Frühere Gemeinde | KapG der KG Settmarshausen | Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Göttingen-Münden, Amtsbereich Münden | Patrozinium: kein mittelalterliches Patrozinium bekannt1 | KO: Calenberger KO von 1569
Orts- und Kirchengeschichte
Urkundlich ist das Dorf erstmals 1303 als villa Widerkeshusen prope opidum Gotingen belegt (Dorf Wiershausen nahe der Stadt Göttingen).2 Territorial gehörte Klein Wiershausen wohl seit der Dreiteilung des welfischen Teilfsm. Braunschweig-Wolfenbüttel um 1291 zum neuen Teilfsm. Göttingen.3 Nachdem die Göttinger Linie der Welfen mit Hzg. Otto Cocles († 1463) in männlicher Linie ausgestorben war, wurde das Territorium 1495 bzw. 1512 Teil des Fsm. Calenberg-Göttingen („Kernlande Hannover“, 1692: Kfsm. Braunschweig-Lüneburg bzw. Kurhannover). Die landesherrlichen Rechte in Klein Wiershausen nahm der Amtmann in Münden wahr. 1443 war das Dorf als landesherrliches Lehen im Besitz der Familie von Boventen auf Jühnde, 1497 der Familie von Adelebsen auf Jühnde.4 Die Urkunde von 1497 bezeichnet Klein Wiershausen als „in und an dem gerichte to June gelegen“. Das Patrimonialgericht Jühnde umfasste für Klein Wiershausen Hoch- und Niedergerichtsbarkeit.5 1674 erwarb die Familie Grote, seit 1664 Besitzerin des Gutes Jühnde, das kleine Dorf.6 In französischer Zeit gehörte Klein Wiershausen von 1807 bis 1813/14 zum Kgr. Westphalen (Kanton Jühnde, Distrikt Göttingen, Leine-Departement). Seit 1815 zählte der Ort, nun im Kgr. Hannover, wieder zum Patrimonialgericht Jühnde, kam bei dessen Auflösung 1852 zum neuen Amt Dransfeld und 1859 zum Amt Göttingen. Mit der Annexion des Kgr. Hannover fiel Klein Wiershausen 1866 an das Kgr. Preußen. Bei Einführung der Kreisverfassung 1885 kam der Ort zum Lkr. Göttingen (neugebildet 1973 und 2016). 1973 wurde Klein Wiershausen nach Rosdorf eingemeindet. Um 1810 lebten gut 90 Menschen in Wiershausen und 2023 knapp 210.
Ältestes Zeugnis der Kirchengeschichte Klein Wiershausens ist der Turm mit dem kleinen Kapellenraum im Erdgeschoss. Genaue Angaben zur Bauzeit sind nicht überliefert, möglicherweise stammt das Bauwerk, vielleicht ursprünglich ein Göttinger Wartturm, aus dem 15. Jh.7 In vorref. Zeit gehörte Klein Wiershausen anscheinend zum Kirchspiel St. Johannis in Dransfeld, zumindest ist im nachref. Nachrichtungsbuch von allen Pfarren im Fürstenthumb Braunschweig, angelegt Ende des 16. Jh., Wiershausen als filia der S. Johannis Pfarr bezeichnet.8
Wohl gemeinsam mit der Muttergemeinde Dransfeld hatte Klein Wiershausen während der Amtszeit von P. Heinrich Brandt (amt. 1521 bis um 1534) zur luth. Lehre gewechselt. Die Kapellenrechnungen reichen zurück bis 1635. Angeblich 1649 kam die KapG Klein Wiershausen zum Kirchspiel Settmarshausen.9 In der ersten Hälfte des 20. Jh. war der Settmarshäuser Geistliche lediglich zu einem Gottesdienst in Klein Wiershausen verpflichtet (am Tag nach Erntedank). P. Kurt Troje (amt. 1937–1955) notierte in den Unterlagen zur Visitation 1942 allerdings, Gottesdienste fänden „auf Anregung des Pastors auch noch gelegentlich an anderen Sonntagen“ statt.10 Nach der Renovierung der Kapelle 1972/73 versammelte sich die Gemeinde hier monatlich zu einem Gottesdienst.
Zum 1. Juli 1974 hob das Landeskirchenamt die KapG Klein Wiershausen auf und gliederte sie in die KG Settmarshausen ein.11
Kapellenbau
Dreigeschossiger Turm mit quadratischem Grundriss und Zeltdach, bekrönt mit Wetterfahne und Kreuz, ausgerichtet nach Westen, erbaut vielleicht als Wehr- und Wartturm im 15. Jh.12 Im Erdgeschoss Kapellenraum. Bruchsteinmauerwerk. Rundbogiges Portal mit Vordach nach Osten, je ein segmentbogiges Sprossenfenster nach Norden und Süden. Im Obergeschoss Schlitzfenster nach Süden. Im Innern flache Decke, Empore an Ost- und Südseite. 1897 Renovierung. 1972/73 Renovierung. 2017 Renovierung.
Ausstattung
Kastenförmiger Holzaltar mit schlichtem, einachsigem Retabel, farbig gefasst; Segmentbogennische mit Kreuz, Dreiecksgiebel mit Kreuzblumen; Kerzenständer links und rechts auf der Predella. – Inschriftentafel an der Empore.
Orgel
1960 Harmonium vorhanden. 1974 Elektronium erworben (Philicorda). 1994 Harmonium vorhanden.
Geläut
Eine LG, f’’ (Bronze, Gj. 1865, Carl Isermann, Ebergötzen), Inschriften: „Fruh und spat zum Gebet will ich taglich rufen unverweilt hieher eilt zu des Tempels Stufen“ und „Gegossen fur Klein Wiershausen von C. Isermann Ebergötzen 1865“.
Friedhof
Ehemaliger Friedhof bei der Kapelle. Neuer Friedhof am südöstlichen Ortsrand, ursprünglich Eigentum der Kapellengemeinde (noch 1966), mittlerweile kommunal; FKap.
Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)
B 2 G 9 B Nr. 375 (Orgel- und Glockenwesen); S 11a Nr. 7579 (Findbuch PfA); S 11a Nr. 8140 (Findbuch EphA).
Kirchenbücher
Taufen: 1854–1860
Trauungen: 1854–1860
Begräbnisse: 1854–1860
Früher und später in den Kirchenbüchern der Mutterkirche Settmarshausen.
Literatur & Links
A: Bielefeld, Orgeln im Umland, S. 254; Casemir/Ohainski/Udolph, Ortsnamen Lkr. Göttingen, S. 426–428; Lufen, Denkmaltopographie Altkr. Münden, S. 234; Meinhardt & Groth, Chronik I, S. 97–107, ebd. II, S. 105–122; Mithoff, Kunstdenkmale II, S. 119.
B: Festschrift zum 700-jährigen Bestehen von Klein Wiershausen. 1303–2003, hrsg. vom Festausschuß 700-Jahrfeier Klein Wiershausen, Klein Wiershausen [2003].
Internet: Denkmalatlas Niedersachsen: Kapelle.
Fußnoten
- Hennecke/Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien I, S. 173.
- NLA WO 6 Urk Nr. 101; Festschrift, S. 14 f. (Übersetzung). Für weitere Belege und zum Ortsnamen vgl. Casemir/Ohainski/Udolph, Ortsnamen Lkr. Göttingen, S. 426 ff.
- Insgesamt: Pischke, Landesteilungen, bes. S. 45 ff., S. 75 ff. und S. 180 ff.
- UB Herren von Boventen, Nr. 463 und Nr. 577.
- Jünemann, Chronik, S. 45. Formal bestand wohl nach dem Dreißigjährigen Krieg ein eigenständiges Patrimonialgericht Klein Wiershausen, das jedoch von Jühnde aus verwaltet wurde, vgl. Meinhardt & Groth, Chronik I, S. 99 f.
- Jünemann, Chronik, S. 135.
- Meinhardt & Groth, Chronik I, S. 97.
- LAW, V 231, Nachrichtungsbuch von allen Pfarren im Fürstenthumb Braunschweig…, S. 56. Festschrift, S. 34. Die Nennung von „hern Jane von Heylgenstat, pernere [Pfarrer] to Wederoldeshusen“ im Jahr 1363 (UB Göttingen I, Nr. 218 und Nr. 219 [Digitalisat]), die in UB Göttingen sowie bei Meinhardt & Groth, Chronik I, S. 97, und in Festschrift, S. 33, auf Klein Wiershausen bezogen wird, gehört laut Casemir/Ohainski/Udolph, Ortsnamen Lkr. Göttingen, S. 427, zu Werleshausen im Werra-Meißner-Kreis.
- Festschrift, S. 34.
- LkAH, L 5c, unverz., Settmarshausen, Visitation 1942.
- KABl. 1974, S. 205 f.
- Meinhardt & Groth, Chronik I, S. 97.