Frühere Gemeinde | Sprengel Stade, KK Osterholz-Scharmbeck | Patrozinium: Maria (Unser lieben Frauen) | KO: Keine Kirchenordnung

Orts- und Kirchengeschichte

Das Dorf ist urkundlich erstmals im Jahr 1232 als Trupa nachgewiesen, als der Bremer Ebf. den Ort dem neugegründeten Kloster Lilienthal schenkte.1 Landesherr war der Ebf. von Bremen. Nach Ende des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) wurde das Erzstift Bremen säkularisiert und blieb zusammen mit dem ebenfalls säkularisierten Hochstift Verden unter schwedischer Herrschaft (vereinigte Hzm. Bremen-Verden). Trupe kam zusammen mit den Besitzungen der ehemaligen Klöster Lilienthal und Osterholz als schwedisches Lehen an den Lgf. Friedrich von Hessen-Eschwege († 1655) bzw. seine Ehefrau, die schwedische Prinzessin Eleonora Catharine († 1692). Nach ihrem Tod verpfändete die schwedische Regierung das Klosteramt Lilienthal, zu dem Trupe gehörte. Im Großen Nordischen Krieg (1700–1721) besetzte Dänemark 1712 die vereinigten Hzm. Bremen-Verden und 1715 konnte das welfische Kfsm. Braunschweig-Lüneburg (Kurhannover) die beiden Territorien erwerben (1719 von Schweden gegen weitere Zahlung anerkannt). Nach Ablösung der Pfandschaft war Trupe Teil des hannoverschen Amtes Lilienthal. In französischer Zeit gehörte Trupe 1810 zunächst kurzzeitig zum Kgr. Westphalen und dann bis 1813/14 zum Kanton Lilienthal im Arrondissement Bremen des Departements Wesermündung im Kaiserreich Frankreich. Danach zählte Trupe, nun im Kgr. Hannover, wieder zum Amt Lilienthal. Mit der Annexion des Kgr. Hannover wurde der Ort 1866 preußisch. Seit Einrichtung der Kreisverfassung 1885 gehört Trupe zum Kr. Osterholz (1939: Lkr.). 1937 das Dorf nach Lilienthal eingemeindet. Um 1812 lebten gut 200 Menschen in Trupe, 1932 etwa 485.

Kirche, Ansicht von Südwesten, Teilansicht, nach 1951

Kirche, Ansicht von Südwesten, Teilansicht, nach 1951

Ältestes Zeugnis der örtlichen Kirchengeschichte ist das Kirchengebäude selbst, dessen Grundmauern wohl aus dem 13. Jh. stammen. Ein Geistlicher ist erstmals 1283 belegt: Svetherus war plebanus de Trupa und gleichzeitig cappellanus im Kloster Lilienthal.2 Er ist erneut 1291 nachgewiesen.3 Vermutlich besaß das Kloster Lilienthal seit 1232 das Patronat über die Truper Pfarrkirche.4 Der Pfarrer der Gemeinde war wohl üblicherweise gleichzeitig Kaplan des Klosters, wie im Falle des Svetherus belegt und im Falle des 1383 belegten domino Nicolao, rectori capelle in Trupa vermutet werden kann.5 Im Turm der Truper Kirche hängen zwei vorref. Glocken; die jüngere aus dem Jahr 1511 nennt in der Inschrift ihren Stifter: Abt Wolbertus, vermutlich aus dem niederländischen Prämonstratenserklosters Oldeklooster bei Kloosterburen.6 Es ist unklar, wann die Glocke nach Trupe kam oder ob sie für die Truper Kapelle gegossen worden ist.
Über den Wechsel der Gemeinde zur luth. Lehre sind, ebenso wie beim Kloster Lilienthal, keine Einzelheiten bekannt. Der wohl um 1565 reformierte Klosterkonvent wählte 1568 mit Otto von Düring einen ev. Propst.7 Als erster ev. Prediger in Trupe gilt P. Johannes Schröderken (amt. vielleicht 1541–1581).8 Eine kurze Notiz über die Verhältnisse in Trupe findet sich in den auszugsweise erhaltenen Protokollen der Visitation 1581/83: „Die Trupe ist ein gering Lehn, wie der Pastor zu Lessem [Lesum] berichten thut, und pfleget es der Kloster-Pastor zum Lilienthale seintweilen, beyderwegs zu verwahren. Der ietzige Pastor daselbst Elias N. ist aus dem Kloster nach der Trupe gezogen.“9 Bis 1646 hatte Trupe anscheinend eigene Pastoren; dann übertrugen „Thum-Dechanten, Domina und Convent“ dem Lilienthaler P. Johann Diederich Kayser (amt. 1642–1650) auch die Pfarre in Trupe.10 Die beiden Gemeinden blieben fortan verbunden.
Bis 1720 feierte die Gemeinde die sonntäglichen Gottesdienste weiterhin in der Truper Kirche, dann wurde der öffentliche Hauptgottesdienst in die ehemalige Klosterkirche verlegt. In Trupe fanden weiterhin statt: „Vesper und Beichte am Sonnabend, eine hergebrachte öffentliche Nachmittags Kinderlehre, an den Sonntagen im Sommer, imgleichen die neu Verordnete wöchentliche Bet-Stunde“.11 Insbesondere die Einwohner Trupes und Feldhausens sollen sich gegen diese Regelung gewehrt haben: Sie hätten versucht, „die geschlossene Truper Kirche am Sonntagmorgen mit Beilen und Aexten zu öffnen“.12 Ebenfalls 1720 wurde im Truper Küsterhaus eine Schule für beide Kirchspiele eingerichtet, für deren Unterhalt zunächst nur das Kirchspiel Trupe zuständig war.13
Im Jahre 1813 brannten französische Truppen das mittelalterliche Kirchengebäude nieder; allein die Umfassungsmauern blieben erhalten. 1820 konnte die Gemeinde die wiedererrichtete Kirche einweihen. Gut ein Jahrhundert später schließlich vereinigte das Hannoveraner Landeskirchenamt die beiden Gemeinden Trupe und Lilienthal, die zum 1. April in der neugegründeten KG Trupe-Lilienthal aufgingen.14

Umfang

Trupe, Butendieck, Feldhausen, Moorhausen, später auch Falkenberg, Heidberg, Klostermoor, Seebergen, Truperdeich und Trupermoor.15

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat des Bremer Dompropsts.16 – 1651/52 Kons. Stade gegründet, Lilienthal gehörte zur Bremischen Superintendentur (Sitz am Dom, seit 1803 in Achim). Bei der Neuorganisation der Inspektionen kam Trupe 1826 zur Insp. Ottersberg, die 1890 mit Festlegung des Suptur.-Sitzes umbenannt wurde in Insp. Trupe-Lilienthal (1924: KK).

Patronat

Seit 1232 Kloster Lilienthal.

Kirchenbau
Kirche, Blick zum Altar, Foto: Ernst Witt, Hannover, August 1951

Kirche, Blick zum Altar, Foto: Ernst Witt, Hannover, August 1951

Kleiner, verputzter Rechteckbau, älteste Teile vielleicht zweite Hälfte 12. Jh., nach Brand wiederaufgebaut 1820. Satteldach. Backsteinmauerwerk; nach Norden drei, nach Süden zwei rundbogige, gusseiserne Sprossenfenster; flachbogiges Portal nach Süden, darüber Inschriftentafel: „Von den Franzosen niedergebrannt im Jahre 1813. Unter dem Beystande Gottes wiederaufgebauet im Jahre 1820“. Im Innern flache Balkendecke, Westempore. Zweite Hälfte 12. Jh. Ostteil erbaut.17 Zweite Hälfte 13. Jh. Erweiterung nach Westen (möglicherweise etwa gleichzeitig mit Bau der Klosterkirche Lilienthal). Um 1765 Innenraum neugestaltet und Fenster vergrößert. 1781: Kirche ist „nach alter Art gewölbet, und das Gewölbe im Chor, scheinet viel an Alterthum voraus zu haben“18. 1820 Wiederaufbau nach Brandzerstörung (flache Decke, Rechteckfenster).19 Um 1889/90 neue Rundbogenfenster. 1949–51 Reparatur Kriegsschäden sowie Fenster und Tür in Ostwand vermauert. 1985 Renovierung (u. a. in Nordwand des Chors Hagioskop und Sakramentsnische entdeckt).20

Turm

Verputzter Westturm, erbaut vielleicht im frühen 16. Jh. (Datierung aufgrund „der Bauart des Turms und vor allem von der Backsteingröße her“21). Vierseitiger Pyramidenhelm, bekrönt mit Kugel und Kreuz. Im Glockengeschoss an jeder Seite eine rundbogige Schallöffnung. 1951 Durchbruch zum Kirchenschiff und südliche Tür vermauert.

Kirche, Blick zur Empore, Foto: Ernst Witt, Hannover, August 1951

Kapelle Trupe, August 1951

Ausstattung

Schlichter, gemauerter Blockaltar (Steine aus der Bremer Ansgarikirche).22 – Als Altarbild Schriftteppich mit Beginn des Johannesevangeliums (Joh 1,1–5,14,16). – Niedrige Holzkanzel, am oberen Rand des Kanzelkorbs Inschrift: „Selig sind die Gottes Wort hören und bewahren“. – Runde Taufe, Schaft verziert mit Akanthusblättern, am oberen Rand Inschrift: „Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden.“ – Außen an der Südwand des Turms: Erzengel Michael, Skulptur aus Klinkerton (1948, Ernst Gorsemann, Bremen), finanziert aus Stiftungen der Gemeindeglieder. – Ehemalige Ausstattung: Kanzelaltar (um 1820).

Orgel

1958 Orgelpositiv angeschafft, erbaut von Alfred Führer (Wilhelmshaven), 4 I/aP, mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Zwei LG, I: cisʼʼ (Bronze, Gj. 1511, Johannes Breer, wohl Bremen), Inschriften: „Ihesus Maria Iohannes D[omi]n[u]s Wolbertvs abbas in Merna me fieri fecit anno d[omi]ni m ccccc xi“ (Jesus Maria Johannes, Herr Wolbertus, Abt von Marne, hat mich machen lassen im Jahr des Herrn 1511)23 und „Iohannes Breer me fecit“ (Johannes Breer hat mich gemacht), Bilder: Madonnenfigur mit Inschriften „Sancta Maria“ und „Sit nomen d[omi]ni benedictum“ (Der Name des Herrn sei gepriesen), Figur des Johannes mit Inschrift „Sanctvs Iohannes“; II: dʼʼ (Bronze, Gj. wohl 15. Jh.), gotische Form, keine Inschrift.

Weitere kirchliche Gebäude

Pfarrhaus (Bj. 1814).

Friedhof

Kirchlicher Friedhof bei der Kapelle, Beisetzungen bis in die 1880er Jahre. Viele Grabsteine des 18. und 19. Jh. erhalten.24

Liste der Pastoren

1541–1581 Johann Schröderken. – 1581–1591 Elias … 1591–1620 Jodokus Leizink. – 1621–16.. Johann Helmund. – 16..–16.. Arnold Rittberg. – 1644–1646 Jakob Eckhard.
Angaben nach: Meyer, Pastoren II, S. 79

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 6 Nr. 8125–8129 (Pfarrbestellungsakten); D 109 (EphA Osterholz-Scharmbeck); Kons. Stade, A 2 Nr. 1514/12 (Akten des Konsistoriums Stade); S 2 Witt Nr. 06 (Fotosammlung).

Literatur & Links

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 851; Meyer, Pastoren II, S. 79; Pratje, Bremen und Verden XII, S. 133–160; Stein, Dorfkirchen, S. 402–404.
B: Wilhelm Dehlwes, Edda Buchwald (Hg.): Die Geschichte Lilienthals, 2 Bde. (I: Lilienthal gestern und heute, II: Lilienthal und seine Bewohner), Lilienthal 1977–1981, bes. II, S. 53–92; Dieter Gerdes: Die Geschichte der über 800 Jahre alten Truper Kapelle, in: Lilienblätter. Mitteilungen des Heimatvereins Lilienthal 10 (1986), S. 6–23; Karl Lilienthal: Festschrift zur 1000-Jahr-Feier Trupes am 12. und 13. Juni 1937, [Trupe 1937].

Internet: Bildindex für Kunst & Architektur: Kirche, Kanzelaltar, Glocke I, Glocke II, Grabstein Haltermann


Fußnoten

  1. UB Lilienthal, Nr. 1. Die 1.000-Jahrfeier von 1937 bezog sich nicht auf eine urkundliche Ersterwähnung, vgl. Lilienthal, S. 3 ff.
  2. UB Lilienthal, Nr. 88.
  3. UB Lilienthal, Nr. 106.
  4. Jarck, Zisterzienserinnenkloster Lilienthal, S. 96: man kann hier „die Besitzform einer Vollinkorporation annehmen“.
  5. UB Lilienthal, Nr. 265 (NLA ST Rep. 3 Lilienthal Nr. 249). Jarck, Zisterzienserinnenkloster Lilienthal, S. 90, identifiziert den Nicolaus von 1383 mit dem mehrfach belegten Nicolaus Droning. Siehe auch Dolle, Klosterbuch II, S. 919.
  6. Pratje, Bremen und Verden XII, S. 150, gibt die Inschrift mit „Abbas in Werna“ wieder, ebenso Mithoff, Kunstdenkmale V, S. 107 und Lilienthal, S. 61. Siehe unten Abschnitt „Geläut“.
  7. Dolle, Klosterbuch II, S. 920.
  8. Pratje, Bremen und Verden, S. 156 f.
  9. Pratje, Abhandlungen II, S. 179.
  10. Pratje, Bremen und Verden XII, S. 149.
  11. Pratje, Bremen und Verden XII, S. 149.
  12. Lilienthal, S. 63.
  13. Lilienthal, S. 64.
  14. KABl. 1929, S. 40 f.
  15. Lilienthal, S. 60 und 63.
  16. Hodenberg, Stader Copiar, S. 22.
  17. Zur Baugeschichte: Gerdes, S. 8 f.
  18. Pratje, Bremen und Verden XII, S. 149.
  19. Stein, Dorfkirchen, S. 404: erst 1890 Wände des Schiffs erhöht und Gewölbe abgebrochen.
  20. Gerdes, S. 21.
  21. Gerdes, S. 16.
  22. Kontakte. Gemeindebrief der St.-Marien-Gemeinde Lilienthal, April 1973, S. 16.
  23. Pratje, Bremen und Verden XII, S. 150, gibt die Inschrift mit „Abbas in Werna“ an und schreibt: „Werna ist ein Kapuziner-Kloster im Münsterschen“, danach auch Mithoff, Kunstdenkmale V, S. 107, Lilienthal, S. 61, Gerdes, S. 15 f. Das Kapuzinerkloster Werne wurde jedoch erst 1659/64 gegründet. Der genannte Wolbertus war wohl Abt des Prämonstratenserklosters Oldeklooster (bei Kloosterburen) im als Marne bezeichneten Teil des friesischen Gaus Hunsingo (heute Provinz Groningen, Niederlande). Er ist urkundlich beispielsweise 1502 als „heer Wolbertus Abt in de Marne“ belegt, NLA AU Rep. 1 Nr. 588, 17.02.2021. Marne bezeichnete einen Teil des friesischen Gaus Hunsingo.
  24. Vgl. Dehlwes & Buchwald II, S. 67 ff.