KapG der KG Meyenburg (seit 1967) Sprengel Stade, KK Osterholz-Scharmbeck | Patrozinium: Nikolaus | KO: Keine Kirchenordnung

Orts- und Kirchengeschichte
Kirche, Ansicht von Südwesten

Kirche, Ansicht von Südwesten

Bruch ist das Kirchdorf für das weiter westlich gelegene, größere Aschwarden und heute ein Ortsteil desselben. Es wird 1248 erstmals urkundlich erwähnt. Vermutlich stammt aus dieser Zeit auch die Kirche, deren Priester Sifridus sacerdos de broke und Rudolphus clericus quondam plebanus in broke 1269 in einer Urkunde des Bremer Domkapitels für das Kloster Lilienthal als Zeugen auftreten. Das Domkapitel war vielleicht auch Gründer der Kirche. 1420 hatte der Obödientiar von Bramstedt die Jurisdiktion über die ecclesia in Broke.1 Noch im 17. Jh. führten das Bremer Domkapitel bzw. der Obödientiar von Bramstedt die Aufsicht über die Kirche und revidierten die Kirchenrechnungen.2
Die Einführung der Reformation lässt sich durch die in diesem Jahr gegossene Glocke mit reformatorischem Bekenntnissatz annäherungsweise auf die Zeit vor 1549 festsetzen. Der auf der Glocke genannte P. (kerkher) Johann Tilink ist der einzige namentlich bekannte Geistliche des 16. Jh. Die im Kern noch romanische Nikolaikirche wurde Ende des 18. Jh. erneuert. Das Pfarrhaus wurde nach einem Brand 1933 neu errichtet. Mit dem 1. Januar 1967 wurde die KG Bruch in eine KapG umgewandelt und in die St.-Luciae-KG in Meyenburg eingegliedert.3

Umfang

Die Dörfer Aschwarden, Bruch, Hassel und Hinnebeck. Zum Ksp. gehörten früher auch Burg und Vorburg von Meyenburg, wo 1412 die von Wersabe eine eigene Kapelle/Kirche stifteten. Mit den 1. April 1949 wurden der Hammelwerder Sand aus der oldenburgischen KG Kirchhammelwarden in die hannoversche KG Bruch umgepfarrt4, am 1. Januar 1961 die luth. Einwohner der politischen Gemeinde Hinnebeck aus der KG Bruch in die KG Schwanewede.5

Aufsichtsbezirk

Oboedientia Bramstedt. – Bruch kam vor 17166 zur Osterstadischen und Vieländischen Präpositur und im Zuge der Neuordnung der Aufsichtsbezirke in den Hzm. Bremen und Verden ab 1. Januar 1827 zur Insp. Hagen (mit Sitz in Sandstedt), ab 1875 Insp. (1924: KK) Sandstedt. Bei der Aufhebung des KK Sandstedt am 1. September 1936 zum KK Lesum7 (1948 umbenannt in KK Osterholz-Scharmbeck).

Kirchenbau
Kirche, Blick zum Altar, Foto: Ernst Witt, Hannover, April 1960

Kirche, Blick zum Altar, Foto: Ernst Witt, Hannover, April 1960

Romanische Backsteinsaalkirche des 13. Jh. mit langgestrecktem, gerade geschlossenem Chor, der durch einen halbkreisförmigen Triumphbogen mit dem Schiff verbunden ist. Die Kirche wurde 1792 erneuert (damals erfolgte wohl auch Einbau der heutigen Rundbogenfenster) und bei einer grundlegenden Instandsetzung nach dem Zweiten Weltkrieg durch den Kirchenmaler Oetken (Delmenhorst) neu ausgemalt. Den Innenraum schließt eine flache Holzbalkendecke. Orgelempore im Westen. Reste mittelalterlicher Wandmalereien.

Fenster

Glasfenster („Christus als Herr des Jüngsten Gerichts“) von Heinz Lilienthal (Bremen).

Turm

Dem Schiff vorgesetzter offener Glockenturm aus drei Parallelmauern unter Satteldach. Dach und Gebälk 1951 erneuert.

Kirche, Blick zur Orgel, Ernst Witt, Hannover, vor 1971

Kirche, Blick zur Orgel, Ernst Witt, Hannover, vor 1971

Ausstattung

Der heutige schlichte Altartisch ersetzte einen älteren Empirealtar von 1792. Vor 1792 befand sich in der Kirche ein niederdeutscher Schriftaltar (Flügelaltar)8, möglicherweise eine Umarbeitung eines mittelalterlichen Altarschreins. – Barockkanzel (zweite Hälfte 17. Jh.) mit Darstellung der vier Evangelisten in Grisaillemalerei. – Kelchförmige Renaissance-Sandsteintaufe auf achteckiger Standplatte (gestiftet von Wilken van Kampe, dat. 1601).9 – Mehrere Kindertotenschilde (18. Jh.). – Barockes Kastengestühl von 1654/1713.

Orgel

1791 war laut corpus bonorum keine Orgel vorhanden.10 1883 Neubau durch Firma Röver & Söhne (Stade), 12 II/P, mechanische Spieltraktur, pneumatische Registertraktur, Kastenlade. Weiterer Neubau nach dem Zweiten Weltkrieg durch Harry Hillebrand (Altwarmbüchen), 4 (5) I/aP, mechanische Traktur, Schleiflade.

Geläut

Zwei LG, I: es’ (Bronze, Gj. 1549, Bernd Lechtenow; im Zweiten Weltkrieg abgeliefert und 1947 zurückgegeben); II: d’/e’ (Bronze, Gj. 1686, durch Heinrich Brinkemann und Gottfried Richter, Bremen, aus einer gesprungenen älteren Glocke umgegossen).

Friedhof

Auf dem Kirchhof. Eigentum der KG. Mehrere historische Grabdenkmäler. – Die Außendörfer verfügen größtenteils über eigene Begräbnisplätze.

Landeskirchliches Archiv Hannover

A 2 Nr. 286-297 (Kons. Stade, Pfarroffizialsachen); A 6 Nr. 1223-1228 (Pfarrbestallungsakten); A 8 (CB); A 9 Nr. 2611 (Visitationen).

Literatur

A: Dehio, Bremen/Niedersachsen, S. 298; Diederichs-Gottschalk, Schriftaltäre, S. 282 f.; Stein, Dorfkirchen, S. 418.


Fußnoten

  1. Hodenberg, Stader Copiar, S. 44.
  2. LkAH, A 8/Bruch (Corpus bonorum 1791).
  3. KABl. 1967, S. 20.
  4. KABl. 1949, S. 21.
  5. KABl. 1961, S. 10.
  6. LkAH, D 85, Gen. 144.
  7. KABl. 1936, S. 94.
  8. LkAH, A 8/Bruch (Corpus bonorum 1791).
  9. Mathies, Taufbecken, S. 117.
  10. LkAH, A 8/Bruch.