 1577 erstmals die Bezeichnung Kuckshaven belegt. Der Hafenpriel bildete die Grenze zwischen den Kirchspielen Groden und Altenwalde/Döse. 1872 wurden Cuxhaven und das wesentlich ältere Ritzebüttel zu einer politischen Gemeinde zusammengefasst. Mit der Aufhebung der alten Kirchspielverfassung und Einführung der hamburgischen Landgemeindeordnung (1873) wurde Cuxhaven von Döse getrennt. Das Aufblühen von Schifffahrt und Lotsenwesen nach den Befreiungskriegen, die Eröffnung des Seebads an der Alten Liebe (1816), die Niederlassung von Industriebetrieben am Hafen, der Bau der Bahnstrecke Hamburg–Cuxhaven (1881), die Gründung des Fischereihafens (1892), der sich zu einem der bedeutendsten in Deutschland entwickelte, sowie nicht zuletzt die Gründung der Marinegarnison (1893) führten zu einer merklichen Belebung der Wirtschaft und einem bedeutenden Bevölkerungszuwachs. Zwischen Ritzebüttel und Döse entstanden eine ausgedehnte Wohnbebauung, Kasernenanlagen und touristische Einrichtungen. 1890 hatte Cuxhaven bereits über 4.700 Einwohner. Mit der Eingemeindung von Döse (1905) stieg die Zahl auf 11.145. 1907 erfolgte die Umwandlung in eine Stadtgemeinde. 1949 wurde Cuxhaven als Heilbad anerkannt und stieg in den 1970er Jahren zum größten bundesdeutschen Küstenbad auf, während der Marinestützpunkt 1968 aufgegeben wurde.
Um 1900 war die Militärgemeinde noch in einem stetigen Wachstum begriffen. Sie nutzte anfangs die St.-Gertrud-Kirche (Cuxhaven-Döse) mit, erhielt aber 1907 einen hauptamtlichen Marinegarnisonspfarrer und 1909/11 eine eigene Garnisonskirche im Stil der baltischen Backsteingotik (Entwurf von Garnisonsbaumeister Stock; Einweihung am 20. August 1911 durch den Marinepropst Wölfing). An das Kirchenschiff schließen sich Küsterhaus, Konfirmandensaal und Pfarrhaus an, deren Formen sich an Vorbildern der Heimatschutzarchitektur orientierten.
Nicht einbezogen war die gleichfalls wachsende Zivilgemeinde des Fleckens Cuxhaven. Hier bemühten sich einzelne Bürger schon 1885 um die Trennung von Döse und den Bau einer eigenen Kirche, scheiterten aber an der ablehnenden Haltung der obersten Kirchenbehörde in Hamburg. 1898 konstituierte sich unter dem Vorsitz des Rechtsanwalts Ernst Patow ein „Verein für den Kirchenbau in Alt-Cuxhaven e. V.“, der sich weiter für die Interessen der Zivilgemeinde einsetzte und Gelder für einen Kirchenbau sammelte. Erst nach dem Ersten Weltkrieg zeitigten die Bemühungen erste Erfolge: Am 1. Januar 1925 wurde aus Teilen der St.-Gertrud-KG in Döse die neue KG Alt-Cuxhaven gebildet, die ihre GD im Wechsel mit der Militärgemeinde in der Garnisonkirche feierte. Nach der Vergrößerung der Garnison in der NS-Zeit verlor die Zivilgemeinde jedoch das Gastrecht wieder. Ein bereits ausgelobter Architektenwettbewerb für eine eigene Kirche wurde unter dem Druck des Regimes abgebrochen. Die weiteren Planungen kamen bis Kriegsende ins Stocken. Erst nach der Auflösung der Garnison mit Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Garnisonkirche 1945/48 gegen eine jährliche Anerkennungsgebühr als Gemeindekirche ganz der KG Alt-Cuxhaven überlassen, wenngleich das für 1.000 Personen konzipierte Gebäude als überdimensioniert empfunden wurde. Der Kirchenbauverein wurde 1956 aufgelöst. Die Kirche, die seit 1959 den Namen St. Petri trägt1, wurde 1964 in das Eigentum der Zivilgemeinde überführt. Umgekehrt wurde nun den in Cuxhaven stationierten Bundeswehreinheiten und deren Familien ein Mitbenutzungsrecht zugestanden.
P. an der Kirche war ab 1938, zunächst als Pfarrer an der Garnisonskirche, ab 1948 als Zivilpfarrer im Dienst der hamburgischen Landeskirche, der Kirchenliederdichter Arno Pötzsch († 1956), von dem mehrere Lieder in das EG aufgenommen wurden.
Mit dem 1. Januar 1973 wurde der südlich von Feldweg und Poststraße gelegene Teil des Gemeindegebiets als Emmaus-KG (Cuxhaven, Emmaus) verselbständigt. Als 1977 der KK Cuxhaven aus der Ev.-luth. Kirche im Hamburgischen Staate in die hannoversche Landeskirche umgegliedert wurde, wurde die Suptur. mit der ersten Pfarrstelle der Petri-KG verbunden (bis 2012). Kirchenkreisverwaltung und Diakonisches Werk wurden in dem 1955 erworbenen Gemeindehaus in der Marienstraße untergebracht. Mit der Zusammenlegung der KK Cuxhaven und Land Hadeln zum KK Cuxhaven-Hadeln wurde die Suptur. am 1. Januar 2013 aufgehoben (Sitz des vereinigten KK ist Otterndorf).
Seit 2012 sind die fünf Cuxhavener Innenstadtgemeinden St. Petri, Cuxhaven, Gnaden, Cuxhaven, Emmaus, Cuxhaven-Döse und Cuxhaven-Ritzebüttel pfarramtlich verbunden.

Pfarrstellen

I: 1. Januar 1925. – II: 16. Dezember 1926. – III: 15. November 1947, 1. Januar 1973 zur Emmaus-KG; 1. April 1995 neu errichtet2, 16. April 2002 aufgehoben.3

Umfang

Nach Abtrennung der Emmaus-KG (1973) wird der Pfarrsprengel im Norden durch die Elbmündung, im Osten durch die Straßen Deichweg, Am Schleusenpriel und Rohdestraße, im Süden durch Abendrothstraße, Poststraße und Feldweg sowie im Westen durch die Lettow-Vorbeck-Straße und die Höpckestraße begrenzt.

Aufsichtsbezirk

1. Januar 1975 zum hamburgischen KK Cuxhaven (1. Januar 1977 in die Landeskirche Hannovers umgegliedert).4 Seit 1. Januar 2013 KK Cuxhaven-Hadeln (mit Sitz in Otterndorf).

Kirchenbau

Gotisierende Backsteinsaalkirche in Nord-Süd-Ausrichtung, mit fünf Fensterachsen und Eingangsbereich auf Turmhöhe. Im Süden ein eingezogener Chorraum. Der Innenraum wird von einer durch Gurtbögen unterteilten Spitztonne überspannt. Nordempore. Das Schiff wurde ab 1965 saniert und nach Entwürfen von Dieter Reglitzki (Architekt) und Dr.-Ing. Bernd Franck (Baudirektor der Hamburgischen Landeskirche) grundlegend verändert. 1993 wurde in der ehemaligen Taufkapelle der Kirche eine Gedenkstätte für auf See gebliebene Seeleute eingerichtet und mit Votivschiffen ausgestattet. 2002 entstand zusätzlich eine Gedenkstätte für gefallene Marinesoldaten.

Turm

Nordturm mit Satteldach. Vorgesehen war ursprünglich ein Walmdach mit schlankem Dachreiter, der aus statischen Gründen nicht realisiert werden konnte.

Fenster

Gotisierende Maßwerkfenster mit Jugendstilbleiverglasung. Nach Umbau des Kirchenraums (1968) in der Ostwand ein neues Rundfenster mit Bleiverglasung von Max Schegulla (Dierkshausen).

Ausstattung

Nach dem ursprünglichen Raumkonzept waren Altar, Kanzel und Orgel mit Chorempore übereinander angeordnet. Der Altar aus brasilianischem grünem Onyx war eine Stiftung der Freien und Hansestadt Hamburg. Bei einer Renovierung mit Teilumbau wurde 1965/68 die im Chor installierte Orgelempore aus Backstein einschließlich der Kanzel entfernt. Kanzel und Osterleuchter wurden 1979 durch den Bildhauer und Goldschmied Egino Weinert (Köln) neu geschaffen. – Taufbecken aus Email, ebenfalls von Egino Weinert.

Orgel

Ursprünglich hinter dem Altar, Werk 1911 von P. Furtwängler & Hammer, Entwurf des Prospekts von Garnisonbauinspektor Stock, 28 (davon eine Transmission) II/P, pneumatische Traktur, Taschenladen. 1928 Instandsetzung durch P. Furtwängler & Hammer (Hannover). 1946 Instandsetzung durch E. Palandt & Sohnle (Hildesheim). 1952 Umbau durch Gustav Brönstrup (Hude). 1954 Umbau und Änderung der Disposition durch Emil Hammer Orgelbau (Empelde). 1968 Neubau auf der Westempore durch Firma Hermann Eule (Bautzen), 43 III/P (HW, OW, Positiv), mechanische Spieltraktur, elektrische Registertraktur, Schleifladen. 1993 Neubau einer symphonischen Orgel am ursprünglichen Platz hinter dem Altar durch Gerald Woehl (Marburg), 49 (davon 6 Transmissionen) III/P, mechanische Spieltraktur, elektrische Registertraktur, Schleifladen. – Im Gemeindesaal wurde 1911 durch P. Furtwängler & Söhne ein vierregistriges Positiv mit pneumatischer Traktur und Taschenladen aufgestellt (1946 abgebaut).5

Geläut

Drei LG, I: c’ (Bronze, Gj. 1930, M & O Ohlsson, Lübeck); II: es’ (Bronze, Gj. 1930, M & O Ohlsson, Lübeck); III: g’ (Bronze, Gj. 1910, Franz Schilling, Apolda). I und III werden auch als SG genutzt. – Früherer Bestand: Vom ersten Geläut (in h, d’ und fis’), das 1910 bei der Glockengießerei Franz Schilling (Apolda) gegossen worden war, wurden die beiden größeren Glocken 1917 zerschlagen und eingeschmolzen. Die beiden Ersatzglocken wurden 1930 bei der schwedischen Glockengießerei M & O Ohlsson beschafft, die damals einen Zweigbetrieb in Lübeck unterhielt.

Literatur

A: Böker, Denkmaltopographie Lkr. Cuxhaven, S. 176 f.; Bussler, Stadtlexikon Cuxhaven, S. 129 f.; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 370; Hammer/Schade, Hamburger Pastorinnen und Pastoren II, S. 101; Kirchengemeinden Cuxhaven; Pape, Palandt, S. 172–174; Vogel u. a., Orgeln Niedersachsen, S. 322–324.
B: Rolf Gelhausen: Die St. Petri-Kirche zu Cuxhaven und ihr baugeschichtlicher Werdegang, [Cuxhaven 1986]; Rolf Gelhausen: Vortrag zur 75-Jahr-Feier der St. Petri-Kirche zu Cuxhaven, [Cuxhaven 1986]; Die Orgel der St. Petri-Kirche zu Cuxhaven, Cuxhaven 1993.


Fußnoten

  1. Hammer/Schade, Hamburger Pastorinnen und Pastoren II, S. 101.
  2. KABl. 1995, S. 74.
  3. KABl. 2002, S. 172.
  4. KABl. 1977, S. 1 ff.
  5. Pape, Palandt, S. 1974.