Frühere Gemeinde | Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Göttingen-Münden, Amtsbereich Münden | Patrozinium: Martin | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte

Urkundlich ist der Ort erstmals im Jahr 960 belegt: Der Kg. und spätere Ks. Otto I. († 973) schenkte dem neu gegründeten Kloster Hilwartshausen einen Hof (curtis) in Iuniun.1 In den Quellen heißt der Ort bald Iune, seit dem 16. Jh. Junde bzw. Jühnde.2 Ab dem 13. Jh. lässt sich eine Adelsfamilie belegen, die sich nach dem Dorf de Iune nannte (im 15. Jh. in männlicher Linie ausgestorben).3 Die Burg Jühnde ist erstmals 1290 belegt (Villa Iune cum eius arce, das Dorf Jühnde mit seiner Burg); sie war im gemeinsamen Besitz der Familien von June und von Boventen, später auch von Berlepsch, zunächst als Lehen der Gf. von Everstein.4 1341 öffneten die Ritter von Boventen ihr hus to June dem welfischen Hzg. Ernst I. zu Braunschweig-Lüneburg († 1367) und gelobten, ihm treue Diener zu sein.5 Aus dem Jahr 1398 ist eine Belehnung der Familie von Boventen mit hus und kerklene tu Jůne von Gf. Hermann VII. von Everstein († 1413) überliefert.6 1439 belehnte dann Hzg. Otto IV. Günther von Boventen mit Jühnde und anderen Gütern, wie er sie bereits als Lehen der Gf. von Everstein besessen hatte.7 Dorf und Burg bzw. Gut Jühnde blieben bis 1482 im Besitz der Herren von Boventen, kamen dann an die Familie von Adelebsen und 1664 an die Freiherren Grote. Die Gerichtshoheit über das Dorf lag jeweils bei den Besitzern der Burg bzw. des Gutes (geschlossenes Patrimonialgericht).8 Eine erste Ortsansicht ist aus der Mitte des 17. Jh. überliefert (Merian-Stich).9 In französischer Zeit war Jühnde von 1807 bis 1813/14 Hauptort des gleichnamigen Kantons im Distrikt Göttingen des Leinedepartements im Kgr. Westphalen. Danach unterstand das Dorf, nun im Kgr. Hannover, erneut dem Patrimonialgericht der Freiherren von Grote. Nach dessen Aufhebung zum 1. Juli 1852 kam Jühnde 1852 neu gegründeten Amt Dransfeld, das bereits 1859 wieder im Amt Münden aufging. Mit der Annexion des Kgr. Hannover fiel Jühnde 1866 an das Kgr. Preußen. Bei Einführung der Kreisverfassung kam das Dorf 1885 zum Lkr. Münden, der 1973 im Lkr. Göttingen aufging. 1973 wurde Barlissen eingemeindet; Jühnde gehört zur Samtgemeinde Dransfeld. Zur Sozialstruktur der Gemeinde schrieb der Ortspastor 1962: „Bauern, Handwerker und Arbeiter, von denen die Guts-, Wald- und Steinbrucharbeiter die untere Stufe einnehmen, die Industriearbeiter, die größtenteils im eigenen Auto zu den Arbeitsplätzen in Hann. Münden oder Göttingen fahren, die obere“.10 Um 1810 lebten knapp 430 Menschen in Jühnde, 1961 etwa 780 und 2020 gut 930 (mit Barlissen).

Kirche, Ansicht von Nordosten, Teilansicht, um 1953

Kirche, Ansicht von Nordosten, Teilansicht, um 1953

Eine Kirche in Jühnde lässt sich erstmals in der zweiten Hälfte des 13. Jh. nachweisen: Im Jahr 1266 erscheint der Priester (sacerdos) Godefridus de Iunen in der Zeugenliste einer Urkunde und 1271 sind der verstorbene dominus Gotfridus quondam plebanus in Iune (Herr Gottfried, früher Pleban in Jühnde) und ancille sue Konegundi (seine Magd Kunigunde) urkundlich belegt.11 Das Martinspatrozinium der Kirche lässt jedoch eine Kirchengründung in fränkischer Zeit vermuten.12 Im Jahr 1329 ist Iohannes sacerdos dictus Stal plebanus ecclesie in Iune (Priester Johannes, genannt Stal, Pleban der Kirche in Jühnde) urkundlich nachgewiesen.13 Dieser Pleban Johannes lässt sich bis 1369 belegen.14 1391, 1436 und 1444/46 ist eine capellen unser leyven frowen in Jühnde urkundlich nachgewiesen, die wohl im Besitz der Herren von Boventen war (1444: cappellanen hern Hildebrand).15 Im Jahr 1431 besaß Heinrich von Boventen die Pfarrpfründe und war pernere to June.16 Das Patronat über die Kirche in Jühnde lag jeweils bei den Besitzern der Burg, die in der Regel mit hus und kerklene tu Jůne belehnt wurden.17 Möglicherweise bereits in vorref. Zeit war die Jühnde pfarramtlich mit Barlissen verbunden.
Als Vormund ihres minderjährigen Sohnes Erich führte Hzgn. Elisabeth die luth. Lehre im Fsm. Calenberg-Göttingen ein: 1542 setzte sie die von Antonius Corvinus verfasste Kirchenordnung in Kraft und 1542/43 ließ sie die Gemeinden des Fürstentums visitieren.18 Im Jahr 1545 übernahm der nunmehr volljährige Hzg. Erich II. die Regierungsgeschäfte und wechselte 1547 zum kath. Glauben. Die Calenbergischen Stände widersetzten sich jedoch seinen Rekatholisierungsbestrebungen und konnten 1553/55 die Beibehaltung der luth. Lehre in den Kirchspielen des Fürstentums sicherstellen. Nach dem Tod Erichs II. fiel das Fsm. Calenberg-Göttingen 1584 an Braunschweig-Wolfenbüttel und Hzg. Julius führte seine 1569 aufgestellte ev. KO auch hier ein.19 1588 ließ er die Gemeinden visitieren. Nur wenig ist über die Entwicklung in Jühnde während dieser Reformationsjahrzehnte bekannt. Im Januar 1583 begann die Gemeinde mit dem Neubau ihrer Kirche.20 Der erste namentlich bekannte luth. Geistliche war der in den Protokollen der Visitation von 1588 genannte P. Daniel Trappe (amt. vor 1588–1605). Im Gottesdienst war seinerzeit noch lateinische Gesänge üblich (Introitus, Sequenz); die Visitatoren empfahlen, „anstatt des Introiti feine deutsche Psalmen zu singen“.21
Während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) zogen 1623 kaiserliche Truppen durch Jühnde und zerstörten „neben vielen Höfen auch das Pfarrhaus mit seinen Nebengebäuden“, das die Gemeinde erst 1606 hatte bauen lassen.22 Die Kirchenrechnungen der Gemeinde reichen zurück bis ins Jahr 1607. Die sogenannte neue Kirche auf dem Schlossplatz in Jühnde, vermutlich die seit dem späten 14. Jh. belegte Marienkapelle, diente seinerzeit als Wohnhaus.23 Im Protokoll der Visitation von 1652 ist vermerkt, im Moment habe P. Johann Friedrich Scherius (amt. 1652–1654) die Pfarre als Interimsverwalter inne, er könne allerdings „selbst den Katechismus nicht“. Überdies sei die Schule „schlecht besucht, die Absenten nicht notirt“.24 Der erste bekannte Lehrer in Jühnde war Sebastian Rickert (amt. 1629–1639). Die pfarramtlich mit Jühnde verbundene Gemeinde Barlissen wird im Sal- und Lagerbuch Jühndes in der zweiten Hälfte des 17. Jh. als Tochtergemeinde bezeichnet („Filiale Sankt Laurentii zu Barlissen“).25 Die gleiche Bezeichnung findet sich im CB von 1709 („Filial Barlsen S. Laurentii“).26

Kirche, Blick zum Altar, 1948

Kirche, Blick zum Altar, 1948

Im Jahre 1868 erhielt die Jühnder St. Martinskirche zwei neue Glocken. Gegossen vom Bochumer Verein stammen sie „aus der ersten Zeit der Stahlglockenproduktion“ (sie wurden 1977 abgenommen und neben der Kirche aufgestellt).27 Zu den Aufgaben der Patronatsfamilie Grote zählte auch im 19. Jh., die Jühnder Kirche in Bau und Besserung zu halten. Sie behielt zudem die Verwaltung des Kirchenvermögens weiterhin in ihrer Hand (in Barlissen 1858 dem KV übertragen).28 Im Jahr 1925 gründete sich ein Posaunenchor in Jühnde.29
Während der NS-Zeit hatte P. Albert Friedrich Wilhelm Heinrich (amt. 1934–1954) das verbundene Pfarramt Jühnde-Barlissen inne. Im „Fragebogen zur Geschichte der Landeskirche von 1933 bis Kriegsende“ gab er rückblickend an, er habe kirchenpolitisch zur Hannoverschen Bekenntnisgemeinschaft gehört.30 Der während der Vakanz der Pfarrstelle 1933 neu gewählte KV habe sich, „obwohl er Kirchenvorsteher in seiner Mitte hatte, die zu den Deutschen Christen gehörten, […] im Großen u[nd] Ganzen bewährt.“ In Jühnde und in Barlissen trat später je ein Kirchenvorsteher „aus parteipol[itischen] Gründen“ zurück. Nach der Visitation 1940 schrieb der Sup. des KK Münden in seinem Bericht, die Gemeinde Jühnde sei „eine der kirchlichsten im Aufsichtsbezirk“.31 Nach Einschätzung von P. Heinrich litt das innerkirchliche Leben besonders während des Krieges allerdings sehr, da „gegen die h[ei]l[i]g[en] 10 Gebote sehr vielfach verstoßen wurde. Schon der Jugend wurden stattdessen 10 Schwertgebote gegeben.“32
Mit dem Zuzug Geflüchteter nach Ende des Zweiten Weltkriegs lag die Zahl der Gemeindeglieder für einige Jahre deutlich höher als früher: 1940 zählten 620 Gemeindeglieder zur KG Jühnde, 1949 rund 1.120 (Barlissen: 230 und 350).33
In den 1960er Jahren verkaufte die Gemeinde ihr sanierungsbedürftiges Pfarrhaus. Zum geplanten Neubau kam es nicht und das Pfarramt zog um ins Pfarrhaus der vakanten KG Meensen, die seit 1960 vom jeweiligen Jühnder Pastor mit versehen wurde. Seit Ende der 1960er Jahre diskutierten Gemeinden, Kirchenkreis und Landeskirchenamt die Fusion der drei KG Barlissen, Jühnde und Meensen; das neue Kirchspiel hätte rund 1.300 Gemeindeglieder gezählt.34 In diesem Kontext kam es 1973 auch zur Neuregelung der Patronatsverhältnisse in Jühnde, u. a. übernahm der KV nun die Verwaltung des kirchlichen Grundbesitzes und die Gemeinde erhielt das Recht, in jedem zweiten Fall ihre Pastorin oder ihren Pastor selbst zu wählen.35 Über die geplante Fusion fanden die drei Gemeinden jedoch zunächst zu keiner Einigung und die bisherige Konstellation blieb bestehen: pfarramtliche Verbindung von Jühnde und Barlissen sowie Mitversehung der vakanten Gemeinde Meensen. Wesentliche Kooperationspunkte der drei Gemeinden waren Konfirmandenunterricht und Kirchenchor.36 1991 erwarb die KG Jühnde den ehemaligen Kindergarten in der Galgenkampstraße als Gemeindehaus („Martinshaus“).
Zum 1. August 1999 wandelte das Landeskirchenamt die Pfarrstelle des gemeinsamen Pfarramts Jühnde-Barlissen in eine halbe Stelle um.37 Zum 1. Oktober 2005 schließlich fusionierten die Laurentius KG Barlissen, die Martini-KG Jühnde und die Johannis-KG Meensen und gründeten gemeinsam die neue „Ev.-luth. Trinitatis-KG Jühnde-Barlissen-Meensen“.38

Umfang

Jühnde sowie Hägerhof und Oershausen.

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat Nörten (sedes Sieboldshausen) der Erzdiözese Mainz.39 – 1588 zur neuen Insp. Dransfeld, die 1636 kurzzeitig von Münden aus verwaltet und etwa 1637 nach Göttingen verlegt wurde. 1801 aus der Insp. Göttingen Erster Theil zur neu errichteten Insp. Dransfeld verlegt. Mit Aufhebung des KK Dransfeld zum 1. Januar 1929 in den KK Münden eingegliedert.40

Patronat

Die Besitzer von Haus und Schloss Jühnde (dingliches Patronat), zunächst als Lehen der Gf. von Everstein, seit der ersten Hälfte des 15. Jh. als Lehen der Hzg. zu Braunschweig-Lüneburg: 1329 ist der verstorbene Ritter Konrad von Berlepsch als früherer Inhaber des ius patronatus ecclesie in Ivne genannt.41 1384 belehnte Gf. Hermann VII. von Everstein († 1413) Hans von Berlepsch mit dem Kirchlehen, 1398 dann Hans, Albrecht und Gunther von Boventen sowie Hans von June.42 Von Hzg. Otto IV. zu Braunschweig-Lüneburg († 1446) belehnte 1439 Gunther von Boventen.43 Ab 1482 besaß die Familie von Adelebsen das Patronat44, seit 1664 die freiherrliche Familie Grote. 1973 Neuregelung der Patronatsverhältnisse: zukünftig alternierende Besetzung der Pfarrstelle durch Patron und Gemeindewahl, Ablösung der Naturalleistungen, Übergang des vom Patron verwalteten kirchlichen Grundbesitzes in Verwaltung der KG und damit Verzicht der KG auf bisherige Baulastverpflichtungen des Patrons.45

Kirchenbau
Orgel, vor 1968

Orgel, vor 1968

Rechteckbau mit Anbauten vor Nord- und Ostwand, ostnordöstlich ausgerichtet, erbaut 1583.46 Satteldach mit Walm nach Osten, Nordanbau mit Schleppdach, Ostanbau mit abgewalmtem Satteldach. Bruchsteinmauerwerk mit Eckquaderung, Ostanbau aus Fachwerk. Drei große, rechteckige Sprossenfenster nach Süden, zwei nach Norden; zwei Rechteckportale und Sonnenuhr („1685“) nach Süden, über dem rechten Portal dreieckige Relieftafel mit geflügeltem Engelskopf. Fachwerkanbau (Sakristei) mit je einem kleinen Rechteckfenster an jeder Seite und Eingang an Südseite; Nordanbau (Patronatsprieche) mit Rechteckfenster nach Norden und Eingang nach Osten. Im Innern flache Decke mit seitlichen Vouten, Westempore (Turmhalle). 1685 wohl Instandsetzung. 1781–83 Umgestaltung Innenraum. 1966–68 Sanierung. Ab 1987 Außensanierung Kirche und Turm.

Fenster

In der Patronatsprieche Buntglasfenster mit Wappen und Inschriften: „1264. Ich und mein Haus wollen dem Herrn dienen“ und „Gest[iftet] von Elvira Grote 1936.“

Turm

Wuchtiger Westturm in Breite des Schiffs, vierseitige, geschwungene Haube mit achtseitiger Laterne, bekrönt mit Kugel, Kreuz und Wetterhahn. Bruchsteinmauerwerk mit Eckquaderung und Eisenklammern an den beiden Westecken; Glockengeschoss Fachwerk mit Ziegelbehang; Turmhaube verschiefert. Laterne mit vier rundbogigen Schallfenstern, Turmhaube mit vier halbrunden Gauben. Glockengeschoss mit je fünf rechteckigen Schallfenstern nach Norden und Süden, nach Westen zwei rechteckige Schallfenster, dazwischen Fenster, darüber Uhrziffernblatt („Anno 1927“). Am Unterbau je ein großes, rechteckiges Sprossenfenster nach Norden und Süden, kleines, rechteckiges Sprossenfenster nach Westen. Im Innern Turmhalle zum Schiff geöffnet. 1709 Turmuhr belegt.47 1958 Instandsetzung.

Vorgängerbau

Die Vorgängerkirche soll einen kreuzförmigen Grundriss gehabt haben und stand angeblich etwas weiter südlich als das heutige KGb.48

Orgel, vor 1968

Orgel, vor 1968

Ausstattung

Architektonische gestalteter, barocker Kanzelaltar mit seitlichen Scherwänden, polygonaler Kanzelkorb zwischen zwei korinthischen Säulen, die verkröpftes Gebälk mit Schalldeckel tragen, oberhalb des Schalldeckels Kreuz mit Wolke; unterhalb des Kanzelkorbs Gemälde mit Kreuzigungsszene (18./19. Jh.); hölzerner Blockaltar mit seitlichen Schranken; Scherwände mit rundbogigen Durchgängen. – Zylindrischer Taufstein aus rotem Sandstein (1968), verziert mit stilisierter Taube (versenktes Relief), Inschrift: „Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe“; außerdem Stifterwappen (Freiherren Grote). – Gemälde Maria mit Kind (19. Jh.). – Gipsskulptur zweier Hände (um 1995/96, Gottfried Krüger, Flensburg). – Fragment eines Grabsteins mit Kruzifixrelief, Inschrift nur teilweise lesbar: „Anno d[omi]ni m ccccc vii […] in pace amen“ (Im Jahr des Herrn 1507 […] in Frieden. Amen).49

Orgel

Ostern 1782 neue Orgel eingeweiht, erbaut von Johann Wilhelm Schmerbach (Frieda), ein Manual. Im Jahr 1870 Anschaffung einer gebrauchten Orgel, erbaut vielleicht von Carl Heyder (Heiligenstadt), 8 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen.50 1968 Orgelneubau unter Verwendung von Teilen des Vorgängerinstruments, ausgeführt von Rudolf Janke (Bovenden), 10 II/P (HW, HintW), mechanische Traktur, Schleifladen (Opus 45); Schleierwerk entworfen von Helge Michael Breig (Hannover).51

Geläut

Drei LG, I: fis’, Inschriften: „Ich weiß, daß mein Erlöser lebt“, „June 960“, „Ad majorem gloriam Dei et in memoriam Frohwalt Hardege. Joh. 16,33“ (Zur größten Ehre Gottes und in Erinnerung an Frohwalt Hardege) und „Jühnde 1977“, Bild: Wolfsangel; II: h’, Inschriften: „Verleih uns Frieden gnädiglich“ und „St. Martinsgemeinde Jühnde 1977“, Bild: heiliger Martin; III: cis’’, Inschriften: „Lobe den Herrn, meine Seele“ und „Jühnde 1977“, Bild: Stadtwappen (alle Bronze, Gj. 1977, Glockengießerei Heidelberg). Eine SG, fis’’ (Bronze, Gj. 1987, Karlsruher Glocken- und Kunstgießerei Carl Metz), Inschriften: „Meine Zeit steht in deinen Händen“ und „Jühnde A[nno] D[omini] 1987“, Bild: Ährenkreuz. – Früherer Bestand: 1709 eine große und eine kleine Glocke vorhanden.52 Zwei LG, I: h’; II: c’’ (beide Gussstahl, Gj. 1868, Bochumer Verein), die Glocken stammten „aus der ersten Zeit der Stahlglockenproduktion“53, 1977 abgenommen und neben der Kirche aufgestellt. Eine SG, h’’ (Eisen, Gj. um 1900).

Weitere kirchliche Gebäude

Gemeindehaus (Bj. um 1960, erworben 1991). – Pfarrhaus (Bj. 1736), in den 1960er Jahren verkauft.

Friedhof

Alter kirchlicher Friedhof bei der Kirche, genutzt bis 1867 (und darüber hinaus als Friedhof für Angehörige der Patronatsfamilie); auf dem alten Friedhof befindet sich das Mausoleum der Familie Grote (Bj. 1867, seit den 1950er Jahren als Leichenhalle genutzt).54 Neuer kirchlicher Friedhof am Südrand des Ortes, zeitweise in kommunaler Verwaltung (Anfang der 1970er Jahre bis 2005), FKap.

Liste der Pastoren (bis 1940)
Kirche, Blick zur Orgel, nach 1968

Kirche, Blick zur Orgel, nach 1968

Vor 1588–1605 Daniel Trappe. – 1605–1623 Georg Kelterborn. – 1624–1651 Johannes Jacobi. – 1652–1654 Johannes Friedrich Scherius. – 1654–1656 Friedrich Brendel. – 1657–1674 Heinrich Joachim Boden. – 1674–1689 Zacharias Kelterborn. – 1689–1691 Friedrich Christoph Rademacher. – 1691–1719 Andreas Michael Gerten. – 1719–1736 Erich Karl Nahn. – 1736–1738 Gabriel Heinrich Pollmann. – 1738–1758 Otto Christoph Gerberding. – 1758–1765 Johann Heinrich Jungblut. – 1766–1771 Konrad Arnold Friedrich Daniel Schumacher. – 1771–1784 Johann Peter Kranold. – 1785–1833 Wilhelm August Schröter. – 1818–1822 Wilhelm Daniel Brose. – 1831–1857 August Heinrich Christian Gieseke. – 1857–1866 Georg Eduard Fromme. – 1866–1872 Georg Wilhelm Julius Sprengel. – 1872–1887 Otto Friedrich Theodor Gieseke. – 1887–1894 Hermann Reinhard Schädla. – 1894–1917 Georg Friedrich Theodor Ludwig Ohlhoff. – 1917–1927 Otto Theodor Sperber. – 1927–1932 Gustav Heinrich Wilhelm Stemwede. – 1934–1954 Albert Friedrich Wilhelm Heinrich.
Angaben nach: Meyer, Pastoren I, S. 576–577

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 1 Nr. 6398–6402 (Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 4282–4290 (Pfarrbestallungsakten); A 9 Nr. 1246Digitalisat, 1247Digitalisat, 1248Digitalisat, 1249Digitalisat, 1250Digitalisat (Visitationen); S 09 rep Nr. 1466 (Presseausschnittsammlung); S 11a Nr. 7582 (Findbuch PfA).

Kirchenbücher

Taufen: ab 1629 (Lücken: 1637, 1638, 1651–1653; unvollständig: 1642, 1643)
Trauungen: ab 1624 (Lücken: 1651–1653, 1656, 1662, 1663, 1665, 1673, 1676, 1680, 1688–1690)
Begräbnisse: ab 1719
Kommunikanten: ab 1732 (Lücken: 1737–1830, 1934)
Konfirmationen: ab 1832

Literatur

A: Gemeindebuch KKV Münden, S. 53–56; Casemir/Ohainski/Udolph, Ortsnamen Lkr. Göttingen, S. 230–233; Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 788–789; Lufen, Denkmaltopographie Altkr. Münden, S. 211–217; Meyer, Pastoren I, S. 576–577.
B: Die Kirchengemeinde Jühnde-Barlissen. Kirchen-, Pfarr- und Schuel-Inventaria Anno 1709, aufgeschrieben von Andreas Michael Gercke, Pastor in Jühnde (= Jühnder Mitteilungen 23), Burscheid 2009; Horst Gerke: Die Pastoren und Schulmeister in Jühnde und Barlissen von der Reformation bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts (= Jühnder Mitteilungen 6), Burscheid ²2007; Joachim Jünemann: Eine Chronik von Burg und Dorf. Jühnde zur Tausendjahrfeier gewidmet, Göttingen [um 1960]; Joachim Jünemann: Das Patronat der Kirchen in Jühnde, Barlissen und Klein Schneen, in: Göttinger Jahrbuch 16 (1968), S. 49–72.


Fußnoten

  1. MGH DD O I 206 [Digitalisat]. Vgl. auch Jünemann, Chronik, S. 21 ff. (mit Übersetzung).
  2. Zum Ortsnamen: Casemir/Ohainski/Udolph, Ortsnamen Lkr. Göttingen, S. 230.
  3. Jünemann, Chronik, S. 26 ff. und S. 118 ff.
  4. UB Mariengarten, Nr. 63. Ohainski, Lehnregister, S. 47, Nr. 79. Vgl. auch Jünemann, Chronik, S. 38 ff.
  5. UB Herren von Boventen, Nr. 97.
  6. UB Herren von Boventen, Nr. 210.
  7. Vgl. UB Herren von Boventen, Nr. 451, Nr. 508, Nr. 516 und Nr. 542.
  8. Jünemann, Chronik, S. 44 f. Zur Aufhebung der Patrimonialgerichtsbarkeit im 19. Jh.: Hindersmann, Adel, S. 169 ff.
  9. Digitalisat http://digital.slub-dresden.de/id404350887/354, 16.05.2022.
  10. LkAH, L 5c, unverz., Jühnde, Visitation 1962.
  11. UB Mariengarten, Nr. 16 und ebd., Nr. 30.
  12. Jünemann, Chronik, S. 67 f.
  13. UB Mariengarten, Nr. 171 und 172.
  14. Jünemann, Chronik, S. 68. Siehe etwa UB Herren von Boventen, Nr. 82.
  15. Jünemann, Chronik, S. 68 f.; UB Herren von Boventen, Nr. 445 und Nr. 466.
  16. UB Hilwartshausen, Nr. 277.
  17. UB Herren von Boventen, Nr. 210.
  18. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,1, S. 708 ff.; Butt, Herrschaft, S. 47 ff.
  19. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,1, S. 83 ff.
  20. Jünemann, Chronik, S. 69.
  21. Kayser, General-Kirchenvisitation, S. 181.
  22. Jünemann, Chronik, S. 70.
  23. Jünemann, S. 70.
  24. Kayser, Generalvisitation Gesenius, S. 188.
  25. Zit. bei Jünemann, Chronik, S. 73.
  26. Inventaria 1709, S. 15.
  27. LkAH, B 2 G 9 B, Nr. 361, Bl. 3.
  28. LkAH, L 5c, unverz., Jühnde, Visitation 1940.
  29. LkAH, L 5c, unverz., Jühnde, Visitation 1940.
  30. Dies und die folgenden Zitate: LkAH, S 1 H III, Nr. 419, Bl. 20. Allgemein zum Fragebogen vgl. Kück, Ausgefüllt, S. 341 ff.
  31. LkAH, L 5c, unverz., Jühnde, Visitation 1940.
  32. LkAH, S 1 H III, Nr. 419, Bl. 21v.
  33. LkAH, L 5c, unverz., Jühnde, Visitationen 1940 und 1949.
  34. LkAH, L 5c, unverz., Jühnde, Visitation 1969; LKA, G 15/Jühnde-Barlissen-Meensen, Bd. 1, Bl. 171 f.
  35. LKA, G 15/Jühnde-Barlissen-Meensen Bd. 1, Bl. 167 ff. und Bl. 200 f.
  36. LkAH, L 5c, unverz., Jühnde, Visitation 1981.
  37. KABl. 1999, S. 173.
  38. KABl. 2005, S. 252 ff.
  39. Kayser, Registrum II, S. 278.
  40. KABl. 1929, S. 1.
  41. UB Mariengarten, Nr. 171. Zum Patronat: Jünemann, Patronat, S. 56 ff. (dort auch Nachweise der überlieferten Belehnungen).
  42. UB Herren von Boventen, Nr. 210.
  43. UB Herren von Boventen, Nr. 451.
  44. UB Herren von Boventen, Nr. 556.
  45. LKA, G 15/Jühnde-Barlissen-Meensen Bd. 1, Bl. 167 ff. und Bl. 200 f.
  46. Jünemann, Chronik, S. 69.
  47. Inventaria 1709, S. 7 und S. 10.
  48. Jünemann, Chronik, S. 75.
  49. Jünemann, Chronik, S. 69; DI 66, Lkr. Göttingen, Nr. 113† (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0238-di066g012k0011303.
  50. LkAH, B 2 G 9 B, Nr. 361, Bl. 2.
  51. LkAH, B 2 G 9 B, Nr. 361, Bl. 59–63. Siehe auch https://organindex.de/index.php?title=J%C3%BChnde,_St._Martini, 13.05.2022.
  52. Inventaria 1709, S. 7 und S. 10; Jünemann, Chronik, S. 74.
  53. LkAH, B 2 G 9 B, Nr. 361, Bl. 3.
  54. Jünemann, Chronik, S. 74; Gemeindebuch KKV Münden, S. 53.