Sprengel Hildesheim-Göttingen, KK Göttingen-Münden, Amtsbereich Göttingen | Patrozinum: Christophorus | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte
Göttingen, Kirche, Christophorus, Außenansicht

Kirche (links), Außenansicht

Im Herbst 1960 beschloss der Ev.-luth. Gesamtverband Göttingen, an der Grenze zwischen Weende und Göttingen ein neues kirchliches Zentrum zu errichten. Die Pläne entwarf der Münchner Architekt Olaf Andreas Gulbransson (1916–1961), die Bauarbeiten begannen jedoch erst nach seinem Tod. Am 31. Oktober 1962 wurde der Grundstein gelegt und am ersten Advent 1964 weihte die Gemeinde ihre neue Christophoruskirche ein. „Gulbransson und den anderen beteiligten Künstlern ist es hier gelungen, die beiden Funktionen des evangelischen Kirchenraumes – Versammlungsraum der Gemeinde und ebenso Ort der Stille zu sein – zu einer selten errichten Einheit zu bringen.“1
Bereits zum 1. April 1964 hatte das Landeskirchenamt Hannover aus dem südlichen Teil der St.-Petri-KG Göttingen-Weende und dem nördlichen Teil der St.-Jacobi-KG die neue „Ev.-luth. Christophorus-KG Göttingen“ gebildet. Die neue Gemeinde erhielt zwei Pfarrstellen, die als erste P. Werner Rannenberg (amt. 1964–1970) und P. Horst Palapies (amt. 1964–1968) innehatten.2 Die Struktur der Gemeinde beschrieb der Sup des KK Göttingen-Stadt 1976 als heterogen: Sie umfasse kleinbürgerliche, großbürgerliche und intellektuelle Schichten.3
Neben der Kirche gehörten zum neuen Gemeindezentrum ein Gemeindehaus, zwei Pfarrhäuser und ein Kindergarten. In unmittelbarer Nachbarschaft nahm 1964 das Christophorushaus seine Arbeit auf (Christophorus -Trägerverein, seit 1988 Diakonisches Werk Christopherus e. V.). Die „Tagesstätten zur Förderung behinderter Kinder, Jugendlicher und Erwachsener“ war hier errichtet worden, „damit es beiderseits zu natürlichen kontinuierlichen Begegnungen zwischen den Behinderten und der sie umgebenden Gemeinde kommt“.4 P. Rannenberg war Vorsitzender des Vorstandes der Einrichtung. Seit Anfang der 1980er Jahre kooperierten der Kindergarten der Christophorus-KG und die Kindertagesstätte Christophorushaus miteinander.
Nach der ersten Visitation der Christophorusgemeinde im Jahr 1969 schrieb der Sup. des KK Göttingen-Stadt, Kirchenvorstand und Mitarbeitende seien bemüht, „eine moderne Form des Gottesdienstes“ herauszuarbeiten, denn die Sprache der „vorgeschriebenen Agenden“ sei „zu formelhaft und in der Regel unverständlich“. Ein „konstitutives Element“ sei die Begrüßung der Gottesdienstteilnehmer, angeboten wurde auch ein Predigtnachgespräch.5 1976 heißt es, die Gemeinde pflege einen „geplanten und gezielten Arbeitsstil“; charakteristisch seien „die verschiedenartigen Querverbindungen zwischen den verschiedenen Arbeiten“, die „durch häufige Wochenendtagungen und auswärts gehaltene mehrtägige Arbeitstreffen“ hergestellt würden. Ein „Gefühl für Zusammengehörigkeit“ sei unverkennbar unter den im weiteren Sinne Mitarbeitenden der Gemeinde.6

Göttingen, Kirche, Christophorus, Innenraum, Altar

Kirche, Blick zum Altar

Im Rahmen der Partnerschaft zwischen der hannoverschen und der sächsischen Landeskirche knüpften die Christophorusgemeinde Göttingen und die Dietrich-Bonhoeffer-Kirchgemeinde Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) ab 1974 Kontakte.7 Die Zahl der Gemeindeglieder lag 1987 bei 4.560.8 Mehrfach gewährte die Christophorus-KG verfolgten Menschen Kirchenasyl (1986, 1992, 1999). Die Gemeinde sei, so heißt es 1993, „kirchenreformerisch geprägt“; und kennzeichnend sei überdies ein „starkes gesellschaftsdiakonisches Engagement“.9 Höher als in anderen Göttinger Gemeinden war Ende der 1980er Jahre die Zahl derjenigen Gemeindeglieder, die eigentlich außerhalb des Gemeindegebiets in anderen Stadtteilen lebten und sich aktiv für Christophorus entschieden hatten („Optanten“). Der KV betonte während der Visitation 1987, er wolle das Profil der Gemeinde weiter pflegen (Gesinnungs- oder Richtungsgemeinde), die Aufgaben einer üblichen Wohnsitzgemeinde jedoch nicht vernachlässigen.10
Zusammen mit Herberhausen, Nikolausberg, Roringen und Weende gründete die Christophorus-KG 2009 eine regionale Arbeitsgemeinschaft („5 KiNo“, u. a. jährliches Regionsfest, gemeinsamer Konfirmandenunterricht und Konfi-Camp, regionaler, ökumenischer Himmelfahrtsgottesdienst, Sommerkirche). Im Jahr 2012 gehörte die Kirchengemeinde zu den Mitgründerinnen des „Ev.-luth. Kindertagesstättenverbandes Göttingen-Nordost“ (2013 erweitert und umbenannte in „Göttingen-Nord-Süd“, 2026 aufgegangen im „Ev.-luth. Kindertagesstättenverband Göttingen-Münden“); der Verband übernahm die Trägerschaft des Kindergartens der Gemeinde.11
2024 zählte die Christophorus-KG Göttingen gut 2.130 Gemeindeglieder. Sie ist seit 2025 Teil des „Ev.-luth. KGV Region Göttingen Nordost-Radolfshausen“ (Region NORa).12

Pfarrstellen

I: 1964. 1999 in halbe Stelle umgewandelt.13 – II: 1964. Um 2009/10 in halbe Stelle umgewandelt.

Umfang

Nördliche Teile der Stadt Göttingen, südlicher Teil des Ortsteils Weende.

Aufsichtsbezirk

Bei Errichtung der KG 1964 zum KK Göttingen-Stadt. Ab 1. Januar 2001 KK Göttingen.14 Seit 1. Januar 2023 KK Göttingen-Münden, Amtsbereich Göttingen.15

Kirchenbau
Göttingen, Kirche, Christophorus, Innenraum, Altar

Kirche, Blick zum Altar, Foto: P. Greve, Jöllenbeck (?), um 1979

Rechteckbau mit quadratischem Kirchsaal im Westen, ausgerichtet nach Südwesten, erbaut 1962–64 (Architekt: Olaf Andreas Gulbransson, München), denkmalgeschützt.16 Im Ostteil befinden sich Foyer und Gemeindesaal. Zu den Ecken hin ansteigende Dachflächen. Verblendmauerwerk aus Ziegeln. Am Kirchsaal vertikale Fensterbänder an der Südwestecke, hochliegend, kleine Schartenfenster entlang der südlichen und westlichen Trauflinie, bodentiefe, vertikale Fensterbänder nach Norden. Rundbogiger Haupteingang nach Süden, Nebeneingang nach Norden. Im Innern geschwungene, zum Altarraum im Südwesten hin ansteigende Holzdecke; geschwungene Empore im Nordosten; geometrisches Wandrelief im Altarraum (1964, Hubert Distler, Grafrath); Gestühl halbkreisförmig auf Altar ausgerichtet. Im Advent 2006 Kirche gesperrt. 2007 Decke abgestützt. 2008–10 Dachsanierung.

Fenster

Farbige Fenster im Altarraum (1964, Hubert Distler, Grafrath).

Turm

Vor der Südwestecke der Kirche niedriges Glockenhaus mit Flachdach und Verbindungsgang zur Kirche, erbaut 1962–64. Betonfachwerk mit Ziegelausfachung. Im Glockengeschoss je zwei rundbogige Schallfenster.

Ausstattung

Schlichter, steinerner Tischaltar mit Altarkreuz (Karlheinz Hofmann, München), mächtige, sechseckige Mensa, zylindrischer Stipes. – Leicht erhöhte Kanzel (Karlheinz Hofmann, München), steinerne Brüstung. – Steintaufe (Karlheinz Hofmann, München), zylindrisches Becken, vierseitiger Fuß. – Relief (Karlheinz Hofmann, München), Taufe Jesu. – Gemälde „Die schwarze Sonne“ (Adi Holzer, Winklern und Værløse), 1989 erworben. – Wandskulptur Christophorus (2014, Angel Gottfried Stefanov, Ulme und Feldahorn), vom KV in Auftrag gegeben.

Orgel

1964 Positiv aus St. Johannis geliehen (bis 1965). 1965 Leihpositiv von Rudolf Janke (Bovenden), 4 I/aP, mechanische Traktur, Schleifladen. 1967 Orgelneubau von Rudolf Janke (Bovenden), geplant: 19 II/P (HW, BW), mechanische Traktur, Schleifladen, ausgeführt: 8 I/P, mechanische Traktur, Schleifladen (Opus 38), eingeweiht am 18. Dezember 1967. 2023 Orgel vervollständigt und überarbeitet, Orgelbau Sauer & Heinemann (Höxter), 19 II/P (HW, BW), mechanische Traktur, Schleifladen; zehn gebrauchte Register (18.–20. Jh.) verbaut.

Geläut

Drei LG, I: g’, Inschrift: „Wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit. Paulus 2. Korinther 3,17“; II: a’, Inschrift: „Friede den Menschen auf Erden. Lukasevangelium 2,14“; III: c’’, Inschrift: „Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, Matthäusevangelium 11,28“ (alle Bronze, Gj. 1963, Firma Gebrüder Bachert, Karlsruhe), alle Glocken tragen zudem die Inschrift: „Evang.-luth. Christophoruskirche Weende A[nno] D[omini] 1963“.

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus I (Bj. 1963). – Pfarrhaus II (Bj. 1963). – Küsterhaus (Bj. 1964). – Gemeindesaal (Bj. 1964, Teil der Kirche). – Kindergarten (Bj. 1964, seit 2002 Photovoltaikanlage auf dem Dach).

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

B 2 G 9 Nr. 986–987 (Baupflege und Bauwesen); S 09 rep Nr. 1139 (Presseausschnittsammlung).

Literatur & Links

A: Bielefeld, Orgeln, S. 74–76; Engelhardt, Kirchen, S. 89–91.

B: Die Christophoruskirche 1964–2014; Vom Werden und Entstehen des ev.-luth. Gemeindezentrums zu Göttingen-Weende. Zur Einweihung am 1. Advent 1964, Göttingen 1964; Sylvia Möhle: Von der Arbeitervorstadt zum Göttinger Ortsteil. Weende im 20. Jahrhundert, Göttingen 2009.

Internet: Denkmalatlas Niedersachsen: St. Christophorus, Gemeindehaus, Kindergarten, Garagenbau, Kirchenanlage; Wikimedia Commons: Christophoruskirche (Göttingen).

GND

2001846-0, Ev.-Luth. Christophorusgemeinde Göttingen.


Fußnoten

  1. Engelhardt, Kirchen, S. 91.
  2. KABl. 1964, S. 60.
  3. LkAH, L 5c, unverz., Göttingen, Christophorus, Visitation 1976.
  4. LkAH, L 5c, unverz., Göttingen, Christophorus, Visitation 1969. Vgl. auch Möhle, S. 198 f.
  5. LkAH, L 5c, unverz., Göttingen, Christophorus, Visitation 1969. Vgl. auch ebd., Visitation 1976.
  6. LkAH, L 5c, unverz., Göttingen, Christophorus, Visitation 1976.
  7. LkAH, L 5c, unverz., Göttingen, Christophorus, Visitation 1995. Allgemein: Cordes, Gemeindepartnerschaften, S. 38 ff.
  8. LkAH, L 5c, unverz., Göttingen, Christophorus, Visitation 1987.
  9. LkAH, L 5c, unverz., Göttingen, Christophorus, Visitation 1987.
  10. LkAH, L 5c, unverz., Göttingen, Christophorus, Visitation 1987.
  11. KABl. 2012, S. 289 ff.; KABl. 2013, S. 50 ff.; KABl. 2025, S. 275.
  12. KABl. 2025, S. 157 ff. und S. 275 f. Der KGV umfasst die St.-Petri-KG Göttingen-Weende, die Christophorus-KG Göttingen, die St.-Cosmas-und-Damian-KG Herberhausen, die St.-Martins-KG Roringen, die St.-Nikolaus-KG Nikolausberg, die KG Waake, die Cosmae-und-Damiani-KG Ebergötzen sowie die St.-Petri-KG Landolfshausen.
  13. KABl. 1999, S. 51.
  14. KABl. 2000, S. 150 f.
  15. KABl. 2022, S. 189 ff.
  16. Denkmalatlas Niedersachsen.