Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Hildesheim-Sarstedt | Patrozinium: Katharina [von Bora] (seit 1999) | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte

Dorf zwischen Sarstedt und Nordstemmen, 1149 als Barinthune in einer Urkunde des Bf. Bernhard für das Kloster Lamspringe (Güterbestätigung) erstmals erwähnt. Von dem Geschlecht, das sich nach dem Ort nannte, erscheint 1219 Theodericus de Bernethen. Die Familie ist um 1500 ausgestorben. Grundbesitzer waren im Mittelalter neben dem Kloster Lamspringe das Magdalenenkloster (1241) und das Moritzstift in Hildesheim (1302). Gehörte zum hildesheimischen Amt Steuerwald (ab 1823 Steuerwald-Marienburg). – Seit 1974 Ortsteil von Nordstemmen.

Kirche, Ansicht von Südosten

Kirche, Ansicht von Südosten

Am Standort der heutigen Kirche bestand wohl schon im 12./13. Jh. eine dem heiligen Severin geweihte Eigenkirche (Kapelle) der von Salder (1354 erstmals erwähnt). Die ursprüngliche parochiale Zugehörigkeit ist unbestimmt. In vorref. Zeit soll Barnten jedenfalls nach Groß Escherde gehört haben. Hzg. Adolf von Schleswig-Holstein, dem das Amt Steuerwald ab 1556 verpfändet war, betrieb dort die Einführung der Reformation und erließ 1560 durch seinen Beamten Christoffer von Steinberg eine erste Verhaltensanweisung an die Geistlichen der Ämter Steuerwald und Peine. 1561 trat eine luth. KO in Kraft. Nach der Einlösung des Pfands durch den Hildesheimer Bf. Burchard von Oberg (1564) wurde das Amt weitgehend rekatholisiert. Barnten und das benachbarte Giften blieben jedoch luth. Ihre Einwohner gingen um 1588 nach Rössing zum GD, obschon sie formal dorthin nicht eingepfarrt waren.1 Später waren Barnten und Giften Filialen (KapG) von Sarstedt. Während des Dreißigjährigen Krieges wurden sie 1628 vorübergehend der kath. Pfarre Ahrbergen überwiesen.
Auf Grund der wachsenden Bedeutung des Orts wurde die Kapelle wohl um 1700 zur Kirche erweitert. Im Laufe des 18. Jh. erhielt sie eine barocke Innenausstattung. Als sich die Einwohner von Barnten 1848 an den Baulasten für die Pfarre in Sarstedt beteiligen sollten, stellte der Gemeindevorstand einen Antrag auf Lösung des Filialverhältnisses. Die Barntener gingen vorübergehend wieder in die Kirche von Rössing.
Die Schule in Barnten wurde nach dem Dreißigjährigen Krieg gegründet. In der Kapellenrechnung von Giften wird 1669 erstmals ein Schulmeister genannt, dem wahrscheinlich die Versorgung beider Orte übertragen war. 1942 wurde die ev. Bekenntnisschule in eine Gemeinschaftsschule umgewandelt.

Kirche, Blick zum Altar, vor 1965

Kirche, Blick zum Altar, vor 1965

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es durch den Zuzug von Flüchtlingen und Bergarbeitern des Kalischachts Rössing-Barnten zu einer raschen Vergrößerung der beiden Dörfer, die mit dem 1. Juli 1953 aus der KG Sarstedt gelöst und zu einer selbständigen KG Barnten-Giften zusammengeschlossen wurden. Die dritte Pfarrstelle der KG Sarstedt ging auf die neue KG über.2 Pfarrsitz wurde Barnten (Neubau von Pfarr- und Gemeindehaus). Im Gemeindehaus wurde 1954 ein KiGa eingerichtet. Nach dessen Umzug in einen Neubau (1997) wurde es zum Haus der Begegnung ausgebaut.
Mit dem 1. September 1999 wurden die beiden Gemeindeteile getrennt. Die Einwohner von Giften wurden wieder zu einer KapG zusammengeschlossen und in die St.-Paulus-KG in Sarstedt umgegliedert. Die KG Barnten-Giften erhielt einen neuen Namen und wurde als Katharinen-KG Barnten mit der KG Rössing pfarramtlich verbunden.3
Eine Partnerschaft besteht seit 1975 mit der KG Miltitz (Sachsen).

Umfang

Das Dorf Barnten.

Aufsichtsbezirk

Bei Gründung zum KK Hildesheim, 1. Mai 1957 zum wiedererrichteten KK Sarstedt (seit 1. Januar 1999 KK Hildesheim-Sarstedt).

Kirchenbau
Kirche, Grundriss, 1938

Kirche, Grundriss, 1938

Einschiffige, gotische Bruchsteinkirche (Kalkstein, mit Eckquaderung aus Sandstein) unter Satteldach. Barock erneuert. Der Innenraum durch eine Muldendecke geschlossen. Emporen an der West-, Nord- und Südseite aus der zweiten Hälfte des 19. Jh. durch die Turmvorhalle hindurchgezogen. 1960 und 2005 umfassende Renovierung.

Fenster

Buntglasfenster mit der Darstellung des Auferstandenen und kindersegnendem Christus.

Turm

Querrechteckiger Westturm, im Kern aus der ersten Hälfte des 14. Jh., in den Obergeschossen barock, 1823 noch einmal erhöht. Ins Achteck überführte Spitze. Westportal datiert 1794.

Ausstattung

Gemauerter Stipes mit Holzverkleidung. Dahinter ein in die Ostempore einbezogener Kanzelaltar, der Kanzelkorb zwischen Pilastern mit Palmettenaufsätzen (1772). – Hölzerne Taufe mit stark geschwelltem Balusterschaft. – Grabsteine außen an der Südwand.

Orgel, 1975

Orgel, 1975

Orgel

Wohl 1796 Ankauf und Einbau der um 1770 durch Johann Conrad Müller erbauten Orgel in der erneuerten Kirche.4 1867 Neubau hinter dem alten Gehäuse durch P. Furtwängler & Söhne (Elze), 5 I/aP, mechanische Traktur, Schleifladen. 1958/59 neobarocke Umdisponierung durch Lothar Wetzel (Hannover). 1987 Instandsetzung durch Firma Schmidt & Mappes (Langenhagen). 2015 Restaurierung und Wiederherstellung der ursprünglichen Disposition durch Gebrüder Hillebrand (Altwarmbüchen).

Geläut

Zwei LG, I: f’; II: as’ (beide Bronze, Gj. 1960, Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg). – Eine SG in g’’ (wohl 17. Jh., außen am Turmhelm). – Früherer Bestand: Kirchenglocken werden 1726 erstmals erwähnt. 1822 wurde eine geborstene LG umgegossen, 1848 eine LG durch Friedrich Dreyer (Linden/Hannover) neu gegossen. Eine Glocke wurde im Ersten Weltkrieg abgegeben. 1933 erhielt die Kirche zwei neue Glocken der Firma Radler (Hildesheim), von denen die größere im Zweiten Weltkrieg gleichfalls abgegeben wurde. Die verbliebene as’-Glocke wurde 1960 bei der Neubeschaffung des Geläuts durch den Sprengel Hildesheim angekauft und an eine Gemeinde in Madras (Chennai, Indien) verschenkt.

Friedhof

In Trägerschaft der KG. Ursprünglich bei der Kirche. 1879 an den westlichen Ortsrand verlegt, 2001 erweitert. FKap (Bj. 1962, 2008 saniert).

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 1 Nr. 9896 (Pfarroffizialsachen); D 46 (EphA Sarstedt).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 191; Jürgens u. a., KD Lkr. Hildesheim, S. 18-21; Mahr, Orgelbauer Müller, S. 349-353.
B: Schulz, Günter u. a., Arbeitskreis Dorfchronik (Hg.): Barnten in Wort und Bild. Eine Aufzeichnung seiner Geschichte von 1149 bis 1997, [Barnten 1997].

GND

2114627-5, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde (Barnten; Giften).


Fußnoten

  1. Kayser, Kirchenvisitationen, S. 445, Anm. 921.
  2. KABl. 1953, S. 164.
  3. KABl. 1999, S. 202 f.
  4. Mahr, Orgelbauer Müller, S. 350.