Frühere Gemeinde | Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Göttingen-Münden, Amtsbereich Münden | Patrozinium: kein mittelalterliches Patrozinium bekannt1 | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte

Urkundlich ist das Dorf erstmals 1297 belegt: Das Kloster Mariengarten erhielt Land in Volcharderode.2 In der Folgezeit erwarb das Kloster weiteren Besitz in Volkerode. Territorial gehörte Volkerode seit der Dreiteilung des welfischen Teilfsm. Braunschweig-Wolfenbüttel um 1291 zum neuen Teilfsm. Göttingen.3 Nachdem die Göttinger Linie der Welfen mit Hzg. Otto Cocles († 1463) in männlicher Linie ausgestorben war, wurde das Territorium 1495 bzw. 1512 Teil des Fsm. Calenberg-Göttingen („Kernlande Hannover“, 1692: Kfsm. Braunschweig-Lüneburg bzw. Kurhannover). Die landesherrlichen Rechte in Volkerode nahm zunächst der Amtmann in Friedland, später der in Münden wahr; die Gerichtshoheit lag beim Gericht Leineberg. Die Niedergerichtsbarkeit kam 1678 zum Gericht Jühnde (Patrimonialgericht der Familie von Grote) und fiel 1784 wieder an das Gericht Leineberg, das „sich nach und nach zu einem üblichen Gerichts- und Amtsbezirk“ entwickelt hatte.4 In französischer Zeit gehörte Volkerode von 1807 bis 1813/14 zum Kgr. Westphalen (Kanton Jühnde, Distrikt Göttingen, Leine-Departement). Seit 1815 zählte der Ort, nun im Kgr. Hannover, wieder zum Gericht Leineberg, aus dem 1831 das Amt Göttingen hervorging. 1852 kam Volkerode zum Amt Friedland, das 1859 in das Amt Reinhausen eingegliedert wurde. Mit der Annexion des Kgr. Hannover fiel das Dorf 1866 an das Kgr. Preußen. Bei Einführung der Kreisverfassung 1885 kam der Ort zum Lkr. Göttingen (neugebildet 1973 und 2016). 1973 wurde Volkerode nach Rosdorf eingemeindet. Zur sozialen Struktur des Kirchspiels schrieb der Pfarrer 1968: „Der kleinere Teil setzt sich aus Landwirten verschiedener Größenordnung zusammen. Der größere Teil der Gemeindeglieder ist außerhalb Sieboldshausen bzw. Volkerode beschäftigt, als Facharbeiter oder Arbeiter.“5 Um 1810 lebten gut 270 Menschen in Volkerode, 1950 rund 460 und 2023 etwa 280.

Zur vorref. Kirchengeschichte Volkerodes ist wenig bekannt. Das Dorf besaß angeblich seit 1397 eine Kirche.6 In Volkerode bestand anscheinend kein eigenes Pfarramt. Vielmehr gehörte das Dorf als Tochtergemeinde zu Sieboldshausen. Denn im Jahr 1588 klagte der Sieboldshäuser Pfarrer: „Die Filiale Mengershausen, Amt Münden, Volckerode daselbst und Lembshausen, Amt Friedland seien davon gerissen“.7 Im Nachrichtungsbuch von allen Pfarren im Fürstenthumb Braunschweig, angelegt Ende des 16. Jh. und geführt bis in die ersten Jahrzehnte des 17. Jh., ist Volkerode als filia von Sieboldshausen verzeichnet.8 Bis 1609 war dann das Pfarramt Obernjesa für Volkerode zuständig gewesen, danach erneut Sieboldshausen.9 P. Georg Schrader (amt. 1641–1656) setze bei der Visitation 1646 durch, dass er wegen des mühsamen Wegs nach Volkerode dort nur noch alle vier Wochen predigen musste. Die Volkeröder sollten an den übrigen Sonntagen „den Gottesdienst zu Sieboldshausen besuchen oder da ihnen das nicht beliebet, solcher Müh halben befriedliche Zulage tun“. Mit anderen Worten: Für mehr Gottesdienste in Volkerode wollte der Sieboldshäuser Pfarrer auch mehr Geld.10 1675 ist Volkerode wiederum als filia von Obernjesa verzeichnet, später kam die Gemeinde wieder zu Sieboldshausen.11
Das mittelalterliche Kirchengebäude ließ die Gemeinde 1783/84 durch einen größeren Neubau ersetzen.12 Nachdem bei einem Unwetter 1800 der Kirchhügel unterspült worden war, senkten sich die Außenmauern zunehmend und es bildeten sich Risse im Mauerwerk. Seit September 1888 versammelte sich die Gemeinde zum Gottesdienst nicht mehr in der Kirche, sondern in der Schule. 1891 begannen die Neubauarbeiten und am 5. Oktober 1892 weihte die Gemeinde Volkerode ihr neues, bis heute erhaltenes Kirchengebäude ein.13 Anfang des 20. Jh. fand in der Volkeroder Kirche alle zwei Wochen und an allen kirchlichen Feiertagen ein Predigtgottesdienst statt; an den übrigen Sonntagen hielt bis 1934 der Lehrer einen Lesegottesdienst.14
Aufgrund des Zuzugs Geflüchteter nach Ende des Zweiten Weltkriegs stieg die Zahl der Gemeindeglieder von 310 im Jahr 1939 auf fast 510 im Jahr 1948 an.15 Zum 1. Januar 1975 schloss sich die KG Volkerode mit der KG Sieboldshausen zusammen; gemeinsam gründeten sie die „Ev.-luth. KG Sieboldshausen-Volkerode“.16

Umfang

Volkerode.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Nörten der Erzdiözese Mainz (zunächst wohl sedes Dransfeld, später sedes Sieboldshausen).17 – 1588 zur Insp. Dransfeld.18 Zeitweise Insp. Münden19, wohl vor 1746 zur Insp. Hardegsen, vor 1763 wieder Insp. Göttingen, bei deren Teilung 1796/97 zur Insp. Göttingen Erster Teil (Göttingen I). 1868 von der Insp. Göttingen I in die Insp. Göttingen III umgegliedert; 1924 KK Göttingen III; 1937 KK Göttingen-Nord.20

Kirchenbau

Neugotischer, dreiachsiger Bau mit eingezogenem Polygonalchor und Sakristeianbau an der Südseite des Chors, erbaut 1891 (Maurermeister C. Rathkamp). Satteldach (ziegelgedeckt), Chordach nach Osten abgewalmt (ziegelgedeckt), abgewalmtes Sakristeidach (schiefergedeckt). Natursteinmauerwerk mit Eckquaderung. Spitzbogige Fenster an Schiff und Chor. Rechteckportal nach Norden, Sakristeieingang nach Osten. Bauinschrift im Ostgiebel: „Anno Domini 1891. A. Schultze, Pastor. H. Hartung, Bauermeister. C. Rathkamp, Maurermeister. H. Pape, Polier.“ Im Innern flache Holzdecke im Schiff; Westempore. 1972 Sargkammer eingebaut.

Turm

Querrechteckiger Westturm mit hohem Walmdach (schiefergedeckt), bekrönt mit zwei Kugeln, Kreuz und Wetterfahne. Natursteinmauerwerk mit Eckquaderung. Im Glockengeschoss spitzbogige Schallfenster nach Norden, Süden und Westen, nach Osten zwei kleine Rechteckfenster. Nach Westen spitzbogiges Hauptportal, darüber dreiteilige Fenstergruppe, darüber Uhrziffernblatt.

Vorgängerbau

Mittelalterlicher Bau, angeblich 1397 vorhanden. 1783/84 Neubau errichtet, rechteckiger, dreiachsiger Bau dachreiterartigem Fachwerkturm über dem Westgiebel und Krüppelwalm nach Osten, Gebäude war 15 Meter lang und 9 Meter breit; zwei Bauinschriften überliefert: „Durch Gottes Güthe und Kraft ist diese Kirche durch Meister Steinwachs aus Wöllmershausen gemacht 1784“ und etwa „Im Jahre 1784 ist diese Kirche neu erbaut unter der Aufsicht des General-Superint[endenten] G. W. Wagemann und Oberhauptmann v. Handstein, Pastor Witkugel, Vorstand H. Klinge und D. Suchfort“.21 1800 Kirchhügel bei Unwetter unterspült. 1856 Risse und Feuchtigkeitsschäden. Ab September 1888 Kirche nicht mehr genutzt.

Ausstattung

Neugotischer Holzaltar (1891) mit seitlichen Schranken und hohem Kruzifix. – Erhöhte Holzkanzel (1891), polygonaler Kanzelkorb, Steinsäule als zentrale Stütze des Kanzelkorbs. – Taufe aus Sandstein (1891). – Hölzerne Marienfigur (um 1500?), mit Resten einer Farbfassung. – Hölzerne Skulptur (um 1500?), wohl Apostel Johannes.

Orgel

1798 Orgelneubau, ausgeführt von Heeren & Kuhlmann (Gottsbüren), 9 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen. 1830/31 Reparatur, Heeren & Kuhlmann (Gottsbüren). Um 1892 Orgel abgebaut. 1892 Orgelneubau, ausgeführt von P. Furtwängler & Hammer (Hannover), 7 I/P, mechanische Spieltraktur, Kegelladen (Opus 286).22 1917 zinnerne Prospektpfeifen im Ersten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben, vor 1926 ersetzt. 2010 Reparatur, Werner Bosch (Sandershausen).

Geläut

Zwei LG, I: h’ (Bronze, Gj. 1738, Johann Arnold Geyer, Nordhausen), Inschriften: „Da Mag. Franciscus Conrad Hartel Pastor, Iohann Anthon Schriber Schulmeister, Iohann Baumgarte Baumeister, V. Andreas Hinthur, Christoph Ilsen, Christian Klingen, K. Sebastian Klingen, Iohann Dietrich Bartram“, „Der neue Glockenklang gereiche Gott zu ehren und seines Nahmens Ruhm muss immer sich vermehren, er selbst bewahre se fur allem Borst und Knall bis man am letzten Tag hort der Posaunen Schall. Psalm 47 Frohlocket mit Handen alle Volker und iauchzet Gott mit frohlichem Schall“, „Ies. 2 Kommet lasst uns auf den Berg des Herrn gehen zum Hause des Gottes Iacob, dass er uns lehre seine Wege und wir wandeln auff seinen Stegen“ und „Anno 1738 gos mich Iohann Arnhold Geyer in Northausen auf Kosten der Gemeinde“, im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben, nicht eingeschmolzen und seit etwa 1947 wieder in Volkerode, Glocke 1962 geschweißt (Firma Lachenmeyer, Nördlingen); II: d’’ (Bronze, Gj. 1920, Firma Radler, Hildesheim), Inschriften: „Nahet euch zu Gott, so nahet er sich zu euch. Es ist vollbracht“, „1920“ und „K. v. Ritter, Pastor. K. Haase, Nr. 17. H. Meyer, Nr. 2. H. Gerke, Nr. 36. K. Lotze, Nr. 28. E. Evers, Bauermeister. K. Bertling, Organist“, Bilder: Christus am Kreuz, weinende Frauen. – Früherer Bestand: Eine LG (Bronze, Gj. 1818).

Friedhof

Ehemaliger kirchlicher Friedhof bei der Kirche. Kommunaler Friedhof am südöstlichen Ortsrand.

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 1 Nr. 10349–10350, 10359, 10378–10379 (Pfarroffizialsachen); A 9 Nr. 2128Digitalisat, 2129Digitalisat, 2130Digitalisat (Visitationen); B 2 G 9 Nr. 2762, 3049 (Baupflege und Bauwesen); B 2 G 9 B Nr. 633 (Orgel- und Glockenwesen); S 09 rep Nr. 2069 (Presseausschnittsammlung); S 11a Nr. 7994 (Findbuch PfA); S 11a Nr. 8140 (Findbuch EphA).

Literatur & Links

A: Bielefeld, Orgeln im Umland, S. 282–286; Casemir/Ohainski/Udolph, Ortsnamen Lkr. Göttingen, S. 404–405; Lufen, Denkmaltopographie Altkr. Münden, S. 244–245; Meinhardt & Groth, Chronik I, S. 555–587, ebd. II, S. 347–368; Mithoff, Kunstdenkmale II, S. 197.

B: Die Kirche in Volkerode. Denkschrift zur 100-Jahrfeier, hrsg. vom Kirchenvorstand der Kirchengemeinde Sieboldshausen/Volkerode, Sieboldshausen 1992; Kirchhofs-Ordnung für Volkerode, Landkr. Göttingen, vom 1. Januar 1904, hrsg. vom Kirchenvorstand Volkerode, Einbeck 1904; Trauregister aus den Kirchenbüchern Südniedersachsens 1801–1850. Teil 8. Göttingen West: Atzenhausen, Dahlenrode, Deiderode, Dramfeld, Elkershausen, Friedland, Klein Schneen, Mariengarten, Mollenfelde, Obernjesa, Sieboldshausen, Volkerode, hrsg. von der Genealogisch-Heraldischen Gesellschaft Göttingen e. V., Norderstedt 2017; Johannes Siemes: 700 Jahre Volkerode. 1297–1997. Festschrift zum Jubiläum. Ein Dorf erinnert sich, Rosdorf 1997, bes. S. 51–57; Erwin Steinmetz: Die Kirche in Sieboldshausen. Ein Beitrag zur südniedersächsischen Kirchengeschichte, in: Göttinger Jahrbuch 29 (1981), S. 69–90.

Internet: Denkmalatlas Niedersachsen: Kirche.


Fußnoten

  1. Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien I, S. 173.
  2. UB Mariengarten, Nr. 71.
  3. Insgesamt: Pischke, Landesteilungen, bes. S. 45 ff., S. 75 ff. und S. 180 ff.
  4. LAW, V 231, Nachrichtungsbuch von allen Pfarren im Fürstenthumb Braunschweig…, S. 58; Kupsch, Gericht, S. 69 f.; Jünemann, Chronik, S. 45 und S. 135; NLA HA Hann. 74 Göttingen, Bestandsbeschreibung (Zitat).
  5. LkAH, L 5c, unverz., Sieboldshausen, Visitation 1968.
  6. Siemes, S. 51 (ohne Beleg), Kirche in Volkerode, S. 8 (ohne Beleg).
  7. Kayser, General-Kirchenvisitation I, S. 152.
  8. LAW, V 231, Nachrichtungsbuch von allen Pfarren im Fürstenthumb Braunschweig…, S. 58.
  9. Steinmetz, S. 87; Kayser, Generalvisitation Gesenius, S. 155 f. mit Anm. 3. Kleineke, Pfarrchronik, S. 3. Meyer, Pastoren II, S. 372, nennt irrtümlich 1657.
  10. Kayser, Generalvisitation Gesenius, S. 156 f.
  11. Althaus, Generalvisitation, S. 139, mit Anm. 2.
  12. Zum Folgenden: Kirche in Volkerode, S. 8 ff. Siemes, S. 55.
  13. Kirche in Volkerode, S. 46 ff.
  14. Ahlers, Pfarrbuch 1909, S. 325; LkAH, L 5c, unverz., Sieboldshausen, Visitation 1948.
  15. LkAH, S 1 H III, Nr. 413, Bl. 39; LkAH, L 5c, unverz., Sieboldshausen, Visitation 1948.
  16. KABl. 1975, S. 5.
  17. Bruns, Archidiakonat Nörten.
  18. LAW, V 231, Nachrichtungsbuch von allen Pfarren im Fürstenthumb Braunschweig…, S. 58.
  19. Althaus, Generalvisitation, S. 139, Anm. 2.
  20. KABl. 1924, S. 86; KABl. 1937, S. 135.
  21. Kirche in Volkerode, S. 8. Vgl. auch NLA HA Kartensammlung Nr. 23 d Volkerode 1 pm [mit Digitalisat].
  22. Pape/Schloetmann, Hammer, S. 102.