Frühere Gemeinde | Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich Elze | Patrozinium: Johannes der Täufer | KO: Calenberger KO von 1569

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Orts- und Kirchengeschichte

Das südlich des Nesselbergs gelegene Dorf Brünnighausen (seit 1973 Ortsteil von Coppenbrügge) erscheint erstmals urkundlich am 27. Dezember 1214 mit der Nennung des Yohannes de bruniggehusen als Zeuge.1 Der Besitz des nach dem Ort benannten Edelherrengeschlechts gelangte 1260 an das Domstift in Minden2, das in der zweiten Hälfte des 13. Jh. die Gf. von Spiegelberg damit belehnte. Brünnighausen teilte seither die Geschichte der Gft. Spiegelberg und kam 1819 mit dieser durch Kauf vom Haus Oranien-Nassau an das Kgr. Hannover. Aus der Gft. wurde das Amt Coppenbrügge gebildet.

Kirche, Ansicht von Südosten, 1974

Kirche, Ansicht von Südosten, 1974

Auch kirchlich gehörte Brünnighausen ursprünglich zu Coppenbrügge, doch ließen schon die Edelherren von Brünnighausen eine Kapelle mit wehrhaftem Charakter errichten, in der der Pfarrer der Nikolaikirche in Coppenbrügge jährlich fünf bis sechs Mal predigte. Auf Bitten der Einwohner wurde die Pfarre 1568 verselbständigt und als mater combinata mit Bäntorf verbunden. Pfarrsitz wurde Brünnighausen. Erster P. war Egidius Steiner (amt. 1568–1608). Der seit 1632 amtierende P. Johannes Bolejus kaufte 1638 einen Teil des alten Arnekenhofs (früheres Kirchengut) zurück und stattete damit das Pfarrwittum aus. Das Pfarrwitwenhaus wurde wegen Baufälligkeit zweimal (zuletzt um 1860) abgerissen und nach der Verkoppelung an anderer Stelle neu errichtet (vor 1969 verkauft). Das Pfarrhaus wurde 1749/50 und 1834 neu errichtet.
Zur Erinnerung an das Unwetter vom 1. Juli 1891 wurde in Brünnighausen am 1. Juli eine Hagelfeier begangen, die während der NS-Zeit zugunsten der nationalsozialistischen Maifeier abgeschafft, nach dem Zweiten Weltkrieg jedoch wieder aufgenommen wurde.3
Der bis 1936 amtierende P. Paul Berthold Schmidt war ein scharfer Gegner der DC, während P. i. R. Paul Kulmann (Pfarrverweser 1936–1942) keine kirchenpolitische Position einnahm. P. i. R. Grimm erhielt 1943 Redeverbot und wurde zeitweilig durch die Gestapo überwacht. Beeinträchtigungen entstanden insbesondere durch die kirchenfeindliche Haltung des NS-Ortsgruppenleiters.

Kirche, Grundriss, 1936

Kirche, Grundriss, 1936

Wohl schon in der ersten Hälfte des 19. Jh. war es üblich geworden, für die beiden verbundenen Gemeinden nur noch einen KV zu wählen und einen gemeinsamen Haushaltsplan aufzustellen. Diese Praxis wurde 1961 vom LKA moniert.4 Als Konsequenz wurde die Vereinigung der beiden KG in die Wege geleitet (1. Oktober 1963), die nach Widerspruch des politischen Gemeinderats von Bäntorf gegen den Namen „Brünnighausen“ entgegen dem landeskirchlichen Gebrauch den Doppelnamen Brünnighausen-Bäntorf erhielt.5

Umfang

Das Dorf Brünnighausen.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Ohsen der Diözese Minden. – Brünnighausen stand als Teil der Gft. Spiegelberg außerhalb der Inspektionsverfassung der welfischen Territorien. Die Einführung der P. nahm der Pastor primus von Coppenbrügge vor.6 Nach Ankauf der Gft. durch Hannover 1821 in die Insp. Münder eingegliedert7 und von dieser mit dem 1. Juni 1867 in die Insp. Oldendorf (ab 1913 Insp. Coppenbrügge, 1924 KK Coppenbrügge) umgegliedert.

Patronat

Die Gf. von Spiegelberg, später der jeweilige Landesherr (bis 1871). Für die Dauer der pfarramtlichen Verbindung mit Bäntorf wurde die Pfarrstellenbesetzung abwechselnd durch die spiegelbergische Kanzlei (nach 1819 das Konsistorium in Hannover) und den jeweiligen Besitzer des Guts Bisperode als Patron von Bäntorf ausgeübt.

Kirchenbau

Der schlichte Rechtecksaal aus verputztem Bruchsteinmauerwerk unter einem Krüppelwalmdach enthält im Westteil wohl noch Reste eines gotischen KapGb. Er wurde 1766 instandgesetzt und 1806 (laut Inschrift) nach Osten erweitert und erhöht. Der Innenraum ist durch eine flache Putzdecke geschlossen. Eine frühere umlaufende Emporenanlage wurde 1963/64 bis auf den Westteil (Orgelempore) beseitigt.

Fenster

Unter der Orgelempore ein Buntglasfenster mit der Kreuztragung (Glasmanufaktur Schneider).

Turm

Kleiner sechsseitiger Dachreiter auf dem westlichen Firstende.

Kirche, Blick zum Altar, 1936

Kirche, Blick zum Altar, 1936

Ausstattung

Ein älterer Altar von 1680 wurde beim Umbau der Kirche 1806 zum Kanzelaltar erweitert und in die Emporenanlage einbezogen. Bei der Renovierung von 1963/64 wurde er wieder abgebaut und die Kanzel im Raum frei aufgestellt. Der jetzt zweigeschossige Altaraufbau wurde aus dem Retabel des früheren Kanzelaltars neu zusammengestellt und zeigt in den Bildfeldern das heilige Abendmahl und die Auferstehung Christi. – Blockartiger vierseitiger Taufstein mit Deckel. – Das Lesepult wurde 1964 aus einem ehemaligen Pfosten der Altarschranke von 1806 umgearbeitet.

Orgel

Die Orgel in Brünnighausen wurde gemäß einer Inschrift im Pedalwindkasten 1851 von Ernst Wilhelm Meyer junior (Hannover) erbaut; 14 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. Ältere Gutachten nennen – wohl fälschlich – Eduard Meyer8 (1842 oder 1851) bzw. P. Furtwängler9 (184210 oder 1850/54) als Erbauer. Die Orgel enthielt laut Meldebogen von 1944 damals noch Pfeifenmaterial einer älteren Orgel von 1807. 1917 Ausbau der Prospektpfeifen (vor 1944 ersetzt). 1952 Instandsetzung, Veränderung der Disposition sowie Einbau eines elektrischen Gebläses durch den Orgelbauer Wichmann. 1973 Renovierung durch Ludwig Hoffmann (Betheln). 1995/97 Renovierung durch die Orgelbauwerkstatt F. Schmidt (Langenhagen).

Geläut

Drei LG, I: fis’ (Bronze, Gj. 1926, J. J. Radler & Söhne, Hildesheim); II: c’’ (Bronze, Gj. 155711, Henni Kruse, Hildesheim); III: a’’ (Bronze, Gj. 1707, Eggert Christoph Becker, Hildesheim). – Eine SG in g’’ (Bronze, Ende 19. Jh./um 1870).

Friedhof

Neuanlage südöstlich des Dorfs. 1969 an die politische Gemeinde übergeben.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 1509–1511 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 1240–1245 (Pfarrbestallungsakten); A 8 (CB); A 9 Nr. 339–340 (Visitationen Brünnighausen); D 22a (EphA Coppenbrügge).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 179; Bühring, KD Lkr. Hameln-Pyrmont, 131–134; Pape, Haspelmath, S. 224 f.
B: Ludwig Kerkmann, Hans Dobbertin: Brünnighausen, Kreis Hameln-Pyrmont. Chronik eines Dorfes, Brünnighausen 1964; Oskar Töpfer: Historische Nachrichten über die Pfarre zu Brünnighausen und Bäntorf, in: ZGNK 9 (1904), S. 235–240.


Fußnoten

  1. Cal. UB V, Nr. 7.
  2. Westfälisches UB VI, Nr. 728.
  3. LkAH, L 5h, unverz., Brünnighausen, Visitation 1946.
  4. LkAH, B 2 G 1/Brünnighausen-Bäntorf, Bl. 1 (LKA an Pfarramt Brünnighausen, 04.09.1961).
  5. KABl. 1963, S. 110.
  6. Schlegel, Kirchenrecht I, S. 446.
  7. LkAH, D 22a, Gen. A 140.
  8. LkAH, B 2 G 9 B/Brünnighausen.
  9. LkAH, B 2 G 9 B/Brünnighausen (Meldebogen für Orgeln, 08.06.1944).
  10. LkAH, B 2 G 9 B/Brünnighausen (Gutachten von P. Drömann vom 14.11.1932).
  11. LkAH B 2 G 9 B/Brünnighausen (Bericht des Glockensachverständigen Dr. Waack, 16.01.1981. Nach Gutachten von F. Hardege vom 04.05.1961 dagegen von 1502).