Frühere Gemeinde | KapG der KG Steimbke | Sprengel Hannover, KK Nienburg | Patrozinium: – | KO: Calenberger KO von 1569

Orts- und Kirchengeschichte

Urkundlich ist der Ort erstmals Ende des 12. Jh. im ältesten Einkünfteverzeichnis der Abtei Herford als Stocsi belegt; der Ort gehörte zur Villikation Estorf (Essistorp).1 1311/12 erhielt Ludolf von Mandelsloh vier Meierhöfe (curias) in Stokesse als Lehen der Bf. von Minden.2 1363 verkauften Johann, Herbord und Dietrich von Mandelsloh dat gantze dorp to Stokse, das sie als Lehen der Gf. von Hoya besaßen, an Hzg. Wilhelm II. von Braunschweig-Lüneburg.3 Stöckse hatte im Spätmittelalter zum Herrschaftsgebiet der Gf. von Wölpe gehört. Wohl 1301 veräußerte Gf. Otto von Wölpe die Grafschaft an Gf. Otto von Oldenburg-Delmenhorst, der sie 1302 weiter verkaufte an den Welfen Otto II., Hzg. zu Braunschweig-Lüneburg. Seit 1432 war Stöckse Teil des welfischen Teilfsm. Calenberg (1495: Fsm. Calenberg-Göttingen, 1692: Kfsm. Braunschweig-Lüneburg bzw. Kurhannover) und zählte dort zum Amt Wölpe. In französischer Zeit kam Stöckse 1810 zunächst kurzzeitig zum Kgr. Westphalen und dann bis 1813/14 zum Kanton Nienburg im Arrondissement Nienburg des Departements Wesermündung im Kaiserreich Frankreich. Danach gehörte das Dorf, nun im Kgr. Hannover, zunächst wieder zum Amt Wölpe, nach dessen Auflösung 1859 zum Amt Nienburg. Mit der Annexion des Kgr. Hannover fiel Stöckse 1866 an das Kgr. Preußen. Seit Einführung der Kreisverfassung 1885 gehört das Dorf zum Kr. Nienburg (1932: Lkr. Nienburg/Weser). 1974 wurde der Nachbarort Wenden nach Stöckse eingemeindet; im gleichen Jahr trat die Gemeinde der Samtgemeinde Steimbke bei. Um 1810 lebten knapp 220 Menschen in Stöckse, 1905 gut 400, 1950 etwa 920 und 2020 insgesamt 1.215 (mit Eingemeindungen).
In vorref. Zeit besaß Stöckse eine eigene Pfarrkirche, die jedoch urkundlich nicht fassbar ist. 1363 ist lediglich der Pfarrhof (wedemen) belegt.4 Das Patronat über die Kirche lag 1542 beim Verdener Domdekan. Nachdem der „untüchtige“ Steimbker Pfarrer 1542 gestorben war, schlug der Wölper Drost Carl von Rottorf vor, dem Stöckser Pfarrer auch die Pfarre in Steimbke zu übertragen und beide Gemeinden zu verbinden.5 Dieser Vorschlag fiel zeitlich mit der Reformation im Fsm. Calenberg zusammen, die Hzgn. Elisabeth von Calenberg-Göttingen als Vormund ihres minderjährigen Sohnes Erich einführte: 1542 setzte sie die von Antonius Corvinus verfasste Kirchenordnung in Kraft und 1542/43 ließ sie die Gemeinden, Stifte und Klöster des Fürstentums visitieren.6 Nachdem Elisabeths nunmehr volljähriger Sohn 1545 als Erich II. die Regierungsgeschäfte im Fsm. Calenberg übernommen hatte, wechselte er 1547 zum kath. Glauben. Die Calenbergischen Stände widersetzten sich jedoch seinen Rekatholisierungsbestrebungen und konnten 1553/55 die Beibehaltung der luth. Lehre sicherstellen. Nach dem Tod Erichs II. fiel das Fsm. Calenberg 1584 an Braunschweig-Wolfenbüttel und Hzg. Julius führte seine 1569 aufgestellte KO auch hier ein.7 1588 ließ er die Gemeinden visitieren. Im Protokoll dieser Visitation findet sich der Beleg, dass Rottorfs Vorschlag verwirklicht worden war: „Die Desolatkirche zu Stöckse ist mit zur Pfarre [Steimbke] gelegt“.8
Im Lagerbuch der Insp. Neustadt a. Rbge., angelegt 1670/71, finden sich weitere Angaben. P. Johann Sigismund Meiner (amt. 1668–1707) schrieb: „Stöxe hat vor alten Zeiten seine eigene Kirche und Prediger gehabt, weil aber sowohl die Steimbker als Stöxer Pfarre über die maßen schlecht und armselig gewesen, sind diese beyden Kirchspiel ohngefahr vor anderthalb hundert Jahren conjungiert worden.“ Weiter heißt es: „Es ist aber die Stöxer Kirche so gar verfallen, daß davon kaum die Rudera können gezeiget werden.“9
1750 erhielt Stöckse eine neue Kapelle, einen kleinen Rechteckbau ohne Turm, aber mit einem kleinen Glockenstuhl als Verlängerung des Dachfirsts.10 Jährlich zweimal, im Frühjahr und im Herbst, hielt der Steimbker Pastor hier einen Abendmahlsgottesdienst.11
In den Visitationsunterlagen der KG Steimbke ist Stöckse schon 1970 nicht mehr als KapG genannt; ein KapV bestand nicht mehr.12 Als Gottesdienststätte nutzte die Gemeinde die 1968 errichtete kommunale FKap (1970: 13 Familiengottesdienste, 1976: 17).13 Die alte Kapelle stellte die Kommune 1970/71 dem SV Grün-Weiß Stöckse 1930 e. V. als Tischtennishalle zur Verfügung. Kapelle und Kapellengrundstück übertrug der Steimbker KV 1978/79 unentgeltlich der politischen Gemeinde; die alte Fachwerkkapelle wurde offiziell entwidmet. Die Kommune hatte sie 1978 an einen Gastwirt verkauft, 1982 an einen anderen Standort versetzt und zu einem Wohnhaus umgebaut.14
Zum 1. Januar 1980 hob das LKA Hannover die KapG Stöckse auf; Rechtsnachfolgerin ist die KG Steimbke.15

Patronat

1542 Domdekan Verden. Nach der Reformation der Landesherr.16

Kirchenbau

Vorref. Bau, vermutlich zwischen 1542 und 1550 aufgegeben. 1588 Ruine, 1670 weitgehend verschwunden.

Geläut

Die vorhandenen Bronzeglocken ließ der Wölper Drost Carl von Rottorf vor 1550 zu einem Geschütz umgießen (halbe Schlange auf Rädern).17

Kapellenbau – Alte Kapelle

Rechteckiger Fachwerkbau, erbaut 1750/51. Satteldach. In Verlängerung des Dachfirsts Auslegestuhl für Glocke. Flachbogige Fenster an den Längsseiten.18 1979 entwidmet. 1982 umgesetzt und zu Wohnhaus umgebaut.

Orgel

1944 war die Orgel „seit Jahrzehnten völlig unbrauchbar“ und enthielt „etwa 5 kg unbrauchbarer Orgelpfeifen aus Zink“.19

Geläut

Eine LG, bʼʼ (Bronze, Gj. 1751, Johann Altenburg, Sachsenhagen), Inschrift: „Semper cum Deo. Goss mich Johann Altenburg in Saxenhagen Anno 1751“ (Stets mit Gott). Eigentum der politischen Gemeinde Stöckse, seit 1991 in einem offenen Glockenträger am Feuerwehrteich.

Kapellenbau – Friedhofskapelle

Eigentum der Kommune. Flacher Rechteckbau mit asymmetrischem Satteldach, erbaut 1968/69, erweitert 2018.

Turm

Westlich der Kapelle, erbaut 1972. Betonskelettbau mit Satteldach, bekrönt mit Kugel und Wetterhahn. Vertikale Holzverschalung an Nord- und Südseite, in der Glockenstube horizontale Lamellen nach Norden und Süden.

Geläut

Eine LG, I: bʼ (Bronze, Gj. 1835, Ludwig Kovatsay, Walsrode), Inschriften: „Gegossen von L. Kovatsay in Walsrode im Jahre 1835. Zu der Zeit des Pasto[rs] G. L. Prelle gegos[sen] für die Gemeinde Steimbke“ und „Kommt, denn es ist alles bereit. Luc[as] 14,17“, Bild: Kreuz in Eichenkranz; 1924 erwarb die politische Gemeinde Stöckse die Glocke von der KG Steimbke, in der Friedhofskapelle aufgehängt; 1972 im Turm der neuen Kapelle montiert.

Friedhof

Kommunaler Friedhof, angelegt 1925, FKap (Bj. 1925), neue FKap (Bj. 1968/69).

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

D 60 (EphA Nienburg).

Literatur

A: Dienwiebel, Ortsverzeichnis Hoya/Diepholz II, S. 497; Gade, Hoya und Diepholz II, S. 451–452.
B: Oscar Beermann: Aus der älteren Geschichte des Kirchspiels Steimbke, in: Der Heimatbote. Sonntagsbeilage der Harke für das Mittelweser-Land Nr. 556/10.09.1960; Heinz Schlichting (Hg.): Chronik der Gemeinde Stöckse mit den Ortsteilen Stöckse, Wenden und Lohe, Stöckse 1993, bes. S. 80–89, 134–148; Wilhelm Stelling: Stöckse hatte doch eigene Pfarre und Kirche, in: Der Heimatbote. Sonntagsbeilage der Harke für das Mittelweser-Land, Nr. 161/28.02.1953; Wilhelm Stelling: Claus von Rottorf und die Stöckser Kirche, in: Der Heimatbote. Sonntagsbeilage der Harke für das Mittelweser-Land, Nr. 254/06.10.1956.


Fußnoten

  1. Darpe, Herford, S. 42. Vgl. auch die Randbemerkung in der Heberolle des 13. Jh., ebd., S. 83, Anm. k.
  2. Kemkes/Wolf, Lehnregister, S. 127, A 596 (Datierung ebd., S. 125 unten); Sudendorf, UB I, Nr. 184.
  3. Sudendorf, UB III, Nr. 187.
  4. Sudendorf, UB III, Nr. 187.
  5. Vgl. dazu die beiden Beiträge von Stelling sowie Schlichting, S. 47, 80 ff.
  6. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,1, S. 708 ff.; Butt, Herrschaft, S. 47 ff.
  7. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 6,1, S. 83 ff.
  8. Kayser, General-Kirchenvisitation II, S. 55.
  9. LkAH, A 8, Nr. 313, Bl. 116.
  10. Schlichting, S. 134 ff.
  11. Gade, Hoya und Diepholz II, S. 450.
  12. LkAH, L 5a, Nr. 355 (Visitation 1970).
  13. LkAH, L 5a, Nr. 355 (Visitationen 1970 und 1976); LkAH, G 10, Nr. 2708, Bl. 35.
  14. LkAH, B 2 G 9 B/KapG Stöckse Bd. I, Bl. 7; Schlichting, S. 138. Seit 1895 war die KapG als Besitzerin der Kapelle im Grundbuch eingetragen, Anfang der 1970er Jahre waren jedoch alle Beteiligten der Ansicht, die Kapelle gehöre der Kommune. Der Übertragungsvertrag wurde 1978 geschlossen und 1979 kirchenaufsichtlich genehmigt, vgl. LkAH, G 10, Nr. 2708, Bl. 34 f. und 40 f.
  15. KABl. 1980, S. 13.
  16. Beermann.
  17. Beermann.
  18. Abb. bei Gade, Hoya und Diepholz II, S. 451.
  19. LkAH, B 2 G 9 B, Nr. 590, Bl. 1.