Frühere Gemeinde | Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Hildesheimer Land-Alfeld, Amtsbereich Alfeld | Patrozinium: Christus (seit 2003) | KO: Calenberger KO von 1569

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Orts- und Kirchengeschichte

Frühere Grundbesitzer in Bönnien waren die Gf. von Haldensleben, von Schladen und von Wohldenberg. Große Teile des Dorfes gelangten durch Kauf oder Schenkung sukzessive in die Hände des Klosters Lamspringe. Auch das Kloster Derneburg hatte Grundbesitz in Bönnien und veräußerte 1311 drei Hufen an den Domherrn Lippold von Stockem zu Hildesheim. Von den Wohldenbergischen Grundstücken ging ein Teil später an das Kreuzstift in Hildesheim und das Frankenberger Kloster in Goslar. Den Zehnten zu Bönnien übertrug Bf. Siegfried 1285 dem Kloster Lamspringe. 1327 schenkt Bf. Otto dem Kloster auch den Rottzehnten von 52 Morgen inzwischen urbar gemachten Landes. Die Landesherrschaft hatten die Bf. von Hildesheim, 1523 bis 1643 die Welfen. Danach fiel Bönnien wieder an das Hochstift Hildesheim. 1802 preußisch, 1807 westphälisch, 1813/15 an das Kgr. Hannover (Amt Wohldenberg, ab 1852 Amt Bockenem).

Kirche, Ansicht von Südwesten, Zeichnung von Herbert van Dam, 1953

Kirche, Ansicht von Südwesten, Zeichnung von Herbert van Dam, 1953

Die durch die Gf. von Haldensleben auf ihrem Erbgut in Bönnien errichtete und ausgestattete Kirche wurde vor 1178 nebst 15 Hufen und einer Mühle dem Kloster Lamspringe übereignet und in der Bestätigungsurkunde des Hildesheimer Bf. Adelog vom 29. November 1178 als ecclesia […] in villa Buninge erstmals erwähnt.1 Als Geistliche werden genannt: Hermannus sacerdos de Bonege (1234); Thidericus plebanus de Bonyem (1357). 1308 wurde die Pfarrkirche durch Bf. Siegfried von Hildesheim dem Kloster inkorporiert.2 GD hielt seither ein Priester oder Kaplan des Klosters.
Wohl seit vorref. Zeit war Bönnien mit Störy (als Filial) verbunden. 1528 wurden einige der Pankratius-Kirche in Bockenem zugehörige Leute in Bönnien an die Kirche in Bönnien abgetreten, wofür der dortige Pfarrherr Johann Barchmann mit Genehmigung des Klosters Lamspringe als Patron das Kloster Marienode (dem die Kirche in Bockenem inkorporiert war) mit fünf Morgen Land entschädigte. Zu dieser Zeit war Bönnien mater combinata von Hary, das auch Pfarrsitz war. Die Verbindungen scheinen aber häufiger gewechselt zu haben. Zwischen 1600 und 1625 bildete sich endgültig das Ksp. Hary-Störy-Bönnien heraus. Seit 1625 lässt sich diese Verbindung in den Pfarrakten kontinuierlich belegen.
Mit dem 1. Januar 1972 wurde die KG Bönnien aufgehoben und in die KG Hary eingegliedert.3

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Bockenem der Diözese Hildesheim. – Mit der Neuorganisation der kirchlichen Aufsichtsbezirke kam Bönnien um 1544 zur Insp. Bockenem, 1570 Insp. Baddeckenstedt, später Insp. der Ämter Wohldenberg und Bilderlahe (Insp. Bockenem) ohne festen Superintendentursitz (1794-1817 von Nette aus versehen, 1817–1832 von Sehlde) und ab 1833 zur neu organisierten Insp. (1924: KK) Bockenem.

Patronat

Das Kloster Lamspringe (ab 1198). Das Patronatsrecht des Klosters blieb auch nach der Umwandlung in ein ev. Damenstift (1568) und der Rekatholisierung (1643 nach Rückgabe an das Hochstift Hildesheim) bestehen und ist erst mit der Aufhebung des Klosters 1803 erloschen. Danach der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau

Die mittelalterliche Kirche wurde 1801 abgebrochen und das Kirchenschiff neu errichtet. Der Turm blieb erhalten. Vierachsiger verputzter Bruchstein-Saalbau mit Eckquaderung. Dach im Osten abgewalmt. Segmentbogige Sprossenfenster mit Sandsteingewänden. Tonnengewölbe. U-förmige Empore. Innenrenovierung 1961.

Fenster

Zwei Buntglasfenster der Firma Henning & Andres (Hannover): An der Nordseite Weihnachten (Anbetung der Hirten), an der Südseite die Auferstehung (beide dat. 1895).

Turm

Querrechteckiger romanischer Westturm (13. Jh.) mit ins Achteck überführter verschieferter Spitze. Bekrönung durch Kugel und Wetterfahne.

Ausstattung

Klassizistischer Kanzelaltar (1801). – Sechseitiger hölzerner Taufständer mit Deckel.

Orgel

Orgel

Orgel

1846 Neubau mit dreiachsigem klassizistischem Prospekt durch Heinrich Schaper (Alfeld), I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1917 Ausbau der Prospektpfeifen. 1965 Neubau des Werks durch Firma Schmidt & Thiemann (Hannover), 7½ I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. Einige Pfeifen aus dem Werk von Schaper wurden wieder verwendet.

Geläut

Zwei LG, I: g’ (Eisenhartguss, Gj. 1947, J. F. Weule, Bockenem); II: b’ (Bronze, Gj. 1976, Heidelberger Glockengießerei). – Eine SG in a’’ (Bronze, Gj. 1581, Christopher Horenbarch4) – Früherer Bestand: Eine größere und eine kleinere LG werden 1784 erwähnt. Von zwei 1866 gegossenen Glocken (Andries van Bergen, Stiekelkamperfehn) wurde die größere im Ersten Weltkrieg abgeliefert und 1919 durch eine Klanggussglocke in f’ der Firma Weule (Bockenem) ersetzt. Im Zweiten Weltkrieg wurde auch die noch verbliebene Bronzeglocke abgegeben. 1947 erhielt die Gemeinde eine weitere Klanggussglocke von Weule. 1976 wurde die große Weuleglocke durch einen kleineren Neuguss in Bronze ersetzt.

Friedhof

In Trägerschaft der Stadt Bockenem. Am nördlichen Ortsrand (Zur Schlackenmühle).

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 4858–4859 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 88 (Spec. Landeskons.); D 44 (EphA Bockenem).

Literatur

A: Günther, Ambergau, S. 439–442; Pape, Schaper, S. 48 f.
B: Klaus D. Hoppe und Gerda Willers (Hg.): 200 Jahre Kirche zu Bönnien, [Bönnien] 2002; Hermann Amling (Hg.): Dorfchronik von Hary, Störy, Bönnien, Bockenem [1989].


Fußnoten

  1. UB HS Hildesheim I, Nr. 387.
  2. UB HS Hildesheim III, Nr. 1642 f.
  3. KABl. 1972, S. 3.
  4. Günther, Ambergau, S. 441; Hoppe/Willers, S. 23. Abweichend: Mithoff, Künstler und Werkmeister, S. 80 (Gj. 1501).