Sprengel Stade, KK Osterholz-Scharmbeck | Patrozinium: Johannes | KO: Keine Kirchenordnung

Orts- und Kirchengeschichte

Schriftich ist Schwanewede zuerst als Personenname belegt: In der Zeugenliste einer Urkunde des Bremer Ebf. Hartwing II (amt. 1184–1207) erscheint 1203 ein Borchardus de Svanewede.1 Die Familie von Schwanewede besaß hier eine Burg, die 1305 von stadtbremischen Truppen zerstört wurde (Wiederaufbau im Vertrag über Beilegung der Fehde ausgeschlossen).2 Schwanewede war Teil des Erzstifts Bremen, des weltlichen Territoriums der Bremer Erzbischöfe; die Gerichtsbarkeit lag jedoch bei der Familie von Schwanewede (Patrimonialgericht).3 Diese Verhältnisse blieben bestehen, als das Erzstift Bremen nach Ende des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) säkularisiert wurde und zusammen mit dem ebenfalls säkularisierten Hochstift Verden unter schwedische Herrschaft kam (vereinigte Hzm. Bremen-Verden). Sie bestanden auch fort, als das welfische Kfsm. Braunschweig-Lüneburg (Kurhannover) während des Großen Nordischen Krieges (1700–1721) die beiden Territorien 1715/19 erwerben konnte. In französischer Zeit zählte Schwanewede 1810 zunächst kurzzeitig zum Kgr. Westphalen und dann bis 1813/14 zum Kanton Vegesack im Arrondissement Bremerlehe des Departements Wesermündung im Kaiserreich Frankreich. Danach wurde das Patrimonialgericht Schwanewede, seit 1815 Teil des Kgr. Hannover, zunächst restituiert, bevor es 1852 aufgehoben wurde und der Ort zum Amt Blumenthal kam. Mit der Annexion des Kgr. Hannover fiel Schwanewede 1866 an das Kgr. Preußen. Bei Einführung der Kreisverfassung 1885 kam der Ort zum Kr. Blumenthal, der 1932 im Lkr. Osterholz aufging. 1974 wurden Aschwarden, Beckedorf, Brundorf, Eggestedt, Hinnenbeck, Leuchtenburg, Löhnhorst, Meyenburg, Neuenkirchen und Rade nach Schwanewede eingemeindet, überdies Teile von Brake und Elsfleth. Seit der zweiten Hälfte des 19. Jh. wandelte sich der bäuerlich geprägte Ort zu einem Vorort von Bremen; militärische Bauprojekte in der Umgebung (1938 Ölbunker, 1943 U-Boot Bunker) beschleunigten diese Entwicklung.4 Ein 1943 eingerichtetes Zwangsarbeiterlager diente später als Unterkunft für Geflüchtete; 1956/58 entstand hier die Lützow-Kaserne der Bundeswehr (aufgegeben 2015). Nach Einschätzung des Ortspastors setzte sich das Kirchspiel 1936 aus zwei Dritteln „landwirtschaftlicher“ und einem Drittel „Industrie-Bevölkerung“ zusammen.5 Die Gemeinde teilt sich heute in einen eher ländlichen Nordteil und einen eher städtischen Südteil. Um 1812 lebten gut 700 Menschen in Schwanewede, um 1900 rund 960, 1938 etwa 1.125, 1963 ungefähr 6.000 und 2007 über 9.930 (mit Eingemeindungen: etwa 20.000).
Im Liber II des Stader Copiars, angelegt um 1420, lässt sich erstmals ein Gotteshaus in Schwanewede belegen: Das Verzeichnis nennt eine capellam in Swanewede.6 Die Herren von Schwanewede präsentierten die Geistlichen der Kapelle, der Bremer Dompropst setzte sie in ihr Amt ein. Namen vorref. Kaplane sind nicht überliefert; die letzten vorref. Ausstattungsstücke – zwei Glocken aus dem Jahr 1515 – wurden 1900 bei der Anschaffung eines neuen Geläuts eingeschmolzen. Nach den Angaben im Protokoll der Visitation 1581/83 gehörte die Kapelle „zum Schwanewedel“ zu jenen, die „aus der Kirche Lessem gestiftet“ seien.7 Ursprünglich scheint Schwanewede also Teil des Kirchspiels Lesum gewesen zu sein. Es ist nicht bekannt, wann die Kapelle zur eigenständigen Pfarrkirche erhoben wurde.

Kirche, Ansicht von Südosten, 1948

Kirche, Ansicht von Südosten, 1948

Im Zeitalter der Reformation regierte mit Ebf. Christoph von Braunschweig-Lüneburg (amt. 1502–1558) zunächst ein entschiedener Gegner der luth. Lehre im Stift Bremen (und gleichzeitig im Stift Verden). Trotzdem fasste der Protestantismus während seiner Regierungszeit Fuß in den Gemeinden des Erzstifts.8 Ebf. Christophs Bruder und Nachfolger in beiden Bistümern, Ebf. Georg (amt. 1558–1566), duldete den neuen Glauben. Der Bremer Ebf. Heinrich III. von Sachsen-Lauenburg (amt. 1567–1585) schließlich war Protestant, verfolgte jedoch eine vorsichtige Kirchenpolitik; zur Einführung einer ev. Kirchenordnung kam es während seiner Amtszeit nicht. Im Erzstift Bremen hat sich, zugespitzt formuliert, „eine allmähliche Reformation“ vollzogen, „die meistens auf Gemeindeebene begann“.9 Details zur Entwicklung in Schwanewede sind nicht bekannt. Das Patronat verblieb bei der Familie von Schwanewede und mit „Johann N.“ ist in den Visitationsprotokollen 1581/83 erstmals der Name eines örtlichen Geistlichen überliefert; allerdings erschien er nicht vor den Visitatoren, ließ lediglich mitteilen, „er müsse mit seinen Junkern den Tag an einen Ort verreisen“.10
Im Jahr 1581 veranlassten Patron Sievert von Schwanewede und seine Schwägerin Ilsabe von Wersebe auf Cassebruch einen Kirchenneubau in Schwanewede. Die mittelalterliche Kapelle sei baufällig und stünde zudem an „gands ungeleden stede vnndt ort“ (in der Loge).11 Daher hätten sie den Neubau „gands vnd gar vp ein nie stede buwen vnnd funderen“ lassen (am heutigen Standort). Die lückenlos bekannte Reihe der Pastoren von Schwanewede beginnt mit P. Georg Johann Frick (amt. 1696–1738), der auch das älteste Kirchenbuch der Gemeinde anlegte. Einen weiteren Kirchenneubau, die bis heute erhaltene Fachwerkkirche, ließen die Patrone Burkhardt Georg, Christoph Gebhardt und Peter Gottlieb von Schwanewede 1761/62 errichten.12 Der Pfarrhausbrand von 1896 vernichtete auch weitgehend das Archiv der KG.
Während der NS-Zeit war die KG Schwanewede zunächst vakant, bevor P. Walter Heddenhausen (amt. 1935–1967) die Pfarrstelle übernahm. Im „Fragebogen zur Geschichte der Landeskirche von 1933 bis Kriegsende“ gab er rückblickend an, er habe von Februar 1931 bis Januar 1933 der NSDAP angehört und 1933 den DC.13 Der Kirchenkampf sei in Schwanewede nicht spürbar gewesen.
Mit dem Zuzug Geflüchteter nach Ende des Zweiten Weltkriegs entstand auch eine kleine kath. Gemeinde in Schwanewede, die 1950 etwa 200 bis 300 Gemeindeglieder zählte. Sie versammelte sich in den 1950er Jahren alle zwei Wochen in der ev. Kirche zum Gottesdienst.14 1971 konnte sie die kath. St.-Ansgar-Kirche einweihen, die seit 2018 auch von der rumänisch-orthodoxen Gemeinde des hl. Lukas von der Krim genutzt wird. Ungleich stärker fiel das Wachstum der ev. Gemeinde aus: Hatte sie 1936 noch 1.460 Gemeindeglieder gezählt, so war ihre Zahl bis 1950 bereits auf 3.500 gestiegen und bis 1963 auf etwa 6.700 (1961 Hinnebeck eingepfarrt). Als zweite Gottesdienststätte übernahm die KG um 1948 eine von amerikanischen Truppen erbaute Barackenkirche in der Heidesiedlung, an deren Stelle 1960 das Christophorushaus trat.15 Da das Gemeindehaus auch der neuen Bundeswehrkaserne als Kirche diente, hatte sich die Militärverwaltung an der Finanzierung des Baus beteiligt.16 Die Lützow-Kaserne gehörte nicht zum Gemeindegebiet, sondern bildete einen eigenen Seelsorgebezirk mit eigenem Standortpfarrer.17
Im Jahr 1966 richtete das Landeskirchenamt eine zweite Pfarrstelle in Schwanewede ein, die als erster P. Hans-Ulrich Leonhardt (amt. 1966–1971) übernahm. Schon im Herbst 1951 hatte die KG in der Kirchenbaracke einen ev. Kindergarten eingerichtet, bald erweitert um ein Kinderheim (bis 1959).18 Den neuen ev. Kindergarten JoKi weihte die Gemeinde 1966 ein; die Trägerschaft ging 2013 über auf den neugegründeten Ev.-luth. Kindertagesstättenverband Osterholz-Scharmbeck.19 Die Gemeindeschwesternstation der KG Schwanewede ging 1986 in der Diakonie-Sozialstation Schwanewede auf.20 Im Rahmen der Partnerschaft zwischen den Landeskirchen Hannovers und Sachsens unterhält die KG Schwanewede seit 1968 Kontakte zur Kirchgemeinde Oppach in der Oberlausitz. Später kamen Partnerschaften mit der britischen Gemeinde Redhill (1975) und der südafrikanischen Gemeinde Eldorado (1978) hinzu.21 Zur Unterstützung der anstehenden Kirchensanierung gründete sich in Schwanewede 1981 ein Kirchenbauverein. Nach Abschluß der Arbeiten an der Kirche (1982/83) förderte der Verein auch die Sanierung des Küsterhauses (1986/87).22 Als wohl „größte diakonische Einrichtung der Kirchengemeinde“ entstand 2009 die Schwaneweder Tafel.23
Im Zuge der Regionalisierung baute die Gemeinde Schwanenwede Anfang des 21. Jh. die Zusammenarbeit mit der Nachbargemeinde Meyenburg aus (u. a. regionale Konfirmanden- und Jugendarbeit).24 Seit dem 1. Januar 2017 sind die beiden KG pfarramtlich verbunden.

Pfarrstellen

I: vorref. – II: 1966.25

Umfang

Schwanewede. Seit 1853 oder 1859 auch Schukamp, Hamfehr und Lehmhorst.26 Seit 1961 auch Hinnebeck (vorher KG Bruch).27

Aufsichtsbezirk

Archidiakonat des Bremer Dompropstes.28 – 1651/52 Kons. Stade gegründet, Meyenburg zählte zur Osterstadischen und Vieländischen Präpositur. Bei der Neuorganisation der Inspektionen kam Schwanewede 1826 zur Insp. Stotel. 1853 Wechsel zur Insp. Osterholz (Sitz in Lesum), Insp. später umbenannt in Insp. Lesum. 1924 KK Lesum, 1948 umbenannt in KK Osterholz-Scharmbeck.

Patronat

Zunächst die Familie von Schwanewede als Besitzerin der Burg bzw. des Gutes.29 Wegen Aufteilung des ‚Gutes in der Regel‘ – zunächst Abtrennung Brinkhof, später Wallerhof und Leutnantshof – auch Aufsplittung des Patronats. Wallerhof nach 1787 aufgelöst und aufgeteilt. ‚Gut in der Regel‘ ab 1789 Eigentum der Familie von der Wisch (ab 1827 auch Leutnantshof), ab 1861 Familie von Griesbach, Hof 1891 verkauft, wechselnde Besitzer, seit 1900 Familie Plöger (auch im Besitz des Brinkhofs), 1913 Familie Pundt. Brinkhof in weiblicher Linie im 18. Jh. an Familie von Sandbeck auf Stelle, 1771 an Familie von Viereck, 1797 an Familie von Finckh, nach 1815 an Familie Haltermann, ab 1828 Ländereien verkauft, Gut 1865 verkauft an Dietrich Knübel, 1873 an Ernst Pfannkuche, 1877 an Familie Plöger, 1920 an Familie Pundt. Patronat 1931 abgelöst.30

Kirchenbau

Rechteckiger Fachwerkbau mit Ziegelausfachung, errichtet 1761. Satteldach mit Walm nach Osten. Große, rechteckige Sprossenfenster; Nebeneingang an Südseite. Im Innern flache Balkendecke, u-förmige Emporenanlage. 1962 Innenrenovierung. 1982/83 Sanierung.

Fenster

Farbige Altarfenster (1950), oben Halbporträts der vier Evangelisten mit ihren Symbolen, darunter die Namen der im Zweiten Weltkrieg gefallenen Schwanenweder.

Grablege

Zwei Gruften der Patronatsfamilie im Altarraum (1908 und 1950 entdeckt).31

Turm

Westturm aus Backsteinmauerwerk mit Ecklisenen, erbaut 1762. Vierseitiger Pyramidenhelm, bekrönt mit Kugel, Kreuz und Wetterfahne (1983, Günther Hütten), Auslegestuhl für Uhrschlagglocke nach Westen. Je eine flachbogiges Schallfenster nach Süden, Westen und Norden; nach Süden und Norden zudem Flachbogennische mit Radkreuz; an der Westfassade zudem Uhrziffernblatt unterhalb der Dachtraufe, flachbogiges Hauptportal, gerahmt von Lisenen und Dreiecksgiebel, darüber Inschriftentafel mit lateinischer Bauinschrift und runde Blendnische mit Kreuz, Inschrift: „A praenobilissimis suis patronis nempe a domino reg. maiest. Mag. Brittan. et elect. Brunsv. Luneb. primario Verdensis praefectura praefecto Germanicae Oberhauptmann et assesore dycatery Stadensis una cum sua suavissima ac dilectissima coniuge Metas Catharina Hedewig nata de Schlepegrell ex domo Bucholt ducatus Verdensis pro dimidia ut et a domino Christophoro Gerhardo de Schwanewede sacrae reg. maiest. Mag. Brittan. et elect. Brunsv. Luneb. Capitaneo pro una quarta una cum et similiter suavissima ac dilectissima sua coniuge nata de Kroug ex domo Bilohe pro una quarta nec non a domino Petro Gottlieb de Schwanewede pro altera quarta parte haec ecclesia non solum fundetenus de novo aedificata et exstructa sed et cum hacce turre prima vice adornata est anno MDCCLXI. Verbum domini manet in aeternum“ (Von ihren hochedlen Patronen, nämlich dem Herrn Burchard Georg von Schwanewede, seiner heiligen königlichen Majestät von Großbritannien und Kurfürsten von Braunschweig-Lüneburg, ersten Vorsteher des Verwaltungsbezirks Verden, zu Deutsch Oberhauptmann und Beisitzer des Hofgerichts zu Stade, zusammen mit seiner überaus geliebten Ehefrau Meta Katharina Hedwig, geb. von Schleppegrell aus dem Hause Bucholt im Herzogtum Verden zur Hälfte, wie auch von dem Herrn Christoph Gerhard von Schwanewede, seiner heiligen königlichen Majestät von Großbritannien und Braunschweig-Lüneburgischen Kurfürsten Hauptmann, und gleicherweise zusammen mit seiner überaus geliebten Ehefrau geb. von Kroug aus dem Hause Bilohe zu dem einen Viertel, wie auch von Herrn Peter Gottlieb von Schwanewede zum anderen Viertel, ist diese Kirche nicht nur von Grund auf völlig neu erbaut worden, sondern zum ersten Mal mit diesem Turm ausgestattet worden im Jahre 1761. Das Wort des Herrn währet in Ewigkeit); Stein ursprünglich hinter dem Altar, 1870 in Turm eingesetzt.32 1961 Eingangshalle umgebaut.

Ausstattung

Schlichter Kanzelaltar (etwa 1762), fünfseitiger Kanzelkorb, daneben Wappen der Familie von Schwanewede und Inschrift: „Burchard v[on] Schwanewede, Oberhaubt., Christoff Gebhard v[on] Schwanewede Capitaine, Peter Gottlieb Schwanewede auch diese Cantzel und Altar als Patronen der Kirche neuerbauen lassen“, außen bauchige Pilaster; dreieckiger Aufsatz mit Schalldeckel, oberhalb des Aufsatzes Sonne mit hebräischem Gottesnamen; unterhalb des Kanzelkorbes zwei Spruchbänder: „Gloria in excelsis Deo“ (Ehre sei Gott in der Höhe); hölzerner Blockaltar mit seitlichen Schranken. – Eiserner Taufständer, verziert mit Messingschwänen (1761). – Außen am Kirchturm: Grabplatte für Catharina geb. von Wersabe († 1702) und Ehemann Tönnjes, Hinrich von Schwanewede († 1684), bis 1936 im Boden des Altarraums.33

Orgel, nach 1956

Orgel, nach 1956

Orgel

1867 Harmonium erworben. 1907 Orgelneubau, ausgeführt von Firma Faber & Greve (Salzhemmendorf), 15 (davon 6 Transmissionen) II/P, pneumatische Traktur, Kegelladen. Neue Orgel, erbaut 1956 von der Firma Alfred Führer (Wilhelmshaven), 12 II/P, mechanische Traktur, Schleifladen.

Geläut

Vier LG, I: hʼ (Bronze, Gj. 1959, F. Otto, Bremen-Hemelingen), Inschrift: „Das 3. Gebot: Du sollst den Feiertag heiligen“; II: dʼʼ, Betglocke (Bronze, Gj. 1900, F. Otto, Hemelingen), Inschrift: „Eins ist not! Gestiftet von Joh[ann]. Probst in Brooklyn 1900“, Gießerzeichen mit Umschrift: „F. Otto in Hemelingen“; III: eʼʼ, Trauglocke (Bronze, Gj. 1959, F. Otto, Bremen-Hemelingen), Inschrift: „Durch die Liebe diene einer dem anderen. Gal 5 V[ers] 13“; IV: fisʼʼ, Taufglocke (Bronze, Gj. 1959, F. Otto, Bremen-Hemelingen), Inschrift: „Wer da glaubet und getauft wird, der soll selig werden Mk 16 V[ers] 16“. Eine SG, aʼʼ (Bronze, Gj. 1959, F. Otto, Bremen-Hemelingen), Inschrift: „Ora et labora“ (Bete und arbeite). – Früherer Bestand: Zwei kleine LG (Bronze, Gj. 1515, Johannes von Cappeln), Inschriften laut Mithoff „bisher nicht entziffert“34, eine vor 1848 gesprungen.35 Glocken 1900 zum Einschmelzen verkauft an F. Otto, Hemelingen.36 Zwei neue LG, gestiftet von Johann Probst (Brooklyn): Heutige LG II sowie eine größere LG (Bronze, Gj. 1900, F. Otto, Hemelingen), im Ersten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben. Eine LG hʼ, (Bronze, Gj. 1927, F. Otto, Bremen-Hemelingen), im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben.37 Eine SG (Bronze, Gj. 1912, F. Otto, Bremen-Hemelingen), Inschrift: „Bete und arbeite“, zusammen mit Turmuhr gestiftet von Johann Probst (Brooklyn), im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben.

Gemeindehaus

Christophorushaus. Zweiflügeliger Winkelbau, Nordflügel mit Kirchsaal, errichtet 1960. Satteldächer. Außenwände verklinkert; Rechteckfenster, teilweise bodentief. Im Innern Kirchsaal mit offenem Dachstuhl, bühnenartiger Altarraum im Westen, Empore im Osten. 2020 Planungen für Um- oder Neubau.

Turm

Über dem Westende des Nordflügels Dachreiter in Form einer sechsseitigen, offenen Laterne.

Ausstattung

Hölzerner Tischaltar. – Hölzerne, lesepultartige Kanzel. – Christophorusmosaik im Eingangsbereich.

Orgel

Kleinorgel erbaut 1965 von Hans Wolf (Verden), 6 I/–, mechanische Traktur, Schleifladen.38

Geläut

Eine Glocke im Dachreiter.

Weitere kirchliche Gebäude

Küsterhaus neben der Kirche (Bj. 1790), Fachwerkbau mit reetgedecktem Walmdach (Niedersachsengiebel). – Kindergarten (Bj. 1965).

Friedhof

Kirchlicher Friedhof bei der Kirche, erweitert 1843, 1899, 1925 und 1960; FKap (Bj. 1961), ein Orgelpositiv, erbaut 1962 von Alfred Führer (Wilhelmshaven), 3 I/– mechanische Traktur, Schleiflade.39 – Kirchlicher Friedhof „Am Spreeken“ (zwischen Koppelsberg und Flachsberg), angelegt 1990, FKap (Bj. 1990, Architekt: Reinhard Bartolles, Bremen), elektronische Orgel; hölzerner Glockenträger mit einer Glocke. – Kommunaler Friedhof in Hinnebeck.

Liste der Pastoren (bis 1940)

1581 Johann … – 15.. Christoph Gensler. – 1683 Andreas Georg Hesse. – 1… Bernhard Mertens. – 1… Georg Johann Fricke. – 1738–1743 Conrad Wippenhof. – 1743–1752 Philipp Jürgen Heinrich Baetzendorff. – 1752– 1758 Bove Ibes. – 1758–1800 Johann Jakob Schieferlein. – 1800–1815 Johann Friedrich Philipp Meinecke. – 1815–1828 August Wilhelm Ludwig Günsch. – 1828–1840 Johann Andreas Wendt. – 1840–1852 Johann Friedrich Christian Pratje. – 1852–1869 Georg August Visbeck. – 1869–1871 Johann Friedrich Hashagen. – 1871–1876 Ernst August Dreyer. – 1876–1885 Carl Wilhelm Lüders. – 1887–1926 Julius Conrad Lauterbach. – 1927–1932 Hinrich Johann Hemmelgarn. – 1935–1967 Walter Emil Georg Karl Heddenhausen.
Angaben nach: Meyer, Pastoren II, S. 358–359

Landeskirchliches Archiv Hannover (LkAH)

A 6 Nr. 7447–7453 (Pfarrbestellungsakten); D 109 (EphA Osterholz-Scharmbeck); E 5 Nr. 958 (Konsistorialbaumeister); Kons. Stade, A 2 Nr. 1396–1403, A 6 Nr. 7447–7451, A 8 Sww, A 9 Nr. 2557–2559, 2752 (Akten des Konsistoriums Stade); L 5g Nr. 293, 773 (LSuptur. Stade); S 09 rep. Nr. 2083/1 (Presseauschnittsammlung); S 11a Nr. 7729 (Findbuch PfA).

Literatur & Links

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 1190; Gemeindebuch KK Osterholz-Scharmbeck, S. 21–23; Meyer, Pastoren II, S. 358–359; Meyer-Korte, Gemeinden, S. 138–147.
B: Unsere Gemeinde. Sonderausgabe anläßlich der Visitation Februar/März 1992; Klaus Fitzner: Schwaneweder Kirchenchronik, Schwanewede 2016; Jutta Heddenhausen: Erinnerungen an unsere Jahre in der Kirchengemeinde Schwanewede. 1935–1967. Dem Kirchbauverein 1983, o. O. [1983]; Hans Wohltmann: Die Gutsherren von Schwanewede, in: Stader Jahrbuch N. F. 50 (1960), S. 60–101; Hans Wohltmann: Von der Kirche in Schwanewede, von ihren Geistlichen und von den Friedhöfen, in: Stader Jahrbuch N. F. 55 (1965), S. 105–118; Hans Wohltmann: Schwanewede. Von adliger Gutsherrschaft zum Bauerndorf – zur Industrialisierung – und zur Garnison, in: Stader Jahrbuch N. F. 57 (1967), S. 87–118; Horst Zientz: Schwanewede. Ein Dorf im Herzogtum Bremen auf der Geest, Löhnhorst 1991.

Internet: Bildindex für Kunst und Architektur: Kirche, Altar

GND

2110761-0, Evangelisch-Lutherische Sankt-Johannes-Kirchengemeinde (Schwanewede); 4775177-0, Sankt Johannes (Schwanewede)


Fußnoten

  1. Regesten Ebf. Bremen I, Nr. 699; vollständiger Urkundentext zit. und übersetzt bei Zientz, S. 37 f.
  2. Zientz, S. 127; Regesten Ebf. Bremen I, Nr. 1559.
  3. Wohltmann, Schwanewede, S. 109 ff.
  4. Meyer-Korte, Gemeinden, S. 138 f.
  5. LkAH, L 5g, Nr. 293 (Visitation 1936).
  6. Hodenberg, Stader Copiar, S. 22. In der ortsgeschichtlichen Literatur ist der Eintrag mitunter irrtümlich auf 1334 oder 1384 datiert. Zur Datierung vgl. Hodenberg, Stader Copiar, S. X. Für das Jahr 1384 ist lediglich der Zehnt belegt (Decima in Swanewede), ebd., S. 3.
  7. Pratje, Abhandlungen II, S. 178 f.
  8. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 7,1, S. 7, resümiert: „beinahe das ganze Erzstift“ wurde lutherisch; Otte ist vorsichtiger und hält fest, es bleibt „für diese Jahre weiterhin schwierig zu beurteilen, ob der einzelne Prediger evangelisch predigte oder altgläubig“, da die Pfarrer – nicht zuletzt mit Blick auf Erhalt der eigenen Pfründe – mitunter „zweideutig“ agierten (Dannenberg/Otte, Reformation, S. 32). Für einen knappen Überblick zur Reformation im Erzstift Bremen vgl. Sehling, Kirchenordnungen 16. Jh. Bd. 7,1, S. 7 ff. sowie die Beiträge in Dannenberg/Otte, Reformation.
  9. Dannenberg/Otte, Reformation, S. 38.
  10. Pratje, Abhandlungen II, S. 179.
  11. Wohltmann, Kirche, S. 105, zit. ebd. S. 106; Fitzner, S. 11 ff. (mit Übertragung ins Hochdeutsche).
  12. Wohltmann, Kirche, S. 107.
  13. LkAH, S 1 H III Nr. 817, Bl. 9. Vgl. auch LkAH, L 5g, Nr. 293 (Visitation 1936): „Kirchenpolitisch ursprünglich den D.C. zugehörig, hält er sich diesen jetzt ganz fern.“ Vgl. auch Heddenhausen, S. 7: „Als Student und auf das Vorbild einiger Professoren hin, war der junge Heddenhausen voll Begeisterung in die NSDAP eingetreten. Aber bereits 1933, noch vor der Machtübernahme, war er wieder ausgetreten. Er hatte erfahren, daß aus den Schulden die Kruzifixe entfernt werden sollte, und da konnte er nicht mit.“ Allgemein zum zitierten Fragebogen: Kück, Ausgefüllt, S. 341 ff.
  14. LkAH, L 5g, Nr. 293 (Visitationen 1950 und 1956).
  15. Abb. in Heddenhausen, S. 30.
  16. Meyer-Korte, Gemeinden, S. 147; Zeintz, S. 241; Fitzner, S. 65.
  17. Übersicht bei Fitzner, S. 40.
  18. LkAH, L 5g, Nr. 293 (Visitationen 1950, 1956 und 1963).
  19. KABl. 2013, S. 55 ff.; Zum Kindergarten: Fitzner, S. 86 ff.
  20. Fitzner, S. 88.
  21. Unsere Gemeinde, S. 25 und 35; Fitzner, S. 92 ff. Allgemein: Cordes, Gemeindepartnerschaften, S. 38 ff.
  22. Fitzner, S. 28 f.
  23. Fitzner, S. 90 f.
  24. Zur Regionalisierung: Fitzner, S. 95 f.
  25. KABl. 1966, S. 111.
  26. Wohltmann, Kirche, S. 112 (1853); Wohltmann, Schwanewede, S. 114 (1859).
  27. KABl. 1961, S. 10
  28. Hodenberg, Stader Copiar, S. 22.
  29. Vgl. insgesamt zur Besitz- und Eigentumsgeschichte des Gutes Zientz, S. 123 ff.; Wohltmann, Schwanewede, S. 95 ff.
  30. Wohltmann, Schwanewede, S. 99 f.
  31. Fitzner, S. 7 und 21.
  32. Nach Fitzner, S. 13 f.
  33. Fitzner, S. 15.
  34. Mithoff, Kunstdenkmale V, S. 94; vgl. auch Rauchheld, Glockenkunde Oldenburg, S. 26.
  35. Fitzner, S. 17.
  36. Reinhold, Kirchenglocken, S. 176: Die Glocken „sollen sich durch ‚vorzüglichen Guss und vollen, reinen Ton‘ ausgezeichnet haben. Bei Zeintz, S. 249, heißt es hingegen: 1898 meldete der Fußgendarm Pridah „Der Ton ist grauenhaft, derselbe hört sich an, als schlägt man mit einem Gegenstand an einen zerbrochenen Topf.“
  37. Reinhold, Kirchenglocken, S. 491; Abb. der alten Glocke bei Heddenhausen, S. 46.
  38. Fitzner, S. 56: „Inzwischen [2016] ist die vom Hobby-Orgelbauer Wolf aus Verden gelieferte Orgel unbespielbar.“
  39. Zum Friedhofswesen vgl. Fitzner, S. 107 ff.