Frühere Gemeinde | KapG der KG Ahlden | Sprengel Lüneburg, KK Walsrode | Patrozinium: Veit | KO: Lüneburger KO von 1643

Orts- und Kirchengeschichte
Orgel

Orgel

1258 stellte Hzg. Albrecht von Braunschweig auf der Burg in Birdhen eine Urkunde aus, die Ersterwähnung des Orts, der seither unter der Landesherrschaft der Welfen stand und mit der Teilung der Herrschaft 1269 zum Fsm. Lüneburg kam. Bierde war Sitz einer herzoglichen Vogtei. Der adelig freie und landtagsfähige Hof war herzogliches Lehen, ursprünglich vielleicht im Besitz einer Familie von Bierde, seit Mitte des 13. Jh. der von Fulde (1798 erloschen), danach des Generalleutnants Georg Ludwig Gf. von Oeynhausen († 1811) und des badischen Zeremonienmeisters Frhr. von Ende (bis 1842). Nach vorübergehender Verwaltung durch die Königliche Domänenkammer wurde er 1866 an Werner von Arnswaldt veräußert.
Das Dorf wird Ende des 14. Jh. dem Ksp. Düshorn zugeschrieben. Vor 1489 kam es zu Ahlden.1 Eine Kapelle soll auf dem Burgplatz schon im 13. Jh. bestanden haben, dürfte jedenfalls in vorref. Zeit zu datieren sein. Obwohl vermutlich eine bäuerliche Gründung und keine adelige Eigenkirche, nahmen die Gutsherren (von Fulde), die auch zum Bauunterhalt beitrugen, bis ins 18. Jh. das Recht zu Beisetzung in der Kapelle in Anspruch. Der Ahldener Pfarrer hielt drei bis viermal jährlich GD. 1860/61 wurde die abgängige Kapelle (zuletzt im 16. Jh. erneuert) durch den heutigen neugotischen Massivbau nach einem Entwurf von Conrad Wilhelm Hase ersetzt. Mit dem 1. Januar 2009 wurde die KapG aufgehoben und in die KG Ahlden eingegliedert.2

Kapellenbau

Gotisierender Massivbau aus Ziegelmauerwerk auf kreuzförmigem Grundriss. Eingezogener Chorraum mit 5/8-Schluss. Flache Balkendecke. Westempore, Renovierung 1953, Innenrenovierung 2003.

Turm

Über dem Westgiebel ein dreiseitig in Fachwerk ausgeführter Dachreiter. Westfront in Ziegelmauerwerk. Spitze ins Achteck überführt.

Ausstattung

Die Ausstattung stammt überwiegend aus der Erbauungszeit. Auf dem Altar ein neugotisches Eichenholz-Retabel mit Kruzifix. – Taufstele von Tischlermeister Duensing aus Ahlden (1913). – Holzgeschnitzte Marienstatue (um 1500). – Gedenktafel für die Gefallenen und Vermissten des Zweiten Weltkriegs.

Orgel

1891 Neubau im nördlichen Querschiff durch P. Furtwängler & Hammer (Hannover), 9 I/P, mechanische Traktur, Kegellade. 1917 Ausbau der Prospektpfeifen aus Zinn (Abgabe zu Rüstungszwecken); später durch Zinkpfeifen ersetzt. 1972/73 Restaurierung durch Martin Haspelmath (Walsrode). 2009 Restaurierung durch Stefan Lincke (Rotenburg/Wümme), u. a. Wiederherstellung des Zinnprospekts.

Geläut

Eine LG in e’’ (Bronze, Gj. 1861, Firma Friedrich Dreyer, Linden/Hannover). – Eine SG in c’’’ (Eisenhartguss, Gj. 1949, J. F. Weule, Bockenem; in einem Ausleger außen am Turmhelm). – Früherer Bestand: Für die 1881 angeschaffte Turmuhr war zunächst die Glocke der alten Kapelle als Stundenglocke genutzt worden. 1941 wurde sie zu Rüstungszwecken abgegeben und 1949 durch die heutige SG ersetzt.

Friedhof

1775 als Begräbnisplatz bei der Kirche erwähnt. Beisetzungen fanden in der Regel auf dem Kirchhof der Muttergemeinde Ahlden statt, dagegen bei Überschwemmung der Aller, Eisgang oder anderen Widrigkeiten in Bierde.3 1818 wurde der Friedhof an den nördlichen Dorfrand verlegt und 1861 erweitert. FKap (Bj. 1973). In Trägerschaft der Samtgemeinde Rethem (Aller).

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 140 (Pfarroffizialsachen); A 8/Ahlden (CB); D 99 (EphA Walsrode).

Literatur

A: Mithoff, Kirchen und Kapellen Lüneburg, S. 367; Pantel, Denkmaltopographie Lkr. Soltau-Fallingbostel, S. 158 f.; Wolff, KD Kr. Burgdorf und Fallingbostel, S. 111.
B: Heinrich Bunke und Johann-Heinrich Bunke: Heimat Aller-Leine-Tal. Geschichte einer Landschaft, dargestellt am Beispiel des Dorfes Bierde, [Böhme 2010].


Fußnoten

  1. Holscher, Bisthum Minden, S. 274.
  2. KABl. 2009, S. 39.
  3. LkAH, A 8/Ahlden (Corpus bonorum 1777).