Frühere Gemeinde | Sprengel Lüneburg, KK Uelzen | Patrozinium: Georg | KO: Lüneburger KO von 1643

Orts- und Kirchengeschichte

Schriftlich lässt sich das Dorf erstmals 1252 belegen: In einem Tafelgüterverzeichnis des Verdener Bischofs ist u. a. der decima in Barme genannt (Zehnte in Barum).1 Barum zählte zum welfischen Fsm. Lüneburg (Amt Medingen). In französischer Zeit war Barum von 1810 bis 1813/14 Teil des Kantons Ebstorf im Distrikt Uelzen des Allerdepartements im Kgr. Westphalen. Danach gehörte das Dorf, nun im Kgr. Hannover, wieder zum Amt Medingen. Mit der Annexion des Kgr. Hannover fiel Barum 1866 an das Kgr. Preußen. Seit Einführung der Kreisverfassung 1885 ist Barum Teil des Lkr. Uelzen. 1972 wurde Tätendorf-Eppensen eingemeindet. Barum gehörte zur 1965 gegründeten Samtgemeinde Bevensen, die sich 2011 mit der Samtgemeinde Ebstorf zur Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf zusammenschloss. Um 1810 lebten gut 520 Menschen in Barum, Eppensen und Tätendorf, 2019 rund 760.

Kirche, Ansicht von Südwesten

Kirche, Ansicht von Südwesten

Kirchlich gehörte Barum ursprünglich zur Parochie Bevensen. Im 14. Jh. wurde es zur selbständigen Pfarre erhoben. 1319 ist ein plebanus Conradus belegt2, 1380 Conrad von Here als früherer Pfarrer zu Barum.3 Die Einführung der Reformation erfolgte 1527 unter Ernst dem Bekenner. Als erster luth. Geistlicher wird 1543 Henrichus Bletze geführt, Salfeld nennt außerdem 1530/72 Bernhard Lohen und dessen gleichnamigen Sohn (um 1572), Johann Heneke (amt. 1574–1602), Christoph Zieseke (wohl bis 1616) und Johann Giese († 1633 in Barum).4 Für die Frühzeit der Gemeinde ist die Series pastorum unsicher. Vollständig belegt ist sie seit P. Franz Otto Bromberger (amt. 1633–1649), der dem Schwärmertum nahestand und wegen seiner Schmähschriften gegen den Celler GSup. Michael Walther 1649 seines Amtes enthoben wurde.
Seit 1. Januar 1973 war Barum mit der KG Natendorf pfarramtlich verbunden.5 Mit dem 1. Juni 2012 wurden beide zur KG Barum-Natendorf vereinigt.6

Umfang

Die Dörfer Barum, Hohenbünstorf, Tätendorf und Vinstedt sowie der Hof Hoystorf.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Bevensen der Diözese Verden. – Nach der Reformation (wohl ab 1531) zur Insp. Ebstorf; bei der Teilung der Insp. Ebstorf 1862 zur neu gebildeten Insp. (1924: KK) Bevensen, 1947 KK Bevensen-Ebstorf/Bevensen, seit 1. August 1975 KK Uelzen.

Patronat

Der Archidiakon von Bevensen. Später der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau

Einschiffiger, geschlämmter Feld- und Backsteinbau, im Kern gotisch (11./12. Jh.). Gerader Ostschluss mit Fachwerkgiebel des 17. Jh. Der von einer Brettertonne überwölbte Innenraum wurde 1844 neu ausgebaut (u. a. Einbau einer Empore auf der Nordseite). 1971 Renovierung nach Vorgaben des AfBuK, wobei die Emporen bis auf die Orgelprieche wieder beseitigt wurden.

Turm

Im Westen ein freistehender Fachwerk-Glockenturm mit konkav geknicktem Zeltdach (17. Jh.).

Ausstattung

Gemauerter Stipes aus vorref. Zeit mit barockem Aufsatz aus Sandstein (gestiftet 1653). Als Mittelrelief die Kreuzigung, darüber die Auferstehung; seitlich weibliche Heilige. – Moderne Kanzel (1971). – Farbig gefasste, pokalförmige, runde Sandsteintaufe auf quadratischer Plinthe (1889).

Orgel

1869 Neubau durch P. Furtwängler (Elze), ursprünglich für die St.-Nicolai-Kirche in Lüneburg, 1872 durch die KG Barum angekauft. 1953 Umbau durch F. Weißenborn (Braunschweig), 18 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1994 Restaurierung und erneuter Umbau durch Franz Rietzsch (Hiddestorf), Reduzierung auf 14 klingende Stimmen.

Geläut

Zwei LG, I: gis’ (Bronze, Anfang 14. Jh.), ohne Inschrift, Bilder: Brakteatenabdrücke, Pilgerzeichen7; II: a’ (Bronze, Gj. 1686, Johann Oppermann und Ditmer Ramin), Inschrift: „Allein zv Gottes Ehr sonst keinen Dinste mer“, „Pastor Thiederico a Geldern Ivratis Hans Appel et Henirick Harms Anno 1686“ und „Dvrg das Fever bin ich geflossen, Johan Opperman vnd Ditmer Ramin haben mich gegossen“.8

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (Fachwerk, Bj. 1827).

Friedhof

In Trägerschaft der KG. Vor Ende des 19. Jh. vom Kirchhof auf einen Platz hinter dem Gutshof verlegt und 1905 erweitert. Als FKap dient das ehemalig Mausoleum der Familie von Meding (erbaut 1826/27 nach Entwurf von G. F. L. Laves), das sich seit 1930 im Eigentum der KG befindet; 1969 nach Plänen des Architekten Hohls (Natendorf) erweitert.

Liste der Pastoren (bis 1940)

1543 Henrichus Bletze. – 1530–1572 Bernhard Lohen. – Um 1572 Bernhard Lohen. – 1574–1602 Johann Heneke (Heinichen). – 16.. –1616 (?) Christoph (?) Zieseke. – 1591 (?)–1633 Johann Giese. – 1633–1649 Franz Otto Bromberger. – 1649–1667 Jacob Drescher. – 1667–1681 Friedrich Günther Reineccius. – 1681–1699 Dietrich Gellern. – 1700–1725 Johann Georg Runge. – 1726–1736 Heinrich Christoph Leopold Kirchmann. – 1737–1766 Balthasar Lüders. – 1761–1777 David Karl Lüders. – 1777–1796 Gotthilf Jacob Raßmann. – 1796–1807 Johann Samuel Ludwig Nöldecke. – 1807–1823 Friedrich Wilhelm Samuel Matthäi. – 1823–1867 Heinrich Andreas Broderik. – 1867–1887 Johann Friedrich Wilhelm Bötticher. – 1887–1897 Ernst Eduard Adickes. – 1897–1913 Friedrich Wilhelm Adolf Eggers. – 1914–1930 Jakob Wichern. – 1932–1935 Onno Rudolf Ottfried Heyken. – 1938–1942 Hermann Heinrich Friedrich Aulbert.
Angaben nach: Meyer, Pastoren I, S. 66–67

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 655–667 (Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 72 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 575–581 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 150–153 (Visitationen); D 39 (EphA Bevensen-Ebstorf).

Literatur

A: Brüning/Harnack/Weber, Friedhöfe, S. 37 f.; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 196; Lucka, Denkmaltopographie Lkr. Uelzen, S. 105; Funke/Fricke, Pastoren KK Uelzen, S. 33–38; Mithoff, Kirchen und Kapellen Lüneburg, S. 365.
B: Eberhard Behnke: Die Familien und Einwohner des Kirchspiels Barum. Ortsfamilienbuch 1667-1920 und Besitzerfolgen der Höfe zu den Orten Barum, Hohenbünstorf, Gut Hoystorf, Tätendorf und Vinstedt, Uelzen 2020.


Fußnoten

  1. UB Verden I, Nr. 433 (S. 477). Knapp zum Stand der Dorfgeschichtsfroschung: Behnke, S. 11 f.
  2. Sudendorf, UB I, Nr. 317.
  3. UB S Hildesheim II, Nr. 442.
  4. Meyer, Pastoren I, S. 66 f.
  5. KABl. 1973, S. 5.
  6. KABl. 2013, S. 186 f.
  7. Strasser, Glocken Uelzen III, S. 53.
  8. Strasser, Glocken Uelzen III, S. 54.