Sprengel Stade, KK Buxtehude | Patrozinium: Primus | KO: Keine Kirchenordnung

Orts- und Kirchengeschichte

Haufendorf auf einem Geestrücken südlich von Stade. Grundherren waren um 1500 das Georgskloster in Stade sowie verschiedene Prälaten und Adelige.1 Landesherren waren die Ebf. von Bremen. 1648 unter schwedischer, 1712 dänischer, 1715 kurhannoverscher Herrschaft. Bargstedt war Zentrum der gleichnamigen, mit dem Ksp. deckungsgleichen Börde, die 1753 im Amt Harsefeld aufging (1885 zum Kr. Stade).

Kirche, Ansicht von Südwesten, vor 1952

Kirche, Ansicht von Südwesten, vor 1952

Die Kirche auf einem Kirchhügel am Südrand des alten Dorfkerns gehört zu den frühen Taufkirchen und entstand wohl bald nach der Unterwerfung durch Karl den Großen an der Stelle eines altsächsischen Heiligtums. Auf fränkische Gründung verweist u. a. das seltene Primus-Patrozinium (römischer Märtyrer, einziger Nachweis in Norddeutschland). 1233 wird die Kirche erstmals erwähnt. 1273 gehörte sie zum Bremer Domkapitel. Wann die Reformation eingeführt wurde ist unbekannt, vielleicht erst nach dem Tod des letzten altgläubigen Ebf. Christoph († 1558), der noch 1523 auf dem Provinzialkonzil zu Buxtehude die luth. Lehre verdammen ließ. Andererseits hatte sich in vielen erzstiftischen Gemeinden schon in 1530er Jahren das neue Bekenntnis vollständig durchgesetzt. Pfarrer sind erst seit dem 17. Jh. namentlich bekannt (bis 1633 Statius Bulemann, 1633-1669 Otto Schmidt, 1669-1696 Peter Bargsteden).
In der zweiten Hälfte des 19. Jh. zeigte sich in der Gemeinde ein starker erwecklicher Einfluss, der u. a. in der Gründung des Posaunenchors (1874) und einem regen christlichen Vereinswesen Ausdruck fand. Jährlich fanden Missionsfeste statt. Prägende Gestalt war in dieser Zeit P. Friedrich Wilhelm Wiedemann (amt. 1854-1895), der sich auch als Verfasser einer zweibändigen „Geschichte des Herzogthums Bremen“ (18654/66) einen Namen machte. In der NS-Zeit war P. Robert Wesenick (amt. 1932-1946) Mitglied der BK.
Nach dem Krieg stieg die Zahl der Gemeindeglieder durch den Zuzug von Flüchtlingen von 3.000 (1938) auf über 4.800 (1950) an.2 1956 und 1977 wurden Teile des Gemeindegebiets abgetrennt und den KG Fredenbeck und Harsefeld zugewiesen. Die KG hatte früher eine eigene Gemeindeschwesternstation, die 1991 in der Sozialstation Geest aufging. Zur Unterstützung der kirchengemeindlichen Arbeit wurde 2006 die St.-Primus-Stiftung ins Leben gerufen. Seit 2008 besteht der Förderverein Aufwind e. V. für die Finanzierung eines hauptamtlichen Jugenddiakons. – Bargstedt war bis 1988 Patengemeinde von Zschopau (Sachsen). Seit 1988 besteht eine Partnerschaft mit der KG Gahlenz (Sachsen), seit 1994 gemeinsam mit der KG Ahlerstedt eine Partnerschaft mit der Gemeinde der Mekane-Jesus-Kirche in Ghimbi (Äthiopien).

Umfang

Die Dörfer Bargstedt, Bredenbek, Brest, Deinste, Dollern, Doosthof, Helmste, Hollenbeck, Issendorf, Kekerbeck, Kohlenhusen, Oersdorf, Ohrensen, Reith und Wohlerst; die Anbaue Frankenmoor, Rüstjer Moor und Klein Wohlerst; das Landgut Rüstje; die Wirtshäuser Heidekrug und Sandkrug; die Mühle Dollern. Die luth. Einwohner von Dollern wurden mit dem 1. Juli 1903 aus der KG Bargstedt in die KG Horneburg umgepfarrt.3 Zum 1. Oktober 1930 wurde für Deinste eine eigene KapG gebildet und in die St.-Cosmae-KG in Stade umgegliedert. Mit dem 1. Oktober 1956 wurden die bisher Bargstedt zugeordneten luth. Einwohner der politischen Gemeinde Helmste ausgepfarrt und mit Teilen der bisherigen KG Mulsum und Stade (St. Cosmae) zu einer neuen KG Fredenbeck zusammengeschlossen.4 Bis zur Errichtung der Pfarrstelle in Fredenbeck (1. Juli 1959) wurde Helmste aber weiter durch die KG Bargstedt pfarramtlich betreut. Mit dem 1. Januar 1977 wurden die im Gebiet „Issendorfer Weg“ wohnhaften Gemeindeglieder in die KG Harsefeld umgepfarrt.5 Heute gehören zum Ksp. noch die Ortschaften Bargstedt, Issendorf, Ohrensen, Hollenbeck, Kakerbeck, Oersdorf mit Kohlenhausen, Wohlerst, Reith mit Bredenbeck sowie Brest.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat des Bremer Dompropstes. – In schwedischer Zeit zur Präpositur Zeven-Ottersberg, ab 1. Januar 1827 zur Insp. Harsefeld bzw. Bargstedt (Sitz 1827-1830 in Bargstedt, 1830-1884 in Mulsum, ab 1884 wieder in Bargstedt, jedoch ab 1901 von Apensen aus verwaltet). Zur Insp. gehörten die KG Ahlerstedt, Apensen, Bargstedt, Harsefeld, Horneburg, Mulsum und Neukloster mit Bliedersdorf.6 Mit dem 12. Oktober 1934 wurden die Aufsichtsbezirke Bargstedt und Buxtehude zu einem Aufsichtsbezirk und KK Bargstedt-Buxtehude (seit 1. Januar 1958 KK Buxtehude) zusammengeführt. Sitz der Suptur. wurde Buxtehude.7

Patronat

Das Recht zur Präsentation der Pfarre hatte 1384 der Kaplan des Ebf.8 Später der Landesherr (bis 1871).

Kirchenbau
Kanzelaltar, vor 1970

Kanzelaltar, vor 1970

Der erste hölzerne Kirchenbau aus dem 9./10. Jh. wurde später von einer flachgedeckten, rechteckigen Feldsteinsaalkirche mit gewölbtem Chor abgelöst, die am 10. April 1793 bei einem Großbrand im Dorf schwer beschädigt wurde. 1801/02 errichtete der Zimmermeister C. L. Wilkens aus Groß Mekkelsen einen Neubau (Einweihung 19. September 1802). Rechteckige Feldsteinsaalkirche unter Walmdach. Mauerkrone und Fensterabschluss aus Backstein. Der quer ausgerichtete Innenraum wird durch eine flache Holzdecke geschlossen. Dreiseitige Emporenanlage. 1903 Neubau der Sakristei. Renovierung 1958 und in der ersten Hälfte der 1970er Jahre (innen).

Fenster

Buntglasfenster der Kunstanstalt für Glasmalerei Ferdinand Müller in Quedlinburg (1901; 1903 auch in der Sakristei). Buntglasfenster mit acht biblischen Szenen, entworfen von Charles Crodel (1894-1973), hergestellt 1972 von der Mayerschen Hofkunstanstalt in München.

Turm

Für das Geläut wurde 1802 nur ein hölzerner Glockenstuhl errichtet. 1867 folgte der Bau des Westturms (quadratischer Grundriss; Aufsatz mit Seitengiebeln und achteckiger Spitz) durch die Baumeister Becker und Fischer aus Horneburg. Wegen Baufälligkeit wurde er 1952 abgebrochen und durch einen freistehenden, durch einen offenen Gang mit der Kirche verbundenen Glockenturm (Architekten: Hopp & Jäger, Hamburg) ersetzt. Der Sockel besteht aus Feldsteinen, die beiden oberen Stockwerke aus einem Stahlbetonrahmen (1957/58). Kupferdach mit Spitzhelm über einer offenen Laterne.

Ausstattung

Ein Kanzelaltar (1801) und die Priechen wurden bei der Neugestaltung des Innenraums in den 1970er Jahren abgebrochen. Schlichter Tischaltar. 2008 neue Altarrückwand aus Glas. Christusfigur über dem Altar (2008).

Kirche, Blick zur Orgel, vor 1969

Kirche, Blick zur Orgel, vor 1969

Orgel

Erste Orgel 1873 von Johann Hinrich Röver (Stade), 14 Reg., neugotischer Prospekt. 1951 Umbau nach Vorgaben von KMD Alfred Hoppe (Verden). Abgebaut 1969. 1967/73 Neubau, ausgeführt von Firma Hermann Hillebrand (Altwarmbüchen), 18 II/P (HW, RP), mechanische Traktur, Schleifladen. Die Reg. der Röver-Orgel wurden teilweise wieder verwendet.9

Geläut

Vier LG, I: fis’; II: gis’; III: a’; IV: h’ (I, II, IV: Gj. 1958; III: Gj. 1974, alle Bronze, Gebrüder Rincker, Sinn). – Früherer Bestand: Nach der Brandzerstörung von 1793 wurde um 1802 in Bremen eine neue LG gegossen und in einem auf dem Kirchhof separat stehenden Glockenturm aufgehängt. Weiterer Neuguss offenbar 1859. Die SG wurde im Ersten Weltkrieg abgeliefert; erhalten blieb die LG. Nach Fertigstellung des neuen Turms (1958) gab die KG bei der Gebrüder Rincker drei neue LG in Auftrag. Die Glocke von 1859 wurde 1973 ersetzt, weil sie sich nicht in das Geläut einfügte; sie erhielt einen neuen Platz auf dem Friedhof von Hollenbeck.

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrwitwenhaus, Küster- und Schulhaus sowie Pfarrscheune brannten ebenfalls 1793 nieder. Das Pfarrhaus (Bj. 1767/68) blieb erhalten, wurde aber später auf Abriss verkauft. Neubau mit Scheune 1896/97. – Das Küster- und Schulhaus wurde noch 1793 durch Translozierung eines ehemaligen Bauernhauses aus Agathenburg nach Bargstedt versetzt (Neubau 1858, 1961 verkauft). 1962/63 Neubau eines Küsterhauses mit Schwesternstation nach Plänen der Architektin Hildegard Buttge (Stade). – Konfirmandensaal (Bj. 1913, 1995/96 zu Wohnungen umgebaut). – Pfarrwitwenhaus, 1882 verkauft. – Gemeindehaus (Bj. 1992/93, Architekt Heinrich Wiebusch, Bargstedt).

Friedhof

Der Begräbnisplatz auf dem Kirchhof wurde 1885 aufgelassen und 1936 nach Ablauf der letzten Ruhefristen eingeebnet. Neuer Friedhof an der Kakerbecker Straße. FKap nach Plänen von Heinrich Wiebusch mit Glasfenstern des Künstlers Olbrich aus Bremerhaven (Darstellung der Auferweckung des Jünglings zu Nain). – Die Außendörfer erhielten schon früher eigene Friedhöfe.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 2 Nr. 110-121 (Kons. Stade, Pfarroffizialsachen); A 5 Nr. 48 (Spec. Landeskons.); A 6 Nr. 499-507 (Pfarrbestallungsakten); A 8 (CB); A 9 Nr. 2594-2596 (Visitationen); D 49 (EphA Buxtehude).

Literatur

A: Albrecht, Denkmaltopographie Lkr. Stade, S. 94-97; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 189.
B: Heinrich Borstelmann: Familienkunde des alten Amtes Harsefeld, in: Stader Archiv 25 (1935), S. 173; Wilhelm Thiele und Friedrich Weßeler (Hg.): 777 Jahre St. Primus Bargstedt, [Bargstedt 2011].


Fußnoten

  1. Borstelmann, S. 173.
  2. Thiele/Weßeler, S. 89-103.
  3. KABl. 1903, S. 36.
  4. KABl. 1956, 145 f.
  5. KABl. 1977, S. 17.
  6. Übersicht Besetzung 88 (1895), S. 38.
  7. KABl. 1934, S. 158 f.
  8. Hodenberg, Stader Copiar, S. 18.
  9. Skiebe, Röver, S. 52.